Schulterausrenkung


Schulterausrenkung
Klassifikation nach ICD-10
S43.0 Luxation Schultergelenk [Glenohumeralgelenk]
M24.41 Habituelle Luxation und Subluxation eines Gelenkes: Schulterregion
Q68.8 Sonstige näher bezeichnete angeborene Muskel-Skelett-Deformitäten
- Angeborene Luxation der Schulter
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Unter einer Schulterluxation oder Schultergelenkluxation versteht man eine Ausrenkung (Luxation) des Schultergelenks. Die Schulterluxation ist eine der häufigsten Luxationen der großen Gelenke. Sie kann durch einen Unfall (traumatische Luxation) oder anlagebedingt (habituelle Luxation) verursacht sein. Symptome sind eine Einschränkung der Beweglichkeit im Schultergelenk, Schmerzen und eine veränderte Schulterform. Die Therapie erfolgt nach dem Ausschluss von Knochenbrüchen mittels Röntgenbildern durch eine Reposition. Eine operative Therapie ist bei Komplikationen und wiederholten Luxationen notwendig.

Inhaltsverzeichnis

Formen

Eine traumatische Luxation wird durch eine hebelnde Krafteinwirkung auf den gestreckten Arm verursacht, typischerweise von vorne bei Außenrotation und Abduktion, wie z. B. beim Handballspieler mit ausgestrecktem Wurfarm. Die erstmalige Luxation tritt meist beim Erwachsenen auf. Nach einem solchen Trauma können schon bei geringeren Kräften rezidivierende Luxationen auftreten. Die Gründe dafür sind verbliebene Schäden (Frakturen, Impressionen, Knorpel-, Muskel- und Nervenschäden) oder Schwächen des Kapsel-Band-Apparates.

Für die habituelle Luxation werden prädisponierende Faktoren verantwortlich gemacht, obgleich die Ätiologie und Pathogenese bis heute nicht vollständig geklärt sind. Dies können unter anderen Anomalien der Gelenkkapsel, Fehlbildungen der Gelenkpfanne, Bindegewebsschwäche (Ehlers-Danlos-Syndrom, Marfan-Syndrom) oder Fehlinnervation der Muskulatur sein. Die Erstluxation ist meist nach vorne gerichtet und tritt vorwiegend bei jungen Patienten ohne adäquates Trauma auf.

Nach der Richtung der Luxation unterscheidet man die vordere (>80 %), hintere, obere, untere und thorakale (bei Rippenfraktur) Luxation.

Symptome

Das Schultergelenk ist federnd fixiert, es besteht ein Spontan- und Bewegungsschmerz. Der Arm wird bei der vorderen Luxation meist in Adduktion und Innenrotation gehalten. Die Schulterkontur ist aufgehoben, die Gelenkpfanne ist leer, der Humeruskopf in der Weichteilen tastbar. Bei der Schädigung von axillären Gefäßen oder Nerven kommt es zu Störungen der Durchblutung, Motorik und Sensibilität im Arm.

Diagnostik

Röntgenaufnahme (anterior-posterior) einer Schulterluxation

Grundlage ist die Anamnese (Unfallmechanismus) und körperliche Untersuchung (Funktionseinschränkung). Dabei muss insbesondere die Schädigung von Blutgefäßen und Nerven beachtet und dokumentiert werden. Durch Röntgenbilder in verschiedene Ebenen wird die Diagnose gesichert und eine Fraktur ausgeschlossen. Zum Ausschluss einer Bankart-Läsion (s. u.) kann eine MRT-Aufnahme angefertigt werden.

Therapie

Die (geschlossene) Reposition der Luxation sollte möglichst schnell erfolgen, wozu verschiedene Techniken existieren. Bei der Reposition nach Hippokrates übt der Arzt Zug auf den gestreckten Arm aus, während er den eigenen Fuß als Widerlager in der Achsel des Patienten platziert. Bei der Reposition nach Arlt wird der Zug mit einer Stuhllehne als Widerlager durchgeführt. Die Reposition erfordert eine Analgosedierung. Anschließend wird das Gelenk für ein bis drei Wochen (je nach Schweregrad/Luxationsursache etc.) in einem Gilchrist- oder Desault-Verband ruhiggestellt, worauf allerdings bei älteren Patienten aufgrund der Gefahr einer Schulterversteifung verzichtet wird.

Indikationen für eine operative Therapie sind eine nicht gelingende geschlossene Reposition, Komplikationen (Gefäß/Nerven-Schäden, Hill-Sachs-Läsion, Bankart-Läsion) sowie rezidivierende Luxationen. Dies kann je nach Anlass arthroskopisch oder offen durchgeführt werden.

Komplikationen

Als Hill-Sachs-Delle bezeichnet man eine Knochenimpression am Humeruskopf. Sie kann durch eine Unterfütterung mit Spongiosa oder eine Drehosteotomie (nach Weber, nur noch selten angewandt) behandelt werden. Unter einer Bankart-Läsion versteht man den Abriss des knorpeligen Labrum glenoidale inferius von der Gelenkpfanne. Die Therapie besteht in einer arthroskopischen Refixierung oder einer Rekonstruktion mittels eines Knochenspans. Beide Läsionen sind Risikofaktoren für ein rezidivierendes Auftreten weiterer Luxationen.

Daneben kann es zu den schon erwähnten Verletzungen von Knochen, Gefäßen und Nerven oder der Rotatorenmanschette kommen.

Quellen

  • Siewert: Chirurgie. Springer, Berlin; 7. Auflage (2001). ISBN 3-540-67409-8
  • Ficklscherer: Basics Orthopädie und Traumatologie. Urban & Fischer Bei Elsevier (2005). ISBN 3-437-42206-5
  • Leitlinie „Schulterluxation, rezidivierend und habituell“ der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie, zuletzt aktualisiert 2002 (im Internet Archive)
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