Schorsch Kamerun


Schorsch Kamerun
Schorsch Kamerun bei einem Konzert der Goldenen Zitronen 1998

Schorsch Kamerun (* 1963 in Timmendorfer Strand; eigentlich Thomas Sehl) ist ein deutscher Sänger, Autor, Theaterregisseur und Clubbetreiber. Sein Künstlername ist eine Parodie auf die Namensgebung des Sängers der (1986 aufgelösten) amerikanischen Punk-Band Dead Kennedys, der sich Jello Biafra nennt[1].

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Schorsch Kamerun (MQ, Wien 2008)

Schorsch Kamerun lebt seit den frühen 1980er Jahren in Hamburg, mittlerweile auch in München. Er war 1984 Gründungsmitglied und ist bis heute Sänger der Hamburger Punkband Goldenen Zitronen. Daneben hat er auch Soloalben[2] veröffentlicht. Zusammen mit Rocko Schamoni betreibt er außerdem den Golden Pudel Club in Hamburg. Mitte der Neunziger hatten sie gemeinsam die Fernsehserie Pudel Overnight auf 3Sat (wurde im Winter 2001 abgewandelt fortgesetzt).[3] Im Wintersemester 2010/11 ist er Gastprofessor an der Akademie der Bildenden Künste München.

Theater

Seit einigen Jahren ist er auch als Theaterregisseur und -autor tätig. So inszenierte er unter anderem sein Stück Macht fressen Würde am Schauspielhaus Zürich (Uraufführung 22. Mai 2003), bei dem es um den zunehmenden Rechtspopulismus in der Schweiz ging, und Hubert Fichtes Roman Die Palette am Hamburger Schauspielhaus (2000), und Eisstadt an der Berliner Volksbühne (2005).

Anfang 2006 hatte seine sogenannte Orientierungsoperette Der Chinese im Kinderbett an den Niedersächsischen Staatstheatern Hannover (Ballhof Eins) ihre Uraufführung. In der Spielzeit 06/07 hat Schorsch Kamerun das Stück Macht und Rebel nach dem Roman des norwegischen Autors Matias Faldbakken an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Seit Januar 2008 wird in Hannover das Stück Das kalte Herz (nach dem Märchen von Wilhelm Hauff) aufgeführt. Als eine zentrale Produktion im Rahmen der Ruhrtriennale 2008 inszenierte Schorsch Kamerun das aufwendige Theaterexperiment Westwärts mit 150 Statisten in der Maschinenhalle Zeche Zweckel in Gladbeck.

Sein Stück M.S. ADENAUER – Die erste antiautoritäre Staatsoper hatte am 6. März 2009 im Schauspiel Köln seine Uraufführung,[4] im Mai inszenierte er für die Wiener Festwochen Bei aller Vorsicht, einen Überprüfungsspaziergang unter professioneller Anleitung[5]. Am 7. Juli 2009 hatte seine Inszenierung von Leonard Bernsteins Trouble in Tahiti unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano an der Bayerischen Staatsoper Premiere.[6] Im Oktober 2009 wurde das Konzert zur Revolution, ein Musiktheater zum 90. Jubiläum der Münchner Räterepublik, an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt.[7] 2010 folgten seine Stücke Abseitsfalle (Theater Oberhausen) und Vor uns die Sintflut (Thalia Theater Hamburg).[8] Auf der Grundlage der Theaterstücke verfasste er auch mehrere Hörspiele für den WDR.[9] Dort gab er 2003 sein Hörspieldebüt mit dem Stück Hanns Eisler (1898–1962) – Hollywood Elegien und wurde direkt für den Prix Italia nominiert.[10] Im Jahr 2007 erhielt er für sein Hörspiel Ein Menschenbild, das in seiner Summe Null ergibt den Hörspielpreis der Kriegsblinden. In der Theatersaison 2007/2008 führte er im Schauspielhaus Zürich Regie in seinem Projekt Biologie der Angst.

Im Dezember 2010 startete Kamerun eine Reihe von „Erfindungsabenden“, eine Mischung aus Gespräch, Konzert und Performance. Der erste Abend fand mit dem Titel Holt mich hier raus (ich bin hier vor der Wand) am 11. Dezember 2010 in der Spielhalle der Kammerspiele in München statt.

Bands/Projekte

Diskografie

  • 1996: Warum Ändern Schlief
  • 1997: Now: Sex Image
  • 2000: Schorsch Kamerun (als Sylvester Boy) – Monsters Rule The World!
  • Vinyl-Maxi-Single: 1996: Die Menschen aus Kiel (Remixe)

Kompilationsbeiträge

  • 1996 Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens und Menschen haben keine Ahnung auf Bessere Zeiten klingt gut (L'Age D'Or)
  • 1997 Einverstanden auf Musik für junge Leute (L'Age D'Or)
  • 2000 Die Leute Vom Kiel (EC8OR Remix) auf Sauerkraut nicht Sushi (Let's Forget All About This) (L'Age D'Or)
  • 2003 So sehr (Turtlebay Country Club feat. Schorsch Kamerun) auf Müssen alle mit (Tapete Records)

Hörspiel

  • Hanns Eisler (1898–1962) – Hollywood Elegien, WDR 2003
  • Eisstadt, WDR 2005
  • Ein Menschenbild, das in seiner Summe null ergibt, WDR 2006

Einzelnachweise

  1. http://schorschkamerun.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/08/applaus-machtrebel.pdf (abgerufen am 21. Februar 2010)
  2. 1997: Now: Sex Image (L'Age D'Or)
  3. http://schorschkamerun.de/wordpress/?cat=10
  4. http://www.schauspielkoeln.de/stueck.php?ID=138&tID=1264
  5. http://www.festwochen.at
  6. http://www.bayerische.staatsoper.de/889-ZG9tPWRvbTEmaWQ9MTgwMSZsPWRlJnRlcm1pbj03MzI4-~spielplan~oper~veranstaltungen~vorstellung.html
  7. http://www.welt.de/kultur/theater/article4977113/Schorsch-Kamerun-ruft-die-Theater-Revolution-aus.html?print=true
  8. http://schorschkamerun.de/wordpress/?cat=10
  9. http://www.wdr.de/radio/radiohome/aktionen8/live-performance_schorsch_kamerun.phtml
  10. http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/freispiel/545162/

Weblinks

 Commons: Schorsch Kamerun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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