Siluriformes


Siluriformes
Welsartige
Pylodictis olivaris

Pylodictis olivaris

Systematik
Reihe: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Welsartige
Wissenschaftlicher Name
Siluriformes
Rafinesque, 1820

Die Welsartigen (Siluriformes) sind eine Ordnung der Knochenfische, die mit etwa 3380 Arten in 38 Familien weltweit hauptsächlich in Süßgewässern verbreitet ist. Einige wenige Arten aus den Familien der Kreuzwelse (Ariidae) und der Aal- und Korallenwelse (Plotosidae) leben auch in den tropischen Meeren. Die einzige in Mitteleuropa heimische Art ist der zu den Echten Welsen gehörende Flusswels (Silurus glanis), auch Waller genannt, der bis zu drei Meter lang werden kann. Ähnlich groß wird der Mekong-Riesenwels (Pangasianodon gigas). Unter den Welsartigen gibt es Raubfische, Aufwuchsfresser, wie viele Harnischwelse (Loricaridae), Detrivoren, die sich von zersetzenden organischen Stoffen ernähren, und parasitisch lebende Arten wie der Candiru (Vandellia cirrhosa).

Ständig werden neue Arten entdeckt. Allein in den ersten sechs Jahren des 21. Jahrhunderts wurden 332 Arten, neun Gattungen und eine Familie neu beschrieben. Die Anzahl der bisher unbeschriebenen Arten wird auf bis zu 1750 geschätzt. [1]

Es gibt gepanzerte und schuppenlose Arten. Auffälligstes Merkmal der Welsartigen sind die mehr oder weniger langen Barteln, die in unterschiedlicher Anzahl auftreten können.

Welse haben eine große Bedeutung für den Menschen. Größere Arten werden als Speisefische gefangen oder gezüchtet, viele kleinere Arten sind beliebte Aquarienfische.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Alle heutigen Welsarten leben in Süß- und Küstengewässern aller Kontinente, mit Ausnahme der Antarktis [2]. Im tropischen Südamerika, in Afrika und in Asien ist ihre Diversität am höchsten [3]. Mehr als die Hälfte der Welsarten kommt aus Amerika. Sie sind die einzigen Ostariophysi, die Süßwasserlebensräume in Madagaskar, Australien und Neuguinea besiedelt haben [4]. Sie bewohnen Süßgewässer aller Art, hauptsächlich aber flache Fließgewässer [4]. Unter den Fischen gehören die Welse zu den erfolgreichsten Höhlenkolonisatoren. Repräsentanten aus mindestens acht Familien sind Höhlenbewohner. [5][6]. Zahlreiche Arten der Kreuzwelse (Ariidae) und der Aal- und Korallenwelse (Plotosidae) sowie einige Arten der Bratpfannen- und Banjowelse (Aspredinidae) und der Stachelwelse (Bagridae) leben auch im Meer. [7][8].

Merkmale

Die Haut ist schuppenlos und bei manchen Arten gepanzert. Das Maul ist von Barteln umgeben, die als Geschmacks- und Tastorgane dienen. Es ist in der Regel unterständig, das heißt die Mundöffnung ist nach unten gerichtet; diese Form des Maules eignet sich ideal zur Nahrungsaufnahme vom Boden. Viele Welse besitzen Dornen, die sich unmittelbar vor den Brustflossen und der Rückenflosse befinden. Bei diesen Dornen handelt es sich um versteifte Flossenstrahlen. Sie dienen dazu, das Verschlucken des Fisches durch ein Raubtier zu erschweren, indem sie ausgefahren werden und den Fisch so sperriger zu machen. Welse sind eng mit den Neuwelt-Messerfischen (Gymnotiformes) verwandt.

Die meisten Arten leben bodenorientiert. Sie nutzen allerdings nahezu alle Lebensräume und ein breites Nahrungsspektrum. Bei vielen Arten betreiben die Männchen Brutpflege.

Systematik

Die Welse sind eine monophyletische Gruppe. Dies wird durch molekulare Daten gestützt [1]. Sie gehören zusammen mit den Karpfenartigen (Cypriniformes), Salmlern (Characiformes) und Neuwelt-Messerfischen (Gymnotiformes) zu einer Ostariophysi genannten Überordnung, deren wichtigstes Merkmal der Besitz eines Weberschern Apparates ist. Die Neuwelt-Messerfische sollen die Schwestergruppe der Welsartigen sein. Einige Wissenschaftler stellen sie als Unterordnung zu den Siluriformes.

Nelson zählt zu den Welsartigen 39 Familien, 450 Gattungen und 3380 Arten. Welse stellen damit etwa zehn Prozent aller Fischarten. Die folgende Systematik umfasst alle Überfamilien und Familien. Die Diplomystidae sind die basale Schwestergruppe aller anderen Welse, die zusammen als Siluroidei bezeichnet werden. [2]

Schwartz’ Panzerwels (Corydoras schwartzi)
Zebra-Harnischwels (Hypancistrus zebra)
Gelber Katzenwels (Ameiurus natalis)
Kryptopterus minor
Gestreifter Korallenwels
(Plotosus lineatus)

Eine Systematik der Welsartigen, die nach einer phylogenetischen Analyse mit Hilfe von DNA-Sequenzierung erstellt wurde, sieht etwas anders aus. Hier ist die Unterordnung Loricarioidei die Schwestergruppe aller anderen Welsartigen, die in die Familie Diplomystidae und die Unterordnung Siluroidei geteilt werden. Die Siluroidei werden in fünf Überfamilien, fünf keiner Überfamilie zuzuordnenden Familien und zwei weitere, bisher unbeschriebene und von den Autoren Big Asia und Big Africa genannten Kladen, geteilt. [1]:

Sterbas Panzerwels (Corydoras sterbai)
Pangasius
(Pangasianodon hypophthalmus)
Tiger-Spatelwels (Pseudoplatystoma tigrinum)
Liniendornwels
(Platydoras costatus)
Rückenschwimmender Kongowels
(Synodontis nigriventris)

Aquarienhaltung

Kleine, tropische Welsarten sind wegen ihres interessanten Aussehens beliebte Zierfische in Süßwasseraquarien. Besonders bedeutsam in der Aquaristik sind die südamerikanischen Panzerwelse (Callichthyidae), die Harnischwelse (Loricariidae), die Fiederbartwelse (Mochokidae) sowie einzelne Arten aus der Familie der Kreuzwelse (Ariidae), der Antennenwelse (Pimelodidae) und der Bratpfannenwelse (Aspredinidae).

Literatur

  • Günther Sterba: Süsswasserfische der Welt. Urania-Verlag, 1990, ISBN 3-332-00109-4
  • Hans-Georg Evers, Ingo Seidel: Wels Atlas 1. Mergus-Verlag, 2005, ISBN 3-88244-063-5

Einzelnachweise

  1. a b c JP Sullivan, Lundberg JG; Hardman M: A phylogenetic analysis of the major groups of catfishes (Teleostei: Siluriformes) using rag1 and rag2 nuclear gene sequences. In: Mol Phylogenet Evol.. 41, Nr. 3, 2006, S. 636–62. doi:10.1016/j.ympev.2006.05.044
  2. a b Joseph S. Nelson, Fishes of the World, John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7
  3. J. G. Lundberg, J. P. Friel: Siluriformes. Catfishes The Tree of Life Web Project
  4. a b Michael N. Bruton: Alternative life-history strategies of catfishes. In: Aquat. Living Resour.. 9, 1996, S. 35–41. doi:10.1051/alr:1996040
  5. Thomas G. Langecker, Longley, Glenn: Morphological Adaptations of the Texas Blind Catfishes Trogloglanis pattersoni and Satan eurystomus (Siluriformes: Ictaluridae) to Their Underground Environment. In: Copeia. 1993, 1993, S. 976–986. doi:10.2307/1447075
  6. Dean A. Hendrickson, Krejca, Jean K.; Martinez, Juan Manuel Rodríguez: Mexican blindcats genus Prietella (Siluriformes: Ictaluridae): an overview of recent explorations. In: Environmental Biology of Fishes. 62, 2001, S. 315–337. doi:10.1023/A:1011808805094
  7. Monks N. (editor): Brackish Water Fishes, TFH 2006, ISBN 0-7938-0564-3
  8. Schäfer F: Brackish Water Fishes, Aqualog 2005, ISBN 3-936027-82-X

Weblinks


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