Russisch-Polnischer Krieg von 1792


Russisch-Polnischer Krieg von 1792
Eine Szene aus dem Russisch-Polnischen Krieg von 1792 (Gemälde von Aleksander Orłowski)
Die Rzeczpospolita in den Grenzen nach der Ersten Teilung Polens und die militärischen Aktionen der Kriegsparteien: Polen (in orange), Russland (in grün)

Der Russisch-Polnische Krieg von 1792 war ein Krieg zwischen Polen-Litauen auf der einen Seite und dem Russischen Reich im Bund mit der Konföderation von Targowica auf der anderen.

Die Streitkräfte der polnisch-litauischen Adelsrepublik, die loyal zu König Stanislaus August und dem Vierjährigen Sejm standen, verteidigten die liberale Mai-Verfassung gegen die konservative Konföderation von Targowica vom 27. April 1792, die im Bund mit den Truppen des Russischen Reiches stand. Der Krieg begann nach der Vorlesung einer gegen Polen-Litauen gerichteten Deklaration (angebliche Verfolgung von russischen Staatsangehörigen und Orthodoxen in Polen, Bündnisgespräche mit dem Osmanischen Reich u.a.; sie hatte jedoch keinen Charakter einer offenen Kriegserklärung) der russischen Kaiserin am 18. Mai 1792, die ihr als Vorwand, für die Invasion Russlands in Polen diente.

Polens Verbündeter, das Königreich Preußen, verließ aufgrund des russischen Einmarschs einseitig die gegen Russland gerichtete polnisch-preußische Defensivallianz von 1790, während der preußische Kommandeur der litauischen Truppen, Prinz Ludwig von Württemberg, ein Sohn von Herzog Friedrich Eugen und der hohenzollernschen Adeligen Friederike Sophie, Verrat beging, in dem er sich weigerte gegen die russischen Truppen zu kämpfen; damit trug er nicht unwesentlich zur polnischen Niederlage in der Schlacht von Mir in der Nähe von Nowogródek am 10. Juni bei. Die polnischen Truppen, die unter dem Kommando von Fürst Józef Antoni Poniatowski standen, konzentrierten das Hauptaufgebot des Feindes auf sich und gewannen die Schlacht von Zieleńce in der heutigen Ukraine am 18. Juni. Trotz des Sieges zog sich das polnische Heer in das Landesinnere Richtung des Flusses Bug zurück, wo der polnische General, Tadeusz Kościuszko, am 18. Juli die Verteidigungslinie Bug in der Schlacht von Dubienka erfolgreich gegen die Russen behaupten konnte, auch dann als die russische Armee durch österreichisches Gebiet (Galizien) den Durchbruch versuchte.

Letztendlich wurden die königlich-polnischen Truppen durch den Beitritt König Stanislaus Augusts zur Konföderation von Targowica am 23. Juli im Stich gelassen. Der Verrat des Königs legte das Fundament für die Zweite Teilung Polens im Jahr 1793. Der Rumpfstaat wurde daraufhin durch fremde Truppen besetzt und seine Souveränität stark beschränkt. Der letzte Versuch Polens Unabhängigkeit zurückzugewinnen, gipfelte im Kościuszko-Aufstand von 1794, der fehlschlug und zur völligen Zerstörung der polnischen Staatlichkeit 1795 im Rahmen der Dritten Teilung Polens führte.

Literatur

  • Wolański Adam, Wojna polsko-rosyjska 1792 r, Wydawnictwo Volumen, Warszawa 1996, ISBN 83-85218-48-3
  • Derdej Piotr, Zieleńce Mir Dubienka 1792, Wydawnictwo Bellona, Warszawa 2000, ISBN 8311091080

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