Schlüchtern-Elm


Schlüchtern-Elm
Elm
Koordinaten: 50° 22′ N, 9° 33′ O50.3602777777789.5558333333333279Koordinaten: 50° 21′ 37″ N, 9° 33′ 21″ O
Höhe: 279 m ü. NN
Einwohner: 1392 (30. Juni 2008)
Eingemeindung: 1974
Postleitzahl: 36381
Vorwahl: 06661

Elm ist ein Stadtteil von Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis in Osthessen im Bundesland Hessen in der Bundesrepublik Deutschland. Zu Elm gehören der Weiler Habertshof und die Burg Brandenstein.

Elms Dorfmitte mit Blick auf die Evangelische Kirche

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Elm liegt im Nordosten des Main-Kinzig-Kreises, an der Grenze zum Landkreis Fulda, im Bergwinkel, am Südhang des Landrückens, dem verbindenden Höhenzug zwischen Rhön und Vogelsberg. Die Gemarkung Elm liegt im Naturpark „Hessischer Spessart“, der im Norden der Gemarkung an den Naturpark „Hessische Rhön“ angrenzt.

Gewässer

Durch Elm hindurch fließen der Elmbach, der in Hutten entspringt und in Schlüchtern in die Kinzig mündet, sowie der Schwarzbach, der in Gundhelm entspringt und in den Elmbach mündet.

Nachbarorte

Elm grenzt im Norden an den Ort Rückers, im Osten an den Ort Hutten, im Südosten an den Ort Gundhelm, im Süden an die Orte Vollmerz und Herolz, im Westen an Schlüchtern und im Nordwesten an den Ort Klosterhöfe.

Geschichte

Im Jahr 795 findet Elm als villa Elmaha erstmals urkundliche Erwähnung, als am 8. Juni Araho seinen ganzen Besitz im Dorf dem Kloster Fulda übergab. Am 14. Juli des gleichen Jahres schenkte Raho seinen Besitz am Bifang an der Elm dem Kloster Fulda und am 14. Juli 796 Folco den seinen ebenfalls dem Kloster Fulda.

Burg Brandenstein

In der Gemarkung Elm befindet sich die Burg Brandenstein. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg im Jahr 1278 als Besitz von Hermann von Brandenstein.

Flugzeugabsturz

Am 4. August 1929 stürzte im Wald zwischen Elm und Hutten ein Passagierflugzeug der Lufthansa auf dem Linienflug von Frankfurt am Main nach Berlin-Tempelhof ab. Dabei kamen der Pilot und drei weitere Passagiere ums Leben. An den Absturz erinnert noch heute ein ca. 2 Meter hohes Kreuz an der Absturzstelle.[1]

Politik

Im Ortsbeirat sind die SPD und die CDU vertreten. Bei den Kommunalwahlen 2006 erlangte die SPD mit fünf Sitzen die Mehrheit der Stimmen gegenüber der CDU mit vier Sitzen und verfügt so über die Mehrheit im Ortsbeirat. Ortsvorsteherin ist Inge Vey (SPD).

Kirche

Evangelische Kirchengemeinde

Im Ort steht eine evangelische Kirche.

Als Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Elm ist Kurt Leidorf tätig.

Ökumenischer Jakobsweg

Über Elm führt der 125 km lange Ökumenische Jakobsweg von Fulda an den Main. Die Strecke führt von Flieden kommend nach Rückers hinauf auf die Steinkammer und das Breite Feld über den Habertshof den Distelrasen hinunter nach Schlüchtern. Der Pilgerweg gehört zum Verbindungssystem der "Via Regia", deren Wegenetz von der Ukraine bis nach Spanien führte.

Mahnmal

Gedenkkreuz am Weinberg

Ein etwa acht Meter hohes Kreuz steht auf einer höher gelegenen Ebene des Weinbergs bei Elm. Es ist ein Mahnmal für die Heimatvertriebenen und gedenkt der ehemaligen deutschen Ostgebiete und des Sudetenlandes sowie vor allem der dort verbliebenen Toten.

Das ursprünglich dort errichtete Kreuz wurde am Pfingstsonntag, dem 1. Juni 1952, eingeweiht, musste jedoch aufgrund starker Verwitterung im Herbst 2008 abgebaut werden. Dank der „Sudetendeutschen Landsmannschaft, Kreisgruppe Schlüchtern“ konnte eine Nachbildung, die wie das Original mit der Aufschrift: „Unseren Toten in der alten Heimat“ versehen ist, am 10. Oktober 2008 wieder aufgestellt werden.

Neuwerk

Ein heute weitgehend unbekannter Erinnerungsort ist der außerhalb gelegene Habertshof. Dabei spielte er nach Ende des Ersten Weltkriegs eine nicht unbedeutende Rolle innerhalb der christlich-religiösen Jugendbewegung - dort ist die "Neuwerkbewegung" nach dem Ersten Weltkrieg entstanden. Die "Neuwerkbewegung" war eine originelle, aber zeittypische Erscheinung. Sie nannte sich auch "Schlüchterner Kreis", weil die Bewegung dort 1919 gegründet worden war und dort ihr Zentrum hatte. Die Bewegung war sowohl im religiösen Sozialismus verwurzelt, aber auch stark von der Theologie Karl Barths und seines Tambacher Vortrags beeinflusst. Sie begann als "Vereinigung der Freunde des Christliche Demokraten" benannt nach der von ihr herausgegebenen Wochenzeitung "Der Christliche Demokrat", die sich kurze Zeit später in "Das Neue Werk", später "Neuwerk - ein Dienst am Werdenden", umbenannte. Der führende Kopf der Bewegung war der Theologe Eberhard Arnold (1883 - 1935). In den Jahren 1919/1920 gründete er in Schlüchtern zwei Gemeinschaftssiedlungen, in denen Arbeit, Alltag und Freizeit gemeinsam nach dem Leitbild der Bergpredigt und der christlichen Urgemeinde gestaltet wurden. In den folgenden Jahren wurden weitere Höfe unter der Leitung von Emil Blum errichtet. Im Vergleich zu anderen evangelischen Jugendorganisationen gewann sie dadurch Eigenständigkeit, dass Teile der christlichen Studentenbewegung wie auch Vertreter des christlichen Sozialismus aufgenommen wurden. Daraus ergab sich eine gewisse Distanz zur als einseitig reaktionär empfundenen Haltung der evangelischen Amtskirche. Bekannte Vertreter gingen ein und aus. 1933 wurde das seit zehn Jahren bestehende Volkshochschulheim Habertshof von der Hitlerjugend besetzt und dann geschlossen. Im selben Jahr kam es zum letzten Treffen der Gruppe. Die zeitweise vielbeachtete Zeitschrift "Neuwerk" erschien noch bis 1935.

Kultur und Bildung

Bildung

In Elm gibt es eine Grundschule, die "Elmerland-Grundschule" und einen Kindergarten.

Der Kindergarten im Ort wird von der evangelischen Kirchengemeinde betrieben.

Vereinswesen

Das "Eisenbahner-Dorf" Elm ist bekannt für seine rege Vereinstätigkeit. Nicht nur der Eisenbahner Sportverein sondern vor allem der 1908 gegründete Eisenbahner Musikverein Elm ist ein Teil des dörflichen Lebens. Hier finden sich viele Eisenbahner zusammen und erfreuen sich an ihrem gemeinsamen Hobby. Der Eisenbahner Musikverein Elm mit seinen vier Klangkörpern ein aktiver Gestalter des Dorfgeschehens und weit über die Grenzen des Kreises bekannt. In nicht festgelegten Abständen findet mit großem Erfolg die sogenannte "Elmer Kulturwoche" statt.

Parks und Naherholungsgebiete

Garten Hans Dorn

Auf über 4000 m² direkt im Zentrum des Dorfes hat der Landschaftsarchitekt Hans Dorn einen kunstvollen Garten geschaffen, den niemand von der Dorfstraße kommend vermuten würde. An speziellen Veranstaltungen wie zum Beispiel der 1200-Jahr Feier Elms oder bei Ausstellungen ausgewählter Künstler ist der Garten für die Allgemeinheit geöffnet.

Verkehr

Straßen

Durch den Ort führt die Landesstraße 3329. Die nächste erreichbare Autobahn ist die Bundesautobahn 66.

Eisenbahn

Das Dorf hatte vor dem Bau des Distelrasen-Tunnels an der Wasserscheide von Main und Weser erhebliche Bedeutung im Eisenbahnverkehr. Der Bau der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn wurde 1863 noch unter der Regie des Kurstaates begonnen, kam aber so recht erst nach dessen Übernahme durch Preußen in Gang. Das Königreich Preußen konnte die Strecke dann bereits zwei Jahre später bis Frankfurt am Main eröffnen. Mit den damals vorhandenen technischen Mitteln erschien der erforderliche etwa vier Kilometer lange Tunnel durch den Distelrasen als zu aufwändig und teuer. Vielmehr erschien die geeignete Lösung darin zu bestehen, den Landrücken mit einer Spitzkehre zu überwinden. Der dazu erforderliche Bahnhof wurde in Elm errichtet. So mussten die Züge zwischen Hanau und Fulda hier einen Richtungswechsel vornehmen.

Durch das preußische Gesetz vom 17. Februar 1868 wurde dann auch der Bau einer Strecke von Elm nach Gemünden am Main geregelt. Dazu wurde mit dem Königreich Bayern ein Staatsvertrag abgeschlossen, der den Bau auf bayrischer Seite regelte. Das bayerische Streckenstück erreichte bereits am 1. Mai 1872 Jossa von Gemünden her. Am 6. Mai 1872 konnte auch der preußische Streckenteil von Jossa nach Elm eröffnet werden.

Da alle durchgehenden Züge zwischen Frankfurt/Hanau und Fulda/Berlin in Elm die Fahrtrichtung wechseln mussten, wurde dieser Vorgang bei zunehmendem Verkehr immer unbefriedigender. Da sich auch die Technik des Baus von langen Tunneln, insbesondere durch das nun zur Verfügung stehende Dynamit, erheblich verbessert hatte, entschloss man sich, unter dem Distelrasen einen Tunnel anzulegen. Baubeginn war 1909, vollendet wurde er am 14. Februar 1914, eingeweiht am 1. Mai 1914. Damit verlor der Bahnhof Elm schlagartig seine Bedeutung für den Personenverkehr.

Mit dem Sommerfahrplan 1966 fielen die fahrplanmäßigen Züge über die nach wie vor bestehende Verbindungskurve von (Hanau/)Schlüchtern nach Elm weg. Diese wird seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2007 aber wieder von Personenzügen in der Relation Schlüchtern–Würzburg befahren. Sie halten allerdings nicht in Elm. Die nächsten Bahnhöfe mit Halten von Personenzügen sind Schlüchtern und Sterbfritz.

Der Rangierbahnhof beschäftigte auch nach dem Verlust des Personenverkehrs weiter viele Menschen. Noch heute arbeiten viele Bewohner des Dorfes bei der Deutschen Bahn. Der Bahnhof Elm dient heute nicht mehr dem Personenverkehr, sondern nur noch betrieblichen Zwecken, (Überholungen) oder Überleitungen. Für den Güterverkehr besitzt Elm deshalb immer noch Bedeutung. Über den Streckenabschnitt Gemünden–Fulda wird ein großer Teil des auf der Nord-Süd-Achse verlaufenden Güterverkehrs unter Umgehung des Ballungsraumes Rhein-Main abgewickelt. Somit durchfahren auch heute noch sehr viele Züge planmäßig nach der Passage des Elmer Bahnhofs in südliche Richtung die engste Bahnkurve Deutschlands mit einem Radius von 260 Metern auf einer Fahrtstrecke von ca. 820 Metern).

Persönlichkeiten

  • Heinrich Wiegand (1906-1998), Professor an der TH Darmstadt und Leiter des Instituts für Werkstoffkunde
  • Emil Blum (1894-1978), führte zu Zeiten der Weimarer Republik oberhalb Elms die Siedlung und Heimvolkshochschule Habertshof
  • Jörg Zink (1922 geboren), auf dem Habertshof geboren, bedeutender evangelischer Theologe, Pfarrer und Publizist

Literatur

  • Carlotto Asmus: Eisenbahndreieck "Distelrasen". Fürstenfeldbruck (Merker) 1982.
  • Emil Blum, Der Habertshof, Kassel 1930.
  • Gustav Hildebrand: Gedenkkreuz in Schlüchtern-Elm an die Toten in der alten Heimat, in: Bergwinkel-Bote, Bd. 52 (2001), S. 157-158.
  • Hans-Jürgen Schwarz: Elmer Chronik. Die geschichtliche, soziologische und statistische Entwicklung des Stadtteils Elm. 3 Bände.
  • Bernd Ullrich: Der Schlüchtern-Plan, in: Zentrum für Regionalgeschichte <Gelnhausen> : Mitteilungsblatt, Bd. 31 (2006), H. Sonderheft, S. 52-64.

Einzelnachweise

  1. Christoph Käppeler: „Tod im Elmer Loch – vor 75 Jahren“ vom 12.06.2004; URL: http://www.christoph-kaeppeler.de/2004/2004aug24/2004aug24.html

Weblinks


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