Schalter (Elektrotechnik)


Schalter (Elektrotechnik)

Ein Schalter ist eine Baugruppe, die mittels zweier elektrisch leitender Materialien oder eines Halbleiterbauelements eine elektrisch leitende Verbindung herstellt oder trennt. Idealerweise arbeitet er nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip, das heißt eine Betätigung führt immer eindeutig zu einem Schaltzustand „offen“ oder „geschlossen“. Im Schaltzustand „offen“ sollte aus Sicherheitsaspekten die durch moderne Halbleiterschalter bewirkte "elektronische Trennung" stets unterschieden werden von einer mechatronischen "galvanischen Trennung", die Schutz vor elektrischer Spannung bieten kann.

Verschiedene Typen von Schaltern

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

„Schalter“, auch „Schaltgeräte“ genannt, können nach zahlreichen Merkmalen unterschieden werden. Beispielsweise nach der Art der Betätigung, nach Bauart und konstruktiven Merkmalen oder Nutzungsmerkmalen. Für Anwender am wichtigsten sind die elektrischen Kenngrößen (Bemessungsangaben), die die Eignung eines Schalters für bestimmte Spannungs- und Strombereiche sowie Umgebungsbedingungen beschreiben. Die Eignung muss dabei in allen Betriebszuständen des Schalters gegeben sein: Die Kontaktgabe, das Strom-Führen, das Kontakttrennen und das sichere Isolieren im Offen-Zustand.

Untergliedert man nach dem Verhalten eines Schalters im Anschluss an eine erfolgte Betätigung, so gibt es Schalter, die nach einer Betätigung stabil in ihrem Schaltzustand bleiben. Dies sind z. B. bistabile Kippschalter, Wippschalter, Stufenschalter, Rastschalter, Mehrfach- oder Wahl-Schalter. Taster und Tasten dagegen kehren nach Wegnahme der Betätigung wieder in ihre Ruhestellung zurück.

Nach der Art der Anwendung werden beispielsweise unterschieden:

  • Signalschalter, die meist in Gerätesteuerungen in Sicherheits-Kleinspannungskreisen verwendet werden;
  • Geräteschalter, wie sie als Netzschalter in Hausgeräten verwendet werden, die normalerweise an Steckdosen betrieben werden;
  • Elektrowerkzeugschalter, die in überwiegend motorbetriebenen elektrischen Werkzeugen und Maschinen eingesetzt sind;
  • Installationsschaltgeräte, die fest in Bauwerken montiert sind und nicht über beispielsweise Ziehen des Netzsteckers spannungsfrei werden;
  • Schutzschalter (Schütze, Leitungsschutzschalter).

Abgrenzung des Begriffes Schalter

Bei einem Schalter steht das Ein- und Ausschalten eines Stromes im Vordergrund, und zwar unmittelbar oder mittelbar als Folge einer Betätigung.

Wird der Schaltzustand nicht durch Betätigung geändert, sondern durch ein Steuersignal, z. B. ein Stromstoß an eine Spule, spricht man von einem Relais. Ein Transistor ist ebenfalls ein durch ein Steuersignal aktivierter Halbleiterschalter und daher kein Schalter im eigentlichen Sinne.

Die mechanische Betätigung ist für die Bezeichnung „Schalter“ nicht zwingend, auch über

sind Schalter.

Im geschlossenen Zustand differenziert sich der Schalter in Abgrenzung zu Regel- und Steuereinheiten: Schalter können Regel- und Steuerelemente enthalten, die das Alles-oder-Nichts-Verhalten mit gezielten Zwischenstufen versehen, z. B. die Drehzahlregelung bei Motorgeräten. Die Abgrenzung des Schalters von einem Steller oder Regler ist oft fließend. Wenn die Schaltfunktion als bestimmend eingestuft wird, greift die Schalterdefinition, sonst die einer Regel- und Steuereinheit.

Die Begrifflichkeit „Schalter“ ist auch in den verschiedenen Sprachen unterschiedlich geprägt: Liegt etymologisch im Deutschen mit Schalter und dem Englischen mit switch mehr das mechanische Schieben oder Umlegen eines Betätigungselementes zugrunde, so stellt der romanische Raum mit dem französischen interrupteur oder dem italienischen interruttore das Trennende in den Vordergrund, im dänischen dagegen mit „kontakt“ das Verbindende.

Wesentliche Elemente eines Schalters

Schalteraufbau allgemein

Das wahrscheinlich wichtigste Element eines Schalters sind die Kontakte. Sie bestehen aus chemisch edlen Metallen, meist Silber. Diesem sind andere chemische Elemente zulegiert oder zugemischt, um die Kontaktlebensdauer zu erhöhen. Bei Signalschaltern sind die Kontaktoberflächen oft mit Gold beschichtet, um bei hoher elektrischer Leitfähigkeit die Oberflächen chemisch korrosionsresistent zu machen.

Silber hat den Nachteil, mit dem Schwefel aus der Luft Sulfide zu bilden. Diese Salze sind chemisch resistent und elektrisch sehr schlecht leitend. Entweder mechanisch durch Abrasion oder durch Lichtbogenabbrand müssen die Kontaktoberflächen gereinigt werden, um ausreichend niedrigen Übergangswiderstand sicherzustellen.

Die Kontaktträgerelemente sind oft aus Buntmetallen oder Federstählen, um je nach Anwendungsfall entsprechend gute elektrische Leitfähigkeit mit mechanischer Festigkeit und Elastizität zu kombinieren. Die Anschlüsse sind ebenfalls aus diesen Materialien und in vielerlei Varianten ausgebildet: Schraubanschlüsse, Steckanschlüsse für vorbereitete und unvorbereitete Leitungsenden, Kabelschuhe, Flachsteckelemente und vieles mehr sind üblich.

Als Gehäusematerialien sind Isolatoren notwendig, meist Kunststoffe, die ausreichend thermisch stabil sowie hitze- und feuerresistent sind.

Betätigungseinheit

zerlegter Mikroschalter
Wippschalter
Polwender in Kippschalterausführung
Kontaktblöcke (vorne mit Schließerkontakt, hinten mit Öffnerkontakt)

Mechanisch betätigte Schalter können entweder manuell, allgemeiner ausgedrückt vom Menschen, oder über Vorrichtungen betätigt werden. Der wesentliche Grund, dies zu unterscheiden, liegt darin, dass der Mensch als Regelkreis agieren kann: Schaltet ein Mensch ein Schaltgerät, und tritt im Folgenden die gewünschte Wirkung nicht ein, wird er je nach Situation geeignete Maßnahmen ergreifen. Bei mechanisiertem Schalten (z. B. dem Abschalten eines Rollladens in dessen Endstellung) sollten konstruktive Elemente im Fehlerfall dafür sorgen, dass kein Gefahrenzustand entsteht.

Die Schalterbetätigung kann sowohl direkt als auch indirekt erfolgen. Die Norm für Geräteschalter DIN/EN 61058-1 formuliert, dass der Schaltvorgang über ein Betätigungsteil oder durch Bedienung eines Sensors erfolgen kann, wobei Betätigungsteil oder Sensor getrennt vom Schalter angeordnet sein können. Zur Übertragung zwischen Betätigungsteil und Schaltelement werden optische, akustische oder thermische Signalstrecken angeführt.

Bei den mechanisch direkt betätigten Schaltern unterscheidet man nach Betätigungselement:

Mechanisch über Vorrichtungen oder indirekt betätigte Schalter:

Über Sensoren betätigte Schalter:

Schaltfunktion

Bei Betätigung stellen Einschalter als Schließer Kontaktverbindungen her, während Öffner Verbindungen trennen. Wechsel- (Umschalter) und Drehschalter verbinden einen Kontakt mit einem von zwei oder mehreren anderen Kontakten. Dabei werden Schalter, die die neue Verbindung herstellen, bevor die alte getrennt wird, als „brückend“, Schalter, die die alte Verbindung zuerst trennen, als „nicht brückend“ bezeichnet.

Schalter können weiter unterschieden werden:

Nach der Schaltfunktion
  • Öffner, Schließer
  • Wechsler
    • überlappende Schaltfunktion, „brückend“ (engl. make before break)
    • lückende Schaltfunktion, „nicht brückend“ (engl. break before make)
    • Kreuzwechsler
Art und Anzahl der Kontaktwege werden bei kleinen Kippschaltern oft mit englischen Abkürzungen beschrieben (SPST und DPST sind Einschalter, SPDT und DPDT sind Wechselschalter).
Abkürzung Englische
Langform
Beschreibung Symbol IEC 60617
SPST „Single pole, single throw“ Ein einpoliger Einschalter (Ein-Aus): Die Verbindung zwischen den beiden Anschlüssen kann geschlossen oder offen sein. Beispiel Lichtschalter. SPST-Switch.svg Symbol circuit breaker (one-pole).svg
SPDT „Single pole, double throw“ Ein einpoliger Wechselschalter (Ein-Ein): Der Anschluss C ist wahlweise mit L1 oder L2 verbunden. Die Mittelstellung ist mechanisch nicht stabil. SPDT-Switch.svg Symbol change over switch.svg
SPCO
SPTT
„Single pole, centre off“ oder
"Single Pole, Triple Throw"
(Ein-Aus-Ein). Diese Schalter unterscheiden sich vom SPDT durch eine mechanisch stabile Mittelstellung, in der kein Anschluss verbunden ist.    
DPST „Double pole, single throw“ Zweipoliger Einschalter. Ein Hebel betätigt gleichzeitig zwei Ausschalter DPST-symbol.svg Symbol circuit breaker (two-pole).svg
DPDT "Double pole, double throw" Zweipoliger Wechselschalter. Ein Hebel betätigt gleichzeitig zwei Umschalter. DPDT-symbol.svg Symbol change over switch (two-pole).svg
DPCO „Double pole, centre off“ Zweipoliger Wechselschalter mit stabiler Mittelstellung.
Bei Schaltern, die mechanisch gekoppelt drei Pole schalten, wird der erste Buchstabe der Bezeichnung durch ein „T“ für triple ersetzt. Bei Schaltern mit vier Polen ist es ein „Q“ für quadruple. Eine alternative Bezeichnung ersetzt den ersten Buchstaben durch die Zahl der mechanisch gekoppelten Pole (z. B. 3PDT).

Schalt-Kinematik

Bei der Betätigung eines Schalters besteht die Erwartung eines Zustandswechsels von „geschlossen“ nach „offen“ oder umgekehrt. Aufgrund besonders von Lichtbogeneffekten beim Öffnen und Schließen ist ein definierter Bewegungsablauf – unabhängig von demjenigen der Betätigung – für die Funktion und Lebensdauer eines Schalters erwünscht. Ab einem bestimmten Punkt, dem sogenannten Druckpunkt, soll der Schaltvorgang unumkehrbar eingeleitet sein. Dies lässt sich konstruktiv durch alle Varianten feinmechanischer Schnappelemente realisieren. Die derart aufgebaute Schalterbauform wird entsprechend Schnappschalter oder Sprungschalter genannt.

Insbesondere bei Schaltern für Gleichstromkreise ist ein möglichst kurzzeitiges Öffnen des Stromkreises wichtig. Beim Trennen der Kontakte besteht oberhalb der Lichtbogengrenzspannung und einem Mindeststrom die Gefahr eines stehenden Lichtbogens, der bei längerer Brennzeit den Schalter sehr schnell thermisch überlastet. Um dies zu verhindern, führen die Schnappsysteme die begonnene Betätigung ab dem Druckpunkt selbsttätig zu Ende. In Wechselstromkreisen verlöscht ein eventuell vorhandener Lichtbogen meist von selbst beim nächsten Stromnulldurchgang.

Schalter für Wechselstrom über 25 A oder für Gleichstrom haben teilweise hornförmige Kontakte und Löschkammern, die dazu dienen, den Lichtbogen zu verlängern, zu kühlen und so zum Verlöschen zu bringen. Besonders bei Mittel- und Hochspannungsschaltern, die z. B. unter Öl oder Vakuum arbeiten, werden besondere konstruktive Maßnahmen zur Beherrschung entstehender Schaltlichtbogen getroffen. Oft besitzen solche Schalter einen Federspeicher, um die Kontakte schnell zu trennen und zu schließen.

Im Gegensatz zu bspw. Kipp-, Wipp- oder Rastschaltern, die bei jedem Schaltwechsel betätigt werden, muss bei Tast- und insbesondere bei Schnappschaltern der Wechsel vom Arbeitszustand in den Ruhezustand selbsttätig erfolgen. Hierzu wird die im System gespeicherte Federenergie genutzt. Je nach Konstruktion eines Schalters als in Ruhestellung geschlossen (Öffner, n.c. normally closed) oder offen (Schließer, n.o. normally open) können diese als zwangsöffnend aus der Ruhestellung konstruiert sein. Damit können bei Mikroschaltern oder Schnappschaltern für hohe Einschaltströme eventuell entstandene Einschaltverschweißungen aufgebrochen werden.

Kategorien

Bezeichnungen nach dem Zweck

Eine weitere Differenzierung ergibt sich aus dem Zweck, den Schalter in einem Stromkreis erfüllen. Wesentliche Anwendungen sind:

Alter Drehschalter in einem Keller, darunter eine Steckdose. Beides in Feuchtraumausführung.

Trennschalter bilden eine große isolierende Luftstrecke zwischen den geöffneten Kontakten, können aber kaum Strom schalten. Sie werden vorwiegend in Schaltanlagen für Spannungen über 1000 V eingesetzt und dienen zur Trennung von Anlagenteilen für Wartungsarbeiten.

Lastschalter zum Schalten im Stromnetz können mechanisch (wie z. B. Lichtschalter) oder elektronisch (Halbleiterrelais, SSR (solid state relay)) betätigt werden. Sie finden breiten Einsatz als Netzschalter an (Haushalts-)Geräten und dürfen nur bis zu ihrem angegebenen Nennstrom verwendet werden.

Lasttrennschalter (siehe Hochspannungsschalter) vereinigen die Eigenschaften von Lastschaltern und Trennschaltern.

Leistungsschalter können Kurzschlussströme abschalten (siehe Hochspannungsschalter).

Steuerschalter können keine großen Lastströme, sondern nur kleinere Steuerströme schalten, mit denen zum Beispiel Schaltschütze angesteuert werden. Beispiele sind Schlüsselschalter oder Industrietaster. Typische Schaltspannungen sind 48 V Gleich- oder Wechselspannung oder 230 V Wechselspannung.

Signalschalter haben meist Kontakte aus Edelmetallen und besonders geringe Übergangswiderstände, sie dienen speziell zum Schalten kleiner Spannungen und Ströme.

Analogschalter ist eine Bezeichnung für digital angesteuerte Halbleiterschalter, die zum Schalten von analogen Signalen (z. B. Audiosignale) geeignet sind. Sie arbeiten meist mit MOSFETs und werden als integrierte Schaltungen verbaut.

Gebrauchskategorien nach EN 60947

Zur Bemessung von Schaltgeräten sind in der Euronorm EN 60947 Gebrauchskategorien definiert. Bei Wechselspannungsbetrieb kehrt sich die Stromrichtung periodisch um, was bei kleinen Spannungen meist schon zum Verlöschen des Lichtbogens führt, bei Gleichspannung bleibt ein möglicher Lichtbogen eher bestehen. Aus diesem Grund wird zwischen Gleich- und Wechselspannungsbetrieb unterschieden.

Gebrauchskategorien für Schaltgeräte bei Wechselspannungsbetrieb
Gebrauchskategorie
häufige Betätigung gelegentliche Betätigung typischer Schaltfall
AC-20A AC-20B Schalten ohne Last
AC-21A AC-21B Schalten ohmscher Last, Berücksichtigung geringer Überlast
AC-22A AC-22B Schalten gemischter ohmscher und induktiver Last, Berücksichtigung geringer Überlast
AC-23A AC-23B Schalten stark induktiver Lasten, beispielsweise von Motoren
Gebrauchskategorien für Schaltgeräte bei Gleichspannungsbetrieb
Gebrauchskategorie
häufige Betätigung gelegentliche Betätigung typischer Schaltfall
DC-20A DC-20B Schalten ohne Last
DC-21A DC-21B Schalten ohmscher Last, Berücksichtigung geringer Überlast
DC-22A DC-22B Schalten gemischter ohmscher und induktiver Last, Berücksichtigung geringer Überlast (beispielsweise Schalten von Nebenschlussmotoren)
DC-23A DC-23B Schalten stark induktiver Lasten, beispielsweise von Motoren (beispielsweise Schalten von Reihenschlussmotoren)

Kontaktkategorien

Zwangsgeführte Kontakte

Bei einem Relais/Schütz mit zwangsgeführten Kontakten sind Öffner und Schließer der Hilfskontakte garantiert niemals gleichzeitig geschlossen (IEC / EN 60 947-5-1 Anhang L).

Kontakte mit Zwangsöffnung

Ein Schalter (z. B. Not-Aus-Schalter) mit Zwangsöffnung ist so konstruiert, dass die Schaltbewegung zwangsläufig die Kontakte trennt. Bei verschweißten Kontakten ist er demnach schwerer bis gar nicht zu betätigen (IEC / EN 60 947-5-1, Anhang K).

Spiegelkontakte

Bei einem Schütz mit Spiegelkontakt ist dieser garantiert geöffnet, wenn irgendein Hauptkontakt geschlossen ist (IEC / EN 60 947-4-1 Anhang F).[1]

Bemessungsangaben nach EN 61058-1

Dichter Geräteschalter Marquardt 1930 mit IP-Schutz

Um Anwendern die Verwendung geeigneter Schalter zu ermöglichen, werden für jeden Schalter „Bemessungsangaben“ spezifiziert, dies sind (Liste nicht vollständig):

  • Strom und Spannung
  • Art des Netzes: Gleichstrom/Wechselstrom/Gleich- und Wechselstrom
  • Lastart (siehe weiter unten)
  • Umgebungstemperatur
  • Anzahl der Schaltzyklen
  • Schutzart (IP-Schutz), wenn der Schalter montiert ist
  • Schutz gegen elektrischen Schlag bei Verwendung in verschiedenen Gerätetypen
  • Verschmutzungsgrad der Umgebung
  • Beständigkeit gegen Wärme und Feuer
  • Überspannungsfestigkeit
  • Qualität des Isolationsvermögens

und einiges mehr.

Lastarten

Schalteraufschrift mit 2 resistiv-motorischen und einer kapazitiver Lastangabe links und cCSAus-Bemessungsangaben rechts

Für das Schaltvermögen eines Schalters ist von großer Bedeutung, wie das Strom-Zeit-Verhalten des Verbrauchers auf den Moment des Schließens und Öffnens rückwirkt. Man unterscheidet hierbei:

  • rein resistive Last: Nur Verbraucher mit strenger Proportionalität zwischen Strom und Spannung. Diese Lastart wird mit der Nomenklatur z. B. 16 A 250 V AC gekennzeichnet.
  • motorisch-resistive Last: Da Motoren beim Anlaufen kurzzeitig einen deutlich höheren Strombedarf aufweisen, wird das Leistungsvermögen für diese Lastart besonders notiert: 12(8)A 250 V AC bedeutet, dass der Schalter Motoren mit 8 A Bemessungsstrom einschalten kann, was konventionsgemäß mit dem Sechsfachen des in Klammern angegebenen Stromes im Anlauf überlastet wird: 48 A einschalten und mit dem Stromwert vor der Klammer ausschalten.
  • kapazitive Last: Kondensatoren laden sich mit abklingender Kennlinie auf, weshalb der Strom beim Einschalten besonders hoch ist. Schalter, die hier besonders leistungsfähig sind, werden mit der Notation z. B. 5/100 A 250 V AC bezeichnet. Dies bedeutet ein Einschaltvermögen bis 100 A mit einer typischen Zeitkonstante von 2,5 ms und ein Ausschaltvermögen von 5 A bei einer Spannung von bis 250 V.
  • Lampenlast: Der Einschaltstrom von Glühlampen ist um Faktor 13 bis 15 höher als der Nennstrom, d. h. durch eine 100-W-Birne fließt beim Einschalten ein Strom von 6 A, während im geschlossenen Zustand nur 0,4 A fließen. Dies beansprucht einen Schalter beim Einschalten ähnlich wie eine kapazitive Last.
  • Im nordamerikanischen Raum sind noch sog. TV-ratings gebräuchlich, die bei TV-Geräten ebenfalls einen hohen Einschaltstrom berücksichtigen.

Effekte und Zusammenhänge beim Schalten

Schließen

Bewegen sich zwei reale Kontakte aufeinander zu, wird unter einem bestimmten Minimalabstand die Durchschlagsfestigkeit des bestehenden Luftspalts unterschritten. Der Betrag des Minimalabstandes ist von der herrschenden Feldstärke und somit vom Spannungspotential zwischen den Schaltkontakten abhängig. Dies hat zur Folge, dass oberhalb von Mindest-Spannung und -Stromstärke ein Funken oder ein sogenannter Vorzündlichtbogen entstehen kann. Dieser beansprucht die Kontaktoberflächen (Kontakterosion), schmilzt sie eventuell auf und kann zum Kontaktverschweißen führen. Solcherart geschädigte Schalter lassen sich nicht mehr öffnen.

Im Moment der Berührung gelten die Regeln der Stoßmechanik: Elastische und plastische Deformation der Kontaktflächen tritt auf mit der Folge möglicher Abhebungen, dem Effekt des Prellens (Gegenmaßnahmen siehe dort). Die Kontakte schlagen zusammen und federn kurz wieder auseinander, so dass zusätzliche Störimpulse entstehen können.

Strom führen

Im geschlossenen Zustand kann der Strom dann möglichst verlustarm geführt werden, wenn ein metallischer Kontakt auf einer möglichst großen Querschnittsfläche besteht. Der spezifische Übergangswiderstand eines Schalters hängt ab vom spezifischen Widerstand der Materialien selbst sowie der Berührfläche, die wiederum direkt von der Kontaktkraft und der Härte der verwendeten Materialien bestimmt wird. Die derart erzeugte Widerstandswärme heizt den Kontakt auf.

Wird der Schalter im geschlossenen Zustand zusätzlich durch Schwingungen belastet, die eine Relativbewegung der beiden Kontakte bewirken können, besteht zusätzlich die Gefahr der Reibkorrosion. Kleinste Metallpartikel werden durch die Bewegung abgerieben und können oxidieren und die metallische Berührfläche verringern. Folge davon ist eine Erhöhung des Übergangswiderstandes und ein Ansteigen der Temperatur in der Kontaktzone.

Öffnen

Beim Öffnen eines Schalters nimmt die Kontaktkraft zunächst ab, die metallischen Berührflächen werden kleiner. Damit steigt der elektrische Widerstand, die Kontaktstelle heizt sich auf, das Kontaktmaterial schmilzt bei höheren Strömen. Reißt die verbindende Materialbrücke ab, wird sich bei Spannungen über etwa 12 – 20 V und Strömen über 2 A ein Lichtbogen ausbilden. D. h. die Luft wird ionisiert, was sich in bläulichem Leuchten äußert, über den Bogen kann der Strom weiterhin fließen. Ist der Abstand der Kontakte ausreichend groß, kann der Lichtbogen verlöschen.

Isolieren im offenen Zustand

Hinsichtlich des Isolationsvermögens unterscheidet man drei Zustände der galvanischen Trennung:

Vollständige Abschaltung
sicher gegen kurz- und langandauernde zeitweilige Überspannungen
Unvollständige Abschaltung
sicher gegen langandauernde zeitweilige Überspannungen
Elektronische Abschaltung
Trennung durch ein Halbleiterschaltgerät

Schalter mit unvollständiger Abschaltung werden mit dem griechischen Buchstaben µ gekennzeichnet.

Abschalten über ein Halbleiterschaltgerät kann keine Potentialtrennung bieten. Die Weiterentwicklung sind sogenannte low side switches, das sind leistungselektronische integrierte Schaltkreise mit zusätzlichen Schutz- und Überwachungsfunktionen. Sogenannte high side switches schalten die positive Betriebsspannung, können jedoch dennoch mit einem massebezogenen Signal gesteuert werden. Ebenfalls ohne galvanische Trennung arbeitet ein Kryotron.

Zertifizierte Schalter, Prüfzeichen

ENEC-Prüfzeichen des VDE

Die Sicherheit von Schaltern wird bewertet, indem die Konformität zu Forderungen bewertet wird, die in entsprechenden Schalter-Sicherheits-Normen (CB Scheme) erarbeitet wurden. Für Schalter sind dies zum einen die Norm für Geräteschalter, auf Basis der weltweit harmonisierten IEC 61058-1 und der Norm für Niederspannungsschaltgeräte IEC 60947-1. Diese Konformitätsuntersuchungen und –bestätigungen werden von zahlreichen Europäischen Zertifizierungsstellen (in Deutschland u. a. der VDE) durchgeführt und vergeben. Bei vorliegender Konformität werden die Schalter mit dem ENEC-Zeichen, gefolgt von einem Code der ausstellenden Zertifizierungsstelle, gekennzeichnet. Weiterhin muss dauerhaft die elektrische Leistungsfähigkeit mit Angabe des Stromes, der Spannung, der Art des Netzes (AC oder DC) auf dem Schalter kenntlich gemacht werden, damit der Anwender die richtige Auswahl treffen kann.

In Nordamerika führen Zertifizierungen auf Schaltern vor allem die US-amerikanischen UL und die kanadische CSA durch. Sie bewerten noch bis 2015 nach der UL 1054 bzw. CSA 22.2 No. 55 Ausgabe 1986, sind aber gerade dabei, die IEC-Norm in ihren Ländern zu übernehmen.

Literatur

  • Theodor Schmelcher: Handbuch der Niederspannung. Projektierungshinweise für Schaltgeräte Schaltanlagen und Verteiler. Siemens Aktiengesellschaft (Abt. Verlag), Berlin u. a. 1982, ISBN 3-8009-1358-5.
  • Günter Springer: Fachkunde Elektrotechnik. 18. völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Europa-Lehrmittel Nourney – Vollmer, Wuppertal 1989, ISBN 3-8085-3018-9 (Europa-Fachbuchreihe – Für elektrotechnische Berufe).
  • Werner Rieder: Elektrische Kontakte. Eine Einführung in ihre Physik und Technik. VDE-Verlag, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-8007-2542-8.
  • Eduard Vinaricky (Hrsg.): Elektrische Kontakte, Werkstoffe und ihre Anwendungen. Grundlagen, Technologien, Prüfverfahren. 2. vollständig neubearbeitete Auflage. Springer Verlag, Berlin u. a. 2002, ISBN 3-540-42431-8.
  • Alfred Hösl, Roland Ayx, Hans Werner Busch: Die vorschriftsmäßige Elektroinstallation. Wohnungsbau – Gewerbe – Industrie. 18. neu bearbeitete Auflage. Hüthig Verlag, Heidelberg 2003, ISBN 3-7785-2909-9.

Weblinks

 Commons: Elektrische Schalter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Esser, Wolfgang: Spiegelkontakte für hochverlässliche Informationen zu sicherheitsbezogenen Steuerfunktionen (PDF-Datei, 195 kB, aufgerufen am 6. März 2011)

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