Shane MacGowan


Shane MacGowan
Shane MacGowan (1990)
Shane MacGowan, Zenith, München, 6. Juli 2011 mit den Pogues (Foto: Zuzana Pernicová)

Shane MacGowan (* 25. Dezember 1957 in Tunbridge Wells, Kent/England) ist ein irischer Musiker, der als Sänger und Songwriter der Londoner Band The Pogues berühmt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Frühe Jahre

MacGowan kam am Weihnachtstag 1957 in Tunbridge Wells, Kent, England als Sohn irischer Eltern zur Welt. Zunächst wuchs er in Tipperary auf, ehe die Familie 1964 wieder nach Südwestengland zog und unter anderem in Brighton und London lebte.

MacGowans Mutter Therese war eine Sängerin und Tänzerin und hatte in Dublin als Model gearbeitet. MacGowans Kindheit wurde so durch irische Volksmusik und Kultur stark beeinflusst. 1971 wurde MacGowan von der Westminster School, einer hochrangigen Schule in London aufgenommen, aber wegen Drogenbesitz im zweiten Jahr wieder ausgeschlossen.

Erstmals stand MacGowan in der Öffentlichkeit, als Jane Modette 1976 bei einem Konzert der englischen Punkband The Clash sein Ohr verletzte. Eine Fotografie des blutüberströmten MacGowan kam mit der Überschrift "Cannibalism at Clash Gig" ("Kannibalismus bei Clash-Auftritt") in die Medien. Bald darauf gründete MacGowan seine eigene Punkrockband, The Nipple Erectors, später umbenannt in "The Nips".

The Pogues

MacGowan besann sich auf seinen irischen Hintergrund, als er die Pogues gründete. Viele seiner Lieder befassen sich mit irischem Nationalismus, irischer Geschichte, den Erfahrungen der Iren in London und in den Vereinigten Staaten und dem allgemeinen Leben in London. MacGowan nannte häufig den irischen Dichter James Clarence Mangan und den Dramatiker Brendan Behan als Einflüsse.

Zwischen 1985 und 1987 schrieb MacGowan mit anderen sein wahrscheinlich bekanntestes Lied, "Fairytale of New York", das er gemeinsam mit Kirsty MacColl sang. Nachdem die Pogues ihn wegen unprofessionellem Benehmen aus der Band warfen, gründete er eine neue Band, Shane MacGowan and The Popes. 1997 war MacGowan einer der Sänger der Neuaufnahme von Lou Reeds "Perfect Day", das von etlichen Künstlern zugunsten notleidender Kinder aufgenommen wurde. Die Single stieg direkt auf Platz 1 in die britischen Charts ein.

2001 und jährlich von 2004 bis 2008 gingen die Pogues mit MacGowan auf Tour, unter anderem als Hauptact beim Guilfest in Großbritannien und beim Azkena Rock Festival in Spanien. 2005 veröffentlichten die Pogues erneut "Fairytale of New York", um Geld für die "Justice For Kirsty Campaign" und "Crisis At Christmas" zu sammeln. Die Single wurde die erfolgreichste Weihnachtsveröffentlichung 2005 und erreichte den zweiten Platz in den britischen Charts.

2006 wurde MacGowan auf Platz 50 der NME Rock Heroes List gewählt. Er trat häufig mit Pete Doherty, dem Sänger der Babyshambles, auf. Weitere bekannte Freunde sind Johnny Depp, der im Video für "That Woman's Got Me Drinking" mitspielte, und der mittlerweile verstorbene Clash-Sänger Joe Strummer, der MacGowan als "einen der besten Autoren des Jahrhunderts" bezeichnete. Strummer trat gelegentlich mit MacGowan and The Pogues auf (und war kurzzeitig MacGowans Nachfolger als Leadsänger nach dessen Rauswurf).

Seine Schwester Siobhan MacGowan, Journalistin, Schriftstellerin und Songwriterin, veröffentlichte 1998 ihr Album "Chariot" und ist Autorin des Kinderbuchs "Etain's Dream". Im März 2007 gab MacGowan Hochzeitspläne mit seiner langjährigen Freundin Victoria Mary Clarke bekannt. 2000 benutzte Tim Bradford den Titel "Is Shane MacGowan still alive?" ("Ist Shane MacGowan noch am Leben?") für ein humoristisches Buch über Irland und die irische Kultur.

Selbstzerstörerisches Verhalten

MacGowan ist bekannt für seinen Drogenkonsum. Sinéad O'Connor zeigte ihn einmal bei der Londoner Polizei wegen Drogenbesitzes an – in einem Versuch, wie sie sagte, ihn vom weiteren Heroinkonsum abzubringen. Nach seiner ersten Wut äußerte sich MacGowan dankbar dafür. Er behauptet, dieser Zwischenfall hätte ihn tatsächlich vom Heroin fortgebracht.

MacGowan behauptet weiterhin, er sei von einer Tante zu Alkohol und Zigaretten gebracht worden, unter der Bedingung, er würde nie den Teufel verehren. In einem Interview mit dem Daily Mirror anlässlich seines 50. Geburtstags sagte er, dass er schon mit vier Jahren zu trinken begonnen habe. Whiskey habe er erstmals mit zehn Jahren probiert, von da an sei er ein Gewohnheitstrinker gewesen.

Robyn Hitchcock sagte im Februar 2006 in einer BBC-Fernsehsendung: "Ich war einmal im Hope and Anchor" – einem Londoner Pub, in dem viele Folkpunkbands auftraten. "Die Pogues waren auf der Bühne, der Pub war voll, aber sie hatten noch nicht angefangen. Dann wankte diese Gestalt zur Tür hinein. Ich dachte: Ihr wollt doch diesen Kerl nicht reinlassen? Dann betrat er die Bühne. Es war Shane MacGowan."

Sein Alkoholkonsum hat körperliche Schäden hinterlassen. MacGowan ist berüchtigt für seine betrunkenen Auftritte. Am 7. September 2002 erbrach sich MacGowan bei einem Konzert im Olympia Theatre in Dublin über die Fans in der ersten Reihe. Sinéad O'Connor verteidigte MacGowan mit der Erklärung, er sei ein "Engel nahe an seinem Ende, der Hilfe braucht. Er kann längst nicht mehr zu trinken aufhören, seine Krankheit ist nicht mehr heilbar, und so weit ich das beurteilen kann, ist sein Ende nahe."

Obwohl sein Alkoholismus zu einem vorübergehenden Ende der Beziehung geführt habe, sagte MacGowans Verlobte Victoria Mary Clarke, dass "Shane gern einen trinkt, aber weniger als die Leute glauben. Ich habe ihn lange nicht mehr betrunken erlebt."

Heute

Auch 2009, 2010 und 2011 tourte Shane wieder erfolgreich mit den Pogues durch Europa und den Vereinigten Staaten.

Im November 2010 gründete MacGowan eine neue Band Namens "The Shane Gang", mit denen er 10 Jahre nach dem Erscheinen seines letzten Albums ein neues auf den Markt bringen will. 2011 soll es unter dem Namen „Rakes, Rats, Pricks & Kicks“ in den Regalen liegen.

Im allgemeinen liest und hört man, dass der Zustand von MacGowan sich in den letzten Jahren deutlich gebessert hat. Es gibt keine Berichte über Konzertabsagen oder -abbrüche, so wie es Mitte der 1990er Jahre des Öfteren vorgekommen ist. Er kann alleine die Bühne betreten und verlassen und seine Aussprache ist deutlich verständlicher als früher.

Diskografie

  • 1978: King of the Bop (7") (mit Nipple Erectors)
  • 1978: All the Time in the World (7") (mit Nipple Erectors)
  • 1979: Gabrielle (7") (mit Nipple Erectors)
  • 1980: Only the End of the Beginning (mit Nipple Erectors)
  • 1981: Happy Song (7") (mit Nipple Erectors)
  • 1984: Red Roses for Me (Mit The Pogues)
  • 1985: Rum Sodomy & the Lash (Mit The Pogues)
  • 1986: Poguetry in motion (mit The Pogues)
  • 1987: The Irish Rover (mit The Pogues/Dubliners)
  • 1987: The Tits of Soho (posthumes Best-of) (mit Nipple Erectors)
  • 1988: If I Should Fall from Grace with God (Mit The Pogues)
  • 1988: Yeah Yeah Yeah Yeah (7") (mit The Pogues)
  • 1988: Johnny come lately (7") (mit The Pogues/Steve Earle)
  • 1989: Peace and Love (mit The Pogues)
  • 1990: Hell's Ditch (mit The Pogues)
  • 1994: The Snake (mit The Popes)
  • 1995: The Snake (Rerelease) (mit The Popes)
  • 1997: The Crock of Gold (mit The Popes)
  • 2000: Sing Loud, Sing Proud! (Dropkick Murphys, als Gastsänger bei "Good Rats")
  • 2002: Across the Broad Atlantic, live on Paddy's Day (mit The Popes)
  • 2002: The Rare oul´Stuff

Andere Werke

MacGowan wirkte in dem Alex Cox-Film „Straight to Hell“ (1987) neben Darstellen wie Dennis Hopper, Jim Jarmusch, Palme d'Or Gewinnerin Kathy Burke, Dick Rude, Courtney Love, Joe Strummer & Grace Jones mit.

Literatur

  • Victoria Mary Clarke, Shane MacGowan: A Drink with Shane MacGowan, London: Pan Books, 2001.

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