Schiebkarre

Schiebkarre

Eine Schubkarre (auch Schiebkarre, Scheibtruhe, Schiebebock,Schiebetruhe, Radwelle oder Karette genannt; offizielle Bundeswehr-Bezeichnung ist einachsiger Dreiseitenkipper) umfasst in der Regel ein Gestell, welches zwei Schubkarrenholme umfasst. Auf dem Gestell ist eine Lastaufnahmevorrichtung, die zumeist als wannenförmiges Hohlgefäß ausgebildet ist, befestigt. An dem Gestell ist in einem vorderen Bereich ein auf einer Achse gelagertes Rad befestigt. Eine in der Lastaufnahmevorrichtung angeordnete Last, beispielsweise Sand, wird mittels der Schubkarre befördert, indem die Schubkarre an den Schubkarrenholmen in eine Fahrstellung gehoben wird. In der Fahrstellung berührt lediglich das Rad den Untergrund. Die Schubkarre wird vorwärts oder rückwärts bewegt, indem die Person, die die Schubkarrenholme in Fahrstellung gehoben hat, sich fortbewegt. Gelenkt wird die Schubkarre, indem die Schubkarre um einen Auflagepunkt des Rades auf dem Untergrund in einer im Wesentlichen zu einer Tangentialebene des Untergrunds an dem Auflagepunkt parallelen Schwenkebene seitlich geschwenkt wird und/oder seitlich verkippt wird.

alte Schubkarre

Die Schubkarre ist ein Gerät, mit dem Lasten und insbesondere Schüttgüter von einer Person einfach transportiert werden können: Dabei ist im Prinzip eine Kippmulde mit zwei Griffen auf ein einzelnes Rad unter der Karre montiert. Das Hauptgewicht der Last liegt auf dem Rad unter dem Schwerpunkt der Last: Die Karre lässt sich daher am hinteren Ende leicht anheben: Das Gewicht der Last muss nicht mehr vom Bediener getragen werden, aufgrund der geringen Rollreibung lassen sich damit auch größere Entfernungen einfach zurücklegen; Stufen und unebenes Gelände legt man jedoch einfacher zurück, indem man – wenn es das Gelände zulässt – die Karre zieht (vgl. Handwagen).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

alte chinesische Segelschubkarre
alte chinesische Schubkarre
moderne Schubkarre

Antikes Griechenland

Die Schubkarre wurde erstmals im antiken Griechenland erfunden.[1] Zwei Bauinventurlisten aus Eleusis von 408-407 und 407-406 v.Chr. führen „1 Kasten für ein einrädiges Fahrzeug (hyperteria monokyklou)“ auf. Da 'dikyklos' und 'tetrakyklos' im antiken Griechenland nichts anderes als ein 'zweirädiges Fahrzeug' und 'vierrädiges Fahrzeug' bezeichneten, und da der Kasten des einrädigen Fahrzeug in der Liste zwischen einem Kasten für ein vierrädiges Fahrzeug einerseits und seinen vier Rädern andererseits auftaucht, muss mit dem einrädigen Fahrzeug eine Schubkarre gemeint sein, die notwendigerweise von einer Person benutzt und ausbalanciert wurde. Es gibt jedoch keine weiteren Hinweise auf den Gebrauch von Schubkarren im antiken Griechenland.

China

Im Kaiserreich China wurden zweirädrige Schubkarren zum Transport von Verletzen bereits im 2. Jahrhundert verwendet. Erfunden durch Chuko Liang (181–234). Die Verlagerung des Rades unter die Karre in den Schwerpunkt scheint in China schon lange üblich gewesen zu sein, wobei relativ große Räder verwendet wurden und die Last links und rechts neben dem Rad befestigt wurde (also keine Mulde, sondern im Prinzip zwei Bretter mit einem Rad dazwischen).

Mittelalter

Die Schubkarre tauchte im mittelalterlichen Europa zwischen 1170 und 1250 auf. Im Gegensatz zu chinesischen Schubkarren, deren Rad zentral unter der Transportfläche lag, besaßen Schubkarren im Mittelalter das Rad durchweg vorne oder fast vorne.[2] [3] Alte Abbildungen deuten darauf hin, dass sich die europäische Schubkarre möglicherweise aus der Trage entwickelt hat, bei der der vordere Träger durch ein Rad ersetzt wurde. Dies würde auch die völlig unterschiedliche Konstruktion gegenüber der dem Karren ähnlicheren chinesischen Schubkarre erklären, sowie die Mulde.

Die Erforschung der frühen Geschichte der Schubkarre wird durch das Fehlen einer gemeinsamen Terminologie erschwert. Der englische Wissenschaftshistoriker M.J.T. Lewis hat in englischen und französischen Quellen vier Erwähnungen von Schubkarren zwischen 1172 und 1222 ausgemacht, bei denen dreimal ein anderer Begriff verwendet wurde.[4] Der Kunsthistoriker Andrea Matthies datiert die erste urkundliche Erwähnung der Schubkarre auf einen Kaufvertrag einiger Schubkarren für ein Werk des Königs von England in Dover 1222.[5] Die erste Darstellung erscheint in einem englischen Manuskript (Vitae Offarum) des Matthäus von Paris um 1250.[6]

Bis zum 13. Jahrhundert hatte sich die Schubkarre im Baugewerbe, im Bergbau und bei der Landwirtschaft etabliert. Nach der Anzahl der erhaltenen Dokumenten und Illustrationen zu urteilen, blieb die Schubkarre jedoch bis zum 15. Jh. relativ selten.[7] Ihr Gebrauch schien überdies auf England, Frankreich und die Niederlande beschränkt zu sein.[8]

Neuzeit

Schubkarren in Europa sind bis Ende des 19. Jahrhunderts in der Regel aus Holz, um 1888 kommen komplett eiserne Schubkarren auf (Meyers Konv.-Lexikon 1888 unter „Karre“). Lastkarre (Pferde gehen in der Gabeldeichsel) könnte(!) Vorbild für Verlagerung der Räder unter (oder näher an) den Schwerpunkt gewesen sein.

Etwa seit den 1950er Jahren haben Schubkarren Luftbereifung.

Beim Arbeiten mit der Schubkarre ist es sinnvoll, die Last überwiegend über dem Rad zu lagern (vollzuschaufeln), um den Benutzer zu entlasten. Beim Arbeiten in unebenem, morastigem Gelände kann es sinnvoll sein, das Rad zu entlasten. In diesem Fall sollte die Last näher zu den Haltebügeln platziert werden. Alternativ kann man den Reifenluftdruck verringern, um mehr Auflagefläche für den Reifen zu erhalten.

Schubkarre als Sportgerät

Im angelsächsischen Raum wird ein (leerer) Schubkarren auch als Gerät zum Durchführen von Kunststücken verwendet (wheelbarrow freestyle).

Schubkarre

Weiterhin gibt es das Kinderspiel Schubkarre. Dabei hält ein Partner die Füße des anderen fest. Der Festgehaltene läuft nun auf seinen Händen. Das Spiel wird oft als Wettbewerb zwischen verschiedenen Schubkarren gespielt.

Verschiedene Ausführungen

Zweiräderige Kippmulden, meist mit einer wasserdicht verschweissten Mulde, deren Inhalt 100 bis 250 Liter betragen kann, nennt man auch Japaner oder Kipp-Japaner. Hiervon werden auch motorisierte Ausführungen angeboten, die aufgrund von Gewicht und Antriebskraft auch für andere Zwecke wie Schneeräumen oder Kehren umgerüstet werden können.

Quellen

  1. M. J. T. Lewis, S.470ff.
  2. M. J. T. Lewis, S.453-475
  3. Matthew Paris: Life of SS Alban and Amphibalus [1]
  4. M. J. T. Lewis, S.463
  5. Andrea L. Matthies, S.357
  6. Andrea L. Matthies, S.358.
    Die oft geäußerte Ansicht, dass eine Schubkarre in einem Kirchenfenster in der Kathedrale von Chartres kurz nach 1200 (um 1220) zu sehen ist, ist nach Lewis „eine Legende. Es gibt keine solche Abbildung, das ähnlichste ist eine Handkarre.“ (M.J.T. Lewis, S.463)
  7. M. J. T. Lewis, S.456
  8. Andrea L. Matthies, S.358

Literatur

  • M. J. T. Lewis: “The Origins of the Wheelbarrow”, in Technology and Culture, Bd. 35, Nr. 3. (Juli 1994), S. 453-475
  • Andrea L. Matthies: “The Medieval Wheelbarrow”, in Technology and Culture, Bd. 32, Nr. 2, Teil 1. (April 1991), S. 356-364

Weblinks


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