Roman Polanski


Roman Polanski

Roman Polański (* 18. August 1933 in Paris, Frankreich als Rajmund Roman Liebling) ist ein polnischer[1] Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler, der 1975 die französische Staatsbürgerschaft annahm.[2]

Roman Polański, 2004

Inhaltsverzeichnis

Leben

Roman Polański 
dahinter Adrien Brody, Cannes 2002

Roman Polański[3] ist der Sohn des Malers und Plastikherstellers [4] Ryszard Liebling und dessen Frau Bula Katz-Przedborska. Der Vater war polnischer Jude, die Mutter stammte ursprünglich aus Russland und hatte einen jüdischen Vater sowie eine katholische Mutter. Die Familie lebte in Frankreich, kehrte 1937 aufgrund eines wachsenden Antisemitismus in Frankreich nach Polen zurück. Sie zogen nach Krakau, da der Vater die Stadt als sichersten Ort für Juden in Europa ansah. Dort erlebten sie den deutschen Überfall und die sowjetische Besetzung Ostpolens 1939.

Erklärtes Ziel der deutschen Besatzer war es, das neu entstandene Generalgouvernementjudenfrei“ zu machen und die Polen zu vertreiben, damit sich Deutsche dort ansiedeln konnten. Die Familie Polański war daher der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt und wurde ins Krakauer Ghetto deportiert. Roman Polańskis Mutter, im 6. Monat schwanger[5], kam anschließend in das Vernichtungslager Auschwitz und wurde dort ermordet, sein Vater überlebte das Konzentrationslager im oberösterreichischen Mauthausen nur knapp. Polański selbst überlebte die Verfolgung bei einem polnischen Bauern, wo er in einem Kuhstall versteckt schlafen musste. Die Familie hatte ihre Ersparnisse polnischen Bekannten gegeben, die den damals 9 Jahre jungen Polański bei diesem Bauern unterbringen sollten. Er tarnte sich als katholischer Pole names Roman Wilk. Von seiner Schwester erfuhr er nach dem Krieg vom Tod der Mutter.

1946 lernte Roman Polański eine Hörspielregisseurin in Krakau kennen und erhielt eine Rolle in einem Hörspiel. Als Kinderdarsteller machte er sich in Krakau einen Namen. Im Alter von 16 Jahren wurde er von einem Mann in einen Keller gelockt und dort von diesem vergewaltigt und fast getötet [6]. Später wurden Studenten der Filmhochschule Łódź auf ihn aufmerksam und er erhielt 1953 eine kleine Rolle in einem Film, zu dem Andrzej Wajda das Drehbuch geschrieben hatte. Wajda engagierte ihn auch für seinen Debütfilm Eine Generation, der internationale Beachtung fand. Polański studierte an der Filmhochschule Łódź, wo er 1959 seinen Abschluss machte. Zwischen 1955 und 1960 spielte er als Schauspieler in einigen Filmen mit und legte erste Kurzfilmarbeiten als Regisseur vor.

1959 heiratete er die junge Schauspielerin Barbara Kwiatkowska, die in Polen damals zu den Jungstars des polnischen Kinos zählte und 1958 eine kleine Rolle in Polańskis Kurzfilm Zwei Männer und ein Schrank gespielt hatte. Die Ehe wurde 1962 wieder geschieden. Nach seinem Durchbruch als Regisseur mit Das Messer im Wasser emigrierte Polański 1963 aus Polen. Nach einem Aufenthalt in England folgte 1968 die Übersiedlung in die USA, wo er seinen höchst erfolgreichen und stilbildenden Film Rosemaries Baby drehte.

Kurz nach der Premiere von Rosemaries Baby 1969 wurde seine zweite und damals hochschwangere Frau Sharon Tate, die die Rolle der Sarah in Polańskis Tanz der Vampire von 1967 gespielt hatte, durch Anhänger des Sektenführers Charles Manson ermordet. In einem Zustand von Trauer und Wut gab er ein Interview, das als Aufzeichnung erhalten ist und ein vielsagendes Dokument darstellt. Der Vorfall stürzte Roman Polański in Schuldgefühle.

1970 schildert Polańskis langjähriger Autor Gérard Brach mit dem poetischen Film Das Schiff auf der Wiese die Freundschaft zu Polański.

Seit 1973 filmte er wieder in Europa und in Hollywood. 1975 erlangte Polański die französische Staatsbürgerschaft. Nachdem er in den USA ein 13 Jahre junges Mädchen (Samantha Gailey) unter Drogeneinfluss sexuell missbraucht haben soll, folgte im Jahre 1978 die Flucht nach Frankreich. Seitdem lebt Roman Polański in Frankreich und Polen.

Im Jahre 2002 verfilmte Polański die Autobiographie des polnischen Pianisten und Komponisten Władysław Szpilman. Für Der Pianist bekam er die Goldene Palme in Cannes und 2003 den Oscar für die beste Regie, den er aufgrund des Haftbefehls in den USA nicht entgegennehmen konnte.

Polański legt sehr großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit Filmmusik-Komponisten. In den 1950er und 1960er Jahren entstand daraus eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Komponisten Krzysztof Komeda und seit den 1990er Jahren mit Wojciech Kilar.

Polański ist der Cousin der polnischen Schriftstellerin Roma Ligocka. Er ist seit 1989 mit der Schauspielerin Emmanuelle Seigner verheiratet und hat zwei Kinder, Morgane und Elvis. Polański setzte seine Frau mehrfach selbst in Szene.

Skandal und Flucht

Polański war 43 Jahre alt, als er 1977 in einen Skandal um die 13 Jahre alte Samantha Gailey (später Geimer [7]) verwickelt war. Nach Darstellung von Samantha Gailey lockte Polański sie unter dem Vorwand, sie für ein Modemagazin fotografieren zu wollen, in Jack Nicholsons Haus. Er flößte ihr nach ihrer Aussage u. a. Champagner ein, danach machte er Oben-ohne-Fotos von ihr, bis er zu ihr in den Whirlpool stieg und sie oral, vaginal und anal vergewaltigte[8], wobei das Opfer nach eigenem Bekunden mehrmals verbal darauf aufmerksam machte, diese Handlungen nicht zu wollen.[9]

Polański wurde der Vergewaltigung einer Minderjährigen unter Benutzung von Drogen, Perversion und Unzucht (mit Minderjährigen) und des Verteilens von kontrollierten Substanzen an eine Unter-14-Jährige beschuldigt, die Vorwürfe wurden jedoch wegen seiner Bitte um Einigung fallen gelassen. Er bekannte sich der geringeren Vorwürfe schuldig, sich für ungesetzlichen Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen zu interessieren. Nach 45 Tagen in psychiatrischer Behandlung floh Polański aus den Vereinigten Staaten nach London, als sich herausstellte, dass der Richter seiner Bitte um Vermeidung einer Haftstrafe nicht nachkommen würde. Seitdem befindet er sich quasi auf der Flucht. Schließlich siedelte er nach Paris über, um einer Auslieferung an die USA durch Großbritannien zu entgehen. Da er die französische Staatsbürgerschaft hat, kann er nicht an die USA ausgeliefert werden. Er lebt seitdem in Frankreich und Polen.

In einem Gespräch mit Vanity Fair vom 14. August 2008 verzieh ihm Samantha Geimer und forderte Gnade für Polański: „[...] Der Vorfall verfolgt ihn genauso wie mich. In Amerika gilt er als Krimineller. Ich finde, er hat für seine Tat genug gebüßt. Wir haben nie wieder miteinander gesprochen, aber er hat mich wissen lassen, dass es ihm leid tut. Ich hege keinen Groll mehr. Menschen machen nun mal Fehler. Ich wünsche ihm viel Glück für alles, was er anpackt.“[10] Weiterhin äußerte Geimer: „Ich begriff, obwohl ich so jung war, dass Polanski keinen fairen Prozess bekommen würde. Der Richter hatte von Anfang an gesagt, er wolle ihn für 100 Jahre in den Knast stecken.“[9] In ihrer Dokumentation „Roman Polanski: Wanted and Desired“ (2008) [11] zeigt auch die Regisseurin Marina Zenovich die Voreingenommenheit von Richter und Staatsanwalt gegenüber Polanski auf.[12] Polanskis Anwälte strengten daher 2008 ein Revisionsverfahren gegen das Urteil an, doch das Berufungsgericht verlegte die Zuständigkeit nicht an ein Gericht außerhalb von Los Angeles, wie es von den Anwälten wegen Befangenheit gefordert wurde. Polanski müsse außerdem zum Prozess persönlich erscheinen und dürfe keine Video-Übertragung benutzen, obwohl mit seiner sofortigen Verhaftung zu rechnen ist.[12] [13] Während ihm von Samantha Geimer und in Hollywood längst verziehen wurde, wird er in der US-Öffentlichkeit nach wie vor negativ beurteilt.[14]

Werke

Filme (als Regisseur)

Filme (als Schauspieler)

Kurzfilme

  • 1955 – Fahrrad
  • 1958 – Zwei Männer und ein Schrank
  • 1959 – Die Lampe
  • 1959 – Wenn Engel fallen
  • 1961 – Der Dicke und der Dünne
  • 1962 – Säugetiere

Theater, Musical und Oper

Schriften

  • Polański, Roman: Roman Polanski: Autobiographie. Deutsch von Günter Panske, 1. Auflage, Scherz, Bern; München; Wien 1984, ISBN 3-50218-581-6

Auszeichnungen

Literatur

  • Paul Werner: Roman Polanski. Fischer Cinema, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-596-23671-1
  • Barbara Leaming: Polanski: A Biography. Simon & Schuster, New York, 1981, ISBN 067124986-X
  • Polanski Roman, Wolfgang Jacobsen, Peter W. Jansen, Christa Maerker: Roman Polanski. Hanser, München 1986, 222 S., ISBN 978-3446144095
  • Alexandre Tylski: Roman Polanski ses premiers films polonais. Aleas, Lyon 2004, 159 S., ISBN 2-84301-109-4
  • Paul Cronin: Roman Polanski: Interviews. University Press of Mississippi, 2005, 211 S., ISBN 978-1578068005
  • Alexandre Tylski: Roman Polanski. Gremese, Rom 2006, 125 S., ISBN 8-87301-599-9
  • Alexandre Tylski: Roman Polanski l'art de l'adaptation. L'Harmattan, Paris 2006, 278 S., ISBN 2-29600-797-X
  • F.X. Feeney und Paul Duncan (Hrsg.): Roman Polanski. Übersetzt von Heiko Fischer, Taschen Verlag, Köln 2006, 192 S., ISBN 978-3822825419

Dokumentation

  • Roman Polanski: Wanted and Desired. Fernseh-Dokumentation, USA, 2008, 99 Min., Buch: Joe Bini, Peter G. Morgan, Marina Zenovich, Regie: Marina Zenovich, Produktion: HBO, Roman Polanski: Wanted and Desired in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database

Quellen

  1. „Goldene Palme für Roman Polanski. «Der Pianist» geht als Sieger hervor“, NZZ, 26. Mai 2002
  2. Roman Polanski, Who's Who (deutsch)
  3. Die international übliche Schreibweise ist „Polanski“ (ohne Kreska), obwohl Polański selbst mit Kreska zeichnet: Fotoportrait mit Autograph.
  4. Roman Polanski Biography (1933-), filmreference.com
  5. Magda Rozmarynowska: „Roman Polański“, polki.pl, 2008
  6. Roman Polanski. Biographie, moviesection.de
  7. Claudia Becker: „Opfer Sam Gailey hat Polanski längst verziehen“, Die Welt, 13. Januar 2009
  8. Finn Canonica: Roman Polanski. Ganz der Alte, Emma 2/09.
  9. a b „Der Schatten einer Vergewaltigung“, Associated Press / stern, 13. August 2008
  10. Sarah Stricker: „Kein Groll mehr“, Vanity Fair, 14. August 2008
  11. Manohla Dargis: „Roman Polanski: Wanted and Desired (2008)“, New York Times, 31. März 2008, Doku-Film-Besprechung
  12. a b Christiane Heil: „32 Jahre nach dem Missbrauch. Polanskis Opfer steht auf seiner Seite“, FAZ, 3. Februar 2009
  13. Sebastian Moll: „Roman Polanski. Auf der Suche nach Versöhnung“, Frankfurter Rundschau, 18. Februar 2009
  14. Roman Polański Media Reports Archive von Andrew Vachss (englisch)

Weblinks


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