Rowlatt Act


Rowlatt Act

Der Rowlatt Act wurde 1919 verabschiedet, in der Absicht, „Sicherheitsmaßnahmen“ der Kriegszeit auf unbestimmte Zeit zu verlängern, um öffentliche Unruhen zu kontrollieren und Verschwörungen aufzudecken. Es war nach dem Richter Sir Sidney Rowlatt benannt, der einer Kommission vorsaß, die den Gesetzesvorschlag erarbeitet hatte [1]. Dieses Gesetz erlaubte der Regierung, jede des Terrorismus verdächtige Person innerhalb des kolonialen Indischen Kaiserreichs ohne Gerichtsverfahren einzusperren.

Im Council of State hatte V. S. Srinivasa Sastri eine leidenschaftliche Rede gegen den Gesetzentwurf in Anwesenheit des Vizekönigs gehalten. Neben anderen indischen Politikern war auch Mohandas Gandhi ein entschiedener Gegner dieses Gesetzes und argumentierte, dass nicht jeder bestraft werden sollte als Antwort auf isolierte politisch motivierte Straftaten. Der Rowlatt Act wurde dennoch im März 1919 in Kraft gesetzt.

Da der Rowlatt Act aber ein Ermächtigungsgesetz war, konnte Gandhi seine erprobte Kampagne der gezielten Überschreitung gegen das Gesetz hier nicht anwenden. Das Gesetz führte zu Empörung in der Öffentlichkeit, aber auch bei den indischen Politikern, woraufhin die Zentralregierung repressive Maßnahmen einführte. Einige Leute, die die Verfügung gelesen hatten, sahen verfassungsmäßige Schritte dagegen fruchtlos waren, so dass zum 6. April ein Hartal organisiert wurde, bei dem die Arbeit ruht sowie indische Geschäftsleute ihre Läden schließen und zum Zeichen ihrer Empörung über dieses Gesetz fasten. Gandhi schlug vor, zwei seiner verbotenen Bücher, Hind Swaraj und Sarvodaya, zu drucken und als Zeichen Zivilen Ungehorsams öffentlich am Ende des Hartal und des 24stündigen Fastens zu verkaufen. Dabei wurde den Käufern klar erklärt, dass sie wahrscheinlich verhaftet und ins Gefängnis gesteckt würden, was sie allerdings nicht davon abhielt. Die Regierung unterlief Gandhis Strategie dadurch, dass sie erklärte, nicht die verbotenen Bücher, sondern ein Neudruck sei verkauft worden, weshalb der Verkauf nicht strafbar gewesen sei [2].

Der Hartal in Delhi war überschattet von wachsenden Spannungen, aus denen Unruhen im Punjab und anderen Provinzen resultierten. In Delhi, wo der Hartal bereits am 30. März begann, eröffnete die Polizei das Feuer auf Demonstranten, als diese friedlich in Richtung auf den Bahnhof zogen. Ähnlich entwickelten sich die Dinge in Lahore. Nachdem der Gouverneur des Punjab, Sir Michael O’Dwyer verfügt hatte, Gandhi dürfe das Punjab nicht betreten und sich das Gerücht in Windeseile verbreitete, Gandhi sei verhaftet, schlugen Demonstrationen in gewalttätige Ausschreitungen um. In Pydhuni wurde Gandhi Zeuge, wie berittene Polizei mit Lanzen einen Demonstrationszug gewaltsam auflöste. In Ahmedabad waren Spinnereiarbeiter über das Gerücht, Gandhi sei verhaftet, so sehr in Wut geraten, dass sie einen Unteroffizier getötet hatten. In Nadiad war der Versuch unternommen worden, Eisenbahnschienen aufzureißen [3].

Im Punjab war die Protestbewegung sehr mächtig. So wurden zwei der Führungsfiguren des Indischen Nationalkongresses, Satya Pal und Saifuddin Kitchlew verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht. Daraufhin erfolgte ein Protest in Amritsar, bei dem das Amritsar-Massaker von 1919 begangen wurde.

Gandhi sah daraufhin seine Landsleute noch nicht reif für eine solche Auseinandersetzung und suspendierte den Hartal. Er erklärte, er habe einen „Fehler von der Größe des Himalaya“ gemacht.

Quellen

  1. Dietermar Rothermund: Unter Gandhis sanfter Führung – Der indische Freiheitskampf, in: Die Zeit-Lexikon Welt- und Kulturgeschichte, Band 13, Erster Weltkrieg und Zwischenkriegszeit, ISBN 3-411-17603-2, S. 474
  2. Mahatma Gandhi: Mein Leben, Frankfurt/M., 1983, ISBN 3-518-37453-2 (engl. Erstausgabe 1930), S. 229ff
  3. Mahatma Gandhi: Mein Leben, Frankfurt/M., 1983, ISBN 3-518-37453-2 (engl. Erstausgabe 1930), S. 236f

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