Rudolf Prescher

Rudolf Prescher

Rudolf Prescher (* 19. März 1912 in Dresden; † 15. Juni 1997 in Braunschweig) war während des Zweiten Weltkrieges Mitglied der Braunschweiger Berufsfeuerwehr und hat durch seinen Einsatz beim Bombenangriff vom 15. Oktober 1944 maßgeblich dazu beigetragen, ca. 23.000 vom Feuer eingeschlossene Menschen vor dem Tod zu bewahren.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Frühe Jahre

Prescher wuchs in Dresden auf, wo er 1937 in die örtliche Berufsfeuerwehr eintrat. Schon bald nach Kriegsbeginn wurde er an andere Standorte versetzt, so u. a. nach Leipzig, Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Solingen und Remscheid, bevor er schließlich 1943 nach Braunschweig kam.

In Braunschweig

In Braunschweig war er Brandingenieur und Offizier der Feuerschutzpolizei und erlebte in dieser Funktion sämtliche Luftangriffe auf die Stadt mit. Bei den Lösch- und Aufräumarbeiten war Prescher an führender Stelle beteiligt, wobei er nicht selten unter Einsatz seines eigenen Lebens an den Rettungsmaßnahmen beteiligt war.

15. Oktober 1944

Die brennende Braunschweiger Innenstadt in der Nacht auf den 15. Oktober 1944

Siehe auch Hauptartikel: Bombenangriff auf Braunschweig am 15. Oktober 1944

Rettung von 23.000 Eingeschlossenen

Beim Luftangriff in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 1944 erlebte Braunschweig den schwersten Luftangriff des Zweiten Weltkriegs. 233 Lancaster-Bomber der Royal Air Force (RAF) entfachten einen Feuersturm, der etwa 150 ha der Innenstadt in Brand setzte und ca. 23.000 Personen, die in Luftschutzbunkern Zuflucht gefunden hatten, eingeschlossen hatte. Aufgrund der enormen Hitzeentwicklung und des sich immer weiter ausbreitenden Feuers wurde der Sauerstoff in den Bunkern immer knapper. Es bestand die Gefahr, dass die Bunkerinsassen entweder aufgrund Sauerstoffmangels erstickten, wenn sie in den Bunkern blieben oder bei lebendigem Leibe verbrannten, wenn sie die vom Feuersturm eingeschlossenen Schutzräume zu verlassen suchten.

Die Wassergasse

Es ist der Initiative Preschers mit zu verdanken, dass am frühen Morgen – noch bevor der Feuersturm seine größte Intensität entwickelt hatte – eine „Wassergasse“ gebildet werden konnte. Diese Gasse bestand aus einer langen Schlauchleitung, die unter einem ständigen Wasserschleier zum Schutz gegen die enorme Hitze zu den Eingeschlossenen vorgetrieben wurde. Die Reichweiten der einzelnen Strahlrohre überschnitten sich, sodass eine geschlossene, künstliche „Regenzone“ entstand. So gelang es schließlich die 23.000 Eingeschlossenen in sichere Bereiche der Stadt zu führen.

Der rote Hahn über Braunschweig

Über die Grenzen Braunschweigs hinaus wurde Prescher durch sein 1955 veröffentlichtes Buch Der rote Hahn über Braunschweig bekannt, in dem er akribisch die Feuerwehreinsätze in der Stadt Braunschweig während des Zweiten Weltkrieges beschrieb und u. a. Dauer und Intensität sowie Schäden als auch Verluste an Menschenleben detailliert auflistete.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende blieb Prescher bei der Braunschweiger Berufsfeuerwehr. Erst 1948 gelang es ihm, Frau und Sohn heimlich aus Dresden über die „Grüne Grenze“ nach Braunschweig zu holen. Sein Dienstgrad bei der Pensionierung im Jahre 1972 war Oberbrandrat. 1994, anlässlich des 50. Jahrestages des Luftangriffs vom 15. Oktober 1944, bei dem 90 % der Innenstadt zerstört und ca. 80.000 Einwohner obdachlos wurden, wurde sein Buch ein zweites Mal verlegt.

Werk

  • Rudolf Prescher: Der rote Hahn über Braunschweig. Luftschutzmaßnahmen und Luftkriegsereignisse in der Stadt Braunschweig 1927 bis 1945, Braunschweig 1955 (Die 2. Auflage von 1994 ist ein Nachdruck, der nur unwesentlich um ein Register und Literaturabgaben ergänzt wurde.)

Literatur

Andere Medien

DVD

  • Feuersturm – Der Bombenkrieg gegen Deutschland. DVD-Edition, SPIEGEL TV history. Polar Film Medien GmbH, Gescher 2003 (enthält Ausschnitte aus dem Originalfilm der RAF von der Bombardierung am 15. Oktober 1944)

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