Ropp


Ropp
Wappen derer von Ropp

Ropp bzw. von der Ropp ist der Name eines uradligen, niedersächsisch-baltischen Adelsgeschlechts, das auf die abendländische, 1199 päpstlich anerkannte Kreuzzugsbewegung in das heutige Baltikum zurückgeht. Es ist ursprünglich ein sehr altes stiftsfähiges, reichsritterschaftliches, bei dem deutschen und Johanniter-Orden als freiherrlich häufig aufgeschworenes und in Preußen 1786 in dieser Eigenschaft anerkanntes Geschlecht. Die Familie ist eines Stammes und Wappens mit den von Buxhoeveden und wie diese eines der wenigen heute noch lebenden Kreuzfahrergeschlechter.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ursprünge

Stammvater der noch heute lebenden Familienmitglieder ist, von ursprünglich niedersächsischem Uradel, Theodoricus de Raupena (de Ropa). Der Name von der Ropp (auch Raupena, Roop, Rope) rührt von dessen an dem Flüsschen Roop (lettisch Straupe) gelegenen ersten Lehnssitz in Livland her. Spätere Güter von Angehörigen der Familie finden sich vor allem in Kurland und, eine Seltenheit unter den Deutschbalten, im Gebiet der heutigen Republik Litauen. 1203 erstmals urkundlich erwähnt, tritt Theodoricus de Raupena 1221 unter diesem Namen in Riga auf. Er war der älteste Bruder von Bischof Albrecht (de Beckeshovede, von Buxhoeveden), dem Gründer der Stadt Riga (1201) und Erbauer des Domes zu Riga (1211). Sein Vetter Johannes ist der Stammvater der heute lebenden Barone von Buxhoeveden. Theodoricus de Raupena vermählte sich Anfang des 13. Jahrhunderts mit der Tochter Sophia des russischen Fürsten Wladimir von Pleskau.

Die Wurzeln des niederrheinschen Astes verlieren sich im grauen Mittelalter, werden jedoch von den Grafen von Kirburg, und zwar von Gottfried Raup oder Rop, jüngerem Bruder Conrads III., Grafen von Kirburg, hergeleitet.

Urkundliche Erwähnungen

Dieses Geschlecht wird in Urkunden: Rop, Rope, Ropp, Rope, Rohp, Roeph und Ropp, auch Raup genannt. Von den frühesten bekannten Ahnherren des niederrheinischen und Grafschaft-märkischen Astes dieses Hauses finden wir in den niederrheinischen Urkunden erwähnt: 1322 überlässt Ludwig, Bischof von Münster, der Aebtissin zu Essen, Hildeburgis, filia Goswini dicti Roep, nostri et ecclesiae nostrae ministerialis, für deren Bruder Albert ein Stück Land. 1326 war Goswin Roep Gograf zu Unna. 1328 war Goswin Rhoep Amtmann des Grafen v. der Mark zu Porzlere und Werne. 1340 war Gosen Roep Drost zu Lünen in der Grafschaft Mark, er hinterließ einen Sohn Wennemar. 1346 lebte Albert Roeph. 1378 war Goswin Roepe der Kirche zu Lünen mit vier Markpenningen jährlich verpflichtet. 1379 war Goswin Roop ebenfalls Drost zu Lünen. 1410 versetzte Graf Adolf von der Mark Schloss und Amt to Porzlere an Goswin Roep. Das ist die letzte Nachricht über dieses Geschlecht in seiner ursprünglichen Heimat, indem Hermann Ropen, der unter den militares defuncti der Kalandbrüderschaft zu Herdicke aufgeführt wird, schon Ende des 14. oder Anfang des 15. Jahrhunderts verstorben zu sein scheint.
Dagegen hatten sich frühzeitig Glieder dieses Hauses nach der niederdeutschen Colonie in Livland gewendet und hier den Ruhm des deutschen Namens, die Macht des deutschen Reichs, die Segnungen deutscher Gesittung weiter ausgebreitet. Der Erste des Namens in den baltischen Ländern ist:
Theodor v. Raup (1221), der eine Verordnung des Bischofs Albert von Riga über eine unter Rodenpois zu erbauende Brücke als Zeuge unterschrieb. 1292 erscheint Johannes de Rope, Ritter des deutschen Ordens, als Zeuge bei der Übergabe des Schlosses in Doleth an den Bischof Bernhard von Dorpat. 1296 unterschrieb Werner von der Rope, Vogt des Erzstifts Riga, als Zeuge einen Vertrag zwischen dem Orden und der Stadt Riga. 1417 lebten die beiden Brüder Dyderik und Friederich von der Rope; Letzterer war Dompropst zu Dorpat. 1445 und 46 war Friedrich von der Ropp Oberster der dörptischen Adels-Fahne und führte eine Fehde gegen den Bischof Bartholomäus Savijerwe von Dorpat. 1449 war Detmar Roper Domherr zu Riga und Procurator des Erzstifts in Rom; als Gegner des Erzbischofs Sylvester spielte er in den inneren Fehden Livlands eine hervorragende Rolle. 1452 verkaufte Dyderik von der Rope an Wilhelm von Ungarn das Dorf Ollotte in Kirchspiel Theal. 1457 unterschrieb Hermann von der Rope als Bevollmächtigter der Ritter und Knechte des Stifts Dörpt das Bündnis des Erzbischofs Sylvester mit den livländischen Städten. 1493 war Dietrich von der Rope Sendbote des Stifts Dörpt an den Grossfürsten von Russland und schloss den Frieden mit den Moskowitern. 1499 war Johann von der Ropp Propst zu Dorpat, und meldete dem Ordensmeister über den Briefwechsel zwischen dem römischen Könige und dem Grossfürsten zu Moskau. 1561 unterschrieb Christopher von der Roep die Vollmacht des livländischen Adels zum Unterwerfungs-Vertrage unter die Krone Polen. 1565 wurde Otmar von der Rope nebst vielen anderen Edelleuten in Pernau von Schweden gefangen genommen und in Reval enthauptet. 1599 errichtete Christopher von der Rop ein Testatment und verteilte die Güter auf der Salwe und Sussey einerseits und auf der Memel andererseits unter seine Kinder erster Ehe mit Elibeth geb. v. Foelkersahm, und zweiter Ehe mit Sophie geb. von der Wenge, genannt Lambsdorff. 1613 unterschrieb Ottomar von der Rop den Wahlact, durch den Otto Grotthuss von Ruhendal zum Ritterhauptmann des kurländischen Adels gekürt wurde. 1620 gab Christopher von der Ropp, Erbherr auf Salwen und Sussey, sein Geschlecht bei der kurländischen Ritterbank an, producirte seine 16 Ahnen und wurde in die erste Classe der notorischen freiherrlichen Geschlechter aufgenommen (s. unten).

Stammreihe

Die ununterbrochene Stammreihe der Familie Ropp beginnt mit Friedrich, Obersten der dörpotischen Adelsfahne; er lebte 1445 und war mit Maya geb. v. Plettenberg vermählt; deren Sohn Hans auf Ayakar hatte Else geb. von Loë zur Gemahlin; sein Sohn Wessel von der Ropp war mit Fräulein von der Borch vermählt; dessen Sohn Christopher hatte Gertrud, Tochter des Ritters Heinrich von Hochberg zur Gemahlin. Aus dieser Ehe entspross Wessel v.d.R., der 1506 mit Salwen, Sussey und Memmelhoff belehnt wurde und mit Clara v. Blomberg a.d.H. Seeksahten und Puhnen vermählt war. Der Sprössling dieser Ehe: Christopher war vermählt I) mit Elisabeth, Tochter des Johann von Foelkersahm, Erbherrn auf Kalkuhnen und der Margaretha geb. v. Blome a.d.H. Smilten in Livland, und II) mit Sophia, geb. von der Wenge genannt Lambsdorff. Er teilte 1599 seine Besitzungen. Sein ältester Sohn Christopher erhielt die Salwen- und Sussey'schen Güter und der zweite Sohn Ottomar den Memelhoff.

I. Linie zu Zeydickau

Christopher setzte den stamm mit Agnesa, Tochter des Georg von Hahn, Erbherrn auf Memelhoff und der Anna Sophia geb. von Grotthuss, wie nachstehend, fort. Sein Sohn Johann, Erbherr auf Eckhoff, war mit Dorothea Elisabeth geb. von Hohenastberg vermählt und hatte zwei Söhne: Wilhelm und Christoph Friedrich. Der erstere war mit Katharina Agathe geb. von Weiss vermählt, seine Descendenz erlosch aber mit seinem Urenkel zu Ende des 18. Jahrhunderts. Der andere: Christoph Friedrich, kursächsicher Oberst, Erbherr auf Kombol und Antonosz in Samogitien (welche Besitzungen er 1675 an Gotthard Plater und dessen Gemahlin Hedwig Elisabeth gev. v. Tiesenhausen verkaufte), und auf Klein-Salwen und Klein-Sussey in Kurland, war vermählt I) mit Katharina geb. von der Brüggen a.d.H. Stenden , und II) mit Ursula, Tochter des Christopher von Rappe, Erbherrn auf Satticken. Mit dessen Urenkeln, den Söhnen Christopher Adams, Starosten zu Zeydikau (geb. 1718 † 1787): Johann Friedrich Adam (geb. 1777), Starosten auf Zeydikau, Erbherrn auf Berghof und Appussen in Kurland (1806-1819), Paplacken, Weiss- und Gernauert-Pomusz, Lukiany, Schwittenhof, Pomowzow und Szwokotau in Samogitien und Diedrich Wilhelm, Herrn auf Bixten, Feldhof, Antzenbach, Grenzhof, Planen, Dsirren und Seraten in Kurland und Borklony, Pokroy, Poniewusz und Szadow in Samogitien, teilte sich die Linie zu Zeydikau in den älteren und jüngeren Ast, die beide noch in zahlreichen Mitgliedern blühen.

II. Linie zu Grünwald

Stifter war obengenannter Ottomar, Christophs Bruder, vermählt mit Catharina v. Gahlen geb. Halswig. Sein Sohn: Christopher (uxor: Elisabeth Freiin v. Hahn) hinterließ zwei Söhne, von denen Christopher, 1670 auf Salwen, Gahlenhof und Serpany, der Stifter des noch bis ins 20. Jahrhundert auf Roth-Pomusz in Samogitien und auch mit Lawennenhof, Kimehnen, Bassen und Friedrichshof begüterteten blühenden Zweiges ist, wogegen Ottomar (geb. 1630 † 1691) den auf Jodoliszek, Grünwald, Smolwen, Kyrup, Warkau, Opekiszek, Federuszek angesessenen Zweig gründete. Beide Zweige waren ebenfalls sehr zahlreich an Familienmitgliedern und lebten teilweise im Inneren Russlands.

Adelserhebungen

Die Berechtigung zur Führung des Freiherrentitels erfolgte aufgrund Immatrikulation bei der Kurländischen Ritterschaft laut Ritterbanksabschied vom 17. Oktober 1620, in Person des Herrn Christopher Roep sub Klasse I Nr. 36. Preussische Anerkennung folgte 1786. Nach kaiserlich-russischer Zuerkennung durch Senatsukase vom 21. September 1853 und 3. April 1862 (für das Gesamtgeschlecht) wurde das Geschlecht zur Führung des Barontitels ermächtigt.

Konfessionszugehörigkeit

Die Familie ist teils evangelischen, teils katholischen und teils, in ihrer russischen Linie, orthodoxen Glaubens.

20. Jahrhundert

Abwanderung in den Gründerjahren, revolutionsbedingte Flucht (1905/06 und 1917) sowie die Umsiedelung 1939/40 ließen die Familie das Baltikum verlassen. Sie lebt heute größtenteils in Deutschland, im übrigen auf der ganzen Welt verstreut. In die USA emigrierte Familienangehörige tragen dort teilweise den französisierten Namen de Ropp.

Organisation

Die Mitglieder der Familie sind in dem 1887, unter einem etwas anderen Namen, erstmals und 1953 wiederbegründeten "Familienverband der Barone und Freiherren von der Ropp e.V." organisiert. Er hat derzeit ca. 100 Mitglieder, d.s. Namensträger und ausgeheiratete Cousinen. Sie alle treffen sich im Abstand von zwei Jahren auf Schloss Höhnscheid, das seit über 30 Jahren den drei baltischen Ritterschaften als zentrale Tagungsstätte dient.

Wappen

Wappen im Nordportal des Rigaer Doms

Blasonierung

Ein fünfmal gezinnter schwarzer Sparren auf silbernem Grund bildet den Schild, auf dem ein Kübelhelm mit schwarz-silbernen Decken ruht. Besteckt ist er mit einem natürlichen Pfauenstoß von fünf Federn; alias (nach einer Ahnentafel) ein offener silbern-schwarzer Flug.
Ein Wappen von 1834 (s. unten) zeigt einen goldenen Schild, darin ein erniedrigter, an der Spitze mit einem Busch von fünf blauen Staußfeder besetzter roter Spaaren. Darauf ein gekrönter Helm mit drei blauen Straußfedern und blaugoldenen Decken. Da die Siegel von 1533 und 1542 (s. unten) keine Straußfedern auf dem Sparren zeigen, wird angenommen, dass diese wahrscheinlich aus einem schlecht gestochenen Siegel, das in fünf Straußfedern umgewandelt wurde, stammen.
Das Wappenbild und Helmkleid hat überhaupt im Laufe der Jahrhunderte sehr gewechselt, wie die Abbildungen zeigen.

Trivia

Das Wappen befindet sich, in der Form eines steinernen Reliefs, in der östlichen Seitenwand des Nordportals, dem historischen Eingang des Doms zu Riga. Anlässlich der 800-Jahrfeier Rigas wurde es 2001 mit Mitteln des Familienverbandes der Barone und Freiherren von der Ropp e.V. restauriert. Ebenso findet sich das Familienwappen in der St.-Josephs-Kathedrale zu Libau.

Besitzungen

Bis ins 20. Jahrhundert besaßen die Freiherren von der Ropp in Kurland:

  • Meihof
  • Bixten
  • Dehsseln
  • Backhussen
  • Neu-Autz

Bedeutende Namensträger

  • Eduard Baron von der Ropp (1851–1939), Comes Romanus, Erzbischof von Mogiljow, Metropolit von Russland
  • Nikolaus (Nikolay Wasil'yevich) Baron von der Ropp (1848-1916), Kaiserlich russischer General der Kavallerie, Gouvernements-Adelsmarschall von Woronesch
  • Goswin Baron von der Ropp (1850–1919), deutscher Historiker und Schriftsteller
  • Friedrich Baron von der Ropp (1879-1964), Dipl.-Ing., Hüttendirektor, Schriftsteller, Evangelist, Mitbegründer und Leiter der "Baltischen Brüderschaft", einer Vorläuferorganisation des heutigen Brüderlichen Kreises, einer christlichen Laienbruderschaft evangelischer Prägung
  • Joachim Baron von der Ropp (1891-1980), Vermögensverwalter, Kaiserlich russischer Stabrittmeister, Vorsitzender des Familienverbandes 1930-1978, danach Ehrenvorsitzender
  • Christoph Baron von der Ropp (1904-1990), Dipl.-Volkswirt, Verleger, Vorsitzender des Familienverbandes 1979-1987, danach Ehrenvorsitzender
  • Friedrich Baron von der Ropp (1906-1987), Bibliothekar, Verlagsbuchhändler, Genealoge und Archivar des Familienverbandes 1930-1987
  • Dietrich Baron von der Ropp (1909–1939), Kapitänleutnant und Kommandant der U 12
  • Robert Baron von der Ropp (de Ropp, 1913-1987), Ph.D., Biochemiker, Schriftsteller
  • Götz Baron von der Ropp (1914-1944), Major und Bataillonskommandeur
  • Götz-Friedrich Baron von der Ropp (* 1944), Präsident a.D. der Wehrbereichsverwaltung Süd

Literatur

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser Band XVII, Seite 342, Band 107 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1994, ISSN 0435-2408, ISBN 3-7980-0807-8
  • J. Siebmachers großes Wappenbuch, Band 25, Der Adel der russischen Ostseeprovinzen (Estland, Kurland, Livland, Oesel), Bauer & Raspe, Neustadt a.d. Aisch, 1980, ISSN 3879470251, ISBN 978-3879470259, Seiten 183-185 und Tafel 50 (Wappen)
  • Max von Spießen, Wappenbuch des Westfälischen Adels, Görlitz 1901-1903/Band 2/Tafel 25 (Wappen)
  • Oskar Stavenhagen: Genealogisches Handbuch der kurländischen Ritterschaft. Görlitz 1937. s. 907-950
  • Carl Arvid von Klingspor: Baltisches Wappenbuch. Wappen sämmtlicher, den Ritterschaften von Livland, Estland, Kurland und Oesel zugehöriger Adelsgeschlechter. Stockholm 1882, info wappen

Siehe auch

Weblinks


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