Schehadé


Schehadé

Georges Schehadé (* 2. November 1905 in Alexandria; † 17. Januar 1989 in Paris) war ein libanesischer Dichter und Dramatiker. Seine traum- und märchenhaften, oft alogischen Texte rückten ihn in die Nähe des Surrealismus. Er verfasste sein Werk auf Französisch, jedoch wurden einige seiner Stücke auf deutschsprachigen Bühnen uraufgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Schehadé, zweites von sechs Kindern einer orthodox christlichen Familie aus dem Libanon, wuchs zunächst in Alexandria in begüterten Verhältnissen auf, bevor die Familie nach Geldverlusten des Vaters nach Beirut zog. Er studierte Jura und arbeitete ab 1930 bei der französischen Mandatsverwaltung, 1945 wurde er Generalsekretär der im Jahr zuvor gegründeten École Supérieure des Lettres in Beirut.

Zu dieser Zeit hatte er mit seinen Dichtungen in seiner Heimat bereits große Aufmerksamkeit gefunden. Anfangs noch vorwiegend an der Sprache Verlaines und Rimbauds orientiert, entwickelte er im Lauf der Jahre eine immer reduziertere, konzentriertere Bildlichkeit. Ein Kritiker schrieb, Schehadé unterscheide sich „durch seine vollkommene Unterwerfung unter das Unbewusste und eine bewusste künstlerische Unnachgiebigkeit ... Er macht seine Gedichte nicht, sondern wacht über ihre Geburt.“[1] Durch die Förderung Saint-John Perses, der zuerst 1931 Gedichte Schehadés in seiner Zeitschrift Commerce veröffentlichte, wurde er auch einem französischen Publikum bekannt. Bei seiner ersten Europareise 1933 lernte er Perse, Max Jacob und Jules Supervielle persönlich kennen. Ab 1946 hielt er sich häufiger in Paris auf, 1948 begegnete er André Breton und nahm von da an regelmäßig an Treffen der Surrealisten teil.

1951 hatte Schehadés noch vor dem Krieg verfasstes Stück Monsieur Bob'le im Théâtre de la Huchette Premiere und stieß mit seiner surrealen Bilderfolge auf sehr geteilte Reaktionen. Seine nächsten Stücke ab La Soirée des proverbes (Sprichwörterabend, 1954) wurden von Jean-Louis Barrault inszeniert, so auch die Histoire de Vasco (Geschichte des Vasco), die Barrault 1956 mit großem Erfolg im Schauspielhaus Zürich uraufführte. Das Stück erzählt die Geschichte eines Barbiers, der sich wider Willen in Kriegsgräuel verwickelt, und wurde wegen seines Antimilitarismus kritisiert.

1958 wurde der Film Goha, zu dem Schehadé das Drehbuch schrieb, in Cannes ausgezeichnet (Prix Le Premier Regard). Die Veilchen erlebte 1960 in Bochum Premiere: ein Stück über einen Wissenschaftler, der Kernspaltung mit Veilchen betreibt und damit den Weltuntergang auslöst. 1965 fand in München die Uraufführung von Der Auswanderer (L'Émigré de Brisbane) statt, worin das Erbe, das ein von seinem Heimatort vergessener reicher Mann dem unehelichen Kind vermacht, das er dort gezeugt haben will, Verwirrung auslöst.

Schehadé heiratete 1951 und hatte einen Sohn. 1977 ließ er sich wegen des Krieges im Libanon endgültig in Paris nieder, wo er 1986 als erster Preisträger mit dem Grand Prix de la Francophonie ausgezeichnet wurde. Sowohl seine letzten Gedichte wie die Gesamtausgabe seiner Werke erschienen 1998 in Beirut (Éditions Dar An-Nahar).

Werke

Gedichte

  • Étincelles (1928)
  • Poésies I (1938)
  • Poésies II (1948)
  • Poésies III (1949)
  • Poésies Zéro ou L'Écolier Sultan (1950, geschrieben 1928/29)
  • Si tu rencontres un ramier (später Poésies IV, 1951)
  • Poésies V (1972)
  • Le Nageur d'un seul amour (= Poésies VI, 1985)
  • Poésies VII (letzte Gedichte, 1998)

Dramen

  • Monsieur Bob'le (1951)
  • La Soirée des proverbes (1954)
  • Histoire de Vasco (1956)
  • Les Violettes (1960)
  • Le Voyage (1961)
  • L'Émigré de Brisbane (1965)
  • L'Habit fait le prince (Pantomime, 1973, geschrieben 1957)

Sonstiges

  • Rodogune Sinne („Roman“, veröffentlicht 1942, 1947; geschrieben 1929)
  • Goha (Drehbuch zum gleichnamigen Film, 1958)

Deutsche Ausgaben

  • Die Geschichte von Vasco. Ein Stück in sechs Bildern, deutsch von Herbert Meier, Frankfurt: S. Fischer Verlag 1958
  • Sprichwörterabend, deutsch von Hanns von Winter, in: Joachim Schondorff (Hrsg.): Französisches Theater der Avantgarde. Audiberti, Tardieu, Schehadé, Adamov, Genêt, Ionesco, Vian, Arrabal, München: Albert Langen, Georg Müller 1961, S. 115-193
  • Poesie I–VII, französisch – deutsch, übersetzt von Jürgen Brôcan, Berlin: Verlag Hans Schiler 2006

Literatur

  • Danielle Baglione, Albert Dichy: Georges Schehadé. Poète des deux rives. 1905-1989, Paris: Éditions de l'IMEC, Éditions Dar An-Nahar 1999

Weblinks

Zitatnachweis

  1. Der Kritiker André Simon bei einem Vortrag am 30. April 1937 in Beirut, zitiert in Danielle Baglione, Albert Dichy: Georges Schehadé. Poète des deux rives. 1905-1989, Paris: Éditions de l'IMEC, Éditions Dar An-Nahar 1999, S. 83

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