Sadd-el-Kafara


Sadd-el-Kafara

Die Talsperre Sadd-el-Kafara (Damm der Heiden[1]) wurde etwa zwischen 2600 und 2500 v. Chr. im Wadi Garawi in Ägypten erbaut. Andere Angaben sprechen von 2950 bis 2750 v. Chr.

Das Bauwerk war eine Art Steinschüttdamm mit außen liegenden treppenförmigen Steinen und mit Geröll, Kies und Schutt im Innern. Von anderen wird das Bauwerk wegen der außen liegenden bis zu 24 m dicken Mauern als Gewichtsstaumauer bezeichnet. Es sollte höchstwahrscheinlich der Regulierung von Hochwassern und der Bewässerung dienen.

Inhaltsverzeichnis

Abmessungen

Die Abmessungen des Bauwerks werden in verschiedenen Quellen unterschiedlich angegeben. Es hatte eine Höhe von 11,3 m oder 14 m, eine Länge an der Oberkante von 106, 110 oder 113 m, eine Basislänge von 81 m, eine obere Breite von 56 m und eine untere Breite von 98 m. Die Böschungsneigungen betrugen etwa 1:1,7 an der Wasserseite und 1:1,3 an der Luftseite. Das Stauvolumen war 465.000 m³; nach anderen Angaben war es größer als 500.000 m³ und das Einzugsgebiet hatte eine Ausdehnung von 185 km².

Geschichte

Die Talsperre wurde in der 3. oder 4. Dynastie des Alten Reiches vermutlich innerhalb von 10 bis 12 Jahren erbaut. Auf dem Palermostein wird unter König Snofru für das „Jahr nach dem 6. Mal der Zählung“ vom Bau einer „Mauer Ober- und Unterägyptens“ berichtet. Möglicherweise ist damit also die Talsperre Sadd-el-Kafara gemeint. Da sich das Wadi Garawi direkt gegenüber der am westlichen Nilufer gelegenen Nekropole von Dahschur befindet, könnte die Talsperre als Schutzwehr für die Nekropole gedient haben. Für eine Gleichsetzung des im Palermostein erwähnten Baus mit der Talsperre sprechen auch Keramikfunde, die in ihren Ruinen gemacht wurden und ihre Bauzeit eindeutig in die 3. bis 4. Dynastie datieren.[2]

Die Talsperre wurde möglicherweise nie fertig gestellt. Aus der Tatsache, dass es keine Sedimente im Stauraum gibt, schließt man, dass die Talsperre vor oder kurz nach ihrer Fertigstellung zerstört worden ist. Es ist auch nicht bekannt, ob eine Hochwasserentlastung vorhanden war. In der Mitte des Dammes könnte ein Hochwasserüberlauf gewesen sein; heute ist nichts mehr davon vorhanden. Ein außergewöhnliches Hochwasser, das fünf mal so groß wie berechnet gewesen sein soll, zerstörte das möglicherweise noch unvollendete Bauwerk. Dadurch kam es in den der Baustelle in Fließrichtung nachgeordneten Bereichen zu einer Flutkatastrophe, da es keine Umleitung für diese Wassermengen gab. Die Katastrophe war offenbar so groß, dass die Talsperre nicht wieder aufgebaut wurde. Mindestens 800 Jahre, vielleicht tausende Jahre lang bauten die Ägypter keine Talsperren mehr.

Die Überreste der Staumauer bzw. des Dammes am östlichen Nilufer bei Helwan, 30 km südlich von Kairo, wurden 1885 von Georg Schweinfurth (1836-1925) wiederentdeckt und sind heute zusammen mit einer erkennbaren Bresche von 46 m Breite auch zu besichtigen.

Robert B. Jansen nennt in DAMS FROM THE BEGINNING als mögliche Bauzeit die Regierungszeit von Khufu (Pharao ungefähr von 2900-2877 v. Chr.). Khufu ist tatsächlich aber Cheops und regierte von 2620-2580 v. Chr.

Siehe auch

Talsperren-Katastrophen

Literatur

  • Norman Smith: A History of Dams, 1971
  • Garbrecht: Historische Talsperren, 1987
  • Wilhelm von Wölfel: Kanäle, Brücken und Zisternen in: „Bautechnik“, 1999
  • Nicholas J. Schnitter: A History of Dams, The Useful Pyramids. A. A. Balkema, Rotterdam 1994

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kamel: Kemet Heft 2/2002, S. 7.
  2. Günter Dreyer: Wadi Garawi. In: Lexikon der Ägyptologie, Bd. 6, Harassowitz Verlag, Wiesbaden 1986, Sp. 1097
29.79551899055631.432037

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