Shining (Film)


Shining (Film)
Filmdaten
Deutscher Titel: Shining
Originaltitel: The Shining
Produktionsland: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 1980
Länge: 119 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 16
Stab
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson
Produktion: Stanley Kubrick, Jan Harlan
Musik: Wendy Carlos, Rachel Elkind, sowie Werke von Bela Bartók, György Ligeti, Krzysztof Penderecki
Kamera: John Alcott
Schnitt: Ray Lovejoy
Besetzung

Shining ist ein Horrorfilm des Regisseurs Stanley Kubrick nach Stephen Kings gleichnamigem Roman, in dem sich in der Einsamkeit eines abgelegenen Berghotels ein schreckliches Familiendrama zuträgt.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Das Overlook-Hotel in den Bergen von Colorado wird wie jedes Jahr den Winter über geschlossen, nur der für diese Zeit für die Betreuung des Gebäudes als Hausmeister engagierte Schriftsteller Jack Torrance und seine Familie bleiben in dem Hotel zurück, eingeschneit und abgeschlossen von der Außenwelt.

Zu Beginn des Filmes legt ein Dialog zwischen Torrances Sohn Danny und dem Hotelangestellten Dick Hallorann nahe, dass Jack Torrances Sohn übersinnlich begabt ist. Bereits in dieser Passage wird vom Shining gesprochen. Hallorann deutet Danny an, dass das Hotel ein böser Ort sei und er bestimmte Bereiche des Hauses meiden solle. Tatsächlich befindet sich das Hotel auf einem Indianerfriedhof, und im Jahre 1970 tötete der damalige Winter-Hausmeister des Hotels im Wahn seine beiden Töchter, seine Frau und sich selbst.

Angetrieben von zunehmenden Halluzinationen und Angstträumen verfällt auch Jack Torrance dem Wahnsinn und attackiert schließlich seine Frau Wendy und seinen Sohn Danny. Jedoch gelingt es Danny in den verschneiten, riesigen Hecken-Irrgarten des Hotels zu entkommen. Mutter und Sohn können fliehen. Der Vater verirrt sich im Irrgarten und erfriert.

Wirkung

Bereits die aus einem Hubschrauber gefilmte Eingangssequenz, welche die Fahrt eines Volkswagen durch die erhabene herbstliche Bergwelt des Glacier-Nationalparks in Montana verfolgt und durch das mit Synthesizern verfremdete mittelalterliche Dies-irae-Thema untermalt wird, wirkt beeindruckend und bedrohlich zugleich. Material dieser Sequenz wurde auch für die auf Wunsch des Studios kurzfristig hinzugefügte Endszene von Blade Runner in dessen 1982er Kinoversion verwendet.

In einer Schlüsselszene entdeckt Wendy, dass ihr Mann, der angeblich ein Buch schreiben wollte, monatelang immer nur einen einzigen Satz auf der Maschine getippt und damit Hunderte von Blättern gefüllt hat: All work and no play makes Jack a dull boy – Arbeit allein macht auch nicht glücklich (wörtlich: „Nur Arbeit und kein Spielen macht Jack zum stumpfen Jungen.“). Diese Szene wurde von Stanley Kubrick mehrsprachig gedreht, nämlich zusätzlich in deutsch (Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen), italienisch (Il mattino ha l’oro in bocca – Morgenstund hat Gold im Mund), französisch (Un «Tiens» vaut mieux que deux «Tu l'auras» – sinngemäß: Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach) und spanisch (No por mucho madrugar amanece más temprano – Auch wenn man früher aufsteht, wird die Sonne nicht früher aufgehen). Obwohl das DVD-Format unterschiedliche Bildschnitt-Fassungen pro gewählter Sprache technisch unterstützt, ist auf der DVD-Ausgabe für den deutschsprachigen Raum nur die Sequenz mit dem englischen Satz enthalten.

Eine der eindringlichsten Szenen des Filmes folgt direkt im Anschluss. Erbost über die Störung durch seine Frau Wendy redet Jack vorwurfsvoll auf sie ein und geht dabei ständig auf sie zu. Seine Frau weicht zurück und wehrt sich nur mit dem Schwingen eines Baseballschlägers, den sie bei sich trägt. Trotz ihrer offenbar besseren Bewaffnung hat der Zuschauer nie das Gefühl, sie könnte sich damit der Bedrohung ihres Mannes erwehren.

Kubrick setzt andere Schwerpunkte als die literarische Vorlage. Die Vorgeschichte von Jack Torrance, der als Lehrer gescheitert ist, wird weitgehend ausgeblendet, der Zusammenhang zwischen dem Alkohol und seinem Wahnsinn nur angedeutet und aus den zu Tierfiguren gestutzten, scheinbar lebendig werdenden Hecken wurde im Film das Labyrinth.

1997 wurde in den USA der Roman in der vierteiligen Serie The Shining für das Fernsehen unter der Leitung von Stephen King neu verfilmt, der sich mehrere Male sehr unzufrieden über die Verfilmung durch Stanley Kubrick äußerte, da King der Ansicht war, durch Nicholsons Spiel werde die eigentliche Hauptperson, das Hotel, verdrängt.[1] Diese Neuverfilmung ist somit die einzige von Stephen King autorisierte Fassung. Die Mehrzahl der Kritiker hält allerdings Kubricks Version für die bessere.

Ursprünglich hatte Kubrick alternativ die Verfilmung einer anderen literarischen Vorlage erwogen, den Roman The Shadow knows von Diane Johnson. Nachdem er sich für Shining entschieden hatte, aber einen ersten Drehbuchentwurf von Stephen King abgelehnt hatte, beteiligte Kubrick statt dessen Diane Johnson, von deren Werk er beeindruckt war, an der Drehbucharbeit zu seinem Film.

Stanley Kubrick sagte in einem CINEMA-Interview: „In meinem Film gibt es keine […] knarrenden Türen, keine Gerippe, […] überlange Schatten oder andere melodramatische Horroreffekte. Der Film erzählt ganz einfach die Geschichte einer Familie, die langsam in den Wahnsinn treibt.

Die US-Fassung ist eine gute halbe Stunde länger als die europäische, die von Kubrick selbst gekürzt wurde. Sie konzentriert das Augenmerk auf die Vorgeschichte, die Visionen des Torrance-Sohnes und zeigt tatsächlich mit Spinnweben verhangene Skelette. Auch sind die Einteilungen (‚Mittwoch‘…) feiner.

Shining enthält eine der am häufigsten gedrehten Szenen der Filmgeschichte: Die Szene, in der Wendy und Danny ins Badezimmer flüchten, und Jack sie mit der Axt verfolgt. Nachdem Jack das wohl bekannteste Zitat des Films sagt („Hier ist Jacky!“, im Original übrigens „Here is Johnny“ in Anspielung auf Johnny Carson) und mit der Axt die Tür einzuschlagen beginnt (im Buch ist es ein Roqueschläger), schreit Wendy in Panik um ihr Leben. Diese Einstellung musste, nach Kubricks eigenen Aussagen, 127 mal gedreht werden, und steht damit bis heute im Guinness Buch der Rekorde als die am meisten wiederholte Szene in der Geschichte des Filmdrehs.

Sonstiges

Abgesehen von einigen Außenaufnahmen, wie dem Hubschrauberflug durch die Berge von Colorado am Filmanfang und Aufnahmen an der Timberline Lodge in Oregon, die Kubrick von einem Außendrehteam filmen ließ, wurde der gesamte Film in den Elstree Studios in der Nähe von London gedreht. Dafür wurde das größte zusammenhängende Studiofilmset der damaligen Filmgeschichte errichtet.

In Kubricks vorigen Filmen Uhrwerk Orange und Barry Lyndon leiht in der deutschen Fassung derselbe Synchronsprecher, der Schauspieler Jörg Pleva, den männlichen Hauptfiguren seine Stimme wie hier Jack Nicholson. Als Grund für diese Stimmenbesetzung, die keine Rücksicht auf die Stammbesetzung von Ryan O'Neal und Jack Nicholson nahm, gilt ein Brief Kubricks an den Synchronregisseur Wolfgang Staudte nach Uhrwerk Orange, in dem Kubrick seine Begeisterung für die deutsche Stimme zum Ausdruck brachte und erklärte, diese passe viel besser zum Film als Malcolm McDowells eigene.

Shining gilt als Triumph der Steadicam. Bis dato waren Aufnahmen mit einer Handkamera wenig überzeugend und längere Bewegungen nur umständlich zu realisieren. Erst die Erfindung eines Systems, mit dem die Kamera dem Kameramann umgeschnallt wird und dieser sich bewegen kann, während ein ausgeklügeltes System etwaige Erschütterungen abfängt, machte die ausführlichen Kamerabewegungen von Shining möglich. Die Steadicam wurde in Shining von ihrem Erfinder, Garrett Brown, bedient.

Zumindest in der europäischen Fassung besteht der besondere Reiz des Films in seiner Vielschichtigkeit, worauf Georg Seeßlen ausführlich hinweist. Man kann ihn unter anderem als Film über eine Familie, einen Vater, einen Ehemann, einen gescheiterten Künstler, eine Mutter, eine Ehefrau, einen Sohn, ein Kind mit besonderer Begabung ansehen wie auch als Horrorfilm über gefährliche Häuser. Dass die Innengestaltung des Hauses an indianische Muster erinnert und der Sohn Danny eine scheinbar telepathische Beziehung zu dem Koch des Hotels hält, fügt weitere Ebenen hinzu. Das wirklich Interessante ist, dass keine dieser angesprochenen Ebenen diesen Film von Anfang bis Ende logisch zusammenhält. An mindestens einer Stelle muss das Erklärungsschema gewechselt werden. Die verstörende Wirkung des Films liegt an den Szenen, die mehrere Ebenen bedienen und entzieht ihn einer eindeutigen Erklärung. Es ist eben beispielsweise einfach nicht zu entscheiden, ob Jack Torrance von sich aus wahnsinnig wird (Psychothriller), das Haus ihn wahnsinnig macht (Horrorfilm), sein Alkoholismus ihn in den Wahnsinn treibt (Melodrama) oder er einfach mit der Verantwortung nicht zurecht kommt (Drama).

Kritik

„Nur an der Oberfläche ein effektvoller Horrorthriller, ist der Film eine virtuos inszenierte Studie über die Wechselwirkung von Wirklichkeit und Schein, Realität und Illusion, über die traumatischen Abgründe, die sich jenseits des gesunden Menschenverstandes auftun. Die konventionelle Fabel ist der Anlass für eine suggestive Symphonie des Schreckens, die den Zuschauer in seinen Genreerwartungen bestätigt und seinen Blick jedoch zugleich in die Irre führt.“

Lexikon des Internationalen Films[2]

„‚The Shining‘ beginnt mit einer Fahrt ins Blaue, ins schier Übermächtige einer von heller Sonne umstrahlten Bergwelt. Eine realistische und doch zugleich illusionäre Welt. Nicholson tritt auf, als freundlicher, ruhiger Familienvater, als angehender Schriftsteller, der für ein halbes Jahr mit seiner Familie die Ruhe sucht. Kubrick durchbricht sehr schnell diese Illusion, die auch für den Betrachter von Beginn an brüchig ist. Die hellseherischen Fähigkeiten von Danny (exzellent gespielt von Danny Lloyd) paaren sich mit dem Blutrausch, der das Leben aus dem Hotel verbannt. Der aus einer penibel geschnittenen Hecke konstruierte Irrgarten vor dem Hotel wird zum Sinnbild der Angst, des Schreckens, der Verfolgung und der Ausweglosigkeit. Die Phantasien Dannys, Jacks und Wendys vermischen sich mit der Realität, die Grenzen von Trauma und Wahnsinn hier, von für einzig fassbar, greifbar Gehaltenem dort verschwimmen, die Zeitebenen geraten völlig durcheinander.“

Ulrich Behrens auf filmstarts.de[3]

Synchronisation

Die Synchronisation wurde von der Berliner Synchron GmbH erstellt. Sowohl für das Dialogbuch als auch für die Dialogregie zeichnete Wolfgang Staudte verantwortlich.[4]

Rolle Darsteller Synchronstimme
Jack Torrance Jack Nicholson Jörg Pleva
Wendy Torrance Shelley Duvall Eva Kinsky
Danny Torrance Danny Lloyd Carlo Beddies
Dick Hallorann Scatman Crothers Edgar Ott
Delbert Grady Philip Stone Wolfgang Spier
Lloyd Joe Turkel Friedrich W. Bauschulte
Stuart Ullman Barry Nelson Joachim Kerzel
Revierleiter 1 David Baxt Wilfried Freitag
Revierleiter 2 Manning Redwood Friedrich Georg Beckhaus

Auszeichnungen

  • Der Film erhielt mehrere Nominierungen für den Saturn Award der Science-Ficton-, Fantasy- und Horrorfilmakademie in den USA.
  • Scatman Crothers erhielt den Saturn Award als bester Nebendarsteller.
  • Des weiteren wurde Stanley Kubrick für den Film für die Goldene Himbeere in der Kategorie Schlechteste Regie und Shelley Duvall als "Schlechteste Schauspielerin" nominiert

Literatur

  • Georg Seeßlen/Fernand Jung: Stanley Kubrick und seine Filme. Schüren Verlag, Marburg 1999, ISBN 978-3-89472312-5.

Quellen

  1. http://www.dieterwunderlich.de/Kubrick_shining.htm#com
  2. http://www.filmevonabisz.de/filmsuche.cfm?wert=39685&sucheNach=titel&CFID=48656471&CFTOKEN=66359886&jsessionid=4630f9ed04f141647c5c
  3. http://www.filmstarts.de/produkt/36199,Shining.html
  4. Eintrag in der Deutschen Synchronkartei

Weblinks


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