Serpens


Serpens
Daten des Sternbildes Schlange
Deutscher Name Schlange
Lateinischer Name Serpens
Lateinischer Genitiv Serpentis
Lateinische Abkürzung Ser
Rektaszension 15h 10m bis 18h 59m
Deklination +25° 40’ bis -16° 10’
Fläche 637 Quadratgrad
Rang 23
Sichtbar auf Breitengraden 74° Nord bis 64° Süd
Beobachtungszeitraum
für Mitteleuropa
Sommer
Anzahl der Sterne mit
Größe < 3m
1
Hellster Stern,
Größe
Unuk (α Serpentis),
2,63m
Meteorströme
Nachbarsternbilder
Kopf der Schlange
(von Norden im
Uhrzeigersinn)
Nördliche Krone
Bärenhüter
Jungfrau
Waage
Schlangenträger
Herkules
Nachbarsternbilder
Schwanz der Schlange
(von Norden im
Uhrzeigersinn)
Schlangenträger
Schütze
Schild
Adler
Karte der Sternbilder Schlange und Schlangenträger

Die Schlange (lateinisch Serpens) ist ein Sternbild nördlich des Himmelsäquators.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Schlange ist das einzige Sternbild am Himmel, das aus zwei nicht zusammenhängenden Teilen besteht. Die beiden Teile werden aus lang gezogenen Ketten von Sternen gebildet, die vom Schlangenträger (Ophiuchus) unterbrochen werden. Der östliche Teil der Schlange wird als Serpens Caput (lat. Kopf der Schlange), der westliche als Serpens Cauda (Schwanz der Schlange) bezeichnet.

Serpens Caput liegt im Randbereich der Milchstraße. Hier findet man den bekannten Gasnebel M 16, auch Adlernebel genannt, und den offenen Sternhaufen IC 4756. In Serpens Cauda steht der auffällige Kugelsternhaufen M 15.

Geschichte

Die Schlange gehört zu den 48 Sternbildern der antiken griechischen Astronomie, die bereits von Ptolemäus beschrieben wurden.

1970 wurde in der Schlange die Nova FH Serpentis entdeckt.

Mythologie

Die Griechen der Antike sahen in dem Sternbild eine Schlange, die von dem heilkundigen Asklepios (lat. Äskulap) – dem Schlangenträger – getragen wird. Es handelt sich um die gleiche Schlange, die sich um den Äskulapstab, dem Symbol der Heilkunst, windet.

Einer Version nach fiel Glaukos, der Sohn des kretischen Königs Minos, in ein Honigfass und erstickte darin. Der Seher Polyeidos fand den Jungen. Minos ließ daraufhin den Seher zusammen mit dem Toten einsperren und befahl ihm, seinen Sohn wieder zum Leben zu erwecken. Als eine Schlange auf Polyeidos zukroch, tötete er diese. Sofort kam eine zweite Schlange mit Kräutern im Maul hinzu und erweckte die tote Artgenossin damit zum Leben. Polyeidos wandte das gleiche Mittel bei Glaukos an, der tatsächlich erwachte.

Einer anderen Version nach soll Asklepios den Jungen wieder erweckt haben.

Himmelsobjekte

Sterne

B F Namen o. andere Bezeichnungen Größe Lj Spektralklasse
α 24 Unuk, Unukalhai, Unuk al Hay, Cor Serpentis 2,63m 73 K2 III
η 58 3,23m 62 K0 III-IV
μ 32 3,54m 156 A0 V
ξ 55 3,54m 105 F0 IIIp
β 28 Chow 3,65m 153 A3 V
ε 37 3,71m 70 A2 Vm
γ 41 3,85m 36 F6 V
θ1,2 63 Alya 4,03m 132 A5 V
κ 35 4,09m 349 M1 III
δ1 13 4,20m 210 F0 IV
ο 56 4,24m 168 A2 Va
ν 53 4,32m 193 A0 /A1 V
λ 27 4,42m 38 G0 V
ι 21 4,51m 192 A1 V
ζ 57 4,62m 76 F3V
ρ 38 4,74m 395 K5 III
π 44 4,82m 177 A3 V
σ 50 4,82m 89 F0 V
MQ 5,06 81 F8 III-IV
36 5,09 159 A3Vn
10 5,15 122 A8 IV
τ1 9 5,16m 919 M1 III
R 5,16 911 M5 IIIe – M9e
δ2 5,20 210 F0 IV
d 59 5,20 479 G0 III + A6 V
ω 34 5,21m 263 G8 III
16 5,26 235 K0p
3 5,32 467 K0 III
χ 20 5,34m 228 A0p Sr
6 5,35 244 K3 III
60 5,38 236 K0 III
HR 6016 5,39 494 K4 III
HR 6858 5,39 471 K3 III
25 5,39 408 B8 III
HR 5924 5,45 602 M0 III
11 5,50 270 K0 III

Der hellste Stern ist α Serpentis im Kopf der Schlange. Es handelt sich um einen 73 Lichtjahre entfernten, orange leuchtenden Riesenstern mit dem 15fachen Durchmesser und der 35fachen Leuchtkraft unserer Sonne.
Sein Name Unuk ist arabischen Ursprungs und ist eine verkürzte Form von "Unuk al Hay", „Hals der Schlange“. Eine andere Bezeichnung ist "Cor Serpentis", lateinisch für „Herz der Schlange“.

Doppelsterne

System Größen Abstand
β 3,65 / 9,9 / 10,7m 31 / 207“
δ 4,2 / 5,2 / 14,7 / 15,2m 4 / 66 / 4,4”
θ 4,5 / 5,4m 22“

β Serpentis ist ein Mehrfachsternsystem, bestehend aus drei Sternen, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Das System ist 153 Lichtjahre entfernt. Zur Beobachtung benötigt man ein Teleskop ab 6 cm Öffnung.
In der klassischen chinesischen Astronomie trug β Serpentis den Namen Chow und war ein Symbol der Zhou-Dynastie.

δ Serpentis ist ein Vierfachsternsystem in 210 Lichtjahren Entfernung. Es besteht aus zwei Paaren von Sternen. Die beiden Komponenten A und B sind Unterriesen der Spektralklasse F0 IV mit einem Winkelabstand von 4 Bogensekunden, die einander in 3200 Jahren umkreisen. Sie sind bereits in einem kleinen Teleskop von 5 cm Öffnung sichtbar. δ Serpentis B ist zudem ein veränderlicher Stern. Das zweite System besteht aus den lichtschwächeren Komponenten C und D, die einen Abstand von 4,4 Bogensekunden aufweisen.
Der Name Alya für das System δ Serpentis stammt aus dem arabischen und bedeutet „Fettschwanz“, womit eine bestimmte Schafrasse bezeichnet wird.

θ Serpentis ist ein 132 Lichtjahre entfernter Doppelstern. Die beiden Sterne gehören der Spektralklasse A5 an und können bereits mit einem Prismenfernglas getrennt werden.

Veränderliche Sterne

Stern Größe Periode Typ
δ Serpentis B 5,2m 0,134 Tage Delta Scuti-Stern
R 5,1 bis 14,4m 356,4 Tage Mira-Stern
U 7,8 bis 14,7m 237,9 Tage Mira-Stern
χ Alpha2-Canis-Venaticorum-Stern

δ Serpentis B ist ein kurzeperiodisch pulsationsveränderlicher Stern. In einem Rhythmus von nur 3 Stunden und 13 Minuten verändert sich seine Helligkeit um kaum merkliche 0,04 Größenklassen.

R Serpentis ist ein langperiodisch veränderlicher Stern vom Typ Mira in 900 Lichtjahren Entfernung. Über einen Zeitraum von 356,4 Tagen verändert er seine Helligkeit deutlich. Während des Helligkeitsmaximums ist er mit bloßem Auge zu erkennen, im Minimum benötigt man ein mittleres Teleskop. Er ist ein rötlicher Stern der Spektralklasse M6 III.

Messier- und NGC-Objekte

Messier (M) NGC sonstige Größe Typ Name
M 16 6611 Adlernebel 6,0m Gasnebel
M 5 5904 5,7m Kugelsternhaufen
6604 6,5m Offener Sternhaufen
6605 6,0m Offener Sternhaufen
IC 4756 4,6m Offener Sternhaufen

In der Schlange sind zwei neblige Objekten sichtbar, die der französische Astronom und Kometenjäger Charles Messier in seinen Katalog (Messierkatalog) aufnahm .

M 5 ist ein Kugelsternhaufen in etwa 27.000 Lichtjahren Entfernung. Er ist einer der hellsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmel. Im Fernglas erscheint er als nebliger Fleck. Mit einem mittleren Teleskop kann er am Rand in Einzelsterne aufgelöst werden.

M 16 ist der 7.000 Lichtjahre entfernte Adlernebel. Bekannt sind Aufnahmen des Hubble-Teleskops, die gewaltige Gas- und Staubwolken zeigen. Diese Region ist ein Sternentstehungsgebiet. Um den Nebel zu beobachten benötigt man ein Teleskop mittlerer Größe. Auffällig bei der visuellen Beobachtung ist aber eher der offene Sternhaufen, der in den Nebel eingebettet ist. Die komplexen Nebelstrukturen werden erst auf länger belichteten Fotografien sichtbar.

IC 4756 ist ein eher unscheinbarer offener Sternhaufen in 1.400 Lichtjahren Entfernung. Im Prismenfernglas und im kleineren Teleskop sind etwa 50 Sterne sichtbar.

Siehe auch

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