Samaniden-Mausoleum


Samaniden-Mausoleum
Samaniden-Mausoleum 2007
Nahansicht der Südwand

Das Samaniden-Mausoleum ist die Grabstätte Ismail Samanis in Buchara. Es ist das älteste erhaltene Zeugnis islamischer Architektur in Zentralasien und auch das einzige Baudenkmal der Samaniden-Dynastie, welches erhalten geblieben ist. Es ist insofern kulturgeschichtlich bedeutend, als die islamische Weltanschauung die architektonische Verzierung von Gräbern verbietet. Cohn-Wiener vermutete, dass es sich um das früheste islamische Kuppelgrab (Qubba) überhaupt handelt.

Wann genau der Bau entstand ist ungeklärt, er wird ungefähr auf das 10. Jahrhundert datiert (Ismail regierte Chorasan von 900 bis 907). Architektonisch lehnt sich der Bau an einen Gebäudetypus an, der aus der Sassanidenzeit bereits bekannt war - dem zoroastrischen Feuertempel. Das Mausoleum besitzt einen quadratischen Grundriss mit einer Seitenlänge von 10 m. Es ist nach allen vier Seiten offen und aus gebrannten Ziegeln gemauert. An den vier Ecken des Unterbaus sind Dreiviertel-Säulen ohne Basis und Kapitelle eingestellt. Oberhalb der Säulen verläuft rund um das Gebäude eine Arkaden-Galerie mit je 10 Bögen pro Seite. Auf dem Dach sind an den vier Ecken bienenkorbartige kleine Kuppeln aufgesetzt. Diese befinden sich jedoch nicht direkt über den Säulen, sondern sind zur Gebäudemitte verschoben. Den Abschluss bildet eine Kuppel (lichte Höhe 9 m) mit einer kleinen Laterne.

In der Mitte jeder Außenwand ist in einem rechteckigen Rahmen ein Tor ausgespart. Innerhalb des rechteckigen Rahmens öffnet sich ein Kielbogen nach innen, in dem wiederum ein rechteckiges Tor eingelassen ist. Nur die Rahmen dieser Tore sind mit Ornamenten aus Terrakotta verziert. Die restliche Gestaltung des Mausoleums resultiert einzig aus der Anordnung der Ziegel, auch die Kreisornamente um die Torrahmen und über der Arkadengalerie wurden aus Ziegeln gefertigt.

Im Inneren folgt die Verzierung der Außenansicht. Der viereckige Gebäudegrundriss wird mit Bogen über die vier Ecken zunächst in eine Achteckform überführt. In den Ecken des Achtecks stehen kleine Säulen mit Kapitellen, die mehr Verzierung als tragendes Element sind. Die Säulen wiederum stützen die Vorsprünge eines schmalen Sechzehneck-Bandes, welches schließlich in die runde Kuppel übergeht. Hinter den Bogen des Achtecks liegen Trompennischen, die durch je drei hervorstechende Rippen gekennzeichnet sind (je eine an der linken und rechten Seite der Nische sowie eine in der Mitte).

Das Mausoleum war einst das Zentrum eines Friedhofs und versank im Laufe der Zeit unter mehreren Sandschichten. Erst im 20. Jahrhundert wurde es vollständig freigelegt und steht heute inmitten eines Parks. Aufgrund der Anordnung der Ziegel ändert sich der Farbton des Mausoleums abhängig vom Lichteinfall.

Literatur

  • Alfred Renz: Geschichte und Stätten des Islam von Spanien bis Indien, Prestel-Verlag, München-London-New York: 2001
  • John D. Hoag: Islam, DVA, Stuttgart: 1986
  • Ernst Cohn-Wiener: Turan. Islamische Baukunst in Mittelasien, Wasmuth, Berlin: 1930

Weblinks

 Commons: Samaniden-Mausoleum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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