Schlacht von Tilly-sur-Seulles


Schlacht von Tilly-sur-Seulles
Schlacht um Caen
Teil von: Zweiter Weltkrieg
Karte des alliierten Vorstoßes bis zum 19. Juli 1944
Karte des alliierten Vorstoßes bis zum 19. Juli 1944
Datum 6. Juni15. August 1944
Ort Normandie, Frankreich
Ausgang alliierter Sieg
Konfliktparteien
Befehlshaber
Bernard Montgomery,
Miles Dempsey,
Guy Simonds
Gerd von Rundstedt,
Erwin Rommel,
Günther von Kluge,
Heinrich Eberbach
Truppenstärke
2. Britische Armee
(I. Korps,
VIII. Korps,
XII. Korps,
XXX. Korps,
Kanadisches II. Korps)
RAF
USAAF
5. Panzerarmee
(I. SS-Panzerkorps,
II. SS-Panzerkorps,
XXXXVII. Panzerkorps,
LXXXVI. Korps)
Verluste
nicht genau bekannt nicht genau bekannt

Die Schlacht um Caen war eine Abfolge von militärischen Angriffsoperationen im Zweiten Weltkrieg, die sich im Zeitraum zwischen Juni und August 1944 in Nordfrankreich ereigneten.

Die Eroberung der verkehrsstrategisch wichtigen französischen Stadt Caen war ursprünglich bereits für die ersten Tage nach Beginn der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944, im Rahmen der Operation Neptune, geplant. Trotz einer weitestgehend erfolgreichen Landung der ersten alliierten Angriffsverbände misslang der Versuch, Caen im ersten Anlauf zu erobern. Der alliierte Kommandeur Bernard Montgomery sah sich deshalb in den nachfolgenden Monaten zu mehreren Angriffen zur Eroberung der Stadt und zur Kontrolle ihres Umlandes gezwungen. Verteidigt wurde das Gebiet von Verbänden der Deutschen Wehrmacht und der Waffen-SS.

Darüber hinaus sollten die deutschen Befehlshaber mittels Vortäuschung eines Hauptangriffs auf Caen im britischen Sektor vom US-amerikanischen Sektor abgelenkt werden und die amerikanischen Truppen dadurch freien Handlungsspielraum für blitzkriegähnliche Operationen erhalten. Die folgenden Kämpfe um Caen entwickelten sich zu einer Materialschlacht und einem Stellungskrieg.

Am 9. und 10. Juli gelang es den Briten und Kanadiern, den Nord- und Westteil Caens zu erobern. Weitere neun Tage später, am 19. Juli 1944, war die gesamte Stadt unter alliierter Kontrolle. Daraufhin versuchten die Alliierten, über die Straße Caen-Falaise nach Falaise durchzubrechen. Die nachfolgenden Kämpfe bezeichnet man als Kessel von Falaise.

Die wiederholten britischen Angriffe im Raum Caen banden wesentliche deutsche Truppenverbände. Dies ermöglichte den amerikanischen Landungstruppen den Westteil des Brückenkopfes zu erweitern und letztlich bei Saint-Lô den entscheidenden Durchbruch zu erreichen. Die Kämpfe um Caen waren zwar verlustreich, verhalfen den Alliierten schließlich aber zu einer festen Basis in Nordfrankreich, mit deren Hilfe sie erst Paris und später Deutschland besetzten.

Die mittelalterliche Stadt Caen sowie die umliegenden Dörfer, Städte und auch das Gelände wurden durch das alliierte Bombardement, den Artilleriebeschuss und die Kämpfe zum Großteil zerstört. Der Wiederaufbau des zerstörten Caen erstreckte sich von 1948 bis 1962.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Ausgangssituation

Karte der Normandie und der Truppenstärken und -bewegungen (Zeichenerklärung siehe Taktische Zeichen)

Bereits vor Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 war ein Engagement auf dem europäischen Kriegsschauplatz absehbar. In der Konferenz von Washington 1941 kamen Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill überein, dass eine Landung auf dem europäischen Kontinent über das Mittelmeer, von der Türkei aus auf den Balkan, oder in Westeuropa erforderlich sein würde. Einer Konfrontation mit der deutschen Wehrmacht wurde gegenüber dem Krieg im Pazifik gegen Japan Priorität eingeräumt.

Zur Entlastung der Roten Armee hatte Josef Stalin die Westalliierten zur Eröffnung einer zweiten Front gedrängt. Auf der Konferenz von Teheran im November 1943 wurden daher Landungen in Nord- und Südfrankreich, die Operationen Overlord und Anvil beschlossen. Im Gegensatz zu Winston Churchill, der angeblich aufgrund fehlender Transportmittel auf die Operation Anvil verzichten wollte, favorisierte Stalin die ursprünglich geplante Zangenbewegung. Die Rote Armee hatte diese Strategie schon öfter erfolgreich angewandt. Unterdessen hielten die Amerikaner eine Invasion in Südfrankreich ebenfalls für sinnvoll, da die Häfen von Toulon und Marseille gute Nachschub- und Versorgungsmöglichkeiten für die alliierten Truppen in Frankreich bieten würden. Schließlich wurde eine gleichzeitige Invasion in Südfrankreich verworfen und begann als Operation Dragoon schließlich zeitversetzt im August 1944.

Auf der Casablanca-Konferenz wurde in Abwesenheit Stalins die Gründung eines gemeinsamen Hauptquartiers, des Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force, beschlossen. Die Führung der Supreme Allied Commander übernahm Dwight D. Eisenhower. Sein Stabschef wurde, unter der Bezeichnung Chief of Staff to the Supreme Allied Commander, der Lieutenant-General (Generalleutnant) Frederick E. Morgan, der dann die Planungen für die Operation Overlord leitete. Den Oberbefehl über die Landeeinheiten erhielt Bernard Montgomery. Die Seestreitkräfte befehligte Admiral Bertram Ramsay und die Luftstreitkräfte Air Chief Marshall (Luftmarschall) Trafford Leigh-Mallory. Als Hauptziele war die Kontrolle der größeren Städte Caen, Bayeux, Saint-Lô und Cherbourg vorgesehen.

Die Operation Neptune - Invasion in der Normandie

Kanadische Truppen landen am Abschnitt 'Nan White' Beach bei Bernières-sur-Mer

Am 6. Juni 1944 griffen alliierte Truppen im Zuge der Operation Neptune mit einer Seestreitmacht von mehreren tausend Schiffen, unterstützt von etwa 2000 Jagdflugzeugen und 1000 Bombern die französische Kanalküste an. Die Landung der Truppen erfolgte auf einer Länge von 98 Kilometern zwischen St. Mere Eglise auf der Halbinsel Cotentin im Westen und Ouistreham im Osten. An den westlichen Strandabschnitten Utah und Omaha landeten an diesem 6. Juni, dem sogenannten D-Day, zwei US-amerikanische Armeen, an den östlichen (Gold, Juno und Sword) zwei britische und eine kanadische Armee, insgesamt rund 170.000 Mann. Insbesondere die Kämpfe am Omaha Beach erwiesen sich als äußerst blutig und verlustreich für beide Seiten.

Am Abend des Invasionstags hatten die Alliierten mit Unterstützung von Fallschirmjägereinheiten, die in der Nacht zuvor unter hohen Verlusten hinter der Landungsfront abgesetzt worden waren, fünf Landeköpfe gesichert. Bei der Operation Tonga sprangen ebenfalls britische und kanadische Fallschirmspringer hinter dem Strandabschnitt Sword ab. Sie konnten strategisch wichtige Brücken wie die Pegasus- und Horsabrücke sowie die Artilleriebatterie bei Merville einnehmen, anschließend halten und darüber hinaus Nachschubwege der deutschen Verbände zerstören. Damit schufen sie einen Brückenkopf nördlich von Caen, der den alliierten Truppen in der Schlacht um Caen von Vorteil war.

Um einen gesicherten Brückenkopf aufzubauen, mussten die nächstgelegenen Städte eingenommen werden und ein Zusammenschluss der Landungstruppen erfolgen. Caen und das Umland boten ein gutes Terrain für das Anlegen von Flugfeldern. Außerdem verfügte die Stadt über einen Hafen, über den Nachschub in die Normandie transportiert werden konnte.

Verlauf

Die Einnahme von Caen war bereits am D-Day das Ziel der 2. Britischen Armee gewesen. Die Kontrolle über Caen und das Umland hätte den Alliierten den Bau von Landebahnen für Nachschubflugzeuge bzw. die Nutzung des Flugfeldes bei Carpiquet ermöglicht. Darüber hinaus wäre die Überquerung des Flusses Orne durch die Einnahme der Stadt und ihrer Brücken erleichtert worden.

Bocage-Landschaft

Da es aber den Briten und Kanadiern aufgrund des starken deutschen Widerstandes nicht gelang, die Stadt in den ersten Tagen der Invasion unter ihre Kontrolle zu bringen, befahl Montgomery mehrmals Angriffe auf Caen und dessen Umland. Diese Operationen sollten nebenbei dem Zweck dienen, die deutsche Wehrmacht vom US-amerikanischen Sektor abzulenken und ihr dem entsprechend einen Hauptangriff im britischen Sektor vorzutäuschen.

Unterdessen sabotierte die französische Résistance während der alliierten Operationen strategisch wichtige Schlüsselpunkte der deutschen Verteidigung wie beispielsweise Eisenbahnlinien oder Straßen.

Das Kampfgebiet bestand zum Teil aus einer Bocage-Landschaft mit vielen Feldern, kleinen Wegen, Flüssen und Bächen, die gute Verteidigungspositionen boten. Überlebende alliierte Soldaten berichteten, dass jedes einzelne Feld in heftigen Kämpfen erobert werden musste. Daneben war für Panzer sehr gut befahrbares Gelände vorhanden, was für die Alliierten wie auch für die Deutschen von großer Bedeutung war.

Caen war für die Abstimmung der deutschen 7. Armee und 15. Armee im Pas-de-Calais äußerst wichtig. Nahmen die Alliierten Caen ein, dann würde ein Rückzug der deutschen Truppen von der Kanalküste unvermeidbar werden, um eine Verbindung zwischen ihnen aufrecht zu erhalten. Ein Rückzug entsprach aber keineswegs den Vorstellungen Adolf Hitlers, der befohlen hatte, jeden Meter Land zu verteidigen und zu halten. Aus diesem Grund konzentrierten die Deutschen ihre Streitkräfte im Gebiet um Caen. Sie verlegten 150 schwere und 250 mittlere Panzer in das Caen-Gebiet, jedoch lediglich 50 mittlere Panzer und 26 Panzerkampfwagen V Panther in das Gebiet der amerikanischen Verbände.

Die Schlacht bei Tilly-sur-Seulles (8. bis 19. Juni)

Ein Sherman der Royal Marines Armoured Support Group auf dem Weg nach Tilly-sur-Seulles am 13. Juni
Ein zerstörter Universal Carrier in Tilly-sur-Seulles, 19. Juni

Vom 8. bis 19. Juni 1944 entbrannte bei Tilly-sur-Seulles eine Schlacht zwischen Teilen des 30. Britischen Armeekorps und der deutschen Panzer-Lehr-Division, die gemeinhin als Schlacht bei Tilly-sur-Seulles bekannt ist. Beide Parteien lieferten sich heftige Kämpfe um den Ort und die Frontlinie. Erst als britische Verbände am Abend des 18. Juni in den größtenteils zerstörten Ort vordrangen und sich dort trotz vereinzelten deutschen Gegenangriffen hielten, befahl Generalmajor Fritz Bayerlein, Kommandeur der Panzerlehrdivision, seinen Truppen, sich aus Tilly-sur-Seulles zurückzuziehen.

Nachdem die Gegend etwa 23 Mal ihren Besitzer gewechselt hatte, gelang es der 50. Britischen Infanteriedivision am 19. Juni, das Gelände komplett zu erobern. Bei den Kämpfen verloren 76 Dorfbewohner ihr Leben; also starb etwa jeder Zehnte Einwohner von Tilly-sur-Seulles.

Die Panzerlehrdivison verfügte vor der Schlacht über 190 Panzer; danach nur noch über 66. Neben den Panzern verloren die Deutschen auch 5500 Mann. In Tilly-sur-Seulles befinden sich seitdem ein britischer Soldatenfriedhof und ein Museum, das an die Schlacht erinnert. Etwas weiter entfernt lässt sich noch ein weiterer Soldatenfriedhof, nämlich der "Jerusalem" War Cemetery, der kleinste Soldatenfriedhof in der Normandie, finden.

Die Operation Perch (9. bis 14. Juni)

Britischer Captain (links) mit seinem Cromwell VI und seiner Mannschaft aus der 4. County of London Yeomanry, 7. Britische Panzerdivision, 17. Juni 1944
Zerstörter Cromwell-Panzer in den Ruinen von Villers-Bocage

Eine Woche nach dem 6. Juni 1944 drängte die 1. US-Infanteriedivision die 352. Deutsche Infanteriedivision zurück und entblößte dadurch die Flanke der deutschen Panzer-Lehr-Division. Der britische Generalfeldmarschall Bernard Montgomery befahlt daraufhin die Operation Perch, um die Panzerlehrdivision anzugreifen und die Stadt Villers-Bocage sowie andere nahegelegene Orte einzunehmen.

Am Morgen des 13. Juni stieß eine Gruppe von sechs PzKpfw VI Tiger unter dem Befehl von Michael Wittmann, die zur Sicherung der Straße N 175 südlich von Caen bei Villers-Bocage unterwegs war, auf eine Panzerkolonne der britischen Streitkräfte. Im anschließenden Gefecht, das den Namen Schlacht um Villers-Bocage trägt, verlor die britische Seite 20 Cromwell-Panzer, vier Sherman Fireflys, eine Anzahl von Stuarts und über 30 Halbkettenfahrzeuge sowie Bren Gun Carriers.

Nach diesem Vorfall rückten andere deutsche Panzerverbände auf Villers-Bocage zu, verloren aber gegen die nun besser vorbereiteten Alliierten einige ihrer Tiger-Panzer. Gegen Abend zogen sich die Alliierten zurück und überließen den größtenteils zerstörten Ort der deutschen Wehrmacht. Auf deutscher Seite gingen während dieses Gefechts 10 von 25 Panzern, den Alliierten 30 Panzer und mehr als 30 leicht gepanzerte Fahrzeuge von insgesamt 200 verloren.

Michael Wittmann wurde von der deutschen Propaganda für seinen Einsatz bei Villers-Bocage als Kriegsheld gefeiert und von Josef Dietrich für das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern vorgeschlagen. Am 25. Juni erfolgte die Verleihung des Ordens durch Adolf Hitler in Berchtesgaden.

Am 14. und 15 Juni griffen 337 Flugzeuge der Royal Air Force deutsche Truppen und Fahrzeugpositionen bei Aunay-sur-Odon und Évrecy, nahe Caen, an. Hintergrund dieses schnell ausgeführten Angriffs war ein detaillierter Bericht der alliierten Aufklärung über deutsche Einheiten und ihre Positionen. Klares Wetter ermöglichte es der RAF beide Ziele erfolgreich zu bombardieren, ohne den Abschuss eines ihrer Flugzeuge.

Die Operation Epsom (25. bis 30. Juni)

Ein Munitionsfahrzeug der 11. Panzerdivision explodiert, nachdem es während der Operation Epsom von Mörserbeschuss getroffen wurde
Soldaten der 7. Seaforth Highlanders, aus der 15. Schottischen Division, rücken während der Operation Epsom am 26. Juni vor

Elf Tage nach der Operation Perch begannen die Alliierten, nachdem sie sich zuvor gesammelt sowie formiert hatten, aber zwischen dem 19. und 22. Juni durch einen Sturm aufgehalten worden waren, die Operation Epsom.

Das aus kanadische und schottische Einheiten bestehende VIII. Britischen Korps unter Lieutenant General Richard O’Connor sollte den Fluss Odon westlich von Caen überschreiten und einen Brückenkopf bilden, mit dessen Hilfe die Einkreisung der Stadt ermöglicht werden sollte. O’Connor wurden für die Operation 60.000 Soldaten, über 700 Geschütze und etwa 600 Panzer zur Verfügung gestellt, von denen die meisten Truppen jedoch wenig Kampferfahrung besaßen.

Aufgrund schlechter Wetterverhältnisse und fehlgeschlagener Vorbereitungsangriffe wurde der alliierte Angriff erschwert. Die alliierte Artillerie unterstützte das Vorrücken mit einer Feuerwalze. Am 26. Juni wurde die alliierte Bomberflotte in England wegen schlechten Wetters an einer Luftunterstützung gehindert. Die alliierten Angriffe wurden überwiegend von SS- und Wehrmachtsverbänden gestoppt. Die meisten der von den Alliierten besetzten Ortschaften konnten nicht gehalten werden. Nach schweren Kämpfen nahmen die Alliierten den Hügel 112 ein und sicherten ihn.

Wegen des starken deutschen Widerstands gelang den Alliierten bis zum Abend des 30. Juni 1944 zwar die Einnahme lokaler Ziele, jedoch musste der Brückenkopf über den Odon wieder geräumt werden. Das VIII. Korps verlor bei den Kämpfen schätzungsweise 4.020 Soldaten. General Foulkes der 2. Kanadischen Infanteriedivision schrieb dazu: "Wenn wir bei Caen und Falaise ins Gefecht gingen, stellten wir fest, dass wir, wenn wir auf kampferprobte deutsche Truppen stießen, ihnen nicht gewachsen waren. Ohne unsere Luft- und Artillerieunterstützung hätten wir uns nicht durchsetzen können." [1].

Ein 266 Flugzeuge umfassender Bomberverband der Royal Air Force wurde am 30. Juni 1944 angewiesen, eine Straßenkreuzung in Villers-Bocage zu bombardieren, um einen für die Nacht auf den 1. Juli vorhergesagten Angriff zweier deutscher Panzerdivisionen auf die Nahtstelle der alliierten Armeen zu verhindern. Der Befehlshaber des Bomberverbandes wies seine Piloten an, bis auf 1,2 Kilometer abzusinken, um Markierungen im Rauch und in hochgewirbelter Erde zu erkennen. 1.100 Tonnen Bomben wurden abgeworfen, zwei Flugzeuge gingen verloren und der deutsche Angriff wurde verhindert.

Die Operation Windsor (4. bis 8. Juli)

Im Zuge der Operation Windsor erhielten kanadische Verbände den Auftrag, am 4. Juli 1944 das wenige Kilometer westlich von Caen gelegene Flugfeld bei Carpiquet einzunehmen.

Das Flugfeld hätte bereits am D-Day erobert werden sollen, dies war aber fehlgeschlagen. Nun unternahmen die Alliierten mit der Operation Windsor einen Durchbruch der stark befestigten deutschen Stellungen nahe dem Flugfeld. Teile der 7. und 8. Kanadischen Brigade der 3. Kanadischen Infanteriedivision sollten den Angriff ausführen.

Das Flugfeld war durch Stahlbetonbunker, Maschinengewehrtürme, sowie unterirdischen Gänge, 75-mm-Panzerabwehrgeschütze und 20-mm-Flugabwehrkanonen befestigt. Des Weiteren war das Areal von Minenfeldern und Stacheldrahtverhauen umgeben. Die kanadischen Truppen wurden jedoch schon vor dem Angriff von der Resistance über die Verteidigungsanlagen informiert.

Nach harten Kämpfen gelang es den Kanadiern am 5. Juli den Ort Carpiquet zu nehmen. Nach weiteren drei Tagen, am 8. Juli, kontrollierten sie auch das Flugfeld bei Carpiquet, nachdem sie deutschen Gegenangriffen standgehalten hatten.

Die Operation Charnwood (7. bis 9. Juli)

Sherman-Panzer bei der Operation Charnwood am 8. Juli
Ein Churchill AVRE der 79. Britischen Panzerdivision rückt am 10. Juli nach Caen vor
Ein britischer Soldat hält in den Ruinen Caens Ausschau nach deutschen Scharfschützen, 9. Juli
Sherman-Panzer und Panzerabwehrkanone im Stadtzentrum Caens, 10. Juli
Britische Soldaten vor der zerstörten Kirche Saint Pierre in Caen, 10. Juli
Ein britischer Soldat hilft einer alten Frau nach der Eroberung Caens. Im Hintergrund sind die Ruinen der Stadt zu erkennen

Der alliierte Plan sah vor, mit einem Flächenbombardement die deutschen Stellungen nördlich von Caen anzugreifen, um die Verteidiger zu demoralisieren und die Moral der eigenen Truppen zu heben.

Währenddessen erging am 7. Juli 1944 vom Wehrmachtführungsstab folgender Befehl (Anmerkung: Die 12. SS-Panzerdivision stand bis zu diesem Zeitpunkt unter direktem Befehl Adolf Hitlers):

1. Halten der jetzigen Front, [...] Freimachen der 12. SS-P[an]z[er]div[ision] und Ersatz der abgekämpften Inf[anterie]divisionen durch frische; [...]
9. Einsatz der gesamten Org[anisation] Todt (Bauorganisation für militärische Anlagen) [...] [2].

Der Kommandeur der Division SS-Oberführer Kurt Meyer kommentierte hierzu, es sei der Befehl, in Caen zu sterben. [3].

Nachdem die Alliierten einige Zeit brauchten, um sich neu zu ordnen und logistische Anforderungen zu erfüllen, begann die Operation Charnwood am 7. Juli 1944.

Die kanadische 1. und britische 2. Armee, mit etwa 115.000 Mann, saßen bei von deutschen Verbänden gehaltenen Dörfern nördlich von Caen fest, weshalb die RAF zunächst plante, ihren Angriff auf die Dörfer zu fliegen, dies aber dann doch aufgrund der gefährlichen Nähe zu den eigenen Bodentruppen unterliess. Daraufhin wurde das zu bombardierende Gebiet weiter in Richtung Caen verschoben. Rund 450 Lancaster- und Halifax-Bomber der RAF flogen gegen 22:00 Uhr am 7. Juli bei klarem Wetter zum Zielgebiet und warfen etwa 2300 Tonnen Bomben ab. Das Bombardement schadete den deutschen Verbänden wenig, umso mehr jedoch den nördlich der Stadt gelegenen Vororten, die größtenteils zerstört wurden, sowie den französischen Zivilisten, von denen etwa 3000 starben. Nachdem es den Deutschen gelang, mit einer FlaK ein alliiertes Flugzeug abzuschießen, stürzten später drei weitere über alliiertem Luftraum ab. Zusätzlich zum Bombardement schoß die Schiffsartillerie von den Stränden aus auf die Stadt.

Alexander McKee sagte zu dem Bombardement am 7. Juli folgendes: "Die 2.500 Tonnen Bomben unterschieden in keiner Weise zwischen Freund und Feind. Sollten die britischen Befehlshaber geglaubt haben, dass sie die Deutschen einzuschüchtern vermochten, indem sie die Franzosen umbrachten, so hatten sie sich schwer getäuscht." [4].

Der beabsichtigte demoralisierende Effekt war gering, da der Bodenangriff nicht unmittelbar nach dem Bombardement erfolgte, sondern erst am nächsten Morgen, dem 8. Juli, um 4:30 Uhr. Durch die entstandenen Schuttberge wurde zudem der Einsatz von Panzern erschwert. Später, als die Stadt eingenommen worden war, wurde festgestellt, dass sich weder deutsche Geschütze noch Panzer oder Tote im Zielgebiet befanden.

Am Ende des 8. Juli hatten sich die alliierten Truppen nur um einen Kilometer vorgekämpft. Nachdem sich die deutschen Truppenverbände am Morgen des 9. Juli größtenteils aus dem Nord- und Westteil, sowie dem Zentrum der Stadt zurückgezogen hatten, rückten alliierten Truppen in das nördliche Ende Caens ein, wurden aber beim weiteren Vorrücken von Scharfschützen aufgehalten. Um 18:00 Uhr des 9. Juli erreichten erste Einheiten den Fluss Orne in Caen. Am Abend des 9. und am 10. Juli rückten die Alliierten dann in das Stadtzentrum ein. Pioniere wurden damit beauftragt die Brücken über die Orne zu reparieren und Trümmer aus dem Weg zu räumen. Der Pionier Arthur Wilkes beschrieb den Zustand der Stadt wie folgt: "Berge von Trümmern, [etwa] 20 oder 30 Fuß [≈ 6 oder 9 m] hoch [...] die Toten lagen überall." [3]. Im Kriegstagebuch des 1. Battalion King's Own Scottish Borderers steht ein Eintrag zum 9. Juli: In den stehengebliebenen Häuser regte sich langsam das Leben, als die [französischen] Zivilisten realisierten, dass wir die Stadt erobert hatten. Sie kamen rennend mit Gläsern und Weinflaschen [aus ihren Häusern] heraus. [3]. Viele Einwohner Caens waren nach Beendigung der Operation tot oder obdachlos.

Die Operation Charnwood verfehlte ihr Ziel der Eroberung Caens. Der Norden und Westen der Stadt wurde besetzt, aber der östliche Teil der Stadt bzw. die östlich gelegenen Vororte, in dem sich auch die Stahlwerke von Collombelles (mit hohen Beobachtungsstellungen) befanden, blieb in deutschen Händen. Es dauerte noch etwa neun weitere Tage bis die südlichen und östlichen Stadtteile, sowie die Gegend und die Vororte südlich und östlich der Stadt am 19. Juli von den Briten und Kanadiern erobert wurden. Strategisch gesehen war die Operation jedoch ein Erfolg, denn die Deutschen vermuteten jetzt, dass der alliierte Hauptangriff im britischen Frontabschnitt stattfinden würde, was jedoch nicht der Fall war (siehe Operation Cobra). Schlussendlich verhalf diese Täuschung der deutschen Verteidiger den Alliierten zum Sieg in der Normandie.

Die Operation Jupiter (10. Juli)

Soldaten der 43. Wessex Division suchen Schutz vor deutschem Mörserbeschuss, 10 Juli
Ein Priester und Soldaten der 11. Britischen Panzerdivision beim Gebet vor dem Angriff auf Eterville am 10. Juli

Richard O'Connor versuchte erneut, den Brückenkopf bei Caen auszubauen. Die 43. Wessex Division sollte den am 10. Juli im Verlauf der Operation Jupiter den bereits während Operation Epsom kurzzeitig gehaltenen Hügel 112 von den Deutschen zurückerobern. In der ersten Phase sollten die Alliierten Hügel 112, Fontaine und Eterville erobern und in der zweiten Verteidigungspositionen auf dem Hügel 112 ausheben und beziehen, sowie den Ort Maltot erobern. Dem alliierten Angriff ging ein Bombardement, sowie Mörser- und Artilleriebeschuss voraus.

Die Deutschen verfügten über fünf Grenadierbataillone, zwei Tiger-Panzer, sowie zwei StuG-Kompanien und Nebelwerfer.

Die Operation scheiterte jedoch am starken Widerstand der deutschen Verbände, die sich Verteidigungspositionen ausgehoben hatten und so auf den Angriff vorbereitet waren. Die 43. Wessex Division verlor über 2.000 Mann während der Operation.

Die Operation Goodwood (18. bis 20. Juli)

Vorbereitung

Ein Sherman fährt am ersten Tag der Operation Goodwood über die "Euston Bridge", eine der wenigen Brücken über die Orne

Bei einem Treffen mit Feldmarschall Bernard Montgomery am 10. Juli 1944, schlug der Kommandeur der 2. Armee, General Miles Dempsey, den Plan zur Operation Goodwood vor. Am selben Tag genehmigte Montgomery auch die Operation Cobra.

Bis Mitte Juli 1944 hatten die Briten 2.250 mittelschwere und 400 leichte Panzer in drei Panzerdivisionen und zahlreichen unabhängigen Panzerbrigaden in die Normandie gebracht. Da sich die zweite Armee leisten könnte Panzer zu verlieren, jedoch keine Soldaten, wurde ein Plan erstellt, der vorsah die deutschen Positionen östlich von Caen mit mehreren Panzerdivisionen zu durchbrechen und ins südliche Hinterland Caens vorzustossen. Das kanadische II. Korps sollte gleichzeitig den noch von den Deutschen gehaltenen Teil Caens einnehmen, dieser Teil der Operation wurde mit dem Codenamen Operation Atlantic bezeichnet. Die Operation Goodwood sollte am 18. Juli, zwei Tage vor dem planmäßigen Beginn der amerikanischen Operation Cobra, anlaufen. Die Operation Cobra begann jedoch erst am 25. Juli.

Obwohl erwartet wurde, dass es eine verlustreiche Operation werden würde, glaubte Dempsey, dass die Briten gute Chancen hatten durchzubrechen. Als Hauptstreitkraft sollten die Panzerdivisionen des VIII. Britischen Korps unter dem Befehl von General Richard O'Connor eingesetzt werden. Etwa 700 Geschütze sollten vorher mit rund 250.000 Schuss den Angriff erleichtern. Des Weiteren waren Bomberverbände der RAF für drei Ziele - Collombelles-Mondeville, Toufreville-Emiéville und Cagny - vorgesehen.

Das Ziel war, Bras, Hubert-Folie, Verrieres, Fontenay, Garcelles-Secqueville, Cagny und Vimont zu erobern. Ein weiteres Ziel war, die Deutschen von dem Bourgebus-Bergrücken zurückzudrängen. Kanadische Verbände sollten die Ostflanke und britische Infanterie die Westflanke sichern.

Währenddessen wurde der Oberbefehlshaber der deutschen Heeresgruppe B, Erwin Rommel, am 17. Juli von alliierten Tieffliegern verwundet und zum Genesen nach Deutschland gebracht. Er wurde daraufhin am 19. Juli vom Generalfeldmarschall Günther von Kluge ersetzt.

Ausführung

Sherman-Panzer rücken mit aufsitzender Infanterie vor, 18. Juli
Artilleriefeuer während des Angriffes

Am 18. Juli 1944 wurde ein 942 Flugzeuge umfassender Verband der Alliierten, bestehend aus Bombern und Jägern, damit beauftragt fünf Dörfer im Bereich östlich von Caen anzugreifen, um die Operation Goodwood zu erleichtern. Die Angriffe fanden bei Dämmerung am Morgen des Tages und bei guten Wetterverhältnissen statt. Vier der Ziele waren durch Pfadfinderflugzeuge ausreichend markiert, bei dem fünften Ziel mussten die Bombermannschaften auf anderem Weg das Ziel finden. Unterstützt von amerikanischen Bombern und Jägern warfen die britischen Flugzeuge rund 6800 Tonnen Bomben über den Dörfern und dem umliegenden Gebiet ab. Zwei deutsche Einheiten, die 16. Felddivision der Luftwaffe und die 21. Panzerdivision, traf das Bombardement im Vergleich zu den restlichen deutschen Einheiten sehr hart. Insgesamt wurden sechs alliierte Flugzeuge von deutschen Flugabwehrgeschützen, sowie anderen Bodentruppen, abgeschossen.

Ein walisischer Soldat beschrieb die Luftoperation:

"Der gesamte nördliche Himmel war, so weit das Auge sehen konnte, von ihnen [den Bombern] gefüllt - Welle über Welle, eine über der Anderen, die sich nach Osten und Westen ausdehnten, so dass man dachte es ginge nicht mehr weiter. Jeder hatte jetzt sein Fahrzeug verlassen und starrte verwundert [in den Himmel] bis die letzte Welle von Bombern ihre Bomben abgeworfen hatte und den Rückflug antrat. Danach begannen die Geschütze mit einem immer lauter werdenden Geschützfeuer das Werk der Bomber zu vollenden." [5]

Die drei alliierten Panzerdivisionen mussten Wasserhindernisse und ein Minenfeld überwinden, um in ihre Startposition zu gelangen. Der Fluss Orne und der Caen-Kanal verliefen hinter der britische Front und stellten somit ein Hindernis für das Vorankommen dar. Sechs kleine Brücken waren vorhanden, um die 8000 Fahrzeuge einschließlich der Panzer, der Artillerie, der motorisierte Infanterie, der Pioniere und der Nachschubfahrzeuge über die Flüsse zu bringen. Es lag auf der Hand, dass ein Verkehrschaos folgen würde. Dempseys vorgeschlagene Lösung war verhängnisvoll - er beauftragte seinen Korpskommandanten O'Connor die Panzer vorfahren zu lassen und alles andere, einschließlich der Infanterie, der Pioniere und der Artillerie, auf der anderen Seite zurückzulassen, bis alle Panzer den Fluss überquert hatten.

Nachdem die Brücken überquert waren, musste ein britisches Minenfeld, das nur Tage vorher durch die 51. Highland Division gelegt worden war, überwunden werden. Das Minenfeld bestand aus einer Mischung aus Panzer- und Antipersonenminen. Dieses Hindernis hätte durch massive Pionierunterstützung vor der Schlacht geräumt werden können. Da die Deutschen jedoch das Minenfeld vom Stahlwerk im deutsch besetzten Vorort Caens, Collombelles, aus beobachten konnten, hätte sie eine groß angelegte Minensäuberung auf den bevorstehenden Angriff aufmerksam gemacht.

Britische Infanterieeinheiten haben sich hinter einer Deckung verschanzt, 18. Juli

Ein Fehler der Alliierten war, dass sie den Überraschungseffekt vergaben. Die vielen Panzer wurden durch die engen Brücken und das Minenfeld verlangsamt. Durch das Entschlüsseln von alliierten Nachrichten waren die Deutschen seit dem 15. Juli außerdem gut über die Zeit und den Ort des Angriffs informiert und verstärkten daraufhin ihre Verteidigung.

Außerdem war die Feuerunterstützung schlecht. Die Artillerieeinheiten blieben westlich der Orne, so dass die deutschen Hauptverteidigungsstellungen beim Bourgebus-Bergrücken nicht in ihrem Schussbereich lagen. Auch die Koordination zwischen der Feldartillerie und den Panzern war unzureichend.

Hinzu kam, dass das Gelände schlecht gewählt worden war. Im Gebiet befanden sich viele kleine Dörfer, in denen jeweils eine kleine deutsche Garnison stationiert war und die außerdem durch Tunnel verbunden waren. Im Angriffsbereich lagen außerdem viele Beobachtungsposten, welche die alliierten Fortschritte überwachen konnten. Der Bergrücken war zudem mit zahlreichen deutschen Widerstandsnestern, denen schwere Waffen wie Maschinengewehre zur Verfügung standen, bestückt, die freies Schussfeld hatten.

Die deutsche Artillerie auf dem Bourgebus Bergrücken bei Cagny und bei Emieville wurde weder durch Luft- noch durch Artillerieunterstützung geschwächt. Von diesen Orten hatten die Deutschen ein freies Schussfeld auf die alliierten Verbände. Die Deutschen hatten vor dem Bergrücken die 16. Luftwaffenfelddivision, sowie die 346. Infanteriedivision positioniert. Dahinter befanden sich, am abfallenden Hang, in massiven Steinhäusern Panzerabwehrgeschütze der 21. Panzerdivision, deren Schussfelder sich überschnitten und die von Infanterie unterstützt wurden. Auf dem Bergrücken waren 78 8,8-cm-FlaK, die einen Sherman mit einem Schuss zerstören konnten, postiert. Auf dem Hinterhang lagen drei Kampfgruppen, bestehend aus jeweils 40 Panzern und einem Panzergrenadierregiment und weiter hinten Artilleriereserven bereit. Die Pioniere der 51. Highland Division säuberten zwei Nächte vor dem Angriff das Minenfeld, so dass 17 Korridore von der Breite eines Panzers entmint waren.

Ein weiterer Grund für den alliierten Misserfolg war die Überforderung der Britischen 11. Panzerdivision: Obgleich sie die Einheit war, die den Angriff anführte, hatte die Division auch die Aufgabe die Dörfer an der Frontlinie zu säubern, nämlich Cuverville und Demouville. Diese sollten dann durch die nachfolgenden Einheiten gesichert werden. Die Panzerverbände der Division griffen schließlich den Bergrücken an, während die Infanteriebataillone die Dörfer säuberten. Dieses verlangsamte das Vorgehen und verhinderte eine sinnvolle Zusammenarbeit.

Der Großteil der alliierten Verbände errang nur langsam Geländegewinne. Die 29. Panzerbrigade der 11. Panzerdivision, der aktivste Verband der Alliierten an diesem Tag, hatte am Mittag jedoch schon fast 11 Kilometer erobert.

Walisische Soldaten nahe Cagny, 19. Juli 1944

Als die Bahnstrecke Caen-Vimont am 18. Juli gegen 9.30 Uhr vormittags erreicht worden war, hatten sich die Deutschen von der Bombardierung erholt. Zwölf alliierte Panzer wurden zerstört, als eine 8,8-cm-FlaK mehrfach auf sie feuerte. Die Alliierten rückten langsam vor und überschritten die Bahnlinie, um sich dem Bourgebus-Bergrücken zu nähern, wo sie auf Verbände der 21. Panzerdivision, der 1. SS-Panzerdivision und zahlreiche Geschütze trafen. Für die meiste Zeit des Tages griff nur die 29. Panzerbrigade der 11. Panzerdivision ohne Artillerieunterstützung die deutschen Stellungen an. Die Infanteriebrigade war damit beschäftigt, zwei Dörfer hinter der Panzerbrigade zu säubern. Die restlichen zwei Panzerdivisionen waren noch dabei, die Brücken oder das Minenfeld zu passieren. Bei Dämmerung kämpfte zusätzlich nur ein Panzerbataillon der Britischen 7. Panzerdivision, während die meisten der restlichen Panzerverbände bis um 10 Uhr nachmittags des 18. Juli an der Orne verharren mussten.

Einzelne Panzerbataillone kämpften ohne Unterstützung und nacheinander, anstatt zusammen zu kämpfen. Der größte Teil des Geländegewinns wurde am Morgen des 18. Juli erzielt. Bis zum 19. Juli war auch die Stadt Caen größtenteils unter alliierter Kontrolle.

Die Deutschen starteten am Nachmittag des 18. Juli einen Gegenangriff, der bis zum 20. Juli andauerte. Montgomery brach am 20. Juli die Operation ab, da bereits 6.000 Soldaten gefallen und rund 400 Panzer verloren worden waren.

Auswirkungen

Sanitäter am 18. Juli 1944 beim Verarzten Verwundeter während der Operation Goodwood
Alliierter Brückenkopf in der Normandie, 6. Juni - 24. Juli 1944 (Zeichenerklärung siehe Taktische Zeichen)

Die Operation ging zum Nachteil der Alliierten aus. Sie verloren schätzungsweise 400 Panzer und ca. 5.500 britische und kanadische Soldaten. Die Deutschen hielten ihre wichtigsten Stellungen mit einem Verlust von 109 Panzern, was für sie, im Gegensatz zu den Alliierten, hoch war, da sie die Verluste schwer ersetzen konnten. Taktisch gesehen war die Operation eine Niederlage für die Alliierten, strategisch gesehen jedoch erreichte die Operation, dass die Deutschen den alliierten Hauptangriff jetzt noch stärker im britischen Sektor vermuteten.

Durch diese Täuschung hatten es die Amerikaner bei der Operation Cobra leichter, erfolgreich zu sein. Die Deutschen konzentrierten sich im britischen Sektor und rechneten zudem aufgrund der Operation Fortitude mit einer zweiten, noch größeren Invasion beim Pas-de-Calais.

Die Operation Spring (25. bis 27. Juli)

Auf einer Konferenz am 22. Juli 1944 wurde die Operation Spring beschlossen, die am 25. Juli, unter Befehl des Generals Guy Simonds, starten sollte. Das Ziel der Operation war unter anderem die Eroberung des Hochplateaus bei Cramesnil und La Bruyers, etwa drei Meilen südlich von Bourgebous, durch das 2. Kanadische Korps.

Ein Churchill-Panzer in Maltot, 26. Juli 1944

Zwei kanadische Infanteriedivisionen sollten angreifen, woraufhin nachrückende Panzerdivisionen durch die von der Infanterie geschaffene Lücke durchbrechen und weiter vorrücken sollten, um entfernter gelegene Ziele zu erobern. Die 2. Kanadische Infanteriedivision sollte rechts, die 3. Kanadische Infanteriedivision links vorrücken. Die Operation sollte in drei Teile geteilt werden. Zuerst sollte die Linie May-sur-Orne – Verriéres – Tilly-la-Campagne, danach die Linie Fontanay-le-Marmion – Roquancourt und das Hochplateau erobert werden.

Die Deutschen versuchten weitere Truppen in das Caen-Falaise Gebiet zu bringen. Am 25. Juni war das Heranführen der Kräfte laut OKW-Bericht im Wesentlichen abgeschlossen. Daher verfügten die Deutschen über fünf Panzerdivisionen und diverse Infanterieverbände, die in der Gegend stationiert waren. Da diese Einheiten am ersten Tag der Operation für die Deutschen einsetzbar waren, war die Chance eines Durchbruchs für die Alliierten gering.

Nachdem dem Angriff ein Luft- und Artilleriebeschuss vorherging, erzielten die Kanadier am 25. Juli erste Erfolge, mussten sich aber aufgrund des starken deutschen Widerstandes entweder ganz oder in Verteidigungspositionen zurückziehen. Am 26. und 27. Juli folgte ein deutscher Gegenangriff im von den Kanadiern am Vortag eroberten Gebiet von Verriéres, der aber mit alliiertem Artilleriebeschuss zurückgeschlagen wurde.

Die Operation erreichte nicht die vorher festgelegten Ziele, es gelang aber Verriéres zu erobern und zu halten, das eine gute taktische Position war. Der Ort lag an einem hochgelegenen Punkt, der es ermöglichte ein großes Gebiet zu überblicken. Des Weiteren wurde auch Tilly-la-Campagne erobert. Die Operation war eine der verlustreichsten der Kanadier im Zweiten Weltkrieg. Sie verloren rund 1500 Männer.

Die amerikanische Operation Cobra (24. Juli bis 4. August)

Zeitgleich mit den Vorstößen der anderen Alliierten unternahmen die US-Amerikaner am 24. Juli einen Ausbruchsversuch aus ihrem Brückenkopf, der in den Folgetagen im Westen zur Abschnürung der Cotentin-Halbinsel bis nach Avranches vordrang. Im Osten durchbrachen US-amerikanische Einheiten mit der Operation Cobra nach anfänglicher Verzögerung schnell die deutsche Front, was schließlich mit Hilfe der nördlich kämpfenden Briten, Schotten und Kanadier zum Kessel von Falaise führte. Der nicht vorhergesehene große Erfolg der Operation führte am 4. August zu einer Planänderung durch Montgomery, der einen weiteren Vorstoß nach Westen zu den Atlantikhäfen zugunsten eines schnellen Vordringens nach Osten abbrach. Cobra kennzeichnet deutlich den Übergang vom Stellungs- zum Bewegungskrieg und war der Beginn für den schnellen Vorstoß der Alliierten durch Nordfrankreich nach Osten.

Die Operation Bluecoat (30. Juli bis 7. August)

Alliierte Verbände auf dem Weg nach Caumont, 30. Juli
Sherman-Panzer rücken am 30. Juli 1944 in Caumont ein

Montgomery wies den Kommandanten der 2. Britischen Armee, Dempsey, an, im Verlauf der Operation Bluecoat, mit kanadischer Unterstützung, die deutschen Truppen südlich bzw. südwestlich von Caen zu vertreiben, um diese vom US-amerikanischen Sektor fernzuhalten. Der Grund war eine deutsche Aktion, die zum Ziel hatte, Nachschub und Unterstützung zu ihren Truppen vor dem amerikanischen Sektor zu schaffen.

Die Operation startete südlich von Caumont am 29. Juli 1944. Trotz vorangehenden Artilleriefeuers gelang es den Briten und Kanadiern nicht, einen Durchbruch zu erzielen, da die Deutschen ihre Minenfelder gut platziert hatten und auch ansonsten starken Widerstand leisteten. Das Gelände war wegen vieler Hecken und anderen Deckungen gut zur Verteidigung geeignet, was den Alliierten den Vormarsch zusätzlich erschwerte.

Erst als Teile der 11. Britischen Panzerdivision eine Lücke in den deutschen Verteidigungslinien fanden, konnten die alliierten Verbände durchbrechen und auf die für die deutsche Verteidigung wichtige Stadt Vire vorrücken. Nachdem die Stadt vollkommen in ihrer Hand war, stellen die Alliierten jedoch fest, dass sie wegen des alliierten Bombardements und deutscher Sprengungen bis auf die Grundmauern abgebrannt war. Außerdem eroberten die Briten den Mount Pinçon und trieben so einen sechs Meilen breiten Keil zwischen die deutsche 7. Armee und 5. Panzerarmee.

Trotz einiger Niederlagen und Fehlschläge erreichte die am 7. August beendete Operation Bluecoat ihr Hauptziel, nämlich die deutschen Truppen vom US-Sektor fernzuhalten. Die deutschen Truppen wurden außerdem weiter ins Landesinnere zurückgeworfen.

Der deutsche Gegenangriff - Unternehmen Lüttich (6. bis 8. August)

Die Deutschen starteten am späten Abend des 6. August 1944 einen Gegenangriff der 7. Armee, geleitet von Generalfeldmarschall Günther von Kluge, das Unternehmen Lüttich, um die Alliierten wieder zurückzuwerfen.

Der deutsche Plan sah vor, mit der 7. Armee die Linie der Alliierten im südlichen Bereich der Cotentin-Halbinsel zu durchbrechen und die amerikanischen Einheiten abzuschneiden und aufzureiben. Die Anweisung Hitlers dazu erreichte den OB West, Generalfeldmarschall Günther von Kluge, am 2. August.

Nach anfänglichen Erfolgen gegen die amerikanischen Einheiten, vor allem der 6. US-Panzerdivision, kam der Angriff durch starke alliierte Luftangriffe aber zum Stehen. Vermehrter alliierter Widerstand zwang von Kluge gegen Mitternacht des 8. August den Angriff vorerst auszusetzen.

Die Operation Totalise (7. bis 14. August)

Alliierter Nachschub auf dem Weg zur Front im zerstörten Caen, 7. August
Besatzung eines Sherman verzehrt Rationen vor dem Beginn der Operation Totalise, 7. August

Die Operation Totalise wurde am 7. August 1944 durch britische, kanadische und polnische Verbände ausgeführt. Ziel war der Ausbruch aus dem Normandie-Brückenkopf, entlang der Straße Caen-Falaise.

Aufgrund der Operation Bluecoat, die am 20. Juli begonnen hatte, verlegten die Deutschen mehrere Panzer- und andere Truppenverbände in die Gegend von Caen, so auch die 12. SS-Panzerdivision Hitlerjugend, auf der nun die Hauptlast der Verteidigung gegen den weiteren alliierten Vormarsch lag. Feldmarschall Montgomery setzte das 2. kanadische Korps, die 51. Highland Division und die 1. Polnische Panzerdivision zur Unterstützung ein, um Richtung Falaise vorzurücken.

Der Plan sah einen Nachtangriff ohne vorangehendes Artilleriefeuer vor. Bombergeschwader sollten zuerst die Flanken angreifen. Zum Zeitpunkt, in dem die alliierten Verbände die Startlinie überschritten, sollte die Artillerie feuern. Danach sollten, in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni, zwei alliierte Infanteriedivsionen angreifen. Kurz nach Mittag des 8. Juni sollten dann schwere Bomber der USAAF die deutschen Verteidigungsstellungen angreifen, woraufhin zwei Panzerdivisionen, im Verlauf der zweiten Phase, durchbrechen sollten.

Ein alliierter Jeep und Cromwell-Panzer passieren am 8. August, während der Operation Totalise, eine deutsche 8,8-cm-Panzerabwehrkanone

1019 alliierte Flugzeuge bombardierten in der Nacht vom 7. auf den 8. August fünf starke deutsche Verteidigungsstellungen, die sich im Weg der alliierten Verbände befanden. Die Bombergeschwader trafen zielgenau die deutschen Stellungen und die Straßen um sie herum. Zehn Bomber, allesamt Avro Lancaster kamen zu Schaden, sieben von deutschen Jägern, zwei von FlaK, sowie einer aus einem unbekannten Grund.

Ian Hamington, Befehlshaber einer Kompanie Minenräumpanzer, berichtete, dass die Panzerbesatzungen beim Vorrücken in der Nacht so gut wie kein Sichtfeld hatten und teilweise noch nicht einmal die Rücklichter der vorderen Panzer sehen konnten, weil es so dunkel war und da so viel Rauch und Staub die Sicht erschwerte. Seinen Angaben zufolge kam noch eine Verwirrung durch den alliierten Funkverkehr hinzu [6]. Trotz dieser Schwierigkeiten verlief die erste Phase gut für die Alliierten und wurde schnell durchgeführt. Die zweite verlief jedoch weniger gut, denn die Alliierten konnten nur Geländegewinne von zwei Kilometer verzeichnen.

Bei der Operation Totalise wurde auf taktische Neuerungen bzw. Veränderungen zurückgegriffen. Nachtangriffe waren immer schwerer als Angriffe am Tag, hatten aber den Vorteil der Überraschung. General Guy Simonds erreichte, dass für die Operation M7 Priest Kangaroo-Panzer, die für besondere Zwecke, beispielsweise als Sanitätspanzer, umgebaut worden waren, erfolgreich eingesetzt wurden.

Obwohl die Alliierten Falaise nicht erreichen konnten, rückten sie 13 Kilometer vor und fügten den Deutschen, die sich für das Unternehmen Lüttich sammelten, schwere Verluste zu - 560 Tote und 1600 Verwundete. Die Operation verlief zwar nicht erfolgreich, aber die Gesamtsituation in der Normandie hatte sich verändert. Die amerikanischen Streitkräfte waren nur 40 Kilometer von Simonds Brückenkopf entfernt. Wenn sich die beiden Verbände im Falaise-Argentan Gebiet zusammenschließen könnten, würden sie die deutsche 7. Armee einschließen. Simonds startete daraufhin die Operation Tractable, um näher an Falaise heranzukommen. Am 9. August fiel der deutsche Panzerkommandant Michael Wittmann im Zuge der Kämpfe während der Operation Totalise zwischen Caen und Falaise.

Die Operation Tractable (14. bis 15. August)

Ein britischer Sherman auf dem Weg nach Falaise bei der Durchfahrt durch Bois Holbout, 15. August 1944

Der Plan der Operation Tractable war derselbe wie bei der Operation Totalise. Er sah wieder schweres Bombardement und einen in zwei Phasen gegliederten Angriff vor. Die Operation begann am 14. August.

Soldaten der King's Shropshire Light Infantry machen an einem Panzer des 3. Royal Tank Regiments eine Pause, 15. August 1944

805 Flugzeuge griffen sieben deutsche Truppenpositionen an, um den Vorstoß der 3. Kanadischen Infanteriedivision auf Falaise am 14. August zu unterstützen, wobei zwei alliierte Flugzeuge zerstört wurden. Es wurde ein detaillierter Plan ausgearbeitet, der den Einsatz von Leuchtmarkierungen beinhaltete. Der Großteil des Bombardements war akkurat und effektiv, einige Flugzeuge bombardierten aber auch Gelände, in dem sich Teile des 12. Kanadischen Feldregiments aufhielten. Etwa 70 Bomber nahmen 70 Minuten lang das falsche Gebiet unter Feuer. Die Kanadier erlitten dadurch aber nur geringe Verluste: 13 Soldaten wurden getötet, 53 verwundet und viele Fahrzeuge und Geschütze zerstört. Dieser Vorfall war der erste während der Invasion in der Normandie, bei dem alliierte Flugzeugverbände eigene Truppen angriffen. Ein Tag später wurde das kanadische Artillerieregiment jedoch erneut durch die Maschinengewehre von Spitfires der Royal Air Force und Mustangs der USAAF angegriffen.

Am ersten Tag rückten die Alliierten acht km vor, wobei sie den Fluss Laison überqueren mussten, der sich als ein schwerer zu überwindendes Hindernis für die Panzer erwies, als die Alliierten vorausberechneten.

Am Ende des zweiten Tages, dem 15. August 1944, war jedoch noch ein Großteil des Zielgebietes in deutscher Hand.

Der Kessel von Falaise (16. bis 20. August)

Amerikanische Panzer fahren durch den Ort Ballon auf der Jagd nach den sich zurückziehenden Deutschen

Adolf Hitler befahl der 5. Deutschen Panzerarmee, einen Angriff in südwestliche Richtung zu unternehmen, was für die Alliierten die Chance ergab, sie zwischen Falaise und Argentan, im sogenannten Kessel von Falaise, einzuschließen.

Am 8. August erreichte Pattons 5. US-Panzerdivision den Ort Le Mans, wo sie sich mit der 2. Französischen Panzerdivision unter Philippe de Hauteclocque zusammenschloss. US-General Omar Bradley sprach sich am selben Tag mit Bernard Montgomery ab und erklärte ihm seinen Plan, die deutsche Armee westlich der Seine einzuschließen. Dazu mussten Pattons beide Panzerdivisionen von Le Mans aus nach Norden wenden, um sich dort mit Montgomerys Divisionen zusammenzuschließen, welche von Caen aus in südwestliche Richtung abdrehten.

Bradley befahl, Pattons 15. Korps nördlich von Argentan zu stoppen, so entstand eine 25 km breite Lücke, durch die die deutschen Truppen zu entkommen versuchten. Teile der 12. SS-Panzerdivision und der 1. Kanadischen Armee lieferten sich daraufhin harte Kämpfe, die sich über mehrere Tage hinwegzogen. Während des 18. bis zum 21. Augusts schrumpfte der Kessel zu einer acht km breiten Straße zusammen, die von bis zu 80.000 Granaten täglich beschossen und vielen Luftangriffen ausgesetzt war. Am 1. September war der Kampf mit den letzten zurückweichenden Soldaten vorüber.

Falaise war ein großer Sieg für die Alliierten. Durch ihn verloren die deutschen Verbände zwischen dem 7. und 21. August im Westen 50.000 Soldaten und weitere 200.000, die in Kriegsgefangenschaft gingen, sowie diverse Panzer und Fahrzeuge. Die Alliierten hatten 209.672 Verluste, darunter 36.976 Gefallene.

Kriegsverbrechen

Kriegsverbrechen an deutschen Kriegsgefangenen

Ein alliierter Soldat bewacht zwei deutsche Kriegsgefangene in der Nähe von Caen, 11. Juli 1944
Kanadische Soldaten bewachen eine französische Frau und deutsche Gefangene in der Nähe Caens, 19. Juli

Kurt Meyer berichtet wie folgt über die Behandlung von deutschen Kriegsgefangenen durch kanadische Truppen:

"Am 7. Juni wurde mir ein Notizblock eines kanadischen Captains gegeben. Zuzüglich zu handgeschriebenen Befehlen, wiesen die Notizen an: 'no prisoners were to be taken' ['keine Gefangenen nehmen']. Einige kanadische Gefangenen wurden [daraufhin] gefragt, ob die Instruktionen der Wahrheit entsprechen würden [...] und sie sagten, dass sie den Befehl hatten, wenn die Gefangenen den Fortschritt behinderten, sie nicht gefangen zu nehmen." [7]

Meyer soll daraufhin befohlen haben: "Was sollen wir mit diesen Gefangenen tun? Die essen nur unsere Rationen. In Zukunft werden keine Gefangenen mehr gemacht." [8]

Der kanadische Kompanieführer und Major Jacques D. Dextraze sagte und bestätigte damit Meyers Anschuldigungen gewissermaßen:

"Wir passierten den Fluss - die Brücke war gesprengt worden. [...] Wir nahmen 85 Kriegsgefangene. Ich wählte einen Offizier aus und sagte: 'bring sie zum P.W. Käfig zurück'. Er ging zurück und befahl ihnen zu der Brücke [...] zu rennen. Diese Männer waren schon einige Meilen gerannt. Sie kamen erschöpft an der Brücke an [aber der Offizier sagte:] Nein Nein, ihr nehmt nicht die Brücke, ihr schwimmt. Jetzt fielen die Männer in das Wasser. Die meisten ertranken. [...] Danach wurden sie von den Pionieren, die die Brücke reparierten, aus dem Wasser geholt. Ich fühlte mich sehr schlecht, als ich sie alle aufgestapelt neben der Brücke sah. [...]". [7]

Kriegsverbrechen an kanadischen Kriegsgefangenen

Mehr als 156 kanadische Gefangene sind Berichten zufolge von der 12. SS-Panzerdivision in den Tagen und Wochen nach dem D-Day in der Nähe von Caen getötet worden.

20 Kanadier wurden nahe Villons-les-Buissons, nordöstlich von Caen, in der Abbaye d'Ardenne, einem Ort mit vielen mittelalterlichen Gebäuden und einer gotischen Kirche exekutiert. Der Kommandant des 25. Deutschen Panzergrenadierregiments der 12. SS-Panzerdivision, Kurt Meyer, hatte im selbigen Ort sein Hauptquartier bezogen und die Exekutionen mit hoher Wahrscheinlichkeit in Auftrag gegeben.

Am 7. Juni kämpften kanadische Truppen bei dem Ort Authie, wobei viele gefangen genommen wurden. Die Abtei war schnell mit während der Kämpfe gefangenen Kriegsgefangenen gefüllt. Zehn wurden daraufhin ausgewählt und vor der Abtei exekutiert. Der Rest wurde nach Bretteville-sur-Odon gebracht. Am Abend desselben Tages wurden elf Gefangene in den Garten eines Chateaus geführt und erschossen.

Am Abend des 8. Juni wurden sieben weitere Kriegsgefangene, die bei Authie und Buron gekämpft hatten, zur Abtei gebracht, befragt und danach nacheinander erschossen. Die sieben Kanadier schüttelten sich vor der Exekution noch einmal die Hand, wurden dann in den Garten gebracht und mit Maschinenpistolenschüssen in den Hinterkopf exekutiert. Nach zehn Minuten waren alle sieben tot. Der polnische Gefreite Jan Jesionek, der in der 12. SS-Panzerdivision diente, berichtete später über die Geschehnisse. Die letzten Leichen wurden erst im Herbst 1945 gefunden.

Die Abbaye d'Ardenne wurde um Mitternacht des 8. Juli 1944 von den Regina Rifles erobert.

Kurt Meyer wurde wegen der Exekutionen im Dezember 1945 der Prozess gemacht. Er bestritt jedoch, davon gewusst zu haben. Er wurde trotzdem zum Tod verurteilt, was jedoch später in lebenslange Haft umgewandelt wurde. Am 7. September 1954 wurde er aus dem Gefängnis entlassen.

Zum Gedenken an die kanadischen Soldaten wurde bei der Abtei eine kleine Kapelle aufgestellt. Die Kapelle besteht aus einem Holzkreuz, über dem sich eine Nische befindet, in der wiederum eine Marienstatue aufgestellt wurde. Am Kreuz ist ein kanadischer Stahlhelm befestigt. An der Kapelle werden jedes Jahr Blumen der Kinder von Authie hinterlegt. 1984 wurde eine Gedenktafel aus Bronze an der Abtei aufgestellt, auf der steht:

"On the night of June 7/8, 1944, 18 Canadian soldiers were murdered in this garden while being held here as prisoners of war. Two more prisoners died here or nearby on June 17. They are dead but not forgotten."
(Deutsch: "In der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1944 wurden 18 kanadische Kriegsgefangene in diesem Garten ermordet. Zwei weitere Gefangene starben dort oder in der Nähe am 17. Juni. Sie sind tot, aber nicht vergessen.").

Nachwirkungen und Gedenken

Provisorisches Holzgeschäft im zerstörten Caen während des Wiederaufbaus, 1945
Blick auf das zerstörte Caen

Es gelang durch die Operation Overlord und die Schlachten in der Normandie Fuß zu fassen und eine feste Basis in Frankreich für die Befreiung Europas zu schaffen. Am 25. August gelang es den Alliierten, die französische Hauptstadt Paris zu erobern.

Caen sowie die umliegenden Dörfer und Städte wurden zum Großteil zerstört. Die in Caen befindlichen Kathedralen sowie die 1432 gegründete Universität Caen wurden ebenfalls zerstört. Die Gebäude wurden nach dem Krieg wieder aufgebaut und teilweise auch erweitert. Aufgrund dessen ist das heutige Symbol der Universität von Caen der Phönix. Etwa 35.000 Einwohner Caens waren nach den schweren Kämpfen obdachlos.

Der Wiederaufbau des zerstörten Caen dauerte offiziell von 1948 bis 1962. Erstmals war am 6. Juni 2004 mit Gerhard Schröder ein deutscher Bundeskanzler zur Jubiläumsfeier der Invasion eingeladen.

Um der Schlacht um Caen und der Operation Overlord zu gedenken wurden viele Denkmäler errichtet. So beispielsweise an der Straße zur Odon-Brücke, bei Tourmauville ein Denkmal für die 15. Schottische Division oder auf dem Hügel 112 ein Monument für 53. Walisische Division, sowie eines für die 43. Wessex Division. Des Weiteren wurde in der nähe des Hügel 112 ein neuer Wald gepflanzt, der heute als Gedenkpark dient.

An die Landung in der Normandie, die Schlacht um Caen und den Zweiten Weltkrieg erinnert heute außerdem die Gedenkstätte Mémorial mit dem Friedensmuseum (Musée de la paix) in Caen. Sie wurde über dem ehemaligen Befehlsbunkers des Generals Wilhelm Richter, dem Kommandanten der 716. Deutschen Infanteriedivision, auf Initiative der Stadt Caen errichtet. Am 6. Juni 1988 wurde sie vom damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand, sowie von zwölf Botschaftern, der an dem Kampf in der Normandie beteiligten Nationen, eingeweiht. Das Museum ist pazifistisch orientiert und grenzt an den Parc international pour la Libération de l'Europe, einen Garten der der alliierten Beteiligten der Invasion gedenkt.

Die alliierten Gefallenen sind auf dem Brouay War Cemetery, dem Banneville-la-Campagne War Cemetery (2.170 Gräber) und dem Bretteville-sur-Laize Canadian War Cemetery (2.957 Gräber) beerdigt.

Rezeption

Filme

Spiele

  • Company of Heroes Opposing Fronts: In diesem Echtzeit-Strategiespiel handelt eine Kampagne von den Kämpfen um Caen. (USK: 16)
  • Call of Duty 2: Computerspiel des US-amerikanischen Spieleentwicklers Infinity Ward, das 3. November 2005 von Activision veröffentlicht wurde, in dem man als britischer Sergeant John Davis den Angriff auf Caen nachspielt. (USK: 18)
  • D-Day: In diesem Echtzeit-Taktik-Computerspiel kann der Spieler einige Operationen der Schlacht um Caen nachspielen. Außerdem gibt es Informationen und Level usw. zu anderen Ereignissen rund um den D-Day und den nachfolgenden Aktionen, sprich dem Ausbruch aus der Normandie. (USK: 16)
  • Hidden & Dangerous 2: Man spielt hier einen britischen SAS-Soldaten, der eine Stadt in der Nähe Caens von den Deutschen befreien soll. (USK: 16)
  • Day of Defeat: Das auf dem bekannten Half-Life basierende Multiplayer-Spiel bietet in seinem Kartensortiment, welches aus Kriegsschauplätzen des 2. Weltkriegs besteht, eine Welt, die Caen nachempfunden ist. (USK: 16)

Literatur

  • Simon Trew, Stephen Badsey: "Battle for Caen. Battle zone Normandy. Bd 11. Sutton, Stroud 2004. ISBN 0750930101
  • Henry Maule: Caen - The brutal battle and break-out from Normandy. David & Charles, Newton Abbot 1976, 1988. ISBN 0715372831
  • Ken Ford: Caen 1944 - Montgomery's break-out attempt. Osprey, Oxford 2004. ISBN 1841766259
  • Ken Ford: D-Day 1944. Sword Beach & British Airborne Landings. Osprey, Oxford 2002. ISBN 1841763667
  • Ken Ford: Falaise 1944 - Death of an Army. Osprey, Oxford 2005. ISBN 1841766267
  • Chris Going, Alun Jones: D-Day. The Lost Evidence (Above the Battle). Crécy, Manchester 2004. ISBN 0859790975
  • Stephen Badsey: Normandy 1944 - Allied landings and breakout. Osprey, London 1990. ISBN 0850459214
  • Anthony Hall: D-Day. Operation Overlord. Day-By-Day. Motorbooks International, New York 2003. ISBN 0760316074
  • Jane Penrose: The D-Day Companion. Leading Historians Explore History's Greatest Amphibious Assault. Osprey, Oxford 2004. ISBN 1841767794
  • Russell Hart, Stephen Hart: The Second World War. T 6. Northwest Europe 1944-1945. Osprey, Oxford 2002-2003. ISBN 1841763845
  • Ian Daglish: Operation Bluecoat. Battleground Europe. Normandy. Leo Cooper, Barnsley 2003. ISBN 0850529123
  • Ian Daglish: Operation Goodwood. Battleground Europe. Normandy. Pen and Sword Military, Barnsley 2004. ISBN 1844150305
  • Tim Saunders: Operation Epsom. Battleground Europe. Normandy. Leo Cooper, Barnsley 2003. ISBN 0850529549
  • Eric Hunt: Mont Pinçon. Battleground Europe. Normandy. Leo Cooper, Barnsley 2003. ISBN 0850529441
  • Tim Saunders: Hill 112. Leo Cooper, London 2002. ISBN 0850527376
  • Horst Mayer, Dr. Schultze-Wegener (Hrsg.): Soldatenschicksale: Das Ringen um Caen. Pabel Moewig, Rastatt 2002. ISBN 3811855905
  • Tony Hall (Hrsg.): Operation "Overlord". Motorbuch, Stuttgart 2004. ISBN 3613024071
  • Yves Lecouturier: Entdeckungspfade - Die Strände der alliierten Landung. Memorial de Caen, Morstadt 2003. ISBN 3885712873
  • Dieter Ose: Entscheidung im Westen 1944. Deutsche Verlangs-Anstalt, Stuttgart 1982. ISBN 3-421-01998-3

Weblinks

Anmerkungen und Quellen

  1. Tony Hall (Hrsg.): Operation "Overlord". Die Landung der Alliierten in der Normandie 1944. Motorbuch, Stuttgart 2004, S.160. ISBN 3613024071
  2. Percy E. Schramm: Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht. Bd 7 (=TBd 4.1). 1. Januar 1944 - 22. Mai 1945. Bernard & Graefe, Bonn 1961, S. 325. ISBN 3763759336
  3. a b c Britisches Verteidigungsministerium: Drive on Caen (PDF)
  4. Yves Lecouturier: Entdeckungspfade - Die Strände der alliierten Landung., Éditions Ouest-France Entreprises 35. Morstadt, Kehl/Rhein 2003, S.102. ISBN 3-88571-287-3
  5. Britisches Verteidigungsministerium: Drive on Caen (PDF)
  6. Tony Hall (Hrsg.): Operation "Overlord". Die Landung der Alliierten in der Normandie 1944. Motorbuch, Stuttgart 2004, S.187. ISBN 3613024071
  7. a b valourandhorror.com: POWs
  8. waramps.ca: Bericht eines polnischen Gefreiten aus der 12. SS-Panzerdivision
Gesprochene Wikipedia Dieser Artikel ist als Audioversion verfügbar:
Teil 1: Anfang bis Punkt 2.7. Die Operation Goodwood (18. bis 20. Juli)
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Teil 2: Punkt 2.8. Die Operation Spring (25. bis 27. Juli) bis zum Ende
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