Sejanus


Sejanus

Lucius Aelius Seianus (* um 20 v. Chr. in Volsinii, Etrurien; † 18. Oktober 31 in Rom), deutsch Sejan, war ein Prätorianerpräfekt im römischen Kaiserreich und eine Zeit lang der einflussreichste Bürger Roms.

Seianus wurde bei der Thronbesteigung des Kaisers Tiberius im Jahr 14 zum Prätorianerpräfekten neben seinem Vater Lucius Seius Strabo ernannt. Als sein Vater praefectus Aegypti (Statthalter von Ägypten) wurde, war Seianus alleiniger Kommandant der Prätorianergarde, die er nun als Basis für die Steigerung seiner Macht benutzte, unter anderem dadurch, dass er sie in einem einzigen Lager auf dem Viminal außerhalb Roms zusammenzog, die Castra praetoria.

Durch Beseitigung ihm missliebiger Personen, darunter angeblich auch Tiberius’ Sohn Drusus im Jahr 23, der von Seianus vergiftet worden sein soll, festigte er seine Macht über den Senat. Er bekämpfte die Familie des Germanicus und versuchte im Jahr 25 vergeblich, Drusus’ Witwe Livilla zu heiraten, wodurch er Mitglied der kaiserlichen Familie geworden wäre.

Seianus war von Sextus Aelius Catus adoptiert worden, dem Konsul des Jahres 4 (wodurch aus seinem Geburtsnamen Seius der Beiname Seianus wurde), und damit zum Adoptivbruder der Aelia Paetina. Als der spätere Kaiser Claudius sie im Jahr 28 heiratete, war er seinem Ziel ein Stück näher gekommen.

Er war maßgeblich für Tiberius’ Rückzug auf die Insel Capri im Jahr 27 verantwortlich, was ihn zum Stellvertreter des Kaisers in Rom machte. Als er dann im Jahr 31 Konsul geworden war, hielt Seianus seine Position für so unangreifbar, dass er damit begann, den Purpur für sich selbst zu reklamieren. Tiberius entdeckte das Vorhaben jedoch und ließ Seianus durch Naevius Sutorius Macro, den Präfekten der Vigiles, verhaften. Als Seianus vom Senat zum Tod verurteilt, mitsamt seiner Kinder im Tullianum hingerichtet und auf der Gemonischen Treppe ausgestellt worden war, folgte ihm Naevius Sutorius Macro als Kommandeur der Prätorianergarde.

Über Seianus' Sturz berichten mit äußerst negativer Tendenz Sueton in seiner Biographie des Tiberius und Tacitus in seinen Annalen. Ein positives Seianus-Bild gibt der Zeitgenosse Velleius Paterculus.

Quellen

  • Sueton: Tiberius. Ausführlichste antike Biographie aus der Sammlung der Kaiserbiographien von Caesar bis Domitian. Zahlreiche Ausgaben, beispielsweise mit deutscher Übersetzung in: Gaius Suetonius Tranquillus: Sämtliche erhaltene Werke. Magnus, Essen 2004, ISBN 3-88400-071-3, (lateinischer Text, englische Übersetzung).
  • Tacitus: Annalen. Lateinisch/deutsch herausgegeben von Erich Heller, 5. Aufl., Artemis & Winkler, München/Zürich 2005, ISBN 3-7608-1645-2, (lateinischer Text; die Bücher 1–6 behandeln die Zeit des Tiberius).

Literatur

  • Dieter Hennig: Lucius Aelius Seianus: Untersuchungen zur Regierung des Tiberius. Beck, München 1975, ISBN 3-406-04791-2.

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