Sanherib


Sanherib
Niederlage Sanheribs vor Jerusalem (nach der Bibel), Peter Paul Rubens, 1. Hälfte 17. Jahrhundert

Sin-ahhe-eriba (biblische hebräisch Sanherib, neuassyrisch Sin-aḫḫe-eriba, Sin-achche-eriba, Sin-ahhe-eriba; *etwa 745 v. Chr.; † 681 v. Chr) war als Sohn Sargons II. von 704 v. Chr. bis 681 v. Chr. [1] assyrischer König. Sein Name bedeutet: Der Gott Sin ersetzte mir die Brüder. Es handelt sich um einen sogenannten Ersatznamen, der zum Ausdruck bringt, dass vor seiner Geburt Brüder gestorben sind, die der Gott durch seine eigene Geburt ersetzt.

Die im deutschen verwendete Namensform Sanherib ist aus dem Hebräischen der Bibel übernommen worden. Luther überträgt Sennacherib, angelehnt an die Wortform der Septuaginta Σενναχηριμ (Sennacherim).

Inhaltsverzeichnis

Leben Sanheribs

3. Feldzug

Nachdem er 703 v. Chr. einen Aufstand der Babylonier unterdrückte, unternahm er im Jahr 702 v. Chr. seinen 3. Feldzug.[2] Zunächst zog er nach Hatti (Syrien) und weiter Richtung Aram bzw. an die Küste in die Region von Sidon. König Luli aus Sidon hatte mit einigen Fürsten des Umlandes einen Aufstand gegen die assyrische Beherrschung gewagt, floh aber bei Ankunft von Sanherib. Die Herrschaft über Sidon wurde dann Tabal/Tubal übertragen. Die Könige Abdiliati (Arwad), Urumilki (Byblos), Mitinti (Aschdod), Pudu-ilu (Bit Ammana), Kamosch-Nadbi (Moab), Joram (Edom), Minechem (Samsimuruna) erneuerten das Bündnis mit Assyrien, ebenso die Könige des Landes Amurru. Zwei aufständische Länder hatten die Gegenwehr aber noch nicht aufgegeben: Askalon und Juda. Zuvor hatte Hiskija König Padi aus Ekron in Gefangenschaft genommen, der weiter den Bündnispartner Assyrien unterstütze. Nach dem Sieg über König Sideqa/Zideqa (Askalon) wurde Hiskija (Juda) gemäß Sanheribs Aussagen "gleich einem Vogel im Käfig in seiner Residenz Jerusalem (Ursalimmu) eingeschlossen". Hiskija ergab sich nach einer längeren Belagerung und heftigen Kämpfen im Umland.

Für das Königreich Juda war es eine folgenschwere Niederlage: Es erfolgte eine umfangreiche Deportation nach Assyrien von Mitgliedern des Königshauses, Teilen der Bevölkerung und des Viehbestandes. Als Beute wurden 30 Talente Gold und 800 Talente Silber aus Jerusalem nach Assyrien verschleppt. Außerdem wurden weite Teile des Landes Juda den Stadtstaaten Aschdod, Ekron und Gaza gegeben. Das Königreich Juda blieb nur noch in seinem Kernland (Region Jerusalem/Umland) bestehen. Padi wurde wieder in Ekron als König eingesetzt.[3] In der Folgezeit wurde die Oberherrschaft Assyriens von Hiskija anerkannt und Tributzahlungen nach Ninive erbracht. Die von Assyrien erwähnten Kriegsgeräte wurden zwischenzeitlich bei archäologischen Ausgrabungen in der Region Lachisch entdeckt. In der Bibel (2. Könige 18-19) wird die Belagerung Jerusalems dagegen als Niederlage der Assyrer dargestellt.

Der biblische Bericht, der mit einer Unterstützung Hiskijas durch Taharqa in Verbindung gebracht wird, kann ebenso wenig bestätigt werden, wie die Mäuseplage im Bericht von Herodot sowie die Erwähnung des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus, der in diesem Zusammenhang den Babylonier Berossos zitiert: Als nun Senacherib von dem Zuge gegen Ägypten nach Jerusalem zurückkehrte, fand er, dass die unter Rapsakes zurückgelassenen Truppen schwer an der Pest litten. In der ersten Nacht, da er gemeinsam mit diesen Truppen die Belagerung weiterführte, tötete die Seuche in seinem Heere hundertfünfundachtzigtausend Mann samt ihren Führern und Hauptleuten.[4] Sanherib gewann in der Schlacht bei El-Theke und Tamna, nahm die ägyptischen Prinzen und die nubischen Wagenkämpfer gefangen. Herodot, wie auch Berossos, verwechselte in seiner Erzählung die Mäuseplage den ägyptischen Königsnamen Sethos mit Schabataka.

5.Feldzug

Dieser Feldzug führte Sanherib 697 v. Chr. in die Städte am Berg Nippur (östlich von Cizre am Oberen Tigris); danach zur Stadt Ukku im Grenzgebiet von Urartu, die zerstört und geplündert wurde.

6. Feldzug

696 v. Chr. führte Sanherib seinen 6. Feldzug mit einer logistischen Meisterleistung durch. Mit den in Ninive und Til Barsip gebauten Schiffen fuhr er stromabwärts zum persischen Golf, um dann von dort in einem schnellen Angriff Elam zu überraschen.

Zerstörung der Stadt Babylon

689 v. Chr. erfolgte ein vernichtender Angriff auf Babylon. Der Lauf des Euphrat wurde danach über die Stadt Babylon geleitet. Ob hinter dieser Bestrafungsaktion ein persönliches Rachemotiv zu suchen ist, welches mit der Ermordung Sanheribs Sohnes Aschschur-nadin-schumi im Jahr 694 v. Chr. in Verbindung gebracht werden kann, wird kontrovers diskutiert.

Er eroberte die Festung Adumutu und nahm Iskallatu, die Königin der Araber gefangen.

Bauten

Unter Sanherib wurde Ninive im Norden von Mesopotamien zur Hauptstadt, er ließ die Stadt mit Kanälen, Tempeln und Palästen, von denen der am Tigris und Khosr gelegene Südpalast von den assyrischen Bauwerken das größte ist, ausstatten.

Tod Sanheribs

Zum Tod von Sanherib im Jahr 681 v. Chr. liegen verschiedene Übersetzungen mit unterschiedlicher Schilderung vor:

  • Sanherib wurde von zweien seiner Söhne ermordet: "Sie empörten sich ... / Um die Königsherrschaft auszuüben, töteten sie Sanherib" (Prisma B, III R15, Kol I, Zeile 45f)[5].
  • Am 20. Tebet wurde Sanherib bei einem Aufruhr von seinem eigenen Sohn getötet..[6]
  • In der biblischen Erzählung wurde Sanherib von Adrammelech (= Urdu-Mullissu) und Sarezer ermordet; beide Söhne flohen nach der Tat nach Urartu.

Gesichert ist die Erkenntnis, dass der älteste Sohn Aschschur-nadin-schumi im Jahr 681 v. Chr. nicht mehr lebte. Der zweitälteste Sohn ist mit Namen Urdu-Mullissu bekannt. Ob Asarhaddon selbst an der Tötung beteiligt war, kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Siehe auch

Literatur

  • Texte aus der Umwelt des Alten Testaments Band 1/Alte Folge
  • Kurt Galling: Textbuch zur Geschichte Israels.
  • Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. C.H.Beck Verlag, München 2004, ISBN 3-406-51664-5.
  • Rykle Borger und Wolfgang Schramm: Einleitung in die assyrischen Königsinschriften. 2 Bände. Brill, Leiden 1961 und 1972.
  • Eckhart Frahm: Einleitung in die Sanherib-Inschriften. Archiv für Orientforschung Bh. 26, Wien 1997.

Anmerkungen und Belege

  1. gemäß Liste der assyrischen Könige
  2. Texte aus der Umwelt des Alten Testaments Band 1/Alte Folge Sanheribs 3. Feldzug S. 391
  3. Textbuch zur Geschichte Israels (TGI), Kurt Galling, Sanheribs 3. Feldzug S. 67/68
  4. Jüdische Altertümer, übersetzt von H. Clementz, 10. Buch, Kap. 1, Abs. 5, S. 602
  5. Hugo Gressmann: Altorientalische Texte zum Alten Testament, 1926: Prisma B, III R15, Kol I, Zeile 45f: Sie empörten sich ... / Um auszuüben die Königsherrschaft, töteten sie [Sanherib]
  6. Textbuch zur Geschichte Israels (TGI), Kurt Galling, Sanheribs Tötung S. 69



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