Schleuse Otterndorf


Schleuse Otterndorf
Die Otterndorfer Schleuse mit Pumpstation; rechts das Diesel-, links das Elektropumpenhaus.
Das alte Schleusentor der Medemschleuse steht heute im Natureum.
Das Schöpfwerk "Vorfluter Steinau". Gut erkennbar: der tiefe Wasserstand im Vorfluter.
Das Schöpfwerk für die Gösche, die Pumpen werden von Treibgut befreit

Das Schöpfwerk Otterndorf ist mit seinem ca. 48.000 Hektar großen Einzugsgebiet das wichtigste Bindeglied in der Entwässerung Hadelns, des Sietlandes, Bederkesas sowie Teilen der Börde Lamstedt.

Inhaltsverzeichnis

Leitspruch

In der Halle der Dieselpumpe steht zu lesen:

„Des Wassers Gewalt,
des Schicksals Gestalt
sich ändern tut,
drum seid auf der Hut!
Gott schütze die Marsch.“

Entwässerungsgebiet

Der Hadelner Kanal und die Medem

Das Entwässerungsgebiet erstreckt sich zum einen über den Entwässerungsverband Bederkesa mit seinen 29 Gemeinden und einem Einzugsgebiet von ca 26.000 Hektar. Kleine Pumpwerke befördern das Wasser der Zuflüsse auf die Höhe des 25 Kilometer langen Hadelner Kanals, der es in die Elbe abführt.

Der andere Teil des Entwässerungsgebiets umfasst die ca 22.000 Hektar große Fläche des Medemverbandes. Dieses Wasser wird hauptsächlich durch die Medem herangeführt. In Ihlienworth, dem Quellgebiet der Medem, steht ein weiteres Schöpfwerk, welches das Wasser der Kanäle und kleinen Flüsse Ihlienworths aufnimmt.

Geschichte

Vor 1850 wurden das gesamte Land Hadeln sowie das Amt Bederkesa und Teile Lamstedts nur durch den Fluss Medem entwässert. Besonders das unterhalb des Meeresspiegels um Ihlienworth und Steinau liegende Hadler Sietland hatte in den regenreichen Monaten große Probleme mit dem Wasser. Da auch das Wasser vom Amt Bederkesa ins tiefere Sietland floss, verdarben schwere Überschwemmungen häufig die Ernten und machten so die Bemühungen der Sietländer auf besseres wirtschaftliches Auskommen immer wieder zunichte.

Um 1853 wurde mit dem Hadelner Kanal endlich der lange ersehnte Entwässerungskanal gebaut. Im Artikel Geschichte von Hadeln und Wursten wird der Bau ausführlich beschrieben.

Nun floss das Wasser zwar schneller ab, da aber das Sietland noch immer der tiefste Punkt war, hatten die anderen, höher gelegenen Gebiete den Vorteil der schnellen natürlichen Entwässerung. Erst wenn die Schleusen geschlossen wurden, um ein zu starkes Abfließen zu verhindern, konnte das Wasser des Sietlandes ablaufen. Gab es aber lange Westwind, trug die Elbe Hochwasser und der Tidenhub bei Ebbe war gering. Dann konnte das Wasser aus dem Hinterland kaum abfließen. Dies änderte sich erst 1908, als in Otterndorf das Schöpfwerk gebaut wurde.

Technik

Dieselpumpe

Dieselbetriebene Pumpe in Aktion

Das Schöpfwerk Otterndorf verfügt über die größte Kreiselpumpe Europas. Mit einem Durchmesser von 4,40 m ist sie als Einzelpumpe in Europa unübertroffen (Stand 2006). Ein regional sehr bekanntes Bild zeigt einen Reiter in dem 3,5 m hohen Rohr, durch welches das abgepumpte Wasser in die Elbe fließt.

Das mit MAN-Dieselmaschinen betriebene Schöpfwerk leistet bei einer Förderhöhe von 1,60 m 24 Kubikmeter in der Sekunde. Wird die 18 t schwere Pumpe angeschaltet und läuft auf normaler Betriebsgeschwindigkeit, sinkt der Wasserspiegel im Kanal vor dem Schöpfwerk innerhalb von Minuten um 20 cm. Das nachfolgende Wasser kann nicht so schnell nachgeführt werden, dadurch ist „nur“ eine maximale Leistung von 2,07 Millionen Kubikmeter Wasser in 24 Stunden möglich.

Elektropumpe

1953 wurde neben dem Gebäude des Dieselpumpenwerks ein weiteres Gebäude errichtet. Dessen obere Etagen dienen dem Chef des Schöpfwerkes als Wohnung. In der Halle darunter stehen zwei große 500 kW Elektropumpen, die bei einer Förderhöhe von 1,60 m ca 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch die Schiffahrsschleuse der Medem in den Hafen von Otterndorf und somit in die Elbe pumpen können.

Schleusen

Die Schleuse für den Hadelner Kanal in Otterndorf
Die Schleusenbecken
Der Eingang zur Schleuse vom Kanal
Die Medemschleuse

Es gibt drei Schleusen um das Schöpfwerk, die untereinander durch Kanäle in Verbindung stehen, um Wasser von einer Schleuse in die andere abführen zu können. Deren älteste ist die direkt am Schöpfwerk gelegene Medemschleuse. Sie dient dem Schiffsverkehr auf der Medem, eine weitere Schleuse der Entwässerung der Medem.

Die dritte Schleuse wurde für den Schiffsverkehr im Hadelner Kanal gebaut. Die Kanalschleuse wurde um das Jahr 1854 als Tunnelgewölbeschleuse mit einem Stemmtorpaar ausgeführt und war 36 m lang und 6,1 m breit. Da die Experten einen enormen Zuwachs des Güterverkehrsaufkommens erwarteten, wurde 1968 die Schleuse so erweitert, dass nun drei Kümos mit 57 m Länge, einer Breite von 5,2 m und einem Tiefgang von 1,5 m geschleust werden könnten. 1985 wurde die Schleuse grundsaniert und zur zweiten Deichsicherheit ein hydraulisch angetriebenes Hubtor eingebaut.

Die für das Jahr 2006 geplante, dringend erforderliche Sanierung wurde wegen Geldmangels des Landes verschoben. Dieses Zögern bedeutet allerdings für die dahinter liegenden tieferen Gebiete eine große Gefährdung im Falle einer Sturmflut. Die Deiche wurden zwar in den letzten Jahren erhöht, aber wie beim Ostesperrwerk ist auch hier der etwa 80 cm betragende Höhenunterschied zwischen der Deichkrone und der Schleusenspitze nicht unbedenklich. Selbst wenn die Deiche halten, besteht die Gefahr, dass das Wasser auf diesen etwa 100 Metern eine „Sollbruchstelle“ schafft. Im Falle einer Überschwemmung der Schleuse würde das Wasser im Hadelner Kanal bis nach Bederkesa zurück laufen, die Kanaldeiche und die Seen bis hin zu den Mooren wären von einer Überflutung bedroht.

Laut Aussage des Niedersächsischen Umweltministers Hans-Heinrich Sander (FDP) haben die Bauwerke des Küstenschutzes an der Unterelbe bereits ein hohes Sicherheitsniveau erreicht und der Bau der Kanalschleuse Otterndorf hat hohe Priorität, allerdings sei die Planung für die neue Kanalschleuse noch nicht abgeschlossen. Außerdem sollen die geschätzten 14,5 Mio Euro Baukosten nicht aus Mitteln des Landes Niedersachsen, sondern voraussichtlich aus Mitteln eines zukünftigen EU Förderprogramms, das 2007- 2013 beginnt, geschöpft werden, was somit auch den Zeitraum der möglichen Realisierung widerspiegeln würde. Bei der neuen Planung sei auch schon der zukünftige Klimawandel mit berücksichtigt, da eine Nacherhöhungsmöglichkeit von bis zu 90 cm eingeplant wird. Kritiker entgegnen, dass fraglich sei, wann und wie die EU-Mittel fließen könnten und versucht würde, den Küstenschutz nicht mehr als Länderangelegenheit zu betrachten, sondern in die EU Verantwortung zu geben, was zu weiteren Verzögerungen mit möglicherweise verheerenden Auswirkungen führen würde.

Dazu steht im Spiegel:

"... Mitten im Deich ein Schildbürgerstreich

Schon seit langem ist der Regierung eine absurde Schwachstelle bekannt: Eine Kanalschleuse bildet die flachste Stelle im gesamten dortigen Verlauf des Elbdeichs. "Links und rechts der Schleuse ist der Deich rund 150 Zentimeter höher," weist der Geschäftsführer des örtlichen Deich- und Uferbauverbandes, immer wieder auf den Schildbürgerstreich hin - doch nichts passiert. ..."

Führungen

Mitarbeiter des Schöpfwerkes führen Interessierte gerne durch "ihre" Anlage, zu erfragen sind die Termine in der Touristeninformation im historischen Rathaus in Otterndorf.

Weblinks

53.8229722222228.89366666666677Koordinaten: 53° 49′ 22,7″ N, 8° 53′ 37,2″ O


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