Sankt Veit in Defereggen


Sankt Veit in Defereggen
Wappen Karte
Wappen von St. Veit in Defereggen
St. Veit in Defereggen (Österreich)
DEC
St. Veit in Defereggen
Basisdaten
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)
Bundesland Tirol
Politischer Bezirk Lienz (LZ)
Fläche 61,48 km²
Koordinaten 46° 56′ N, 12° 26′ O46.92555555555612.4258333333331495Koordinaten: 46° 55′ 32″ N, 12° 25′ 33″ O
Höhe 1495 m ü. A.
Einwohner 753 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte 12 Einwohner je km²
Postleitzahl 9962
Vorwahl 04879
Gemeindekennziffer 7 07 26
AT333
Adresse der
Gemeindeverwaltung
Gsaritzen 28
9962 St. Veit i.D.
Offizielle Website
Politik
Bürgermeister Vitus Monitzer
Gemeinderat (2004)
(11 Mitglieder)
4 Gemeinsam St. Veit,
3 ARGE 2000,
4 Sonstige
Lage von Sankt Veit in Def. im Bezirk Lienz
Lage von Sankt Veit in Def. im Bezirk Lienz

St. Veit in Defereggen ist eine Gemeinde im österreichischen Bundesland Tirol, Bezirk Lienz (Osttirol). Das Gemeindegebiet umfasst das mittlere Defereggental sowie einige Nebentäler. Fast ein Viertel des Gemeindegebietes gehört zum Nationalpark Hohe Tauern[1]. Die Besiedlung erfolgte ab 200 n. Chr. durch Bauern aus dem Virgental, die zunächst die sonnigen Hänge als Sommerweiden für ihr Vieh nutzten. Bis ins 15. Jahrhundert lebte die Bevölkerung hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehzucht, danach war der Bergbau lange Zeit bestimmend. Heute ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle der Bevölkerung. Politisch gehörte St. Veit zu Salzburg. Diese Zugehörigkeit begann Anfang des 13. Jahrhunderts und endete erst im Jahr 1803. Urkundlich erstmals erwähnt wird St. Veit im Jahr 1313.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage

St. Veit in Defereggen

St. Veit liegt im mittleren Defereggental, in südlicher Hanglage auf einer Höhe von 1.495 m ü.A. und ist die höchst gelegene Gemeinde Osttirols. Bedingt durch die Lage auf der „Sonnenseite“ des Tals konnten in der Vergangenheit sogar Getreide und Kartoffeln angebaut werden. Jedoch kommt es auch in den Sommermonaten vor, dass noch Schnee fallen kann. Das Defereggental wird von der Schwarzach durchflossen. Die Gemeinde erstreckt sich über mehrere Weiler und Höfe im Tal und an den Hängen. Ortsnamen wie Gsaritzen, Gritzen oder Görtschach sind slawischer Herkunft.

Gemeindegliederung

Bevölkerungsverteilung 2001 [2]
Bruggen 269
Görtschach 155
Gassen 9
Gritzen 127
Gsaritzen 132
Moos 99

Die Gemeinde St. Veit gliedert sich in die 6 Fraktionen Bruggen, Görtschach, Gassen, Gritzen, Gsaritzen und Moos. Die größte Fraktion ist Bruggen. Sie liegt gänzlich im Tal. Zu ihr gehören die Ortsteile Rauth, Bruggen, Feld, Schnall, Abersboden und Mentlerboden. Hier schließt sich die Fraktion Gritzen an. Noch im Tal liegen die Ortsteile Osing und Zotten. Am Hang liegen Egg und Obergritzen. Ebenfalls im Tal, im Ortsteil Zotten liegt die Fraktion Görtschach. Auch Görtschach liegt zum Teil am Hang. Zu Görtschach gehören die Weiler Außerzotten, Scheibelrauth, Kurzthal, Unteregg, Außeregg, Ratschitsch und Linden. Das Zentrum von St. Veit selbst gehört zur Fraktion Gsaritzen. Diese Fraktion liegt bereits auf einer Höhe von 1500 – 1650 m. Hier liegen die Höfe Prozent und Oberholz. Talauswärts, im Osten des Gemeindegebiets liegt die Fraktion Moos. Zu ihr gehören die Weiler Mellitz, Bergl, Unterbergl, Gampele, Moos, Köfele und Birk. Die kleinste Fraktion ist Gassen. Gassen wurde erst 2007 mit einer Straße erschlossen. Zu ihr gehören 2 Häuser. Durch Gassen führt der Natur- und Kulturlehrweg Leben am Steilhang eingerichtet vom Nationalpark Hohe Tauern.

Im Zentrum auf einer Höhe von 1500 m befindet sich die Pfarrkirche, die dem heiligen St. Veit gewidmet und seit 1313 belegt ist, das Pfarrhaus, das Gemeindeamt, eine zweiklassige Volksschule und ein Gasthof. Vor Jahren geschlossen wurden die Post und das Lebensmittelgeschäft.

Flächennutzung

Ein Großteil des Gemeindegebietes wird land- bzw. forstwirtschaftlich genutzt. Jedoch gibt es nur noch wenige haupt- bzw. nebenerwerbliche Betriebe. Bereits 1999 wurden 84 % der Fläche durch Betriebe juristischer Personen bewirtschaftet, 5 % der Fläche durch Haupterwerbsbetriebe und 11 % durch Nebenerwerbsbetriebe. 22 % des Gemeindegebietes liegen im Nationalpark Hohe Tauern.[2]

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden im Defereggental sind im Westen St. Jakob in Defereggen sowie im Osten Hopfgarten in Defereggen. Im Norden grenzt St. Veit an Virgen und Matrei in Osttirol sowie im Süden an Außervillgraten und Innervillgraten im Pustertal. Zu den Gemeinden im Norden und im Süden existieren keine Straßenverbindungen.

Geschichte

St. Veit mit Blick auf den Hochschober

Besiedlung

Erste Spuren einer Besiedlung sind Funde römischer Keramik und eine Beinnadel, die bei Ausgrabungen in der Kirche St. Veit gefunden wurde. Zusätzlich wurde in Feld eine vermutlich römerzeitliche Spinnwirtel gefunden. Diese Funde sind heute im Museum Zeitreise Defereggental in St. Jakob ausgestellt. Besiedelt wurde St. Veit im Mittelalter von einwandernden Slawen. Zunächst nutzten sie ausgehend vom Virgental die sonnigen Hänge oberhalb von St. Veit als Sommerweide für ihr Vieh. Noch heute erhaltene Flurnamen deuten auf diese Besiedelung hin. Später wanderten durch die Christianisierung des Alpenraumes zunehmend Siedler aus bajuwarischen Gebieten ein. Da mehr Siedlungsraum benötigt wurde, wurde zunehmend auch der Talbereich des Defereggentals besiedelt.

Erste Erwähnung

St. Veit aus Richtung Tal

Urkundlich wird ein Pfarrer von St. Veit und damit der Ort erstmals 1313 erwähnt. Zu dieser Zeit gehörte die Gemeinde kirchlich und politisch zum Erzbistum Salzburg. Die Zugehörigkeit endete erst im Jahr 1803. St. Veit war jedoch nicht selbständig sondern als Kuratie mit eigenem Priester finanziell und rechtlich von Windisch-Matrei abhängig. Die Pfarrkirche zum hl. Vitus wurde Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet und ist somit das älteste erhaltene Gebäude der Gemeinde. Jedoch sind auch einige sehr alte Holzhäuser noch erhalten wie etwa ein altes Futterhaus in Gassen mit der Jahreszahl 1502 an einem Holzbalken.

Bergbau und Hausierer

Der Bergbau erreichte im späten Mittelalter auch St. Veit. Durch ihn stieg die Bevölkerung Ende des 15. Jahrhunderts bis auf 2.000 Einwohner an. Zahlreiche Stollen wurden im Gemeindegebiet angelegt. Noch heute existieren zwei Probestollen in der Nähe der Rotte Osing. Die stark angewachsene Bevölkerung konnte nun nicht mehr allein durch Land- und Viehwirtschaft ernährt werden, zumal mit zunehmender Erschöpfung der Lagerstätten auch der Bergbau nicht mehr die nötigen Einnahmen brachte. So stiegen immer mehr Talbewohner in das Hausierergeschäft ein. Zumeist in den Wintermonaten verließen viele Männer das Tal um auf Reise zu gehen. Ein wirtschaftlich sehr wichtiges und bekanntes Gut war der Deferegger Strohhut, der später zunehmend in Manufakturen außerhalb des Defereggentals in ganz Österreich-Ungarn hergestellt wurde.

Ausweisung der Deferegger Protestanten

Vermutlich durch die Bergknappen oder auch durch die Reisen der Hausierer hielten die Lehren Martin Luthers um 1600 Einzug in das Defereggental. Nachdem 1666 der Salzburger Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg Kenntnis über das Vorhandensein der Protestanten erhielt, folgten Befragungen und Verhöre. 1684 wurde ein Anführer der Protestanten festgenommen. Daraufhin zogen 70 Bauern nach Matrei und stellten entsprechend der Bestimmungen des Westfälischen Friedens das Gesuch, an ihrer Lehre festhalten zu können oder das Land verlassen zu dürfen. Vom Erzbischof wurden sie daraufhin aufgefordert zum katholischen Glauben zurückzukehren oder sich auf die Ausweisung vorzubereiten. Entgegen den Bestimmungen des Westfälischen Friedens wurden ihnen nur 36 bzw. 50 Tage statt drei Jahre gegeben, sich auf die Ausweisung vorzubereiten und ihre Habe zu verkaufen. Im Dezember 1684 mussten die ersten Deferegger das Tal verlassen. Kinder, die jünger als 15 Jahre waren, durften die Eltern nicht begleiten. Diese sollten im Tal bleiben und im katholischen Glauben erzogen werden. Fast 620 Erwachsene wurden zur Ausreise gezwungen, 290 Kinder mussten zurückbleiben. Viele von ihnen wurden jedoch später von ihren Eltern aus dem Tal entführt. Endgültig erlosch der Protestantismus im Tal jedoch erst Anfang des 18. Jahrhunderts.

St. Veit im 20. Jahrhundert

Die Gründung von Manufakturen zur Herstellung des Deferegger Strohhut und auch von Uhrenfabriken führte zu einer verstärkten Abwanderung der Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Jedoch wurden durch die verstärkten Kontakte auch neue Einflüsse ins Tal gebracht. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Defereggental von Huben aus mit einer Straße erschlossen. Hierdurch erlebte auch der Tourismus einen ersten Aufschwung. Mittlerweile ist der Tourismus der wichtigste Erwerbszweig im Tal geworden. Die Gemeinde bekam ihr erstes Postamt 1870 im Weiler Zotten. 1987 wurde es nach St. Veit verlegt und im Jahr 2002 geschlossen. Erst im zweiten Weltkrieg konnte die Straße nach St. Veit fertig gestellt werden. Der Bau hatte bereits in den 30er Jahren begonnen.

Hochwasserkatastrophe 1965

Nachdem es Anfang September mehrere Tage stark geregnet hatte, löste sich in der Nacht zum 3. September im Weiler Gassen eine Mure. Diese traf ein Doppelhaus, in dem sich aufgrund seiner bis dahin als sicher gegoltenen Lage 16 Einwohner versammelt hatten. Sechs Menschen starben, drei hatten das Haus vorher verlassen, sieben konnten geborgen werden. Als Folge dieses Ereignisses zogen die überlebenden Bewohner bis auf ein Geschwisterpaar fort. Auch im Tal mussten Häuser in der Nähe der Schwarzach evakuiert werden, Höfe waren nicht mehr erreichbar, da das Hochwasser die Wege überflutete. Mehrere Häuser und die St. Johannes Kapelle in Bruggen wurden zerstört. In der Dokumentation „Unterwegs nach ... Heimat“ von 2004 wurde die Katastrophe filmisch aufgearbeitet. Der Dokumentarfilm wurde mit dem Romy 2005 ausgezeichten.[3]

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat besteht aus 11 Mitgliedern die alle sechs Jahre im Zuge tirolweiter Gemeinderatswahlen gewählt werden. Er setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2004 aus Mandaten der folgenden Wählergruppen zusammen:

4 Mandate gewann die Wählergruppe 1: „Gemeinsam für unser St. Veit“ der auch der Bürgermeister Vitus Monitzer angehört. Die Wählergruppe 2: „Mit bäuerlichem Fleiß für St. Veit“ gewann 2 Mandate, die Wählergruppe 3: ARGE 2000 gewann 3 Mandate und die Wählergruppe 4: „Wir für St. Veit“ gewann 2 Mandate.

Seit 1998 ist Vitus Monitzer direkt gewählter Bürgermeister von St. Veit.

Wappen

Wappen der Gemeinde St. Veit in Defereggen

1975 wurde der Gemeinde von der Tiroler Landesregierung ein Wappen verliehen. Es zeigt den heiligen Vitus, den Namenspatron der Gemeinde. Entsprechend seiner Legende befindet er sich in einem Ölkessel über roten Flammen, die Märtyrerpalme in der linken Hand tragend, seine rechte Hand ist erhoben. Das Wappen zeigt ihn in schwarzer Farbe auf goldenem Schild. Auch die Gemeindefahne zeigt die Farbkombination schwarz-gelb.

Persönlichkeiten

  • Reimmichl Sebastian Rieger, ein römisch-katholischer Priester und Dichter.

Literatur

  • Matthias Hofmann, Chronik St. Veit in Defereggen. Von den Anfängen bis 1889 (hgg. v. M. Hafele – M. Huber), St. Veit 1997
  • Heinz Kröll, Gert Stemberger: "Defereggen - eine Landschaft in Tirol", Dr. A.Schendl Verlag, Wien 1985

Einzelnachweise

  1. Geschichte des Nationalparks in Tirol
  2. a b Gemeindedaten St. Veit in Defereggen VZ 2001 (Statistik Austria)
  3. Unterwegs nach Heimat

Weblinks


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