Saaremaa


Saaremaa
Saare maakond
Saaremaa coatofarms.png Saare in Estonia.svg
Basisdaten
ISO-Code: EE-74
Landkreis: Saare Maakond
Verwaltungssitz: Kuressaare (Arensburg)
Geografische Lage: 58° 24′ N, 22° 31′ O58.40138888888922.515Koordinaten: 58° 24′ N, 22° 31′ O
Fläche: 2.672 km²
Einwohner: 35.000
(1. Januar 2008) 1
Bevölkerungsdichte: 12 Einwohner je km²
Gemeindegliederung: 15 Gemeinden,
1 Stadt 2
höchste Erhebung: Viidu Raunamägi (54 m)
Adresse der Kreisverwaltung: Tallinna 10, Kuressaare
Offizielle Website: www.saaremaa.ee
1Statistikamt Estland, Datenbankanfrage, 29. Januar 2009
21999 wurde die Gemeinden Kuressaare und Kaarma zusammen gelegt, siehe Place Names Board of Estonia (engl.)

Saaremaa (deutsch/schwedisch Ösel, dänisch Øsel, lateinisch Osilia) ist mit etwa 2.672 km² die größte Insel Estlands. Sie ist die viertgrößte Ostseeinsel nach Seeland, Fünen und Gotland und begrenzt den Rigaischen Meerbusen (estn. Liivi Laht) in seinen nördlichen Gewässern.

Inhaltsverzeichnis

Inselgliederung

Saaremaa

Saaremaa ist die Hauptinsel des sich in 15 Gemeinden und eine Stadt gliedernden Landkreises Saare (Saare Maakond), dem auch die umliegenden Inseln Muhu (Mohn), Abruka (Abro), Vilsandi (Filsand), Ruhnu (Runö) sowie diverse kleinere Inseln angehören. Die zweitgrößte estnische Insel Hiiumaa (Dagö) liegt etwa 6 km vom nördlichsten Punkt der Pammana-Halbinsel entfernt. Die Nord-Südausdehnung der Insel beträgt etwa 88 Kilometer, die Entfernung zwischen westlichstem und östlichstem Punkt 90 Kilometer. Saaremaa ist mit dem benachbarten Muhu durch einen befahrbaren Damm verbunden, von Kuivastu (Kuiwast) an der Ostküste von Muhu bestehen Fährverbindungen zum Festlandhafen Virtsu (Werder). Hauptort der Insel und des Landkreises ist Kuressaare (Arensburg) mit etwa 16.000 Einwohnern an der gleichnamigen Bucht im Süden Saaremaas. Zweitgrößter Ort ist Orissaare (Orrisaar) im Nordosten.

Karte der Insel Saaremaa

Auf Saaremaa leben etwa 36.000 Einwohner (13,5 je km²), das sind etwa 3 % der estnischen Bevölkerung. Die isolierte Lage westlich des Festlandes ließ die Insel relativ unberührt von der Russifizierungspolitik der sowjetischen Besatzungszeit, 98 % sind Esten, etwa 1,2 % sind russischer Abstammung, jeweils 0,2 % sind Ukrainer und Finnen.

Das Verkehrsnetz der Insel ist sehr gut ausgebaut, insgesamt beträgt die Straßenlänge etwa 3.100 km, wobei nur ein Teil der Strecke asphaltiert ist. In den dünn besiedelten Gebieten im Südwesten und Nordosten sowie im Inselinneren gibt es überwiegend Straßen mit Kiesdecke. Über die Hauptstraße 10 bestehen von Kuressaare aus mehrmals täglich Busverbindungen in die Hauptstadt Tallinn, sowie nach Pärnu und Tartu, die durch den Transport der Reise- und Linienbusse auf der Fähre zwischen Kuivastu und Virtsu aufrechterhalten werden. Schiffsverbindungen zu umliegenden Inseln und zum Festland bestehen über die Häfen in Roomassaare (nach Abruka und Ruhnu) und Triigi (nach Sõru auf Hiiumaa). Bei Roomassaare befindet sich der einzige Flughafen der Insel. Die Fährverbindung von Mõntu nach Ventspils in Lettland wurde 2009 eingestellt.

Die 1.300 Kilometer lange Küste Saaremaas ist weitgehend durch große Halbinseln und vorgelagerte kleinere Inseln (etwa 600) geprägt, die Halbinsel Sõrve (deutsch Sworbe) erstreckt sich gar bis zu 30 Kilometer in den Rigaischen Meerbusen und endet im südlichsten Punkt des Archipels im Dorf Sääre, markiert durch einen 52 Meter hohen Leuchtturm aus dem Jahre 1960 (ursprünglich von 1646).

Leuchtturm bei Sääre, Sõrve
Bockwindmühle in Ohessaare, Sõrve

Trotz der überwiegend steinigen und flach ins Meer übergehenden Küstenstreifen gibt es aber auch Steilküsten wie die 22 m senkrecht abfallende Panga Pank an der Küdema-Bucht oder die Steilküste Undva Pank an der im Nordwesten der Insel gelegenen Halbinsel Tagamõisa. Die nordwestlich anschließende Halbinsel Harilaid ist eine ehemalige Insel (estn. laid = kleine Insel), der Leuchtturm am Kap Kiipsaare stammt von 1933 und droht aufgrund seiner durch starke Wellenerosion verursachten Schieflage ins Meer zu fallen.

Saaremaa ist weitgehend durch eine auffallend flache Topografie geprägt, die höchste Erhebung, der Viidu Raunamägi liegt bei Kihelkonna (Kielkond) im Westen der Insel im 1957 gegründeten Naturreservat Viidumäe und erreicht nur etwa 54 m. Wie auch große Teile des Festlandes ist auch Saaremaa dicht bewaldet, etwa 40 % der Insel sind von Wäldern bedeckt. Größere Seen sind die Suur Laht (dt. Große Bucht), die Mullutu Laht bei Kuressaare und der Karujärv (dt. Bärensee) bei Kärla (Kergel). Von geologischem Interesse ist der in Steinbrüchen bei Kaarma (Kermel) abgebaute und zu Kunsthandwerk verarbeitete Dolomit.

Der Archipel war noch in der letzten Eiszeit von dichten Eismassen bedeckt, welche unter enormem Druck die Erdkruste unterhalb der Inseln senkten. Mit dem Abschmelzen des Eises hoben sich die Landmassen unter dem geringer werdenden Druck, ein erdgeschichtlicher Vorgang der bis in die Gegenwart andauert, denn Saaremaa gewinnt rund 2 mm jährlich an Höhe dazu. Die durchschnittliche Höhe der Insel beträgt etwa 15 m über dem Meeresspiegel.

Abruka (Abro)

Die etwa 9 km² große Insel Abruka (Abro) mit den Nachbarinseln Vahase und Kasselaid liegen etwa 6 km von Kuressaare entfernt. Die Inseln bilden ein Naturschutzgebiet, denn mit seiner reichhaltigen Flora und Fauna bieten sie ein Rückzugsgebiet für zahlreiche Arten. Selbst Hirsche sind auf der – für Estland eher untypisch – mit Laubwald bedeckten Insel zu finden.

Vilsandi (Filsand)

Die flache Insel Vilsandi im äußersten Westen des Landes ist Teil des Nationalparks Vilsandi und umfasst zusätzlich noch etwa 161 kleinere Inseln (etwa 10 % der estnischen Inseln). Vilsandi besitzt eine Fläche von nur etwa 9 km² und ist größtenteils bewaldet.

Gemeindegliederung

Gemeindegliederung des Landkreises Saare
Gemeinde Fläche
km²
Einwohner Bev.-
dichte
/km²
1 Kaarma (Karmel) 400 4.225 10,5
2 Kärla (Kergel) 218 1.995 9,2
3 Kihelkonna (Kielkond) 246 1.097 4,5
4 Kuressaare (Arensburg) 15 16.111 1.074
5 Laimjala (Laimjall) 116 934 8,0
6 Leisi (Laisberg) 348 2.521 7,2
7 Lümanda (Lümmada) 199 995 5,0
8 Muhu (Mohn) 206 2.169 10,5
9 Mustjala (Mustel) 236 926 3,9
10 Orissaare (Orrisaar) 136 2.391 17,6
11 Pihtla (Pichtendahl) 228 1.616 7,1
12 Pöide (Peude) 123 1.134 9,2
13 Ruhnu (Runö) 11,5 72 6,3
14 Salme 115 1.371 11,9
15 Torgu (Torken) 126 468 3,7
16 Valjala (Wolde) 180 1.653 9,2
  Saare Maakond (Ösel) 2.904 39.678 13,7

Klima

Klimadiagramm Vilsandi
Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

Bedingt durch die Lage am Ostrand der Ostsee liegt Saaremaa in einer kühl-gemäßigten Klimazone in milder Seewetterlage. Folglich gibt es auf der Insel lange, warme Sommer und milde Winter; starke Winde führen zu häufigen Wetterwechseln mit Niederschlägen (> 50 mm) überwiegend in den Herbst- und Wintermonaten.

Im Juli und August erreichen die Temperaturen durchschnittlich Werte um 16–20 °C, teils auch bis 25 °C. Der Februar ist mit einem Durchschnittswert von rund -4 °C der kälteste Monat auf Saaremaa.

Flora und Fauna

Saaremaa verfügt über eine reichhaltige Flora und Fauna, bedingt durch milde, maritime Klimavoraussetzungen. Rund 80 % der in Estland heimischen Pflanzenarten befinden sich auf den Inseln. Etwa 120 der hier vorkommenden Arten gelten als geschützt. Die sicher bekannteste seltene Pflanzenart der Insel ist der meist in sumpfigen Niederungen blühende Saaremaa-Klappertopf (Rhinanthus Osiliensis, estn.: Saaremaa robirohu). Zudem wachsen hier 35 von 36 der in Estland anzutreffenden Orchideenarten.

Saaremaa besitzt eine artenreiche Tierwelt, in den Küstengewässern leben viele der heimischen Robbenarten, wie z. B. die Kegelrobbe. Außerdem liegen die Inseln im Zuggebiet zahlreicher Vogelarten, die Saaremaa im Frühjahr und Herbst als Zwischenstation auf ihrer Reise nutzen, z. B. Ringelgänse und Eiderenten. Dennoch ist die Tierwelt des Festlandes weit artenreicher als die der Inseln im Westen des Landes. Bären und Luchse beispielsweise sind auf diesen nur selten anzutreffen.

Der Kaali-Meteoritenkrater

Der fast kreisrunde Kaali-Meteoritenkrater

Der 18 Kilometer von Kuressaare im Wäldchen bei Kaali gelegene Krater (Kaali Meteoriidikraater) ist umgeben von einem 16 Meter hohen Erdwall, der einen Durchmesser von 110 Meter hat und einen 50 Meter großen grünlichen Tümpel bildet. Im weiteren Umfeld des Einschlagkraters lassen sich acht Nebenkrater finden, die mit Durchmessern zwischen 15 und 40 Meter deutlich kleiner ausfallen.

Der wahrscheinlich vor 4000 Jahren eingeschlagene Meteorit wurde zwar in keinen einheimischen Schriften erwähnt, doch hinterließ der Einschlag Spuren in finnischen und skandinavischen Überlieferungen und soll auch vom griechischen Autor Pytheas in seinen Aufzeichnungen erwähnt worden sein. Jedoch haben sich bis heute Mythen in der Bevölkerung Saaremaas erhalten. So soll die Erde hier aus Entsetzen über eine Geschwisterheirat die Traukirche verschlungen haben. Eine andere Sage berichtet von einem Gutsherrn, der nach einer zügellosen Orgie samt Gutshof und Feiergesellschaft vom Erdboden verschlungen worden sein soll.

Durch die Explosion wurden die den Hauptkrater umgebenden Dolomitfelsen schräg aufgeworfen

Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden verschiedene Theorien über einen Vulkanausbruch, Salzaufpressungen, eine Gasexplosion oder ein vorzeitliches Wasserreservoir. Die Deutung als Einschlagskrater wurde erstmals von Alfred Wegener vorgeschlagen, der 1927, im Rahmen einer Reihe von Gastvorlesungen in Riga, auch die Insel Saaremaa besuchte.[1] Schließlich konnte der Geologe I. Rheinwald im Jahre 1937 nach Funden verkohlter Holzreste und Meteoritenbruchstücke mit einem Nickelgehalt von 8,3 % eindeutig den Einschlag eines Eisenmeteoriten nachweisen.

Weitere Nachforschungen vervollständigten das heute anerkannte Gesamtbild. So wird vermutet, dass ein ursprünglich 400 bis 10.000 Tonnen schwerer Meteorit aus nordöstlicher Richtung mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 45 km/s in die Erdatmosphäre eintrat, durch die auftretende Reibung stetig Masse verlor und schließlich in einer Höhe von etwa 5 bis 10 km in mehrere Fragmente auseinanderbrach. Das größte dieser Fragmente schlug mit einem Gewicht von 20 bis 80 Tonnen und einer Aufprallgeschwindigkeit von 10 bis 20 km/s auf und hinterließ den besagten Krater. Weitere kleinere Bruchstücke verursachten die acht Nebenkrater.

Siehe auch: Liste der Einschlagkrater der Erde

Geschichte

Gemäß archäologischen Funden darf angenommen werden, dass Saaremaa seit etwa 5.000 Jahren besiedelt ist. In den skandinavischen Sagas wird Saaremaa als Eysysla (dt. Inselbezirk) erwähnt, in alten deutschen und schwedischen Aufzeichnungen ist von Oesel die Rede.

Mit Beginn der Expansionspolitik des Deutschen Ordens im 13. Jahrhundert geriet auch Saaremaa unter Fremdherrschaft, wobei es erst 1227 gelang, die Inselbevölkerung zu unterwerfen. Jedoch musste der deutsche Orden Teile der Insel bald dem Bistum Ösel-Wiek überlassen, was ständige bewaffnete Auseinandersetzungen beschwor. Der Machtfestigung des Ordens diente vor allem die Errichtung großer Burgen in Kuressaare und Maasi im Nordosten der Insel, von letzterer zeugen allerdings nur noch die Mauerreste. Trotz zahlreicher Erhebungen gegen die Besatzungsmacht gelang es dem Orden, die Oberhoheit über die Insel bis 1559 aufrechtzuerhalten. 1343 gelang den Aufständischen mit der Zerstörung der Ritterburg in Pöide (Peude) einmal die vorübergehende Vertreibung der Deutschen von der Insel.

Laurentiuse Kirik, Kuressaare

Im Dreikronenkrieg (1563–1570) zwischen Polen, Schweden und Dänemark fiel Saaremaa schließlich unter dänische Herrschaft. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts wechselten die Machtverhältnisse auf Saaremaa ständig zwischen Dänen, Schweden und den 1710 im Großen Nordischen Krieg die Insel übernehmenden Russen. Die die schwedischen Machthaber erheblich schwächende Pestepidemie, die der Krieg mit sich brachte, dezimierte die Bevölkerung der Insel enorm. In der Stadt Kuressaare überlebten, so wird berichtet, nur elf Menschen die Seuche. Die russische Herrschaft auf Saaremaa währte noch bis zum Ende des Zarenreiches im Jahre 1917.

Deutsche Truppen schiffen sich zur Besetzung der Insel ein, Oktober 1917.

Die wirtschaftliche Erschließung und Entwicklung Saaremaas wurde vor allem 1858 mit der Eröffnung von Schiffsverbindungen nach Rīga und Sankt Petersburg und 1888 mit der Aufnahme von Fährverbindungen nach Muhu und dem estnischen Festland vorangetrieben. 1894 erfolgte der Bau des Hafens von Roomassaare und zwei Jahre später schließlich mit der Errichtung einer Landbrücke über den Väike Väin (Kleiner Sund) der Anschluss Saaremaas an Muhu. 1912 wurde die selbstständige Energieversorgung mit dem Bau eines Elektrizitätswerkes ermöglicht. Im Ersten Weltkrieg bildete die Insel einen wichtigen Stützpunkt der russischen Flotte, wurde jedoch Ende 1917 in der Operation Albion von den Deutschen erobert; sie zogen aber nach dem Waffenstillstand von 1918 wieder ab. Mit Erlangung der Unabhängigkeit am 24. Februar 1918 wurde die Insel Teil des neu entstandenen estnischen Staates. Der Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt von 1939 zwang die baltischen Staaten zur Stationierung sowjetischen Militärs auf eigenem Territorium und führte zu einer erneuten Besetzung Estlands. Auf Saaremaa wurden zwei sowjetische Luftwaffenstützpunkte errichtet, von denen aus sowjetische Fliegerkräfte nach dem Überfall Deutschlands zwischen 7. August und 5. September 1941 einige Angriffe auf die Vororte Berlins flogen, so z.B. in der Nacht zum 8. August 1941 unter dem Befehl des Obersten Jewgeni Preobraschenski.[2]

Sowjetisches Mahnmal in Tehumardi

1941–1944 war die Insel von den Deutschen besetzt, zahlreiche Bewohner der Halbinsel Sõrve (Sworbe) wurden deportiert. Während des Zweiten Weltkrieges ereignete sich am 8. Oktober 1944 auf Sõrve eine der erbittertsten Schlachten des Krieges in Estland zwischen den sich von Saaremaa zurückziehenden Deutschen und den von Osten nachrückenden Sowjets (Unternehmen Aster). Heute erinnert bei Tehumardi ein 21 m hohes Mahnmal in Form eines abgebrochenen Schwertes an diese verlustreiche Auseinandersetzung, der Tausende zum Opfer fielen. Dabei wurde nahezu die gesamte Halbinsel dem Erdboden gleichgemacht, alte Geschützstände und verfallene Befestigungsanlagen befinden sich noch heute an der Südspitze Sõrves. Die Verwüstungen des Krieges und die Deportationen nach Deutschland und Russland reduzierten die Inselbevölkerung um mehr als 30 %. In der Nachkriegszeit war Saaremaa, bedingt durch die strategisch wichtige Lage an der Westgrenze der UdSSR und durch die massive Präsenz des dort stationierten sowjetischen Militärs (rund 4000 ha Sperrgebiet), nahezu isoliert vom Festland, – selbst Esten benötigten eine Genehmigung, um die Insel zu betreten.

1991, mit der erneuten estnischen Unabhängigkeitserklärung, erlangte auch Saaremaa das Recht der Selbstbestimmung und -entwicklung.

Sehenswertes

Die Arensburg in Kuressaare

Von architektonischem Interesse ist die Arensburg in Kuressaare von 1380, errichtet vom Deutschen Orden für die Bischöfe von Ösel-Wieck. Ende des 14. Jahrhunderts wurde die quadratisch angelegte Festung mit trutzigen Schutzwällen versehen. Überragt wird die Burg vom 29 m hohen Turm Pikk Hermann (Langer Hermann). Heute befindet sich in dem Komplex das Saaremaa-Museum.

Nordöstlich von Valjala (Wolde) gibt es imposante Reste einer Festung aus der Zeit vor der Christianisierung durch den Orden. Im Grundriss bildet der bis zu acht Meter hohe Steinwall ein 120 x 110 m breites Oval. An diesem Ort endete 1227 ein zwanzig Jahre andauernder Aufstand der Bewohner Saaremaas mit dem Sieg der Besatzungsmacht des Deutschen Ordens. Unweit der Festung steht die Valjala Martini Kirik (St. Martinskirche), sie ist die älteste Kirche auf Saaremaa und stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

In Karja befindet sich die kleinste Kirche auf Saaremaa (aus dem 14. Jahrhundert); die reich verzierte Kanzel aus der Spätrenaissance stammt von 1638. Das eher schlichte Äußere kontrastiert an diesem Bau mit einer opulenten Ausstattung des Innenraumes.

Eine der ersten Steinkirchen Estlands und die größte auf der Insel ist in Pöide zu finden. Ihre wehrhafte Erscheinung ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Entstehungszeit der Kirche eng mit der Befestigung Saaremaas verbunden ist. Der östliche Teil der Insel stand unter der Besetzung des Livländischen Ordens, der zur Festigung seines Herrschaftsanspruches im 13. Jahrhundert eine Festung in Pöide errichten ließ.

Charakteristisch für Saaremaa sind vor allem die zahlreich über die Insel verteilten Bockwindmühlen, denn früher besaß nahezu jedes größere Gehöft eine solche Mühle. Heute sind noch wenige erhalten, teils befinden sie sich in baufälligem Zustand. Dennoch lassen sich noch heute einige gut erhaltene Exemplare auf der Insel ausfindig machen, etwa bei Angla im Norden Saaremaas (hier stehen fünf Windmühlen unmittelbar nebeneinander), in Metsküla, Kuusnõmme, Ohessaare sowie auf den Inseln Muhu und Abruka.

Verkehr

Auf der Insel sind wie im gesamten Estland nur die Hauptstraßen asphaltiert.

Der öffentliche Nah- und Fernverkehr wird ausschließlich mit Bussen durchgeführt. Die Fahrradmitnahme ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Fähren verbinden die Insel mit dem estnischen Festland (Fährverbindung Virtsu-Kuivastu), der Insel Hiiumaa und Ventspils (Lettland), letztere wurde allerdings 2009 eingestellt. Seit einigen Jahren wird von Seiten der estnischen Straßenbauverwaltung über den Bau einer Brücke zum estnischen Festland, den so genannten "Saaremaa fixed link", nachgedacht.

Im Winter, wenn der Sund zwischen Virtsu und Kuivastu tief genug gefroren ist, kann man die Insel über eine auf dem Eis markierte Trasse mit Landfahrzeugen erreichen.

Vom Flughafen sind Flüge in die Hauptstadt Tallinn möglich.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Zur Geschichte der Ritterschaften von Livland und Oesel., herausgegeben von der Livländischen Ritterschaft und von der Oeselschen Ritterschaft. Pfaffenhofen Ilm: Ilmgau Verlag, 1974. ISBN 3-7787-2011-2.
  • von Buxhöwden, Peter W.: Beiträge zur Geschichte der Provinz Ösel., Riga-Leipzig: Götschel, 1838; Hannover: Hirschheydt, 1968 (Nachdr.). ISBN 3-7777-0935-2.
  • Marenbach, C.: Baltische Länder., Erlangen: Michael Müller, 1997. ISBN 3-89953-213-9.
  • Williams N., Herrmann D., Kemp C.: Estonia, Latvia & Lithuania. The best of the Baltics., Melbourne: Lonely Planet Publications, 2003. ISBN 1-74059-132-1.
  • Aleksejev I.: Eesti tuletornid - Estonian Lighthouses., Tallinn: GT Projekt, 2003.
  • Körber, M.: Oesel einst und jetzt., Hirschheydt, 3 Bde., 1887, 1899 und 1915. Nachdrucke 1974–75.
  • Körber, M.: Bausteine zu einer Geschichte Oesels., Hirschheydt, 1885. Nachdruck 1977.

Einzelnachweise

  1. Christine Reinke-Kunze: Alfred Wegener, Polarforscher und Entdecker der Kontinentaldrift. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1994. ISBN 3-7643-2946-7, S. 95-96.
  2. http://www.airforce.ru/memorial/estonia/saaremaa/index.htm Sowjetische Gedenkstätte auf Saaremaa

Weblinks

 Commons: Saare County – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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