Scorsese

Scorsese
Martin Scorsese (2007)

Martin Marcantonio Luciano Scorsese [skɔːɹˈseɪzɪ] (* 17. November 1942 in Queens, New York) ist ein US-amerikanischer Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent italienischer Herkunft. Er gilt als einer der einflussreichsten Regisseure des späten zwanzigsten Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der jüngste Sohn zweier Textilarbeiter war als Asthmatiker ans Krankenbett gefesselt, worin er erste Drehbücher und Storyboards verfasste. 1950 zog die Familie nach Little Italy, wo Scorsese erstmals mit der Kirche in Berührung kam und beschloss, Priester zu werden. Nach dem Rauswurf aus der Jesuitenschule strebte er eine Ausbildung als Lehrer an, entschied sich an der New York University 1960 aber für die Filmkunst. Mit finanzieller Unterstützung seines Dozenten drehte Scorsese erste preisgekrönte Kurzfilme und schloss sein Bachelor-Studium 1965 ab. Während er seinen M.A. machte, arbeitete er vier Jahre an seinem Spielfilm-Debüt Who's that knocking at my door? (1967), dessen Budget von 75.000 Dollar ihn finanziell ruinierte. Scorsese unterrichtete an der Universität spätere Star-Regisseure wie Oliver Stone und Jonathan Kaplan, bevor er nach Kalifornien zog und dort lebenslange Freundschaften mit Francis Ford Coppola, Steven Spielberg und George Lucas schloss. Im Herbst 1971 drehte er für Filmlegende Roger Corman seinen ersten Hollywood-Film Die Faust der Rebellen, der trotz durchwachsener Kritiken sein Publikum fand.

Nachdem er in die Gewerkschaft der Regisseure aufgenommen wurde, drehte Scorsese 1973 mit Hexenkessel seinen ersten kommerziell erfolgreichen Autorenfilm, der ihn schlagartig bekannt machte und seinem Darsteller Robert De Niro erste Anerkennung brachte. Der große Durchbruch gelang Scorsese aber ein Jahr später mit Alice lebt hier nicht mehr (1974), der Titelheldin Ellen Burstyn den Oscar einbrachte, und dem Welterfolg Taxi Driver (1976), dem Gewinner der Goldenen Palme des Filmfestivals von Cannes. Als wichtigster Filmemacher seiner Generation gefeiert, begannen mit dem Erfolg auch die Drogensucht, stürmische Affären und künstlerische Höhenflüge: Seine Idee, das große Hollywood-Musical mit Liza Minnelli und Robert De Niro wiederzubeleben, scheiterte mit dem 1977 veröffentlichten New York, New York, das nach zweijähriger Produktion bei Kritik und Publikum durchfiel. Minnelli wurde von Scorsese im selben Jahr in seinem Broadway-Debüt als Theaterregisseur mit dem Musical The Act eingesetzt, das es von Oktober 1977 bis Juli 1978 auf über zweihundert Aufführungen brachte und seiner Hauptdarstellerin den Tony Award bescherte. Obwohl der 1980 entstandene Boxerfilm Wie ein wilder Stier als Meisterwerk gehandelt wurde, blieb Scorseses Ruf als Kassengift bestehen und ließ auch die boshafte Komödie King of Comedy (1983) an der Kinokasse floppen. Einzig die von ihm initiierte Kampagne zur Restaurierung alter Hollywoodfilme brachte ihm positive Presse. Wegen massiver Proteste religiöser Gruppierungen wurden 1983 die Dreharbeiten zur langvorbereiteten Jesus-Verfilmung Die letzte Versuchung Christi abgesagt.

Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio und Cameron Diaz bei den Filmfestspielen in Cannes, 2002

Auf dem Filmfestival von Cannes wurde Scorsese 1986 als bester Regisseur für Die Zeit nach Mitternacht ausgezeichnet und zurück ins Rampenlicht katapultiert: Sein Billard-Drama Die Farbe des Geldes spielte weltweit 130 Mio. Dollar an der Kinokasse ein, Die letzte Versuchung Christi (1988) wurde trotz Boykotts christlicher Gruppen ein Achtungserfolg, und Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990) galt seit seinem Erscheinen als bester Film des Jahrzehnts. Mit dem Thriller-Remake Kap der Angst (1991) und dem Kostümfilm Zeit der Unschuld (1993) betrat Scorsese künstlerisches Neuland und 1995 schloss mit Casino seine Mafia-Trilogie ab, die er mit Hexenkessel und Good Fellas begonnen hatte. Auch die Verfilmung der Jugendjahre des Dalai Lama (Kundun, 1997) und das New-York-Drama Bringing Out the Dead (1999) wurden von der Filmkritik gelobt, aber den kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere erreichte Scorsese mit Gangs of New York (2002), Aviator (2004) und Departed – Unter Feinden (2006), jeweils mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.

Obwohl Martin Scorsese als einer der wichtigsten zeitgenössischen US-Filmemacher gilt, blieb ihm der Regie-Oscar lange Zeit verwehrt. Erst 26 Jahre nach seiner ersten Nominierung für Wie ein wilder Stier gewann er 2007 den Academy Award für Departed – Unter Feinden, ein US-amerikanisches Remake des Hongkonger Films Infernal Affairs. Insgesamt konnte das Gangsterepos mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson und Mark Wahlberg vier Oscars gewinnen und brachte ihm außerdem den Golden Globe und den Preis der Directors Guild of America ein, für den er 2007 nach unter anderem Taxi Driver und Good Fellas zum siebten Mal nominiert gewesen war, den er jedoch nie bekommen hatte.

Neben der Arbeit als Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent, zeigte sich Scorsese auch für zahlreiche Dokumentationen verantwortlich. Autobiographische Werke wie Italianamerican (1974) stehen dabei Künstlerporträts über Elvis Presley (Elvis on Tour, 1972), die kanadisch-amerikanische Rockband The Band (The Band, 1978), Giorgio Armani (Made in Milan, 1990) oder Bob Dylan (No Direction Home – Bob Dylan, 2005) gegenüber. Als Schauspieler absolvierte Scorsese kleinere Auftritte in seinen Filmen Gangs of New York, Taxi Driver und Aviator, sowie in Robert Redfords preisgekröntem Drama Quiz Show (1994). Als Cutter wirkte er am Anfang seiner Karriere an dem Kurzfilm The Big Shave und den beiden Dokumentationen Woodstock (1970) und Elvis on Tour (1972) mit, während der 1,63 m große Filmemacher 2004 in dem Animationsfilm Große Haie – Kleine Fische einer nach ihm gezeichnetete Figur seine Stimme lieh.

Martin Scorsese ist seit 1999 mit der Filmproduzentin Helen Morris verheiratet. Dies ist die fünfte Ehe für den US-Amerikaner, der unter anderem zuvor der Gatte der bekannten italienischen Filmschauspielerin Isabella Rossellini (1979–1983) und der Filmproduzentin Barbara De Fina (1985–1991) war und Vater dreier Kinder ist. Seine 1976 und 1999 geborenen Töchter Domenica Cameron-Scorsese (aus der Ehe mit der Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Cameron) und Francesca Scorsese (aus der Ehe mit Morris) betraute er mit kleinen Schauspielrollen in einigen seiner Filme. 2003 wurde Scorsese mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt (6801 Hollywood Boulevard).

Filmografie (Auswahl)

Spielfilme (Regie)

Dokumentationen

  • 1972: Elvis on Tour
  • 1974: Italianamerican
  • 1978: American Boy
  • 1978: The Band (The Last Waltz)
  • 1990: Made in Milan
  • 1995: Martin Scorsese: Eine Reise durch den amerikanischen Film (A Century Of Cinema – A Personal Journey With Martin Scorsese Through American Movies)
  • 1999: Meine italienische Reise (Il mio viaggio in Italia)
  • 2003: The Blues (Mini-Serie)
  • 2004: Lady by the Sea: The Statue of Liberty (TV)
  • 2005: No Direction Home – Bob Dylan (No Direction Home: Bob Dylan)
  • 2008: Shine a Light

Verschiedenes (Regie)

Auszeichnungen (Auswahl)

Literatur

Weblinks


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