Schlitzwand


Schlitzwand
Schlitzwandbagger mit Seilgreifer
Schlitzwandbagger beim Ausheben eines Schlitzes

Eine Schlitzwand ist ein Bauelement, das für Baugrubensicherungen von tiefen Baugruben oder für Tiefgründungen Verwendung findet.

Entwickelt wurde die Schlitzwand mit Untersuchungen über die Stützfunktion von Bentonit-Suspensionen ab den 1930er Jahren durch Christian Veder in den 1950er Jahren bei einer italienischen Baufirma.

Inhaltsverzeichnis

Erstellen des Schlitzes

Mit Schlitzwandgreifern oder Schlitzwandfräsen wird ein Schlitz im Boden ausgehoben. Zur Stabilisierung des Schlitzes wird eine stützende Flüssigkeit (in der Regel eine Bentonitsuspension, eine Mischung aus Bentonit und Wasser) in den Schlitz eingefüllt. Soll die Schlitzwand gegen Grundwasser abdichten, so ist der Schlitz bis in eine wassersperrende Bodenschicht – z. B. Ton – zu führen.

Ortbetonschlitzwand

Nach Ausheben der vollen Schlitztiefe wird bei Ortbetonschlitzwänden ein Bewehrungskorb eingeführt und die stützende Flüssigkeit durch Beton oder Stahlfaserbeton ersetzt. Hierbei wird ein Rohr (Kontraktorrohr) bis kurz vor den Boden des Schlitzes herabgelassen, wodurch der Beton direkt auf den Grund des Schlitzes gelangt. Nun verdrängt der von unten nach oben aufsteigende Beton die Stützflüssigkeit, die abgepumpt, über eine Regenerationsanlage entsandet und für einen späteren Gebrauch wieder aufbereitet wird.

Im Tunnelbau oder auch Hochbau werden Schlitzwände auch für die sogenannte Deckelbauweise verwendet.

Übliche Schlitzwanddicken liegen zwischen 50 und 120 Zentimeter.

Eine Variante der Schlitzwand ist die Drainagewand, die gleichzeitig zum Abführen des Grundwassers verwendet werden kann.

Dichtwand

Bei einer Einphasenschlitzwand, welche auch als Dichtwand bekannt ist, wird der stützenden Flüssigkeit ein Bindemittel (in der Regel Zement) zugesetzt, so dass die stützende Flüssigkeit ohne Austausch erhärtet. Eine Anwendung für diese Bauweise ist eine nachträglich zu erstellende Deponieabdichtung.

Um die Funktion eines Baugrubenverbaus wahrnehmen zu können, werden in Dichtwände vor dem Ansteifen der Zement-Bentonit-Suspension auch Spundbohlen eingestellt bzw. eingehängt.

Einsatz

Ein Verwendungsort von Schlitzwänden sind die Braunkohletagebaue in der Lausitz. Um die Kohleflöze in 50m bis 70m aufzuschließen ist eine Grundwasserabsenkung bis mindestens in die gleiche Tiefe notwendig. Würde man Brunnen bohren und das Grundwasser einfach absenken, würde sich ein Grundwasser-Trichter (Parabel, durchschnittliche angenommene Neigung 1/10) ausbilden. Zur Vermeidung riesiger Pumpleistungen und ungleichförmiger Setzungen im Umland durch die Grundwasserabsenkung und auch zum Schutz von Flüssen, werden um die Tagebaue 70 bis 90m tiefe Schlitzwände als Dichtwände angelegt. Anschließend erfolgt die Grundwasserabsenkung im Tagebauinneren. Im Bereich der Schlitzwand entsteht ein Grundwassersprung. Ein Beispiel für den Schutz des Grundwasserpegels durch Schlitzwände ist die Ostseite des Tagebaues Jänschwalde. Dieser Tagebau liegt unmittelbar an der Grenze zur Republik Polen. Da eine Grundwasserabsenkung auf das Gebiet der Bundesrepublik beschränkt bleiben sollte, wurde hier eine Schlitzwand notwendig.


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