Spanische Kolonialgeschichte


Spanische Kolonialgeschichte
Kaiser Karl V. herrschte als Erster über ein globales Imperium, in dem „die Sonne niemals unterging“; Gemälde von Rubens

Spanien besaß ein großes Kolonialreich, das jedoch im Gegensatz zum französischen und britischen Reich größtenteils aus amerikanischen Landflächen bestand. Die ersten Kolonien wurden Ende des 15. Jahrhunderts erworben, die letzten gingen im 20. Jahrhundert verloren.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Länder der Krone Aragon

Als Anfang des spanischen Kolonialismus kann man die systematischen Eroberungen der Krone Aragon im Mittelmeerraum im 13. und 14. Jahrhundert ansetzen, dabei wurden unter anderem Neapel-Sizilien, Sardinien und sogar Gebiete im heutigen Griechenland in das Reich eingegliedert. Dabei stieß man häufig mit dem expandierenden Osmanischen Reich (siehe: Herzogtum Neopatria) und den italienischen Seerepubliken Genua und Pisa zusammen (siehe: Korsika), die Aragon viele Gebiete und Kolonien streitig machten. Erst mit der Vereinigung Aragons und Kastilien durch die Heirat Isabella I. von Kastilien mit Ferdinand II. von Aragón 1469 begann man sich zunehmend für Entdeckungsfahrten in westlicher Richtung zu interessieren. Ein weiterer Grund war auch, dem portugiesischen Konkurrenten möglichst zuvor zu kommen.

Conquista

Theorie der Conquista

Christoph Columbus

Nach der „Wiederentdeckung“ Amerikas durch den genuesischen Seefahrer Christoph Columbus im Dienste der Kastilischen Krone begann die „Conquista“ (spanisch für Eroberung) des Doppelkontinents. Zahlreiche spanische Abenteurer und Glücksritter, die großteils aus der Extremadura stammten oder Veteranen der Reconquista waren strömten in die Neue Welt um so schnell zu Ruhm und Reichtum zu gelangen. Die Extremadura war zu dieser Zeit eine kahle, öde und verarmte spanische Provinz; während der Erstgeborene gewöhnlich das Land des Vaters erbte, konnten die Zweit- oder Drittgeborenen nur als Soldaten ihren Lebensunterhalt sichern, so nahmen viele an der Reconquista teil, nach dem Fall Granadas 1492 verloren sie allerdings ihre Lebensgrundlage. So ist es auch nicht verwunderlich das die beiden bedeutendsten Conquistadoren Hernando Cortes und Francisco Pizarro ebenfalls aus dieser Provinz stammten. Bereits in der Kapitulation von Santa Fé die Columbus mit Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon schloss sind schon die Grundzüge der Conquista erkennbar.
Wie aus dem Vertrag ersichtlich war es das Ziel der Spanisch-kastilischen Krone neue Länder zu entdecken und diese zu erobern bzw. auszubeuten, um so einen Weltmachtsstatus zu erreichen, den zu dieser Zeit Portugal inne hatte. Auch wird die spätere Praxis der „Capitulación“ ersichtlich, in der sich ein Conquistador in einem Vertrag mit dem spanischen König verpflichtete, militärische Inbesitznahme im Namen der Krone, die zivile Besiedlung der neu gegründeten Kolonien und die Missionierung der indigenen Bevölkerung zum Katholizismus auf eigene Kosten zu übernehmen gegen die Zusicherung des königlichen Anteils von zwanzig Prozent („Quinto real“) der gefundenen Edelmetalle, die Capitulación war also eine Art königliche Lizenz an einen Privatunternehmer. Nach erfolgreicher Eroberung bekamen die Antragsteller meist den Titel eines Vizekönigs, Gouverneurs oder eines Generalkapitäns, so wurde beispielsweise Cortes nach der Eroberung Mexikos zum Generalgouverneur und Pizarro nach der Eroberung Perus zum Generalkapitän ernannt. Nach Unterzeichnung der Capitulación oblag dem Unternehmer die Aufgabe, seine Expedition auszurüsten sowie Seeleute, Priester und Soldaten anzuwerben. Da die Conquistadoren in der Regel keine königliche Soldaten oder Söldner waren, die einen festen Sold oder eine feste Heuer erhielten, sondern Freiwillige, die sich für den Kauf ihrer Ausrüstung selbst verschuldeten, war ihr Interesse darauf gerichtet, maximalen Gewinn aus der Expedition zu schlagen, denn nur so waren die Schulden abzutragen[1].

Bartolomé de Las Casas

Die Folge dieser Eroberungspolitik Kastiliens war das Encomienda-System, das 1503 von Isabella I. eingeführt wurde, dabei wurden den Conquistadoren sehr große Landgüter mitsamt der darin lebenden indigenen Bevölkerung übertragen; Lehnsherr der indigenen Bevölkerung war aber formal das spanische Königspaar; es beauftragte den Encomendero („Auftragnehmer“) damit, für den Schutz und die Missionierung der dort lebenden Indios zu sorgen. In der Praxis wurden die Indianer allerdings versklavt, eine Verbesserung der indianischen Situation trat erst mit den Leyes de Burgos, in denen ausdrückliche jede Gewaltanahnwendung der Encomenderos gegenüber den Indianern verboten wurden, dennoch änderte sich in der Praxis äußert wenig, der spanischen Krone fehlte schlichtweg ein Kontrollorgan in der Neuen Welt. Die in vielen Fällen unzureichende Umsetzung der Gesetze führte zu zahlreichen Protesten und Forderungen, in der Tat betrachtete man die Gesetze nur als Legalisierung der bereits tristen Situation. Erst durch den Dominikaner Bartolomé de Las Casas, der die Zustände der indigenen Bevölkerung in Spanien anprangerte, kam es 1542 zu den Leyes Nuevas (Neuen Gesetzte), in der schließlich die Indianer unter den direkten Schutz der Krone gestellt wurden. Jedoch wurden auch diese nicht umgesetzt und bereits 1545 teilweise wieder zurückgenommen, so wurde das Encomienda-System de facto bis 1549 weitergeführt. Mit der Schaffung des so genannten Repartimiento-Systems gelang ein wirksamerer Schutz der Indianer, sie lebten von nun an in Gemeinschaften und verpflichteten sich Männer aus ihren eigenen Reihen für zeitlich begrenzte Projekte seitens des Staates als Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Der Umfang dieser Arbeitskraft betrug zwei bis vier Prozent der männlichen Bevölkerung. Die Einteilung überwachte der (Regional)Gouverneur oder (Oberste) Bürgermeister (span.: Alcalde Mayor), der auch für den Schutz der indigenen Bevölkerung zuständig war und Missstände aufzuzeigen hatte[2].

Praktische Durchführung der Conquista

Hernando Cortes
Francisco Pizarro

Das oberste Ziel der Conquistadoren war allerdings nicht die Erschließung neuer Gebiete und dessen Besiedlung, sondern die Suche nach Gold und anderen Reichtümern, der Mythos des sagenhaften Goldlandes El Dorado war dafür von entscheidender Bedeutung. Dabei gingen sie meistens mit Rücksichtslosigkeit und äußerster Brutalität gegenüber der indigenen Bevölkerung vor, so ließ beispielsweise Pizarro 5000 unbewaffnete Inkas massakrieren, um an den ersehnten Goldreichtum zu gelangen.

Durch das so genannte Requerimiento wurde eine pseudooffizielle Genehmigung durch die spanische Monarchie erteilt, in der die Indianer Mittel- und Südamerikas zur bedingungslosen Kapitulation und gleichzeitigen Unterwerfung unter die Herrschaft der spanischen Krone aufgefordert wurden[3].

Da das Dokument nur auf Spanisch verlesen wurde, verstanden die meisten Indianer deren Sinn nicht und lehnten es daher ab, so wurden sie schließlich zu vogelfrei erklärt und ermordet.

Durch gezielte Strategie und Taktik gelang es unter anderem Hernando Cortes das Großreich der Azteken und Francisco Pizarro das Reich der Inka zu zerstören, auf deren Trümmern schließlich die Vizekönigreiche Neuspanien und Peru gegründet wurden.

Siehe auch: Spanische Eroberung Mexikos, Spanische Eroberung Perus, Leyenda negra

Kolonialverwaltung

Spanisches Weltreich

System der Vizekönige

Nach der Phase der Conquista errichtete die spanisch-kastilische Krone Verwaltungseinheiten auf den ehemaligen Großreichen der Azteken und Inkas, dabei wurden die bestehenden wirtschaftlichen und kulturellen Zentren oft beibehalten, so war nach der Zerstörung Tenochtitláns aus deren Resten Mexiko-Stadt gegründet worden, das dann schließlich die Hauptstadt Neuspaniens wurde.
Da in den Ländern der Krone Aragon schon seit dem Mittelalter das System der Vizekönige eingeführt war, übertrug man dies nun auch auf die Neue Welt, so wurde 1535 das Vizekönigreich Neuspanien und 1544 das Vizekönigreich Neu-Kastilien, das dann später in Peru umbenannt wurde, gegründet. Der Vizekönig war der oberste Vertreter der spanischen Monarchie und hatte auch das Recht Regionalgouverneure vorzuschlagen, die dann aber von König bestätigt werden mussten.
In der Phase der Conquista war der Conquistador oftmals zugleich auch Vizekönig bzw. Gouverneur der neu entdeckenden Ländern, da ja noch keine spanische Verwaltung existierte, erst nach der Eroberung und der Konsolidierung der spanischen Herrschaft wurde vom König ein Vizekönig oder Gouverneur ernannt, der dann mit dem Aufbau der Verwaltung in jeweiligen Vizekönigreich bzw. in den Regionen beginnen konnte.

Bis zur Gründung der Vizekönigreiche war die Bezeichnung Vizekönig nur ein Titel, der an herausragende Persönlichkeiten wie Christoph Columbus und dessen Sohn Diego verliehen wurde, jedoch ohne politische Macht, so waren beispielsweise Christoph Columbus und sein Sohn Diego lange Zeit eigentlich nur Gouverneur von Hispaniola bzw. von Westindien, obwohl sie den Titel eines Vizekönigs inne hatte.

Siehe auch: Liste der Vizekönige Neuspaniens, Liste der Vizekönige von Peru, Liste der Vizekönige Neugranadas, Liste der Vizekönige des Río de la Plata

Organisation

Unter den Trastámaras und Habsburgern

Quelle[4]

Schon ab dem 15. Jahrhundert versuchte die Krone ein Verwaltungssystem ähnlich dem der Kanarischen Inseln einzuführen, dabei wurden die eroberten Gebiete in Provinzen eingeteilt, denen ein vom kastilischen König ernannter Gouverneur vorstand, der dann administrative und auch juristische Aufgaben übernahm.

Zur Sicherung der spanischen Herrschaft wurden auch Militärbezirke, die so genannten „capitanías generales“ (Generalkapitanate) in den beiden Vizekönigreichen installiert, in der Regel war der Vizekönig auch Generalkapitän, nur in einige militärisch problematischen Provinzen, wie in Chile oder auf den Philippinen wurde das Amt des Gouverneurs mit dem des Generalkapitäns verbunden um eine effizientes Eingreifen gewährleisen zu können, da es aufgrund der großen Entfernungen oft Tage und Wochen dauerte bis Kuriere die Genehmigungen und Befehle des Vizekönigs überbrachten.

Von enormer Bedeutung waren auch die Appellationsgerichtshöfe („Audiencias“). Zunächst wurden noch von Kastilien aus Prozesse in zweiter Instanz entschieden; mit dem Fortschreiten der Conquista entschied man schließlich 1511 in Santo Domingo, eine eigene Audiencia für Amerika zu errichten. Die Audiencias setzten sich auf Berufsjuristen zusammen, die auf vier Jahren von König ernannt wurden. Deshalb eigneten sie sich auch hervorragend als heimliche Kontrollorgane, die die Vizekönige und Gouverneure überwachten, sodass es schließlich zur Praxis wurde, nach der Errichtung von neuen Provinzen sogleich eine Audiencia einzurichten. So folgten in Neuspanien auf Santo Domingo 1527 Mexiko-Stadt, 1542 Guatemala und 1548 Guadalajara. Schließlich wurde 1583 auch auf den Philippinen, die ebenfalls zum Vizekönigreich Neuspanien gehörten, eine eigene Audiencia eingerichtet. Im Vizekönigreich Peru gründete man schon 1535 (also noch vor der Gründung 1542) die erste Audiencia in Panama, 1542 kam Lima hinzu, 1548 Bogotá, 1559 Charcas, 1563 Quito und 1563/1606 Chile. In jenen Audiencias, die in den Hauptstädten Santo Domingo bzw. später Mexiko-Stadt und Lima errichtet wurden, war der Vizekönig auch deren Präsident[5]. Diese "Gerichtsbezirke" waren zugleich auch politische Verwaltungseinheiten, die als "Presidencias" bezeichnet wurden, diese waren wiederum in so genannte "Gobiernos" (Gouvernements), "Provincias" (Provinzen), "Corregimientos" (Gemeinden) und "alcaldías mayores" (größere Orte und Städte) unterteilt, wobei die Gobiernos im allgemeinen die wichtigsten waren und häufig aus mehreren Provinzen bestanden[6].

In einigen Fällen übte ein Präsident der Audiencia in den Hauptstädten Mexiko-Stadt und Lima, auch übergangsweise die Funktion des Vizekönigs aus. Dies trat vor allem dann ein, wenn ein bestehender Vizekönig abgesetzt wurde, der neue aber noch nicht ernannt bzw. eingetroffen war.

Die Institutionen in der Neuen Welt besprachen sich allerdings nicht direkt mit dem König, sondern über eine Reihe von königlichen Behörden die in Spanien beheimatet waren:

Casa de Contratación

Die Casa de Contratación war eine Art Handelskammer, die 1503 auf Betreiben des Erzbischofs von Burgos Juan Rodríguez de Fonseca in Sevilla gegründet wurde. Die Kammer genehmigte Reisen in die Neue Welt, war für die Organisation der Flotte, sowie deren Bewegungen und Verwaltung verantwortlich und nahm die Einkünfte aus den Handel mit den Vizekönigreichen in Empfang. Darüber hinaus übernahm sie auch die Funktion einer Einwanderungs- und Zollbehörde, alle Schiffe und Menschen die aus der Neuen Welt in Spanien ankamen, fielen unter ihrer Gerichtsbarkeit, ebenso wie Strafsachen im Steuer- und Handelssektor. Auch die Auswanderung nach Amerika wurde über diese Institution geregelt, so durfte nur jeder auswandern der die „Reinheit des Blutes“ aufwies, also kein Jude, Moslem oder Konverse („Converso“) war, aber auch Untertanen der Länder der Krone von Aragón waren zunächst ausgeschlossen.

Als spanisches Gegenstück zur portugiesischen „Casa da Índia“ war sie gleichzeitig auch ein Navigationszentrum, in dem Kenntnisse über neue Reiserouten gesammelt werden. In dieser Funktion ernannte die Casa de Contratación einen „piloto mayor“, eine Art Obersten Marinebeauftragten, dessen Aufgabe in der Sammlung nautischer Informationen über die Westindischen Inseln und Amerika bestand.

Consejo de Indias

Parallel zur Casa de Contratación entwickelte sich im „Consejo de Castillia“, dem kastilischen Kronrat eine Kommission unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Burgos heraus, die sich ausschließlich mit Amerika-Fragen auseinandersetzte, bereits um 1516 mit dem Tod König Ferdinands II. von Aragón nannte man diese bereits „Consejo de Indias“, also Indienrat, da man zunächst annahm Columbus habe Indien entdeckt, trotz der späteren Erkenntnis, dass es sich hier um einen neuen Kontinent handelte, behielt man den Namen bei. Erst 1523 wurde der Indienrat aus dem Kronrat ausgegliedert und als eigene Behörde mit umfassenden Befugnissen gegründet, diesem unterstand fortan sowohl die schon erwähnte Casa de Contratación, als auch sämtliche spanischen Kolonien in der Neuen Welt und Asien. Ihm oblag auch die oberste Gerichtsbarkeit in allen Straf- und Verwaltungsahngelegenheiten in Spanisch-Amerika und Asien, außerdem übernahm er auch legislative und exekutive Funktionen innerhalb der spanischen Monarchie. 1595 erweiterte man den Rat noch um die „Junta de Hacienda de Indias“, die sich mit allen ökonomischen Themen befasste. Schließlich entschied man sich, die militärische Verteidigung der Kolonien ebenfalls einem eigenen Ratskollegium anzuvertrauen, der so genannten „Junta De Guerra des Indias“, die 1597 geründet wurde. Der Indienrat setzte sich aus einem Präsidenten, ungefähr zwölf Räten sowie nach geordnetem Personal zusammen. Die Ämter umfassten unter anderem einen Großkanzler, einen Schatzmeister, zwei Sekretäre, einen Schreiber, einen Kosmographen, einen Chronisten und einen Armenanwalt. Seine Mitglieder waren überwiegend Juristen, Theologen oder andere Gelehrte meist bürgerlicher Herkunft und wurden ausnahmslos von der Krone berufen. Die durch gemeinsame Sitzungen gefunden Beschlüsse wurden in einer „consulta“, eine Art Gutachten dem König unterbreitet, bestätigte der König das Gutachten, erarbeite der Rat einen Gesetzestext, das dann als „real cédula“ (königlicher Erlass) bezeichnet wurde, dies war die übliche Vorgehensweise für gesetzliche Anordnungen. Darüber hinaus existierte auch noch die „real provisión“, ein Gesetzestyp der besonders feierlich nur den „Cortes“ (kastilische Ständeversammlung) verkündet und mit deren Beschlüsse gleichgesetzt wurde. Zu erwähnen sind dann noch die königlichen Briefe („cartas reales“), die ebenfalls rechtlich bindend waren, mit diesen Briefen entschied der König oft direkt ohne den Indienrat über behördliche Angelegenheiten in den Kolonien. Durch diese unübersichtliche Flut von Gesetzen und Briefen wurde deren Ausführung immer problematischer, so dass man begann, aus den Einzeldokumenten Gesetzesbücher zu entwerfen, die dann in den gesamten Kolonien Gültigkeit hätten sollen, aber erst 1596 kam mit dem „Cedulario Indiano“ eine Gesamtschrift mit 3500 Gesetzen heraus, die bis zu den bourbonischen Reformen als gesetzliches Standardwerk benutzt wurde.

Bourbonische Verwaltungsreformen

Vizekönigreich Neugranada

Die Karibik hatte sich in seit dem 16. Jahrhundert zu einer Drehscheibe des Welthandels und damit auch zu einem Herd der international agierenden Piraterie entwickelt. Um die Verteidigung insbesondere im südlichen Bereich der Karibik sicherzustellen, wo die wichtigsten Messen abgehalten wurden, schuf man 1717 erstmals und 1739 endgültig eine neue administrativ-politische Einheit, das so genannte Vizekönigreich Neugranada mit Bogotá als Hauptstadt. Das bestehende Vizekönigreich Peru hatte sich als zu wenig effizient im Kampf gegen die Piraterie in der Karibik erwiesen[7].

Vizekönigreich des Río de la Plata

Im Jahre 1776 entschloss man sich das Vizekönigreich Peru weiter zu verkleinern, in dem man im Süden ein viertes Vizekönigreich, das so genannte Vizekönigreich des Río de la Plata installiert. Diese neue Verwaltungseinheit war nicht nur aus militärischen Überlegungen wegen der nach Westen vordringenden Portugiesen sowie der Präzenz der Briten im Südatlantik geschaffen worden, sondern damit war auch eine wirtschaftliche Neuorganisation in Hochperu und im Gebiet des Río de la Plata verbunden. Die Silberausfuhr wurde von nun an nicht mehr über Lima, sondern von Hochperu über Buenos Aires abgewickelt, was einen herben Verlust für Limas Kaufleute bedeutete und das einst so reiche Peru an den Rand Spanisch-Amerikas trieb[8].

Reform der Regional- und Lokalverwaltung
Quelle[9]

Auch die Provinzverwaltung selbst wurde reorganisiert, die bestehende Lokaladministration ("Gobiernos") wurde in größere regionale Einheiten, den Intendantenbezirken zusammengefasst. 1782 machte Río de la Plata den Anfang, es folgten 1784 Peru und 1786 Neuspanien; ausgenommen blieb Neugranada und die Real Audiencia de Quito. Um den Ämterhandel wirksam bekampfen zu können, berief man an die Spitze einer solchen Indentatur einen von der Krone bezahlten Beamten, der seine Stellung nicht mehr durch Ämterkauf erlangt hatte, sondern durch Qualifikation. Diesen Beamten oblag nicht nur die Kontrolle der Finanzverwaltung in ihrem Bezirk, sondern auch die Militärausgaben sowie Versorgen der Truppen. Des Weiteren überwachten sie auch die Rechtsprechung bzw. die Gerichtsbarkeit in ihren Bezirken und waren auch für die Sicherstellung der Öffentlichen Ordnung zuständig. Diese Reform sollte auch den Handel der lokalen Beamtenschaft unterbinden, da es üblich geworden war, dass sich ein Kaufmann eines lokalen Beamten und dessen Amtsgewalt bediente um Geschäfte mit der indianischen Bevölkerung abzuwickeln. Die Lokalbeamten waren wiederum auf diese Einkünfte angewiesen, um die Schulden, die sie beim Ämterkauf getätigt haben, zurückzuzahlen.

Reform der obersten Kolonialverwaltung
Quelle[10]

Zusammen mit der Indendantenreform erfuhr auch die oberste Kolonialverwaltung eine grundlegende Neustrukturierung, so wurde nicht nur eine Zentralisierung durchgeführt, sondern auch Zuständigkeiten nach rationalen, bürokratischen Kriterien neu geordnet. Dabei wollte man die Kompetenzen des Vizekönigs keineswegs erweitern, sondern durch die Einführung eines Superintendanten für die Finanzverwaltung beschneiden. Erst zahlreiche Proteste ließen die Krone in den Vizekönigreichen von diesem Vorhaben abrücken. In jedem Falle wurde aber der Vizekönig gezwungen, einige seiner Komptenzen mit anderen Beamten und Kollegialorganen zu teilen.

Umstrukturierung der Kolonialbehörden

Neben den Verwaltungsreformen wurden auch die Kolonialbehörden in Spanien einer Umstrukturierung unterzogen:

Da man einen einzigen Monopolhafen bzw. eine Monopolbehörde wie die Casa de Contratación im Zuge des "comercio libre" für eine Behinderung des Warenverkehrs und damit auch der Wirtschaftlichkeit sah, wurde die Casa de Contratación nach über 200 jährigen Bestehen von König Karl III. schließlich abgeschafft.
Der Consejo de Indias blieb zwar als Kolonialbehörde, abgesehen von einer kleinen Unterbrechung während napoleonischen Kriege, bis 1834 bestehen, verliert aber deutlich an Ansehen und Bedeutung. So werden 1714 seine legislativen und administrativen Aufgaben ausgegliedert und ab 1717 immer mehr seiner Kompetenzen an das neu geschaffene "Secretaría de Marina e Indias" übertragen, das die Bourbonen schließlich zur zentrale Kolonialbehörde ausbauen.

Städtegründungen

Quelle[11]
Tenochtitlán

Von entscheidender Bedeutung für den spanischen Kolonialismus war die Gründung von Städten in der Neuen Welt, Städte bildeten Sicherheit sowohl gegenüber feindlich gesinnten Indios, als auch gegenüber anderen europäischen Mächten, insbesondere Portugal und England, die Spanien einige Territorien am Rio de la Plata (Colónia do Sacramento) und Nordamerika (Nootka-Territorium) streitig machten, außerdem waren sie auch Zentren der Verwaltung, der Bildung und des inneramerikanischen Handels.

Dabei machte die spanisch-kastilische Krone genau Angaben, wie und wodurch eine Stadt gegründet werden sollte, dabei wollte man jene Situation vermeiden, die zur Beginn der Kolonisation der Insel Hispaniola eintrat, als viele spanische Siedlungen (La Navidad, La Isabela) nach kurzer Zeit wieder aufgegeben werden musste oder durch Indios zerstört wurden, ehe man 1498 mit Santo Domingo die erste dauerhafte Siedlung errichtete, die dann bis zur Eroberung Mexikos der Sitz des Vizekönigs bzw. des Gouverneurs war.
Durch gezielte Auswahl gründete man zunächst nur Städte in dünn besiedelten entlegen Gebieten, wie beispielsweise in Kalifornien oder in Nevada, aber man versuchte auch bestehende Städte und Zentren der Indios zu erobern. Cortes gelang es schließlich 1521 Tenochtitlán, die Hauptstadt des Azteken-Reiches einzunehmen auf deren Ruinen dann Ciudad de México (Mexiko-Stadt) gegründet wurde, die neue Hauptstadt des Vizekönigreiches Neuspanien. Die Spanier zerstörten systematisch jede sichtbare Erinnerung an die alte Kultur und erbauten dort, wo die großen Tempel und Herrscherdomizile standen, ihre Kirchen und Paläste im Stile der Renaissance. Als die Stadt weiter angewachsen war, legte man schließlich den Lago de Texcoco trocken, der See von dem Tenochtitlán umgeben war. Auch den Städten der Inkas ging es nicht viel besser, so wurde Cuzco der Hauptstadt des Inka-Reiches, auch vollständig zerstört und verlor sogar seine Hauptstadtfunktion an das 1535 von Pizarro an der peruanische Küste gegründete Lima (Ciudad de los Reyes). Die Stadt beherbergte zunächst lediglich ein Dutzend Conquistadoren, und die Hausdächer waren aus Schilf, 1542 gründeten die Spanier dann das Vizekönigreich Peru mit Lima als Hauptstadt. Im 16. Jahrhundert wurde in Spanisch-Amerika insgesamt mehr als 40 Städte gründeten, die alle bis auf Mexiko-Stadt und Cuzco aus geopolitischen und ökonomischen Erwägungen Neugründungen waren. Viele dieser Städte wurden nach bekannten Städten in Spanien (z. B. Santa Fe, Córdoba, Guadalupe, Granada) oder durch die Gottesfürchtigkeit der Spanier nach Heiligen (z. B. San Francisco, Santa Maria, San Antonio) oder heiligen Gegenständen benannt (z. B. Vera Cruz, Sacramento), aber die örtliche Beschaffenheit spielte auch eine Rolle, so erhielt beispielsweise Las Vegas seinen Namen von den dort vorgefunden Flussauen. In einigen Fällen wurde der indigene Name aber auch beibehalten, so wie bei dem schon erwähnte Cuzco oder bei Manila auf den Philippinen, die die Hauptstadt Spanisch-Ostindiens bildete.

Die Verwaltung dieser neuen Städte erfolgte nach spanisch-kastilischen Vorbild, so wurde ein Stadtrat, der so genannte „cabildo“ in jeder Stadt eingerichtet, der sich aus zwei Stadtrichtern („alcaldes“) und den Ratsmännern, den „regidores“ zusammen. Die personelle Zusammensetzung dieses „Stadtgremium“ wurde entweder durch Wahl, durch Losentscheid oder auf Vorschlag des Gouverneurs entschieden. Unterstellt waren die Städte aber nicht dem Vizekönig oder (Regional)Gouverneur sondern direkt dem spanischen König, der durch einen mit Vollmachten ausgestatten Kontrolleur („corregidor“) vertreten wurde. Dieser hatte auf die Einhaltung der Gesetzte und königlichen Erlässe zu achten, außerdem saß er bei Auseinandersetzungen zwischen Spaniern und Indios dem jeweiligen Gericht vor. Auch die Führung des Stadtrates hatte er inne, so dass es keineswegs verkehrt wäre, ihn eigentlich als Bürgermeister zu bezeichnen, was auch in einiger Literatur zu finden ist.

Dann man durch den enormen Verwaltungsapparat, gut ausgebildete Kolonialbeamte benötigte wurden schon sehr früh Universitäten in der Neuen Welt errichtet, bereits 1538 wurde in Santo Domingo die erste spanische Universität auf amerikanischen Boden gegründet, 1551 folgte Mexiko-Stadt und Lima. Durch diese Entwicklung wurden viele Städte auch zu Bildungszentren und sehr bald national bekannt.

Koloniale Wirtschaftspolitik

Habsburgische Wirtschaftspolitik

Quelle[12]

Die habsburgische Wirtschaftspolitik in der Neuen Welt und Asien zielte darauf ab, dem königlichen Fiskus Einnahmen für den Zwecke der europäischen Machtpolitik zuzuführen. Dazu zählten Kronmonopole, wie das Berg- oder das Salzreal, das gewinnbringend an interessierte Unternehmer verliehen werden konnte; die Fertigwarenproduktion, etwa von Wein, Branntwein und Textilien war wiederum nur dem Mutterland vorbehalten. Spanisch-Amerika importierte zwar auch Wein, Branntwein, Textilien und Matallwaren, entwickelte aber auch eine eigene Produktion und einen intensiven inneramerikanischen Handel. Im Agrarbereich lieferten die zahlreichen Haciendas Lebensmittel, für die großen Hauptstädte Mexiko-Stadt und Lima, sowie für die wichtigen Bergbauzentren Zacatecas und Potosí.

Potosí, Zentrum des spanischen Silberabbaus

Von entscheidender Bedeutung für das spanische Wirtschaftssystem war aber der Silberabbau, dazu benötigte man Quecksilber aus Europa und Peru, das für die Extraktion des Silbers in Potosí verwendet wurde. Der Kronanteil des Silbers, der nicht für die Verwaltung verwendet wurde, floss nach Spanien, dazu kamen auch noch Einkünfte aus Verpachtungen und Realen. Im Durchschnitt segelten 50 Schiffe nach Europa, die allerdings durch Schmuggel zunehmend unterlaufen wurden, so dass man den Zahlen nicht unbedingt sehr viel Bedeutung beimessen sollte. Da die spanische Krone das Silber für Kriegskredite ausgab, strömte es aber in internationale Finanzplätze, die sich in Genua und dem feindliche Amsterdam befanden, ab; dennoch blieb soviel im Land, dass die Inflationsrate der europäischen "Preisrevolution" umso höher lag, je näher man Sevilla kam. Daher war es für die Spanier billiger und für die Holländer, Franzosen und anderer gewinnbringender, wenn die Waren nicht in Spanien hergestellt, sondern dorthin eingeführt wurden. Dieser ökonomische Mechanismus, hat schließlich neben der machtpolitischen Überanstrengung, den Bevölkerungsrückgang durch Epidemien und der spanischen Aristokratenmentalität zu einer ökonomischen Stagnation, des anscheinend durch seine kolonialen Reichtümer privilegierten Landes geführt. Das abgeströmte Silber blieb allerdings nicht in den Empfängerländer, sondern wurde zum Ausgleich von deren passiven Handelsbilanz mit Osteuropa einerseits, mit Indien und Ostasien anderseits verwendet. Es entstand ein Weltzahlungssystem, in dem Silber aus Amerika in die eine Richtung mit der jährlichen Manila-Galeone über die Philippinen und in die andere Richtung über Europa nach Indien und China strömte, wo der Silberpreis am höchsten war.

Bourbonische Wirtschaftspolitik

Quelle[13]
Karl III. von Spanien, Initiator der so genannten Bourbonischen Reformen

Nach dem Aussterben der spanischen Habsburger gelangten die aus Frankreich stammenden Bourbonen auf den Spanischen Thron, diese führten in der der kolonialen Wirtschaftspolitik eine umfassende Reformierung durch, da sich die Kolonien, im Gegensatz zu den britischen und französischen, zunehmend als unprofitabel erwiesen. Des Weiteren war man nach dem verloren Siebenjährigen Krieg bestrebt, die militärischen Stellungen in den Kolonien, sowie die Sicherstellung der Finanzierung der imperialen Aufgaben auszubauen.

Zu diesem Zwecke bemühte man sich die staatlichen Einnahmen zu erhöhen, so verlieh man der Silberproduktion neue Impulse in dem man deutsche Bergbauingenieure nach Mexiko und Peru kommen ließ. Mittels neuer Institutionen, wie einem Bergbaugericht ("Tribunal de Minería") und einer Bank ("Banco de Rescate"), die den Bergwerksunternehmern das Silber zu günstigen Preisen abkaufte, versuchte man die Silberproduktion zu fördern.
Auch der lukrative Sklavenhandel, der bisher in französischen und britischen Händen war, sollte wieder unter spanischer Regie erfolgen.
Auch die staatlichen Monopole wie Zucker, Branntwein und Tabak blieben von der Reform nicht verschont, so wies man den Produkten bestimmte Anbaugebiete zu und legte die Preise fest. Dies stieß auf heftigen Widerstand, so konnte man beispielsweise die Großkaufleute in Antigua und Guatemala-Stadt nicht aus dem Indigo-Geschäft in Mittelamerika verdrängen.

1765 führte man schließlich den so genannten "comercio libre", eine Art Freihandel ein, der zu einer Dynamisierung der Wirtschaft im Imperium beitrug. Dabei wurden einigen Häfen in Spanien und Spanisch-Amerika die Berechtigung erteilt, ungehindert Handel miteinander zu treiben. Auf amerikanischer Seite wurde nun der Handel zwischen Kuba, Puerto Rico, Santo Domingo, Margarita, sowie Trinidad erlaubt, in Spanien war es neben den schon etablierten früheren Monopol-Hafen Sevilla bzw. Cádiz (ab 1717), Barcelona und Santander, die von der neuen Regelung erheblich profitierten. 1778 wurden dann zwölf Häfen in Spanien und 24 in Spanisch-Amerika in dieses System einbezogen, das schließlich 1789 auf die bisher noch ausgeschlossen Gebiete Venezuelas und Neuspaniens erweitert wurde. Auch der inneramerikanische Handel, der in den Jahrhunderten zuvor strengen Restriktionen unterworfen war konnte sich nun verstärkt zwischen den einzelnen Provinzen entwickeln.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen dann die Reformen allmählich zu greifen und man verzeichnete einen deutliche Zunahme des Warenaustauches sowohl in Volumen, als auch an Wert zwischen Spanien und seinen Kolonien, auch die Silberproduktion nahm deutlich zu und ließ, den durch die hohen Militärausgaben, in Schwierigkeiten geraten Fiskus aufatmen. Durch diese Reformen stabilisierte sich die Spanische Krone wirtschaftlich und konnte damit ihren Weltmachtsstatus bis ins 19. Jahrhundert hinein halten.

Konflikte und Verträge mit Portugal

Demarkationslinien nach Spanisch-Portugiesischen Vereinbarungen im 15. und 16. Jhd.

Im Jahr 1494 wurde durch Papst Alexander VI. im Vertrag von Tordesillas die Welt in eine spanische und eine portugiesische Sphäre aufgeteilt. Spanien erhielt nun das Recht auf alle Gebiete 1770 km (370 spanische Leguas) westlich der Kapverdischen Inseln, Portugal alle östlich davon. Da es wegen des Besitzrechtes der Gewürzinseln und dem exakten Grenzverlauf zu Brasilien erneut zu Konflikten kam, wurde die Übereinkunft 1529 durch den Vertrag von Saragossa präzisiert, in dem die Demarkationslinie auf 1423 km (297,5 spanische Leguas) östlich der Gewürzinseln verlegt wurde.

Als sich von 1580 bis 1640 Portugal mit Spanien in einer Personalunion vereinigte, fielen der spanischen Krone zeitweise auch die portugiesischen Kolonien zu, damit wurde der Vertrag von Saragossa gegenstandslos.

Nach der Unabhängigkeit Portugals kam es erneut zu Konflikten zwischen den beiden Kolonialmächten, vor allem in Südamerika bildete die Kolonie Colonia del Sacramento einen permanentes Streitobjekt. So wurde im Vertrag von Utrecht es Spanien zugesprochen, nach erneuten Auseinandersetzungen wurde das Recht Spaniens im Vertrag von Madrid bekräftigt. Dies hielt jedoch Portugal nicht ab das Gebiet erneut zu besetzen, im Vertrag von Paris bekam dann Portugal die Oberhoheit über das Gebiet. Erst 1777 kam dann die Kolonie endgültig an Spanien und wurde dem Vizekönigreich des Río de la Plata eingegliedert.

Rolle der Katholischen Kirche

Quelle[14]

Breits 1478 erteilte Papst Sixtus IV. den katholischen Königen Ferdinand II. und Isabella I. im Zuge der Reconquista die Genehmigung eine von Rom unabhängige nationale Spanische Inquisition zu errichten. 1488 installierte man sogar einen eigenen Rat für die Inquisition, den so genannten "Consejo de la Suprema y General Inquisicion" (kurz "Suprema" genannt), der der Spanische Inquisition einen behördlichen Charakter verlieh[15]. 1501 unstellte sich dann die Katholische Kirche in Spanien aus realpolitischen Gründen völlig dem Patronat der Könige, um sich der weltlichen Unterstützung für ihre missionarischen Ziele zu sichern. Verfestigt wurde damit auch die Funktion der Religion als legitimitätsstiftendens Prinzip der spanischen Monarchen sowie ihre Expansion und infolgedessen eine komplexe Verbindung von Religion und Herrschaft.

In Amerika erfüllte die Kirche eine edukativ-disziplinierende Aufgabe, deren Bedeutung für die spanische Herrschaft gar nicht zu überschätzen ist. Sie verfügte dazu über eine schnell etablierte Organisationsstruktur sowohl auf der Ebene der Bistümer und Pfarren wie auch der verschiedenen Mönchsorden, die an Dichte und Personalstand die königlichen Verwaltung bei weitem übertraf. Franziskaner und Dominikaner begleiteten seit den Anfängen der Conquista die Spanier und ließen sich in Amerika nieder; später kamen dann noch die Augustiner und schließlich auch die Jesuiten, die ab 1568 in Peru und ab 1572 in Neuspanien wirkten. Der erste amerikanische Bischof erreichte 1512 Puerto Rico und bis zum Ende Jahrhunderts wurden 31 Bistümer gegründet, 1571 wurden Santo Domingo, Mexiko-Stadt und Lima zu Erzbistümern erhoben, 1565 auch Bogotá. Zur Überwachung der Rechtgläubigkeit der nichtindianischen Bevölkerung wurde 1570 in Lima, 1571 in Mexiko-Stadt und 1610 in Cartagena eigene Inquisitionsgerichtshöfe errichtet.

Die Indianermission, die eine Reihe von kulturellen und sozialen Komponenten aufwies, gestaltete schließlich die indigenen Kulturen zutiefst um. So wurde beispielsweise durch die Einführung der christlichen Moral zur Durchsetzung der Monogamie, die Familiengliederung maßgeblich verändert, was wiederum zu einer neunen Gesellschaftstruktur führte. Ein völlige Hispanisierung wurde allerdings nicht angestrebt, war auch auf Grund der sprachlichen Differenzen auch gar nicht möglich, außerdem hätte dies eine Aufhebung der Unterschiede zwischen Indianern und Spaniern bzw. Kreolen bedeutet, das wiederum die soziale Ordnung gefährdet hätte. Daher mussten die Indianer Indianer bleiben und die verschiedenen indigenen Völker erst zu Indianern, so wie man sie haben wollte, gemacht werden. Insgesamt reagierten die indigenen Völker auf die katholische Missionierung mit einer beachtlichen Kreativität, so integrierten sie neue Glaubensinhalte, Werte, Regeln, Technologien und Produkte selektiv in ihren Kulturen und Gesellschaftsformen, die so – wenn auch radikal verändert − ihr Überleben sichern konnten.

Im Zuge der bourbonischen Reformen änderte sich auch das Verhältnis von Kirche, insbesondere das Verhältnis zu den Jesuiten, und Staat. 1767 vertrieb die Krone schließlich die Jesuiten aus Spanien und Spanisch-Amerika, da dem Orden die Anstiftung zum Volksaufstand 1766 in Madrid zur Last gelegt wurde, bei dem die Bevölkerung, unterstützt von Teilen des Adels und des Klerus, gegen die Reformpolitik demonstrierte. Für diese Demütigung rächte sich der König, indem er alle Jesuiten auswies und ihnen vorwarf in jeder Beziehung einen Staate im Staate bilden zu wollen. Nichtzuletzt die Eigenmächtigkeiten der Jesuiten im Gebiet des Rio de la Plata und des Paraná (Jesuitenreduktionen der Guaraní), wo Spanien mit Portugal in einem Grenzstreit lag, bei dem die Patres eine eigenständige Politik verfolgten, führten zum Konflikt der Gesellschaft Jesu mit der Krone.<

Insgesamt mussten 2630 Jesuiten Spanisch-Amerika verlassen, dies führte zu einer weiteren Entfremdun der Kreolen vom Mutterland, war doch die Elite Spanisch-Amerikas großteils von diesem Orden erzogen und geprägt worden[16].

Niedergang

QUelle[17]
Joseph I. von Spanien

Durch die bourbonischen Reformen kam es vor allem in den amerikanischen Kolonien zu Rebellionen und Proteste gegen die neue Politik Madrids. Der kreolischen Führungsschicht gelang es aber nicht, die breiten Massen für eine Revolution zu gewinnen, so das man der Krone zunächst treu blieb. Erst als die Krone in Folge der napoleonischen Außen- und Handelspolitik Schwäche zeigte, griff der Funke des Unabhängigkeitsbestrebens auf Spanisch-Amerika über. Dies vollzog sich allerdings nicht in einer radikalen Umwälzung, sondern in vielen Orten und Provinzen in kleinen Schritten. Durch die Streitigkeiten zwischen König Karl IV. und dessen Sohn Ferdinand VII. konnte Napoleon Spanien besetzen und seinen Bruder Joseph I. auf den spanischen Thron befördern. Dieser Machtwechsel wurde in den Kolonien mit Sorge verfolgt und man bekundete nach wie vor die Treue zum bourbonischen Königshaus, von einer Loslösung vom spanischen Mutterland war zunächst noch nicht die Rede. Spanien selbst hatte keine einheitliche Führung mehr, da sich Joseph heftigen spanischen Widerstand ausgesetzt sah, die sich in Cádiz gebildete Zentraljunta, die eine konstitutionelle Monarchie etablieren wollte, war nur für ein kleines Gebiet zuständig und auch von Ferdinand VII. kamen aus dem Exil keine politischen Signale. Durch diese Situation fühlten sich die Spanier in Spanisch-Amerika unsicher und fürchteten, dass die Vizekönige eine kreolenfreundliche Politik in Angriff nehmen würden, so erhoben sie sich schließlich gegen die alte Ordnung, dies führte wiederum zu Konflikten mit den Kreolen, die die Chance als günstig für Unabhängigkeit sahen. Entgegen der vorherigen Treuekundgebungen war für die Kreolen nun der Zeitpunkt gekommen sich von Spanien bzw. von der verfassungsgebenden Versammlung der Junta in Cádiz loszusagen, da die Junta eine völlig Gleichstellung der Kreolen mit den Spaniern ablehnte. Da durch die Unterbrechung der Handelswege, Spanisch-Amerika am meisten litt, radikalisierte sich die Bewegung, so dass schließlich 1810 der Vizekönig des Rio de la Plata in Buenos Aires abgesetzt wurde, kurze Zeit später erfolgte dann sogar die Unabhängigkeitserklärung.

José de San Martín

Im übrigen Spanisch-Amerika konnte Spanien im Zuge des Wiener Kongresses 1814 seine Herrschaft nochmals festigen und sogar Venezuela, das neben Rio de la Plata, der zweite Herd der Unabhängigkeitsbewegungen war rückerobern. Doch kurze Zeit später gelang es dem ebenfalls aus Venezuela stammende Simón Bolívar im Norden Südamerikas und dem Argentinier José de San Martín vom Gebiet des Rio de la Plata aus, die militärische Befreiung Südamerikas (mit Ausnahme des portugiesischen Brasiliens) zu erreichen. Als die Verfassung von Cádiz 1820 erneut eingeführt wurde, es aber immer noch zu keiner Gleichberechtigung kam, liefen auch noch die letzten Unentschlossenen ins Lager der Befreiungskämpfer über.

Simón Bolívar

Die beiden alten Vizekönigreiche Peru und Neuspanien, die wegen ihrer kolonialen Traditionen die tiefgreifendsten Veränderungen im 18. Jahrhundert erlebt haben, hielten am längsten zur spanischen Krone, erst 1821 lösten sie sich vom Mutterland. Nach 1824 blieb Spanien vom einst so riesigen Kolonialreich in Amerika nur mehr Kuba und Puerto Rico; in Asien konnte man noch Spanisch-Ostindien, das nach der Unabhängigkeit Neuspaniens, in eine eigenständige Kronkolonie umgewandelt wurde, halten. Den Schlusspunkt setzte schließlich noch der Spanisch-Amerikanische Krieg 1898, in dem Spanien vom den aufstrebenden Vereinigten Staaten vernichtend geschlagen wurden und somit auch noch ihre letzten prestigeträchtigen Kolonien in der Karibik und in Asien verloren haben. Von dem einst weltumspannenden spanischen Imperium blieben nur die unbedeutenden Kolonien an der westafrikanischen Küste Spanisch-Guinea und Spanisch-Westafrika, sowie das Protektorat Spanisch-Marokko, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg in die Unabhängigkeit entlassen wurden.

Ein zusätzlicher Faktor für den Niedergang des spanischen Weltreiches war, neben den schon erwähnten Unabhängigkeitskriegen auch die kolonialen Bestrebungen Englands/Großbritanniens, Frankreichs und der Niederlande, denen es gelang die spanische Hegemonie empfindlich zu stören.

Siehe auch: Südamerikanische Unabhängigkeitskriege, Mexikanischer Unabhängigkeitskrieg

Spanisches Weltreich

Gebiete und Vizekönigreiche der Krone Aragon im Mittelmeerraum und Frankreich
Besitzung Erwerb Verlust Geschichte
Balearen 1229
1344/49
1276
-
zwischen 1229 und 1235 durch Jakob I. von Aragón erobert, 1276 erklärte der Bruder Peter III. von Aragón Jakob II. die Balearen sowie die katalanischen Grafschaften Rosselló, Cerdanya und Montpellier zum unabhängigen Königreich Mallorca, 1344 Rückeroberung und erneute Eingliederung in die Krone Aragonien, 1349 nach dem Tod Jakob III. von Mallorca endgültig aragonesisch, heute Autonome Gemeinschaft Spaniens.
Menorca wird 1708 britisch besetzt, im Frieden von Utrecht dann Großbritannien zugesprochen, 1756 französisch besetzt, 1763 wieder zurück an Großbritannien, 1782 von spanisch-französischen Truppen zurückerobert, im Frieden von Paris wieder Spanien zugesprochen, 1802 offizielle Rückgabe der Insel Großbritanniens an Spanien
Grafschaft Provence 1167 1267 1167 erwarb König Alfons II. von Aragonien durch Erbrecht die Grafschaft Provence, danach durch Sekundogenitur an die Krone Aragonien gebunden, 1267 an das Haus Anjou gefallen
Herzogtum Athen 1311 1319 von der Katalanischen Kompanie erobert, 1319 mit dem Herzogtum Neopatria vereint, 1388 ausgegliedert und an die Florentiner Familie Acciaiuoli übergeben
Herzogtum Neopatria 1319 1390 von der Katalanischen Kompanie erobert und mit dem Herzogtum Athen vereint, 1379 unter direkter Verwaltung der aragonesischen Krone, später an die Florentiner Familie Acciaiuoli verkauft
Königreich Neapel 1442
1504
1735
1500
1714
1759
1422 Vereinigung von Neapel und Sizilien durch Alfons V., 1458 wieder getrennt verwaltet, zwischen 1500 und 1504 kurzzeitig französisch, 1504 erneute Vereinigung mit Sizilien durch Ferdinand II., fortan Nebenland der spanischen Krone, 1714 im Rastatter Frieden an Österreich verloren, 1735 im Frieden von Wien wieder durch Sekundogenitur an Spanien gebunden, 1759 durch Ferdinand IV. von Spanien getrennt.
Königreich Sardinien 1297
1409
1383
1707
1297 als Lehen an Jakob II. durch den Papst übertragen, 1323 endgültig Eroberung der Insel, 1383 wieder an das Judikat Arborea verloren, 1409 erneute Rückeroberung, 1420 Status als aragonesisches Vizekönigreich festgeschrieben, ab dem frühen 16. Jahrhundert in Personalunion mit dem neu entstanden Königreich Spanien vereint, 1707 von Österreich besetzt und 1713 an dieses abgetreten
Königreich Sizilien 1282
1735
1714
1759
1282 durch die Sizilianische Vesper an Aragonien, 1442 Vereinigung mit dem Königreich Neapel, 1458 wieder getrennt, 1501 Wiedervereinigung durch Ferdinand II. von Aragón, fortan Nebenland der spanischen Krone, 1714 Viktor Amadeus I. von Savoyen zugesprochen, 1735 durch den Frieden von Wien wieder durch Sekundogenitur an Spanien gebunden, 1759 durch Ferdinand IV. von Spanien getrennt
Korsika 1297
1419
1347
1453
1297 übertrug Papst Bonifatius VIII. König Jakob II. von Aragón Korsika als Lehen, 1325 Eroberung der gesamten Insel, 1347 wieder an Genua zurück gefallen, 1372 durch Graf von La Rocca wieder kurzzeitig aragonesisch, 1401 französisch, 1410 wieder an Genua, 1419 wieder an Aragon zurück, 1447 Teilung der Insel: Aragon erhält die Oberhoheit über die südlichen Ländereien der Herren von Cinarca, 1453 endgültig an die genueser Bank Banca di San Giorgio
Malta 1284 1525/1530 1284 Eroberung Maltas durch aragonesisch-sizilische Flotte und dem Vizekönig von Sizilien unterstellt, 1525 durch Karl V. dem Johanniterorden als Lehen zugewiesen, 1530 durch päpstliche Bulle endgültig in Besitz des Johanniterordens
Montpellier 1204 1349 1204 durch die Heirat von Marie von Montpellier mit Peter II. an Aragón gefallen, 1276 zum unabhängigen Königreich Mallorca, 1349 durch Jakob III. von Mallorca an Frankreich verkauft
Nordkatalonien (Carcassonne, Roussillon) 1137 1659 1276 Eingliederung der Grafschaften Rosselló und Cerdanya in das unabhängigen Königreich Mallorca, 1344 aragonesische Rückeroberung Rossellós, 1403 Cerdanyas, 1659 durch den Pyrenäenfrieden an Frankreich abgetreten
Spanische Nebenländer in Europa und überseeische Kolonien
Besitzung Erwerb Verlust Geschichte
Europa
Elba 1557 1709 1557 Einnahme Porto Longones, später Teil des spanischen Garnisonsstaates, 1709 im Spanischen Erbfolgekrieg verloren, 1714 offiziell an das von Österreich beherrschte Königreich Neapel abgetreten
Franche-Comté (Freigrafschaft Burgund) 1556 1678 1556 durch Erbteilung an Spanien gefallen, im Devolutionskrieg 1668 und im Holländischen Krieg 1674 von Frankreich besetzt, 1678 im Frieden von Nimwegen endgültig an Frankreich abgetreten
Grafschaft Charolais 1556 1684 1477 an das Haus Habsburg als Teil des burgundischen Erbes gefallen, jedoch weiterhin unter der Lehenshoheit und dem Rechtsbereich der französischen Krone, 1556 durch Erbteilung an Spanien, 1684 durch einen Vertrag von König Philipp IV. von Spanien mit Louis II. de Bourbon, prince de Condé an diesen übergeben
Herzogtum Mailand 1535 1714 1535 von Kaiser Karl V. erobert und seinem Sohn Philipp übergeben, seit 1556 in Personalunion mit Spanien vereinigt, 1714 durch den Spanischen Erbfolgekrieg an Österreich verloren
Monaco 1542 1641 spanisches Protektorat
Spanische Niederlande 1556 1714 1556 durch Erbteilung an Spanien gefallen, 1714 durch den spanischen Erbfolgekrieg an Österreich abgetreten
Stato dei Presidi
(Spanischer Garnisonsstaat)
1557
1735
1707
1759
1522 unter den Schutz Kaiser Karls V., 1555 Eroberung Sienas und Gründung des Großherzogtums Toskana durch Cosimo I. de’ Medici, am 3. Juli 1557 Orbetello, Porto Ercole, Porto Santo Stefano, Talamone, Ansedonia, Porto Longone, sowie Teile Elbas zurück an Spanien und Gründung des Stato dei Presidi, 1707 von Österreich besetzt, 1735 im Vorfrieden von Wien wieder zurück an Spanien, 1759 an das Königreich Neapel gebunden
Portugal 1580 1640 durch Heiratsverträge ab 1580 in Personalunion mit Spanien vereint, 1640 wieder vollständig selbstständig
Afrika
Spanisch-Guinea 1788 1968 von Portugal an Spanien abgetreten, 1968 als Äquatorialguinea unabhängig
Spanisch-Westafrika 1934 1969/1976 1860 wurde Ifni von Spanien erworben, 1884 wurde Spanisch-Sahara als Rio de Oro spanische Kolonie, 1934 Zusammenschluss der beiden Kolonien, 1969 kam Ifni zu Marokko, 1976 von Marokko und Mauretanien besetzt, heute von Marokko annektiert, internationaler Status unklar
Djerba 1551 1560 ab 1520 spanischer Vasall, 1551 direkte spanische Verwaltung, 1560 okkupiert, in der Seeschlacht von Djerba an das Osmanische Reich gefallen
Bizerta 1535 1574 1535 von Kaiser Karl V. erobert, 1574 an das Osmanische Reich
Bejaia (Bougie) 1510 1555 1510 von Spanien erobert, 1555 an das Osmanische Reich
Oran 1509
1732
1708
1792
1505 und 1506 erste Versuche die Stadt zu erobern, 1509 Einnahme der Stadt und Errichtung eines spanischen Gouvernements, 1709 an das Osmanische Reich verloren, 1732 von Spanien wieder zurückerobert, ab 1790 Friedensgespräche mit dem Osmanischen Reich, 1792 dann an das Osmanische Reich übergeben
Penon de Algiers 1510
1573
1529
1574
1510 im Zuge der Eroberung Orans spanisch besetzt, 1529 unter dem Schutz des Osmanischen Reiches, 1573 kurzfristig wieder spanisch, 1574 endgültig osmanisch
Tripolis 1509 1530/1551 1509 durch Graf Pietro von Navarra für Spanien erobert und Installation eines spanischen Statthalters, 1530 von Kaiser Karl V. den Johanniterorden als Lehen übertragen, 1551 an das Osmanische Reich verloren
Tunis 1535
1573
1570
1574
1534 vom Osmanischen Reich erobert, 1535 durch Kaiser Karl V. okkupiert und in ein spanisches Protektorat umgewandelt, 1570 wieder osmanisch, 1573 kurzfristig wieder spanisch, 1574 endgültig wieder osmanisch
Plaza de soberanía 1508
1560
1668
1848
1668 wurde Ceuta von Portugal an Spanien durch den Frieden von Lissabon abgetreten, Melilla wurde 1497 erobert, die übrigen Inseln und Städte 1508, 1560, 1668 und 1848; heute autonome Städte Spaniens, die Gebiete werden von Marokko beansprucht
Isla Perejil 1663 von Portugal an Spanien abgetreten, heute unter der Herrschaft Spaniens, von Marokko beansprucht
Spanisch-Marokko 1912 1956 Spanisches Protektorat, heute Teil Marokkos
Amerika
Vizekönigreich Neuspanien 1535 1821 1492 Beginn der Kolonialisierung der Karibik und Mittelamerikas, zwischen 1519 und 1521 Eroberung des Aztekenreiches, 1521 kam auch noch Nordborneo, die Philippinen in Asien und einige pazifische Inseln, sowie im 17. und 18. Jahrhundert der Südwesten der heutigen USA hinzu, 1535 Gründung des Vizekönigreiches, zwischen 1528 und 1545 Verpfändung "Klein-Venedigs" an die Welser, 1717 Abtretung Venezuelas an das neugegründete Vizekönigreich Neugranada
Florida 1513 1763/1819 1513 von Spanien erobert und 1535 ins Vizekönigreich Neuspanien integriert, nach Ende des Siebenjährigen Krieges an Großbritannien abgetreten, 1781 die Herrschaft über Westflorida zurück, im Frieden von Paris 1783 wieder spanisch, 1819 an die USA abgetreten
Jamaika (Santiago) 1509 1670 1509 kolonialisiert und 1535 ins Vizekönigreich Neuspanien eingegliedert, 1655 von den Engländern unter William Penn besetzt, 1670 offiziell von Spanien im Vertrag von Madrid abgetreten.
Hispaniola 1492 1697/1795 Die erste wichtige spanische Besitzung in Übersee. Im 17. Jahrhundert setzten sich die Franzosen im NW der Insel fest, der westliche Teil der Insel (Haiti) wurde 1697 an Frankreich abgetreten. Der östliche Teil (heute Dominikanische Republik) wurde 1795 im Frieden von Basel ebenfalls an Frankreich abgetreten.
Westlouisiana 1762 1800 1762 im Vorfrieden von Fontainebleau wurde Louisiana westlich des Mississippi sowie die "Isle of New Orleans" von Frankreich an Spanien abgetreten und ins Vizekönigreich Neuspanien eingegliedert, auf Druck Napoleons 1800 wieder an Frankreich zurück
Kaimaninseln 1503 1666 1503 von Kolumbus entdeckt und für Spanien in Besitz genommen, 1535 ins Vizekönigreich Neuspanien integriert, 1666 von England erobert, 1670 im Vertrag von Madrid offiziell von Spanien an England abgetreten
Nootka Territorium 1789 1794 Umfasste Küstengebiete des Bundesstaates Washington sowie den Süden der kanadischen Provinz British Columbia (Vancouver Island). Nach nur fünf Jahren spärlicher Herrschaft wurde der Herrschaftsanspruch auf Druck Großbritanniens zurückgezogen
Trinidad 1498 1802 1498 von Spanien in Besitz genommen, ab 1535 Teil des Vizekönigreiches Neuspanien, bereits 1763 wurde die Insel von den Briten besetzt, jedoch erst 1802 im Frieden von Amiens offiziell von Spanien abgetreten.
Vizekönigreich Peru
(Vizekönigreich Neu-Kastilien)
1542 1823 ab 1522 Beginn der Eroberung Perus und 1542 Errichtung des Vizekönigreiches, 1655 Abtretung der Miskitoküste an Großbritannien, 1717 bzw. 1739 und 1776 wurde die beiden neugegründeten Vizekönigreiche Río de la Plata und Neugranda von Peru getrennt.
Vizekönigreich Neugranada 1717
1739
1724
1810
1717 von Peru getrennt, zwischen 1724 und 1739 wieder Teil Perus, heute Kolumbien, Venezuela, Ecuador und Panama
Vizekönigreich des Río de la Plata 1776 1811 1776 von Peru getrennt, heute Argentinien, Bolivien, Uruguay und Paraguay.
Zwischen 1767 und 1811 gehörten auch die Falklandinseln zum Einflussgebiet der Kolonie.
Asien
Spanisch-Ostindien 1521(?) 1898 zunächst als Generalkapitanat Teil des Vizekönigreiches Neuspanien, nach 1821 eigenständige spanische Kolonie, 1898 im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges verloren
Philippinen 1521(?) 1898 Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, 1898 im Zuge des Spanisch-Amerikanischen Krieges von der USA annektiert
Nordborneo 1521(?) zunächst Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, ab dem 17. Jahrhundert zum Sultanat Brunei
Marianen 1667 1898/1899 1521 von Ferdinand Magellan entdeckt, 1667 von Spanien in Besitz genommen, Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 südlich Teil an die USA abgetreten, 1899 nördlichen Teil an das Deutsche Reich verkauft
Karolinen 1526 1899 1525 durch den Portugiesen Diego da Rocha entdeckt, 1526 spanische Inbesitznahme durch Alonso de Salazar, 1686 Entdechung der Hauptinsel durch Francesco Lazeano, Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, 1899 an das Deutsche Reich verkauft
Palau 1526 1899 1543 durch den Ruy López de Villalobos entdeckt, erst im 19. Jahrhundert durch Spanien kolonialisiert, Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, 1899 an das Deutsche Reich verkauft
Guam 1521 1899 1521 von Magellan entdeckt, 1565 von Miguel Lopez de Legazpi für Spanien in Besitz genommen, Teil des Generalkapitanats Spanisch-Ostindien, 1898 an die USA abgetreten
Atlantik
Kanarische Inseln 1479 1311 entdeckt, 1402 Eroberung und Christianisierung der kleineren Inseln durch den Normannen Jean de Béthencourt, 1479 durch den Vertrag von Alcaçovas Kastilien zugesprochen, heute Autonome Gemeinschaft Spaniens

Siehe auch

Literatur

  • Jonathan C. Brown: Latin America. A social history of the colonial period. Harcourt College Publications, Fort Worth, Tex. 2000, ISBN 0-03-055387-3.
  • John Elliott: Imperial Spain (1469-1716). Penguin Books, London 2002, ISBN 0-14-100703-6.
  • Béatrice Perez: Des marchands entre deux mondes. Pratiques et représentations en Espagne et en Amérique (XVe - XVIII siècle). PUPS, Paris, 2007, ISBN 978-2-84050-513-6.
  • Friedrich Edelmayer ua.: Die Neue Welt. Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche, Promedia Verlag, Wien, 2001, ISBN 3-85371-177-4.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. vgl.: Iberoamerikanisches Institut Preußischer Kulturbesitz und Museum für Völkerkunde, Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.); Amerika 1492 – 1992; Braunschweig, 1992; S. 40 f.
  2. vgl.: Feder, Ernst; Gewalt und Ausbeutung: Lateinamerikas Landwirtschaft; Hoffmann und Campe; Hamburg, 1973.
  3. vgl.: http://www.pbs.org/opb/conquistadors/home.htm
  4. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 67 ff.
  5. http://last-e.uni-hamburg.de/cms/tiki/tiki-index.php?page=Audiencias
  6. http://last-e.uni-hamburg.de/cms/tiki/tiki-index.php?page=Audiencias
  7. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 106/107
  8. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 112
  9. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 111
  10. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 111/112
  11. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 73 ff.
  12. vgl.: Reindhard, Wolfgang; Kleine Geschichte des Kolonialismus; Alfred Kröner Verlag; Stuttgart, 1996; S. 73/74
  13. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 108-110
  14. vgl.: Feldbauer, Peter ua.; Die Welt im 16. Jahrhundert; Mandelbaum Verlag; Wien, 2008; S. 355/356
  15. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Globalgeschichte 1450-1620. Anfänge und Perspektiven; Promedia Verlag; Wien, 2002; S. 39.
  16. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 109
  17. vgl.: Edelmayer, Friedrich ua.; Die Neue Welt – Süd- und Nordamerika in ihrer kolonialen Epoche; Promedia Verlag; Wien, 2001; S. 121-124


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