Rummeln


Rummeln

Rummelpottlaufen ist ein in Norddeutschland und in Süddänemark verbreiteter Silvester-Brauch, der seit dem 19. Jahrhundert belegt ist. Hierbei gehen am frühen Silvesterabend Kinder geschminkt und verkleidet in Gruppen von Haustür zu Haustür und singen charakteristische Rummelpottlieder. Als Dank erhalten sie dafür von den Bewohnern Süßigkeiten. Die Verkleidung soll verhindern, dass die Rummelpottläufer erkannt werden.

Der Name stammt vom auch als Brummtopf bekannten Rummelpott, welcher ein polterndes Geräusch (niederdeutsch: rummelnpoltern) erzeugt. Mit Hilfe des Polterns sollten in früheren Zeiten in den Rauchnächten um die Jahreswende wahrscheinlich Wintergeister vertrieben werden.

Heute ist das Rummelpottlaufen noch in weiten Teilen Schleswig-Holsteins, Niedersachsens und Südjütlands bekannt. Auf der nordfriesischen Insel Amrum ist der Brauch als Hulken bekannt. Auch Erwachsene laufen Rummelpott. Diese erhalten jedoch anstatt Süßem meist ein Gläschen Schnaps. In einigen Orten ist der Rummelpott daher auch als Rumpott bekannt.

Der Maler und Grafiker Willem Grimm hat den Brauch des Rummelpottlaufen als immer wiederkehrendes Motiv in vielen seiner Holzschnitte festgehalten [1].

Inhaltsverzeichnis

Lieder

Ein wesentlicher Bestandteil des Rummelpottlaufens ist das gemeinsame Singen. Das klassische Rummelpottlied ist Fru, maak de Dœr op, welches hier jeweils in seiner niederdeutschen, hochdeutschen und dänischen Version (Sønderjysk) wiedergegeben wird. Regional gibt es noch weitere Varianten und Lieder.

Fru, maak de Dör op!
De Rummelpott will rin.
Daar kümmt een Schipp ut Holland.
Dat hett keen goden Wind.
Schipper, wulltst du fieken!
Feermann, wulltst du strieken!
Sett dat Seil op de Topp
un geevt mi wat in’n Rummelpott!

Frau, öffne die Türe!
Der Rummelpott will rein.
Es kommt ein Schiff aus Holland.
Das hat kein guten Wind.
Kapitän, du musst weichen.
Bootsmann, du musst streichen.
Setzt das Segel ganz nach oben
und gebt mir was in den Rummelpott!

Fru, fru, lok e døe op!
Æ rummelpot vil ind.
De kom æ skib fra Holland.
De hav så goj en vind.
Styrmand vil vi prise
Kaptajnene vil vi hejse
sæt æ sejl op i æ top
å gi mæ naue i æ rummelpot.

Ähnliche Bräuche

Auch in anderen Regionen gibt es um die Jahreswende (Rauhnächte) vergleichbare Bräuche. Zwischen dem 4. Dezember und dem 6. Januar sind im Alpenraum zum Beispiel die Perchten unterwegs. In Teilen der Schweiz ist das Chlauschlöpfen verbreitet. In Österreich und in Teilen Bayern gibt es am 28. Dezember den Tag der unschuldigen Kinder, bei dem die Kinder zwar nicht verkleidet, aber unter Aussprechen verschiedener Sprüche Gaben einsammelnd von Haus zu Haus gehen. Vergleichbare Heischebräuche gibt es mit dem Martinisingen (auch Matten Matten Mären) auch in Verbindung mit dem Martinstag am 11. November.

Eine große Konkurrenz für das Rummelpottlaufen und andere einheimische Bräuche ist das aus den USA bekannte Halloween (Abend vor Allerheiligen, 31. Oktober) mit seinem „Trick or Treat“ (dt. „Süßes oder Saures“), das sich mittlerweile auch bei Kindern hierzulande großer Beliebtheit erfreut.

Weblinks

Fußnoten

  1. Silvester für immer in der taz vom 30.12.2008

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  • Rummeln — Rummeln, verb. reg. neutr. mit dem Hülfsworte haben, welches nur von einer Art eines hohlen dumpfigen Schalles üblich ist, welchen z.B. die verschlossenen Winde im Magen, gewisse Arten des Donners, das Rollen einer Kugel auf einer hohlen weiten… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • rummeln — rummeln:1.⇨lärmen–2.⇨poltern(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • rummeln — Vsw lärmen, toben per. Wortschatz reg. (16. Jh.), fnhd. rummel(e)n Stammwort. Lautmalenden Ursprungs wie das parallele rumpeln. Aus dem Verbum rückgebildet ist Rummel m., bezeugt seit dem 18. Jh.    Ebenso nndl. rommelen. ✎ Röhrich 2 (1992),… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • rummeln — rụm|meln 〈V. intr.; hat〉 lärmen, poltern, dröhnen [<spätmhd. rumelen; lautmalend wie rumpeln] * * * rụm|meln <sw. V.; hat [mhd. rummeln = lärmen, poltern, lautm.] (landsch. ugs.): ein dumpfes, dröhnendes Geräusch von sich geben: in der… …   Universal-Lexikon

  • rummeln — Rummel: Der ugs. Ausdruck für »Lärm, Betrieb; Durcheinander; Jahrmarkt« gehört zu dem heute nur noch landsch. gebräuchlichen Verb rummeln »dumpf schallen, poltern« (mhd. rummeln »lärmen, poltern«, vgl. niederl. rommelen »poltern, rollen, knurren« …   Das Herkunftswörterbuch

  • rummeln — rummelnv 1.intr=Jahrmarkttreibenentfalten.⇨Rummel2.1900ff. 2.Fastnacht(o.ä.)rummeln=Fastnachtausgelassenfeiern.1950ff …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • rummeln — rụm|meln (landschaftlich für lärmen); ich rumm[e]le …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Rummel (Geomorphologie) — Ausgang der Rummel „Steile Kieten“ zwischen Preußnitz und Bad Belzig …   Deutsch Wikipedia

  • Rummel (Geologie) — Ausgang der Rummel „Steile Kieten“ zwischen Preußnitz und Belzig Brautrummel bei …   Deutsch Wikipedia

  • rumpeln — klirren; scheppern; rattern; klappern; rappeln; schlackern * * * rum|peln [ rʊmpl̩n], rumpelte, gerumpelt (ugs.): a) <itr.; hat ein dumpfes Geräusch hören lassen; poltern: im Stockwerk über uns rumpelt es öfters heftig; es rumpelt (rumort) …   Universal-Lexikon