Sextus Iulius Frontinus


Sextus Iulius Frontinus

Sextus Iulius Frontinus (* um 40; † 103) war ein römischer Senator, Soldat und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Im Jahr 70 war Frontinus praetor urbanus und 73 Suffektkonsul. Im Jahr 74/75 wurde er, als Nachfolger des Quintus Petilius Cerialis, Statthalter der Provinz Britannien. Er unterwarf die Silurer und hielt andere britische Stämme unter Kontrolle, bis er im Jahr 79/80 von Gnaeus Iulius Agricola abgelöst wurde. Zu Beginn der Herrschaft Domitians, wohl von 81 bis 83/84 n. Chr., war Frontinus als legatus Augusti pro praetore Kommandant des niedergermanischen Heeres und Statthalter des dazu gehörenden Heeresbezirks, aus dem wenige Jahre später die Provinz Germania inferior wurde.[1] In dieser Funktion nam er wohl am Chattenkrieg Domitians teil. Vermutlich 84/85 war Frontinus Prokonsul der Provinz Asia.

Im Jahr 97 wurde er Oberaufseher über die Aquädukte in Rom (curator aquarum), eine Aufgabe, die lediglich Personen mit sehr hohem Ansehen anvertraut wurde, im folgenden Jahr zum zweiten Mal Konsul. Sein drittes Konsulat (als consul ordinarius, nach dem das Jahr benannt wurde) bekleidete er im Jahr 100, zusammen mit dem Kaiser Trajan, was eine hohe Auszeichnung darstellte. Darüber hinaus war er Mitglied des Auguren-Kollegiums (sein Nachfolger dort wurde Plinius der Jüngere).

Frontinus wünschte kein Denkmal für sein Grab. Plinius der Jüngere zitiert ihn dazu mit den Worten: „Der Aufwand für ein Denkmal ist überflüssig; die Erinnerung an uns wird bestehen, wenn wir es durch unser Leben verdient haben.“[2]

Werke

De aquaeductu urbis Romae

Frontinus’ bekanntestes Werk ist De aquaeductu urbis Romae in zwei Büchern, das eine Geschichte und Beschreibung der römischen Wasserversorgung enthält, einschließlich der Gesetze zu ihrer Nutzung und Unterhaltung und anderer Themen, die für die Architekturgeschichte wichtig sind. Er verfasste die Abhandlung, als er 97 n. Chr. für sechs Jahre curator aquarum wurde, zunächst um sich mit der Materie seines neuen Amtes vertraut zu machen. Später entschied er sich dazu, Kopien für seine Nachfolger anfertigen zu lassen. Denn die Schrift könne als „Richtschnur für die Verwaltung“ (Abschnitt 2) angesehen werden. (Wer seine Schrift tatsächlich las, ist nicht bekannt.) Die tiefere Bedeutung der Schrift liegt in einem Bekenntnis zu seinem Aufgabenbereich als administratives Mitglied des imperium Romanum „like that of an architect of, and speaker for, a new imperial era“[3]. Es kann davon ausgegangen werden, dass die von Frontinus verfasste Begründung im ersten Teil des Buches nicht seine wirkliche Intention wiedergibt.

Das Werk gliedert sich in insgesamt 129 kleine Abschnitte. Frontinus beschreibt die Entstehung der Aquädukte und Wasserleitungen in der Stadt und nennt die Namen der Quellen und Leitungen sowie den Umfang letzterer, wobei er auf die Normung der Rohrgrößen eingeht. Er zählt genaue Messungen der Zu- und Abflussleistung auf, wobei Verstöße gegen das Wasserrecht durch Techniker und Privatpersonen enthüllt werden, denen man u.a. durch Besitzstempel vorzubeugen versuchte. Weitere Themen sind die genaue Verteilung der Wassermengen auf die Stadtbezirke, eine Auflistung seiner Amtsvorgänger sowie die Verbesserung der Wasserqualität durch den Kaiser Trajan und die Senatsbeschlüsse zum Wasserrecht.

Nach Frontinus ist die Frontinus-Gesellschaft benannt, eine wissenschaftliche Vereinigung zur Erforschung der Geschichte der Wasserversorgung.

Strategemata

Die Strategematicon libri III sind eine Sammlung militärischer Kriegslisten aus der griechischen und römischen Geschichte, zum Gebrauch der Offiziere bestimmt; ein viertes Buch, dessen Anlage und Stil sich vom Rest unterscheidet (zum Beispiel wird hier mehr Wert auf moralische Aspekte des Krieges gelegt), galt früher als Werk eines anderen Autors, wird heute aber als echtes Werk des Frontinus angesehen. Dieses über 1300 Jahre verschollene Werk wurde im 15. Jahrhundert durch den italienischen Humanismus wiederentdeckt.

Frontinus verfasste sein Werk über die Strategeme während der Herrschaft Kaiser Domitians – dieser wird dort mehrmals als lebend erwähnt –, vermutlich zwischen 84 und 88. Er unterteilte es in vier Bücher:

I. Buch: Maßnahmen vor dem Kampf,

II. Buch: Maßnahmen im Kampf und nach dem Kampf,

III. Buch: Maßnahmen zur Erstürmung und Verteidigung von Städten,

IV. Buch: Feldherrntugenden.

Ob Frontinus auch das IV. Buch schrieb, war umstritten. Bendz ist sich jedoch sicher, dass Frontinus auch der Autor des IV. Buches ist. Er erklärt die stilistischen Mängel dieses Buches damit, dass es eine Art Nachtrag sei und erst Jahre später hinzugefügt worden sei. Die einzelnen Bücher sind in mehrere Kapitel zu bestimmten Themen unterteilt, z. B. im II. Buch:

1. Wie man den Zeitpunkt des Kampfes wählt,

2. Wie man den Ort des Kampfes wählt,

3. Wie man die Truppen aufstellen soll, usw.

Zu den jeweiligen Kapiteln gibt es eine Reihe beispielhafter Anekdoten mit Kriegslisten, die nach sachlicher Ähnlichkeit geordnet sind. Dadurch wirkt das ganze Werk wie eine Sammlung von Anekdoten. Insgesamt sind es 583. Bendz glaubt, Frontinus könnte die Strategeme als Veranschaulichung für seine verlorengegangene Schrift über das Kriegswesen (De re militari) zusammengestellt haben.

Als Quellen erwähnt Frontinus Geschichtsschreiber und die seinerzeit populäre Exemplaliteratur, in der über geschichtliche Denkwürdigkeiten, Anekdoten und Beispiele berichtet wurde. Auch die Strategeme gehören zu einer Unterart dieser Literaturgattung. Hauptquelle waren wohl ältere antike Strategemsammlungen, die verloren gegangen sind. Ähnlichkeiten zwischen den Strategemen und der Strategemsammlung des Griechen Polyainos, der einzigen weiteren die erhalten geblieben ist, lassen vermuten, dass beide dieselben Quellen verwendeten. Manche Quellen waren jedoch fragwürdig, das führt bei Frontinus zu Namensverwechslungen und völlig falsch dargestellten Begebenheiten. Andererseits berichtet Frontinus auch über Ereignisse, die sonst nirgendwo verzeichnet sind.

Bendz beschreibt Frontinus‘ Stil als nüchtern, sachlich, schlicht, manchmal aber auch schwerfällig, unschön und holprig. Er lese sich ganz angenehm und bleibe nahe an der Umgangssprache.

Weitere Werke

Frontinus schrieb auch eine theoretische Abhandlung über das Militärwesen (De re militari), die aber nicht erhalten ist.

Ferner wird Frontinus eine Abhandlung zur Landvermessung zugeschrieben (das älteste erhaltene Werk dieser Art), die mit anderen Schriften dieser Thematik, den Agrimensoren, zusammen überliefert wurde.

Literatur

Ausgaben

  • Cezary Kunderewicz (Hrsg.): De aquaeductu urbis Romae (De aquis urbis Romae). Teubner, Leipzig 1973.
  • Robert Howard Rodgers (Hrsg.): De aquaeductu urbis Romae. Cambridge Univ. Press, Cambridge [u. a.] 2004. ISBN 0-521-83251-9
  • Robert I. Ireland (Hrsg.): Iuli Frontini Strategemata. Teubner, Leipzig 1990. ISBN 3-322-00746-4

Übersetzungen

  • Frontinus-Ges. e.V. (Hrsg.): Wasserversorgung im antiken Rom. Sextus Iulius Frontinus, curator aquarum. 4. verb. Aufl. Oldenbourg, München, Wien 1989. ISBN 3-486-26118-5
  • Manfred Hainzmann (Übers.): Wasser für Rom: die Wasserversorgung durch Aquädukte. Artemis-Verl, Zürich [u. a.] 1979. ISBN 3-7608-4060-4
  • Gerhard Bendz (Übers. und Hrsg.): Kriegslisten: lateinisch und deutsch. Akademie-Verl, Berlin 1963. (Weitere Auflagen)

Sekundärliteratur

  • Michael Peachin: Frontinus and the curae of the curator aquarum. Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-08636-6.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Werner Eck, Andreas Pangerl: Sex. Iulius Frontinus als Legat des niedergermanischen Heeres. Zu neuen Militärdiplomen in den germanischen Provinzen. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik, Band 143, 2003, S. 205-211, auf der Grundlage des Militärdiploms AE 2003, 2054. Frontinus’ Name als Legat erscheint wohl auch auf der Xantener Weihung CIL 13, 8624.
  2. Plinius, Epistulae 9,19,6, deutsche Übersetzung zitiert nach Bendz, 2. Aufl., S. 2.
  3. Peachin, Frontinus and the curae of the curator aquarum.

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