Sender "Rot-Weiß-Rot"


Sender "Rot-Weiß-Rot"

Rot-Weiß-Rot (RWR) war ein US-amerikanisch kontrollierter Radiosender im besetzten Nachkriegsösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Der Anfang

„Hier ist der österreichische Sender Rot-Weiß-Rot!“ Mit diesen Worten eröffnete der amerikanische Generalmajor Walter M. Robertson am 6. Juni 1945 den Rundfunk in Salzburg, „Möge dieses Medium dazu beitragen, die Österreicher zu einem gut unterrichteten Volk zu machen.“

Die RWR-Sendergruppe

Nach Salzburg wurde im November 1945 der Sendebetrieb auch in Wien (Seidengasse 13) aufgenommen und der Schwerpunkt des Senders dort hin verlegt. Ein Mittelwellensender stand in der Nähe der Jubiläumswarte. Ebenso wurde in Linz eine Sendestation eingerichtet.

Die Programmgestaltung

Das Programm sollte einen Gegenpol zu der unter massiven sowjetischen Einfluss geratenen österreichischen Rundfunkanstalt RAVAG (Österreichische Radio-Verkehrs AG) und deren Sender „Radio Wien“ (damals im Volksmund „Russensender“ genannt) bilden und selbst pro-amerikanisch auf die Bevölkerung einzuwirken. Charakteristisch dafür waren Sendungen wie Amerika ruft Österreich und Wir lernen denken.

Die Programmpunkte

In der Folge wurde versucht, das Publikum mit Unterhaltungssendungen zu beeinflussen. Beispiele dafür waren Amerika in Wort und Musik und Die Stimme Amerikas. Die österreichische Bevölkerung reagierte indes mit Skepsis. Erst „neutrale“ Sendungen wie Die große Chance mit Maxi Böhm und Melodie und Rhythmus auf Bestellung mit Louise Martini oder bissige Kabaretts wie Brettl vorm Kopf mit Carl Merz, Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner konnten die Zuhörer begeistern. Für den Sender Rot-Weiß-Rot arbeiteten unter anderem bekannte Künstler und Publikumslieblinge wie Hans Weigel, Alfred Böhm, Peter Alexander, Fritz Eckhardt, Hugo Wiener, Friedrich Torberg und Günther Schifter.

Der letzte Höhepunkt war wohl das Silvesterprogramm 1954/55 mit Karl Farkas und Marcel Prawy.

Das Ende

Am 27. Juli 1955 um 22:15 beendet der verbliebene Sender RWR-Wien sein Programm (Die Sender Salzburg und Linz waren schon am 7. März 1954 eingestellt worden). Der Großindustrielle Manfred Mautner Markhof senior wollte den Sender erwerben und kommerziell nutzen. Privatsender wurden jedoch von der österreichischen Bundesregierung nicht zugelassen. Daher wurde der Sender Rot-Weiß-Rot schließlich vom österreichischen Rundfunk (ORF) übernommen. Einige beliebte Sendungen, wie Der Watschenmann von Jörg Mauthe, blieben im Programm.

Weitere bekannte Sendungen

  • Vergnügt um elf (Schlagersendung)
  • Sport und Musik (unter anderem mit dem legendären Heribert Meisel)
  • Das Sandmännchen (Gutenachtsendung für die Kleinen)
  • Disc-Jockey made in Austria (Musiksendung präsentiert von Fred Ziller)
  • XY weiß alles (beliebte Fragesendung)
  • Für den Gartenfreund (mit „Blumendoktor“ Anton Eipeldauer)
  • Schöne Stimmen, schöne Weisen (Musiksendung)
  • Schulfunk (Beiträge wurden an den Schulen im Unterricht verwendet)
  • Ernst und heiter (Literatursendung)
  • Unsere Radiofamilie (Fortsetzungshörspiel um die Familie Floriani, richtungsweisend für die spätere TV-Serie Familie Leitner)

Literatur

  • I. Stohl, Rundfunk in Salzburg 1945-54, Dissertation, Salzburg 1988
  • M. Aichinger, Rot-Weiß-Rot Linz und das Rundfunkwesen in Oberösterreich, Dissertation, Salzburg 1992

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