Serpent (Musik)

Serpent (Musik)
Serpent aus dem 19. Jahrhundert

Der Serpent (auch das Serpent, von lat. serpens, „Schlange“) ist ein historisches Musikinstrument. Es handelt sich um das Bass-Instrument der Zinken-Familie, das demgemäß mit einem Kesselmundstück geblasen wird.

Bei der Orgel heißt eine Zungenstimme Serpent, die meistens als 16'-Stimme im Pedal disponiert ist.

Inhaltsverzeichnis

Bauart

Die Röhre des Serpents ist aus Holz und schlangenförmig gewunden. Wie beim krummen Zinken ist sie aus zwei Hälften zusammengeleimt und mit Leder überzogen. Der Serpent hatte ursprünglich sechs Fingerlöcher, dazu kamen im Laufe der Zeit einige weitere Löcher, die mit Klappen bedient wurden. Es wurden auch höhere Stimmungen bis zum Sopran-Serpent hergestellt.

Es gab eine (französische) Kirchen- und später eine (englische) Militär-Bauart, die sich durch kompaktere Bauweise und Metallteile auszeichnete. Intonation und Stabilität der Töne erfordern große Geschicklichkeit.

Geschichte

Der Überlieferung nach wurde der Serpent 1590 von einem Kanonikus Guillaume in Auxerre erfunden. Nach den Vorstellungen des 16. Jahrhunderts kam der Klang der Zinken der menschlichen Stimme besonders nahe, und der Gebrauch des Serpents als Begleitinstrument für Chormusik war ein letzter Traditionsrest, der sich bis ins 19. Jahrhundert hielt.

Der Serpent blieb lange Zeit das einzige Bassinstrument mit genügender Lautstärke für größere Ensembles und Räume oder für Freilichtaufführungen. Georg Friedrich Händel verlangte den Serpent für seine Feuerwerksmusik und seine Wassermusik. Durch die starke Veränderung des Gesangsideals im 18. Jahrhundert schien er nicht mehr zur menschlichen Stimme zu passen. Hector Berlioz meinte im Traité d'instrumentation (1844), dass sich „sein kaltes, abscheuliches Geheul“ bestenfalls für das Dies irae der Totenmesse eigne. Dennoch wurde der Serpent als letztes Instrument der Zinkenfamilie noch in der katholischen Kirchenmusik und in Orchestern vor allem der französischen und englischen Militärmusik bis Mitte des 19. Jahrhunderts gebraucht.

Wenn in Orchesterpartituren des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung „Serpent“ als Bass der Blechblasinstrumente auftaucht, ist oft das modernere Basshorn gemeint. Es wurde später durch die Ophikleide und die Tuba ersetzt. In der Volksmusik hielt sich der Serpent an einigen Orten bis ins 20. Jahrhundert.

Moderne Verwendung

Der Filmkomponist Bernard Herrmann verwendete den Serpent für den Soundtrack von Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1959), Jerry Goldsmith gebrauchte ihn für Tora! Tora! Tora! (1970) . Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Serpent von Michel Godard für den Jazz entdeckt. Heute findet er auch wieder als historisches Bassinstrument im Orchester Verwendung.

Literatur

  • Philip Bate: Some Further Notes on Serpent Technology, in: The Galpin Society Journal, Bd. 32, Mai 1979, S. 124–129

Weblinks

 Commons: Serpent – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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