Rotation (Rundfunk)


Rotation (Rundfunk)

Rotation ist eine Maßangabe für die Häufigkeit der Einsätze eines Musiktitels in Hörfunk und Musikfernsehen. Das einzelne Spielen eines Songs wird auch als Spin bezeichnet. Im Englischen spricht man von „light rotation“, wenn ein Song 5 bis 15 Mal pro Woche auf einem Sender ausgestrahlt wird, von „medium rotation“ bei 10 bis 20 Einsätzen und darüber von „heavy rotation“.

Der Ausdruck „Heavy Rotation“ hat mittlerweile auch Eingang in die deutsche Sprache gefunden. Man bezeichnet mit ihm allgemein das sehr häufige Spielen eines Songs oder Videoclips.

Geschichte

Seit der Entwicklung des Hörfunks in den 1920er-Jahren versuchte die Musikindustrie zum Beispiel durch das sogenannte Payola (pay for play) gezielt Einfluss auf die Häufigkeit der Aufführung bestimmter Musikstücke zu nehmen.

Seit etwa 1990 haben sowohl die privaten Radiosender als auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihre Unterhaltungsmusikformate (U-Musik oder Popmusik) grundlegend neu strukturiert. Mit dem Ziel einer stärkeren Bindung der erwünschten Zielgruppe – Jugendliche und junge Erwachsene – wurde die musikalische Bandbreite (Genre, Zeitraum) reduziert, der Titelstock (regelmäßig gespielte Stücke) verkleinert und die Rotation (Wiederholrate) der bekanntesten Titel erhöht. Damit setzten sie die seit den 1960er-Jahren sichtbare Entwicklung fort, die Rundfunkprogramme immer gleichförmiger aufzubauen, zum Beispiel U- und E-Musik sowie Informationssendungen in jeweils verschiedene Sender auszulagern. Während die Hörer früher (wie heute noch Fernsehzuschauer) gezielt einzelne Sendungen auswählten und bewusst konsumierten, sind die Popmusikformate heutzutage auf kontinuierliche, bruchlose Begleitung bei allen möglichen Aktivitäten des täglichen Lebens ausgerichtet.

Stücke mit hohem Wiedererkennungswert, die Charts, werden bevorzugt und in schneller Wiederholung gespielt, um eine gleichmäßige „Durchhörbarkeit“ zu gewährleisten. Gezielt produzierte Hits, zumeist mit geringem Wortanteil, lassen sich dabei schneller und einfacher konsumieren; "Minderheitengenres" wie zum Beispiel Heavy Metal oder Jazz werden demgegenüber benachteiligt. Der Anteil von „aktuellen Hits“ (nicht älter als drei Monate), Recurrents (älter) und Oldies (ca. 5 Jahre oder älter) liegt in engen Grenzen fest; darüber hinaus sind auch Tempo, Stil und Stimmung, Sprache etc. (Kreativdaten) des gesamten Titelstocks kategorisiert und werden für die Programmplanung der Musikredakteure herangezogen. Es ist beispielsweise üblich geworden, nach Wortsegmenten (Nachrichten, Ansage, Werbung) gezielt sogenannte Opener zu spielen, das sind Stücke mit schnellem Einsatz ohne Vorspiel.

Heavy Rotation bedeutet in den USA, wo es zahllose winzige Regionalsender gibt, die Wiederholung der Top 40 alle zwei Stunden. In Europa sind etwas vielfältigere bzw. langsamere Rotationen üblich: die Hits werden in der Regel alle vier bis fünf Stunden wiederholt. Der gespielte Titelstock (Playlist) eines Popsenders umfasst ca. 500 bis 800 Titel.

In der Vergangenheit gelangten des Öfteren Skandale an die Öffentlichkeit, bei denen Redakteure und Programmverantwortliche sich für die Aufnahme bestimmter Titel in die Rotation bezahlen ließen. Der deutsche Musiksender VIVA, der radioähnliche Sendeformate besitzt, soll so im Jahr 2002 Sendeplätze für Musikvideos in Heavy Rotation für 18.000 Euro pro Video angeboten haben. In den USA sind solche Abkommen mit Gefängnisstrafe bedroht; in Deutschland verstoßen sie zumindest gegen das Wettbewerbsrecht.

Autorotation

Von „Autorotation“ spricht man, wenn die Auswahl der zu spielenden Musiktitel durch einen Rechner getroffen wird. Dies geschieht auf der Grundlage eines Algorithmus aus einer Liste von Titeln, die in Rotation gesendet werden. Autorotation wird vielfach aus Kostengründen anstelle einer Musikredaktion eingesetzt.

Siehe auch


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