Search and Rescue


Search and Rescue
Fahrzeuge der beiden Such- und Rettungsdienste
Luftwaffenhubschrauber im SAR-Dienst an Land

Mit Search and Rescue (SAR) (deutsch: Suche und Rettung) werden international in staatlichem Auftrag tätige Such- und Rettungsdienste für Notfälle in der Luft- und Seefahrt bezeichnet. Alle Staaten, die dem Abkommen über die internationale Zivilluftfahrt von 1944 beigetreten sind, sind verpflichtet, einen entsprechenden Dienst für Luftnotfälle bereitzuhalten. Die entsprechende Praxis bezüglich Seenotfällen wurde erst 1979 im Übereinkommen über den Such- und Rettungsdienst auf See international geregelt. Grundlage für die Durchführung ist das von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO gemeinsam herausgegebene IAMSAR-Handbuch (International Aeronautical and Maritime Search and Rescue Manual). Meist sind die SAR-Dienste in die Streitkräfte, vorhandene Rettungsdienste, Polizei oder andere Sicherheitsbehörden eingegliedert.

In Deutschland ist für die SAR-Dienste das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung verantwortlich, das die Durchführung dieser Aufgaben jedoch an das Bundesverteidigungsministerium bzw. an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger übertragen hat. Weitere Mittel werden bei Bedarf durch andere Behörden und Organisationen bereitgestellt, z.B. durch Polizei von Bund und Ländern, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz, Wasser-und Schiffahrtsverwaltung, Zoll, Technisches Hilfswerk und Bergwacht. Zu unterscheiden von den SAR-Diensten ist in Deutschland die Luftrettung, die das schnelle Transportmittel Hubschrauber für den allgemeinen Rettungsdienst nutzt.

luftbetankbarer U.S.-Air-Force-Hubschrauber hoher Reichweite im Seenoteinsatz im Nordatlantik

Inhaltsverzeichnis

SAR-Dienst für Luftfahrzeuge in Deutschland

abgestürztes Sportflugzeug
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Ländern zu schildern.

siehe auch Luftnotfall

Aufgaben

Luftnotfall auf See
Luftsichtung einer bewaldeten Absturzstelle

In dem Bereich der Luftfahrt wird der SAR-Dienst von der Bundeswehr (Luftwaffe und Marine) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wahrgenommen.

Aufgaben des SAR-Dienstes der Bundeswehr sind:

Daneben werden auch Aufgaben außerhalb des SAR wahrgenommen, sofern militärische und SAR-Aufgaben dem nicht entgegenstehen und genügend Kapazitäten vorhanden sind:

Bei Luftnotfällen über See wird der SAR-Dienst für Luftfahrzeuge durch den maritimen SAR-Dienst unterstützt.

Organisation

Logo des militärischen Such- und Rettungsdienstes

Für Deutschland bestehen zwei SAR-Bereiche mit eigenen Leitstellen in Münster und Glücksburg, die von der Luftwaffe bzw. der Marine betrieben werden. Den Leitstellen obliegt die Einsatzleitung der Such- und Rettungsmaßnahmen für ihren Bereich. Der SAR-Bereich Glücksburg umfasst die Bundesländer Schleswig-Holstein und Hamburg, die deutschen Hoheitsgewässer und Inseln sowie das Gebiet des deutschen Festlandsockels, der SAR-Bereich Münster das deutsche Festlandsgebiet ohne Schleswig-Holstein und Hamburg. Im SAR-Bereich Münster bestehen drei mit SAR-Hubschraubern der Luftwaffe besetzte SAR-Kommandos in Holzdorf, Penzing bei Landsberg und Nörvenich. In den fünf Kommandos Laage, Diepholz, Erfurt, Malmsheim und Ingolstadt ist der Betrieb 2009/2010 eingestellt worden. [1] Im SAR-Bereich Glücksburg bestehen SAR-Kommandos auf Helgoland und in Warnemünde, die in Abhängigkeit von Maschinenverfügbarkeit von Montag bis Freitag besetzt sind. Ansonsten wird ein SAR-Hubschrauber vom Standort des Marinefliegergeschwaders 5 in Kiel aus eingesetzt. Ab Windstärke acht wird jedoch nach Möglichkeit ein Hubschrauber nach Helgoland verlegt. Der SAR-Leitstelle Münster steht außerdem ein flächendeckendes Netz von 33 Flugfunkstationen zur Verfügung, die SAR-Leitstelle Glücksburg verfügt über 13 über den SAR-bereich verteilte [Flugfunk-]stationen. Die SAR-Leitstellen und die SAR-Hubschrauber bilden die Einrichtungen und Mittel ersten Grades, die in ständiger Bereitschaft sind.

Weitere bei Bedarf mobilisierte Mittel sind Mittel zweiten Grades. Die Bundesländer haben, in der Regel bei den Innenministerien oder den oberen Polizeibehörden, SAR-Bereichssuchstellen eingerichtet, die auf Anforderung der SAR-Leitstellen Such- und Rettungsmaßnahmen am Boden durchführen. Die Stadtstaaten Bremen und Hamburg betreiben jeweils eine gemeinsame Bereichssuchstelle mit Niedersachsen bzw. Schleswig-Holstein. Daneben fungiert die Seenotleitung Bremen des maritimen SAR-Dienstes als Bereichssuchstelle für die Seegebiete von Nord- und Ostsee. Von den Wehrbereichskommandos können ebenfalls Truppen angefordert werden. Außerdem können weitere Einsatzmittel der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte, insbesondere Luft- und Seefahrzeuge, herangezogen werden. Ist dringende Nothilfe erforderlich, alarmieren die SAR-Leitstellen die zuständigen Rettungsleitstellen.

Mit benachbarten SAR-Diensten anderer Staaten findet eine enge Kooperation und gegenseitige Hilfeleistung statt.

SAR-Hubschrauber

SAR-Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D im Flug
Bell UH-1D für den Gebirgsdienst in Landsberg

SAR-Bereich Münster

Bergrettung mit Hubschrauber

Die medizinische Ausrüstung der SAR-Hubschrauber der Luftwaffe ist gleichzusetzen mit der eines zivilen Rettungshubschraubers. Je nach Einsatz kann zusätzliche Ausstattung erforderlich sein. Der im Gebirge zum Einsatz kommende Hubschrauber in Landsberg hat eine spezifische Ausstattung zur Bergrettung.

Bergrettungsausstattung

Ein weiteres Einsatzgebiet von SAR-Hubschraubern ist die Rettung aus dem Gebirge oder schwer zugänglichem Gelände. Hierzu hält das Lufttransportgeschwader 61 (Penzing) einen besonders konfigurierten SAR-Hubschrauber mit speziell dafür ausgebildeten Besatzungen vor. Such- und Rettungsaktionen der SAR-Einheiten können, im Gegensatz zu vielen nur tagsüber vorgehaltenen zivilen Rettungshubschraubern, rund um die Uhr erfolgen.

Die SAR-Hubschrauberbesatzungen arbeiten vor Ort sehr eng mit der Bergwacht zusammen. Trainiert werden neben gemeinsamen Suchaktionen auch Flüge mit Rettungs- und Suchhunden, um z. B. Lawinenopfer orten und retten zu können.

SAR-Bereich Glücksburg

Hubschrauber vom Typ Sea King mit Froschmann

Die Hubschrauber der Marine haben eine andere Ausstattung. Bei der Rettung auf See mittels SAR-Hubschraubern spielt die Aufnahme von Verletzten oder erkrankten Personen durch die Rettungswinde eine maßgebliche Rolle. Ebenfalls eine Besonderheit ist, dass die Rettungseinsätze über See (engl. offshore) mangels alternativer Rettungsmöglichkeiten oftmals auch unter sehr schwierigen Wetterbedingungen erfolgen. Insofern unterscheiden sich die SAR-Einsätze auf See deutlich von der Luftrettung und von SAR-Einsätzen über Land.

Besatzung

Besatzung prüft in dicht bestandenem Gelände die Sicherheitsabstände

Die Besetzung von SAR-Hubschraubern mit Funktionsträgern richtet sich in Deutschland nach dem jeweils zugedachten Auftrag des Kommandos.

Im Bereich der Marineflieger bilden stets mindestens vier Personen die Crew, darunter

  • zwei Hubschrauberführer,
  • ein Luftfahrzeugoperationsoffizier (LOPO) und
  • ein Bordmechaniker mit medizinischem Ausbildungsstand (Rettungssanitäter).

Zum Einsatz kommen dabei Westland Sea King MK 41-Hubschrauber.

Rettungswinde im Deutschen Museum

Im Bereich der Luftwaffe hingegen werden die Hubschrauber regulär mit drei Crew-Mitgliedern besetzt:

  • einem Hubschrauberführer,
  • einem Bordmechanikermeister und
  • einem Luftrettungsmeister.

Zum Einsatz kommen dabei Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D. Es kann bei Einsätzen im Rahmen der dringenden Nothilfe zusätzlich noch ein Notarzt, z.B. von einem nahe gelegenen Krankenhaus aufgenommen werden.

Einsatzbereitschaft

Die Hubschrauber an SAR-Kommandos sind generell 24 Stunden am Tag ganzjährig einsatzbereit. Tagsüber gilt eine Vorlaufzeit von maximal 15 Minuten. Zwischen Sonnenuntergang plus 30 Minuten (spätestens 20:30 Uhr) und 7:30 Uhr morgens erhöht sie sich auf maximal eine Stunde.

SAR-Mittel zweiten Grades

Seefernaufklärer P-3C Orion

Neben den SAR-Hubschraubern, die zu den SAR-Mitteln 1. Grades zählen, gibt es noch Mittel 2. Grades. Bei Bedarf (ausgedehnte Suchgebiete) können weitere Luftfahrzeuge aus den Beständen der Bundeswehr dem SAR-Dienst unterstellt werden. Hierzu zählen weitere Hubschrauber, auch des Heeres, See-Fernaufklärer vom Typ Lockheed P-3 Orion, die beispielsweise mehrere Stunden über dem Meer operieren können um Wrackteile versunkener Schiffe zu orten, oder Transportmaschinen wie die C-160D Transall die ähnliche Aufgaben wahrnehmen können. Zu den SAR-Mitteln zählen auch Hubschrauber wie die CH-53, die wie die Transall auch als fliegender Großraum-Sanitätswagen verwendet werden können. Ein Hubschrauber wird in Laupheim, ausgestattet als Großraumrettungshubschrauber, für Großschadenslagen in Bereitschaft gehalten. Das medizinische Personal wird vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm gestellt.

Alarmierung

Der Flugalarmdienst wird von der Deutschen Flugsicherung betrieben. Notfunkbakenalarme werden von den Mission Control Centers von COSPAS-SARSAT, Alarme über Seefunk von der Seenotleitung Bremen empfangen. Diese geben den Alarm an die zuständige Leitstelle weiter. Bei Beobachtungen durch die Bevölkerung oder bei überfälligen Fahrzeugen kann auch über eine örtliche Rettungsleitstelle, die Polizei oder die Feuerwehr über den Notruf 112 alarmiert werden, die den Alarm über die SAR-Bereichssuchstellen weitergeben. Der Einsatz der SAR-Hubschrauber an den SAR-Kommandos erfolgt über die SAR-Leitstelle Münster (Westfalen) für den Festlandbereich bzw. über die SAR-Leitstelle Glücksburg für den maritimen Bereich. Die Führung der Einsätze erfolgt ebenfalls durch die SAR-Leitstellen.

Sofern andere Leitstellen oder Behörden zur Erfüllung eigener Aufgaben Hilfe von SAR-Einheiten benötigen, setzen sie sich mit der zuständigen SAR-Leitstelle in Verbindung.

Seenotrettung (maritimer SAR-Dienst) in Deutschland

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Logo der DGzRS

Hauptartikel: Seenotrettung
Aufgrund des im Rahmen der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (International Maritime Organisation, IMO) 1979 geschlossenen Übereinkommens über den Such- und Rettungsdienst auf See wurde die Unterhaltung eines maritimen SAR-Dienstes auch in Deutschland zur staatlichen Aufgabe. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat diese Aufgabe durch eine entsprechende Vereinbarung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger übertragen, die bereits zuvor den Seenotrettungsdienst durchführte. Die DGzRS unterhält hierzu unter anderem eine Flotte von Seenotkreuzern und mit der Seenotleitung Bremen eine Rettungsleitstelle.

Der maritime SAR-Dienst wird durch den SAR-Dienst für Luftfahrzeuge unterstützt. Dies betrifft insbesondere den von der Marine am Standort Kiel bereitgehaltenen SAR-Hubschrauber (Sea King) des Marinefliegergeschwaders 5.

Bei komplexen Schadenslagen auf See übernimmt das Havariekommando die Einsatzleitung und die Seenotleitung wird zur Einsatzabschnittsleitung SAR. Sie entsendet außerdem einen Fachberater in den Havariestab.

SAR-Dienste im Ausland

SAR-Hubschrauber der U.S. Navy: Rettungseinsatz in Amtshilfe für den US-Katastrophenschutz, New Orleans 2005
SAR-Einsatz der britischen Royal Air Force

Im Folgenden ist exemplarisch ein Einblick in die Zuständigkeiten für den SAR-Dienst in einigen anderen Staaten der Erde gegeben.

  • In Belgien werden Westland Sea Kings des 40. Squadron der Luftstreitkräfte für den Such- und Rettungsdienst eingesetzt.
  • In den Niederlanden werden Hubschrauber des Typs Bell 412 der Luftstreitkräfte für den Such- und Rettungsdienst eingesetzt. Besonders häufig werden die westfriesischen Inseln angeflogen.
  • In Großbritannien gewährleistet die Royal Air Force (RAF) mit Westland Sea King Hubschraubern den SAR-Dienst (siehe Bild).
  • In Finnland stellt die Firma Copterline mit Hubschraubern den luftgebundenen SAR-Dienst sicher (Foto)
  • In Griechenland hält die dortige Luftwaffe Helikopter vom Typ AS-332 Super Puma für den SAR-Dienst vor (Foto).
  • In Italien unterhält die Luftwaffe einen flächendeckenden luftgestützten SAR-Dienst. Wichtigster Stützpunkt ist Pratica di Mare bei Rom. Den maritimen SAR-Dienst übernimmt vor allem die Küstenwache.
  • In Neuseeland übernimmt die Polizei in Küstennähe und die Küstenwache (Maritime Safety Authority) bei ausgedehnten Suchgebieten die Durchführung von Such- und Rettungsaktionen.
  • In Kanada ist die Küstenwache maßgeblicher Anbieter des maritimen SAR-Dienstes.
  • Auf den Bahamas gibt es keine Institution, die SAR-Dienste mit festangestellten Mitarbeitern betreibt. Diese Aufgabe (Gewährleistung der Seenotrettung) übernehmen ehrenamtliche Mitglieder der Organisation BASRA. Sie werden vom Militär und der US-Küstenwache bei Bedarf unterstützt.

Geschichte

Größter SAR-Einsatz in der Geschichte der BRD war die Suche nach dem im Atlantik gesunkenen Schiff München, bei dem mehrere See-Fernaufklärer und Transall mehrere Tage im Einsatz waren. Auch SAR-Dienste aus dem Ausland halfen damals bei der weitgehend ergebnislosen Suche.

Einzelnachweise

  1. SAR-Hubschrauber bleiben wegen hohen Reparaturaufwandes am Bodenddp-Meldung auf www.pr-inside.com, Abgerufen am 27. April 2010

Literatur

  • Holger Scholl: Luftrettung. Stumpf und Kossendey, Edewecht/Wien 2002. S. 195 ff. ISBN 3-932-750-77-2

Weblinks

deutsche SAR-Dienste

International


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