Sonnenkult


Sonnenkult
Der Sonnenwagen von Trundholm (Bronzezeit, um 1400 v. Chr.)

Sonnenverehrung oder Sonnenkult beschreibt einen Kult oder eine Religion, dessen zentrales Motiv der Orientierung oder Anbetung die Sonne ist. Dabei repräsentiert das physische Zentralgestirn unseres Planetensystems die oberste Gottheit oder die höchste Kraft der jeweiligen Kosmologie.

Inhaltsverzeichnis

Bronzezeit

In Deutschland fanden sich (z. B. in Beckstedt, Landkreis Oldenburg) Steine mit konzentrischen Rillen, die von Archäologen in die Bronzezeit datiert und mit einem Sonnenkult in Verbindung gebracht werden[1]. Der Forscher Arno Stern weist jedoch darauf hin, dass solche Formen in den Darstellungen jedes nicht vorgebildeten Malanfängers vorkommen.[2] Vergleichbare Darstellungen gibt es auch in Großbritannien und Schweden. Der Stein von Beckstedt befindet sich heute im Schloss Gottorf. Auch die Himmelsscheibe von Nebra zeigt angeblich eine Sonnenbarke.

Altes Ägypten

Darstellung der Sonnenbarke

Die Sonne war lange Zeit im alten Ägypten oberste Gottheit. Zum Teil wurde sie als rechtes Auge des Himmelsherrn (Sonnenauge) oder als selbständiger Weltkörper angesehen. Es gab die Vorstellung, dass die Sonne eine linsenförmige Scheibe sei. Andere meinten, die Sonne sei eine rote, glühende Scheibe, die in einer Sonnenbarke (ein großes Schiff) den Himmel befahre. Sie spiegelte aber auch den Lebenszyklus eines Ägypters wider: Die Sonne wurde als Kind am Morgen geboren (Chepre), war am Mittag im besten Mannesalter (Re) und starb am Abend als Greis (Atum).

Später wurde angenommen, dass die Sonne in jeder Stunde, an der sie sichtbar war, eine andere Gestalt annehmen könne. Beispielsweise: Vom Kind über den Mann mit Widder- und Falkenkopf bis hin zum Greis in Affen-, Löwen- und dann wieder Widder und Falkenform.

Persien

In der vorislamischen Religion spielte die Verehrung der Sonne bzw. des Sonnenlichts und des Feuers als dessen Symbol eine zentrale Rolle (siehe auch Mithraismus).

Mayas

Ein Sonnenkult war bei den Mayas Staatsreligion.

Griechenland und Rom

Die Griechen verehrten den Sonnengott Helios, der im Osten aus dem Ozean auftauchte, über den Himmel wanderte und abends wieder im Meer versank (Homer, Odyssee 3,1). Der berühmte Koloss von Rhodos soll Helios dargestellt haben, dennoch blieb seine Bedeutung insgesamt eher begrenzt.

Im Rom der Kaiserzeit war der Sonnengott Sol Invictus höchst populär; im dritten Jahrhundert nach Christus wurde dieser Kult, der henotheistischen Charakter trug, von einer Reihe von Kaisern (vor allem Aurelian) stark gefördert und fast zu einer Staatsreligion erhoben. Damals wurde der Sonntag (dies solis) zum allgemeinen Feiertag erklärt - woran man auch in christlicher Zeit festhielt, um sich vom jüdischen Sabbat abzugrenzen. Auch Konstantin der Große war vor seiner "Konversion" zum Christentum wie sein Vater ein Anhänger des Sonnengottes gewesen. Zahlreiche Elemente dieser Religion wurden von den Christen übernommen - angefangen mit der Licht- und Finsternismetaphorik bis hin zum Weihnachtstermin: Der 25. Dezember war zuvor als Geburtstag des Sonnengottes bzw. von Mithras gefeiert worden.

Auch nach dem Sieg des Christentums hielt sich der Kult des Sol Invictus bis zum Ende der Spätantike. Einer der letzten großen Tempel (im syrischen Baalbek) wurde erst 554 n. Chr. unter Justinian I. zerstört.

Kelten und Germanen

Stonehenge und andere Beobachtungseinrichtungen sind nach den Wendepunkten der Sonne ausgerichtet und diese wurden auch von den Kelten benutzt. Dennoch waren die Feste der Kelten eher mondbezogen (vgl. hierzu Colignykalender). Bei den Kelten waren es angeblich die Druiden, die großes astronomisches Wissen besessen haben und die Sonne genau beobachtetet haben sollen. Bis heute gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass es unter den Kelten überhaupt Druiden gab.

Bei den Germanen galten die Sonnenfeste als hohe Feiertage. Die Sonnenwendtage sind die höchsten Feiertage in dieser Mythologie.

Neuzeit

In manchen esoterischen Bewegungen erlangt die Sonne wieder eine große Bedeutung. Hier gibt es zahlreiche Versuche, Sonnenkulte "wiederzubeleben". Auch sehen manche Esoteriker Jesus als Personifizierung der (geistigen) Sonnenenergie, des sogenannten Sonnenstrahls[3]. Der Armanen-Orden pflegte seit der Wende zum 19. Jh. einen "nordischen" Sonnenkult.

Ironische Verwendung

Als unnatürlicher Sonnenkult wird auch die übertriebene Benutzung von Solarien und Bräunungsstudios von manchem angesehen. Menschen, die bei jeder Gelegenheit versuchen, sich im Freien zu sonnen, werden als "Sonnenanbeter" bezeichnet.

Literatur

  • Stephan Berrens: Sonnenkult und Kaisertum von den Severern bis zu Constantin I. (193-337 n. Chr.). Stuttgart 2004 (=Historia Einzelschriften 185)
  • Johann von Leers: Reich und Sonnenordnung. in Der Weg (Zeitschrift), Buenos Aires, Nr. 9, 1955, S. 555ff. (NS-Sonnenkult 10 Jahre nach dem Ende seiner Herrschaft in Deutschland)

Weblinks

Quellen

  1. welchen?
  2. Das Alphabet der Menschheit. In: Der Spiegel. Nr. 23, 2008, S. 172 (2. Juni 2008, online).
  3. wer?

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