St. Paulin


St. Paulin

St. Paulin in Trier.
Links das steinerne Kreuz
Deckengemälde von Christoph Thomas Scheffler

St. Paulin ist eine spätbarocke Pfarrkirche in Trier, deren Innenausstattung von Balthasar Neumann entworfen wurde. Bis 1804 waren sie und ihre Vorgängerbauten jahrhundertelang Stiftskirche. Seit 1958 ist St. Paulin Basilica minor.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erste Kirche: 4. Jahrhundert bis 1039

Die erste Kirche an dieser Stelle erbaute im 4. Jahrhundert Bischof Felix im römischen Gräberfeld nördlich der Stadtmauern des römischen Trier (sog. Augusta Treverorum). Der Legende nach stammen die römischen Knochenfunde hingegen von der Thebäischen Legion, einer legendenhaften römischen Legion von Christen, die in der Antike hingerichtet worden sein sollen, weil sie sich weigerten, ihrem Glauben abzuschwören. Nach der regionalen Version der Legende fand ihr Martyrium an jener Stelle statt, an der heute der Vorplatz der Kirche liegt. Ihr Blut soll bis in die Mosel geflossen und den Fluss kilometerweit (nach unterschiedlichen Angaben z. B. bis Cochem) rot gefärbt haben.

Ihren Namen erhielt die Kirche vom Heiligen Paulinus, der von 346 bis 353 Bischof von Trier war und dessen sterbliche Überreste um 400 großenteils in die nach ihm benannte Kirche überführt wurden. Einige Reliquien von Paulinus werden indes in der Kirche St. Paulinus in Lauterbach, einem Stadtteil der saarländischen Stadt im Völklingen, aufbewahrt.

Im 5. Jahrhundert wurde St. Paulin durch die Eroberungen von Trier durch die Franken (wahrscheinlich um 413 und 421) zerstört. Ab 480 begann der Wiederaufbau.

Nicht genau zu datieren sind die Ursprünge des Stifts, das sich über Jahrhunderte um die Kirche erstreckte. Die erste datierbare Stiftung ist für den Anfang des 8. Jahrhunderts belegt.[1]

1039 zerstörte ein Brand den antiken Kirchenbau fast vollständig. Nur die antike Gruft mit ihren vielen antiken Schädeln und Knochenresten (angeblich jenen der legendenhaften Thebäischen Legion) ist heute noch erhalten; sie wird wieder heute an bestimmten liturgischen Festen und ausnahmsweise für Besichtigungen zugänglich gemacht.

Romanikbau St. Paulin (l.) mit St. Maximin (r.) vor den Stadtmauern (r.u.). Stich von 1646, wohl nach einer Ansicht von 1548/50)[2]
Innenansicht

Zweite Kirche: Vor 1148 bis 1674

Nach dem Brand der antiken Kirche wurde ein romanischer Nachfolgebau in Form einer zweitürmigen Basilika errichtet und 1148 von Papst Eugen III. geweiht.

Die romanische Kirche wurde 1674 im Eroberungskrieg des französischen Königs Ludwig XIV. von französischen Truppen gesprengt, um im Norden der Stadt Trier aus taktischen Gründen ein freies Feld zu schaffen. Heute besteht von der Basilika nur noch die romanische Krypta mit dem Sarkophag des Heiligen Paulinus aus dem 4. Jahrhundert.

Dritte Kirche: Seit 1734/57

1734 legte Kurfürst und Erzbischof Franz Georg von Schönborn-Buchheim auf den Mittelschiff-Fundamenten der romanischen Kirche den Grundstein zum Neubau der Kirche, den er aus eigenen Mitteln finanzierte.[3] Der neue Bau wurde eine einschiffige Barockkirche, deren architektonische Leistung Christian Kretzschmar zugeschrieben wird. Vor allem wird mit dem Kirchenbau jedoch der Name Johann Balthasar Neumanns verbunden, der die reichhaltige Innenausstattung des hellen Kirchenraums entwarf. Christoph Thomas Scheffler (1743) zeichnete für die Deckenfresken verantwortlich, auf denen die Geschichte des Heiligen Paulinus und das Martyrium der Thebäischen Legion dargestellt sind. An den Wänden und der Decke sind außerdem weiße Stuckaturen ausgeführt. Der Hochaltar (nach Entwürfen Balthasar Neumanns) – ein Ziborienaltar – das Chorgestühl und weitere Ausstattungsstücke der Kirche wurden in der Werkstatt des Bildhauers Ferdinand Tietz hergestellt. 1756 wurde die Arbeit an der Orgel durch den Trierer Orgelbauer Romanus Benedikt Nollet vollendet. Der Orgelprospekt geht ebenfalls auf Pläne Neumanns zurück und wurde in der Werkstatt des Hofbaumeisters im Kurfürstentum Trier, Johannes Seiz, gebaut.[1] 1757 wurde die barocke Kirche geweiht.

1794 wurde Trier von französischen Revolutionstruppen besetzt. Als Napoleon in die Stadt kam, soll er von der Schönheit der Kirche sehr angetan gewesen sein. 1802 wurden der Stift St. Paulin – gemeinsam mit den meisten Trierer Stiften, Klöstern und Abteien – von der französischen Besatzung aufgelöst und sein Vermögen enteignet. 1804 wurde ein Teil des Vermögens zurückgegeben und St. Paulin zur Pfarrkirche erklärt.[1]

Im 20. Jahrhundert wurde St. Paulin 1930/31 (Innenraum) und 1979–82 (Äußeres) renoviert. Auch die Orgel wurde mehrfach instandgesetzt: 1934 wurden an der Orgel eingehende Umbauten durch die Orgelmanufaktur Klais vorgenommen (unter anderem weitgehende Elektrifizierung), 1991 wurde sie von Klais restauriert.

Am 23. Mai 1958 wurde St. Paulin vom damaligen Papst Pius XII. der Ehrentitel Basilica minor oder Päpstliche Basilika. Sie war damit nach der Benediktinerabtei St. Matthias und der Liebfrauenkirche die dritte Kirche der Stadt Trier und deutschlandweit die 32. Kirche, die diesen Titel erhielt.

Die heutige Pfarrkirche St. Paulin ist eine einschiffige Anlage mit eingezogenem Chor, unter dem sich eine dreischiffige Krypta befindet. Langhauswände, Chorapsis und Turm stehen auf den Fundamenten des Mittelschiffs des romanischen Vorgängerbaus. Die Länge des Gotteshauses beträgt 52 Meter, die Turmhöhe bis zur Spitze fast 53 Meter. Der steil aufragende Außenbau von Langhaus und Chor wird durch Strebepfeiler und hohe, schlanke Rundbogenfenster gegliedert. Der dreigeschossige Turm ist durch Abrundung der Voluten über dem unteren Geschoss organisch mit dem Langhaus verbunden. Die beiden unteren Geschosse sind quadratisch, die darüberliegende Glockenstube ist sechseckig.

Jährlich finden Anfang Oktober die „Märtyrertage“ statt, an denen der Trierer Märtyrer und der Angehörigen der Thebäischen Legion gedacht wird. Zu diesem Anlass wird unter anderem die Gruft zugänglich gemacht, in denen die sterblichen Überreste der römischen Soldaten liegen sollen. An anderen Tagen des Jahres ist die Gruft durch ein metallenes Ziergitter zumindest teilweise einzusehen.

In der Kirche werden außerdem Konzerte – hauptsächlich Orgelkonzerte – abgehalten.

Ansichten

Orgel

Orgel

Die Orgel von St. Paulin wurde in den Jahren 1747 bis 1756 von dem Orgelbauer Romanus Benedikt Nollet (Trier) erbaut. Das Orgelgehäuse wurde nach einem Entwurf von Balthasar Neumann gebaut.

Im Jahre 1858 wurde das Instrument von Heinrich Wilhelm Breidenfeld (Trier) erneuert. Im Jahr 1934 elektrifizierte die Orgelbaufirma Klais (Bonn) die Orgel und ergänzte das Instrument um ein Schwellwerk. Im Jahr 1991 wurde die Orgel durch die Firma Klais restauriert.

Das Instrument hat 42 Register. Mit Ausnahme des Schwellwerks, das elektrische Kegelladen hat, stehen die übrigen Manual-Werke auf den historischen mechanischen Schleifladen von 1858, das Pedalwerk auf mechanischen Schleifladen aus dem Jahr 1991.[1]

I Echo C–f3
1. Hohlflöte 8’
2. Unda maris 8’
3. Principal 4’
4. Gemshorn 4’
5. Nasard 22/3
6. Octave 2’
7. Terz 13/5
8. Mixtur III-IV 1’
9. Krummhorn 8’
10. Vox humana 8’
Tremulant
II Hauptwerk C–f3
11. Bordun 16’
12. Principal 8’
13. Salicional 8’
14. Viola da Gamba 8’
15. Rohrflöte 8’
16. Octave 4’
17. Waldflöte 4’
18. Flaut doux 4’
19. Quinte 22/3
20. Superoctave 2’
21. Mixtur V-III 11/3
22. Trompete 8’
23. Clarino 4’
III Schwellwerk C–f3
24. Lieblich Gedackt 16’
25. Geigenprincipal 8’
26. Bordunalflöte 8’
27. Aeoline 8’
28. Vox coelestis 8’
29. Octave 4’
30. Waldflöte 2’
31. Progressio III-IV 22/3
32. Tromp. harm. 8’
Tremulant
Pedal C–f1
33. Principal 16’
34. Subbaß 16’
35. Quintbaß 102/3
36. Oktavbaß 8’
37. Gedackt 8’
38. Tenoroctave 4’
39. Rauschpfeife IV 22/3
40. Bombarde 16’
41. Posaune 8’
42. Clairon 4’
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P
    • Superoktavkoppeln: III/II, III/III

Glocken

In der Glockenstube hängen vier Glocken an Stahljochen im Holzglockenstuhl. Die Brüder Joseph und Charles Perrin aus Maisoncelles gossen sie in den Jahren 1821, die kleinste Glocke 1822. Da wegen der beiden Weltkriege nur wenige Geläute des 19. Jahrhunderts existieren, hat das Geläut von St. Paulin einen hohen historischen Wert. Das Klangbild entspricht dem Typus der französischen Glockengießkunst jener Zeit. Zum Angelusläuten um 07:30, 12:00 und 19:00 Uhr erklingen 3×3 Schläge auf Glocke 3, die darauf für wenige Minuten nachläutet. Eine Viertelstunde vor Messbeginn läuten an Werktagen zwei, zu den Sonntagsmessen drei und an Hochfesten alle vier Glocken, wobei bei den letzteren beiden Fällen immer eine halbe Stunde vor Messbeginn ein Vorläuten erfolgt. Die Viertelstunden werden auf Glocke 3, die ganzen Stunden auf Glocke 1 geschlagen.

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
1 Paulinus & Trierische Märtyrer 1821 Joseph & Charles Perrin 1570 2365 h0 −11
2 Nikolaus & Donatus 1821 Joseph & Charles Perrin 1420 1774 cis1 –9
3 Michael & Walburga 1821 Joseph & Charles Perrin 1273 1239 d1 −5
4 Petrus & Johannes Nepomuk 1822 Joseph & Charles Perrin 1168 1017 e1 −4

Friedhof und Kirchvorplatz

Im Osten und Norden der Kirche liegt ein kleiner Friedhof. Darauf befindet sich seit 1989 eine Kapelle mit dem Grab der seligen Ursulinenschwester Blandine Merten.

Im Westen der Kirche steht auf dem Kirchvorplatz ein steinernes Kreuz, das Ähnlichkeit mit dem Trierer Marktkreuz hat. Es ist unbekannt, ob es sich bei dem Kreuz um ein Marktkreuz, ein Gerichts- oder Immunitätszeichen oder um ein Märtyrerkreuz handelt.

Weinbergsbesitz

Der Stift St. Paulin unterhielt bis zur Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts Weinberge in verschiedenen Teilen der Mosel. Zu den bekanntesten Weingütern zählt das Weingut Paulinshof in Kesten an der Mittelmosel. Es wurde erstmalig 936 n. Chr. in einer Schenkungsurkunde König Heinrichs I. erwähnt.

Einzelnachweise

  1. a b c d Trierer Orgelpunkt („Gemeinsame Kirchenmusikseite der Hohen Domkirche und der Evangelischen Kirchengemeinde in Trier“): Sankt Paulin (abgerufen 30. Januar 2007)
  2. Matthäus Merians Stich von 1646 ähnelt stark dem Holzschnitt von Trier von 1548 in Sebastian Münsters Cosmographiae Universalis (Titel: Situs & figura antiquissimae & praecipuae Medioniatricum ciuitatis Treuirensis), die als die erste authentische Stadtansicht von Trier gilt. Zwar ist Merians Ansicht detaillierter als der Holzschnitt, bildet aber bauliche Veränderungen, die zwischen 1548 und 1646 vorgenommen wurden (z. B. an der Konstantinsbasilika) nicht ab. Vergleich den Holzschnitt in der lateinischen Ausgabe der Cosmographiae Universalis von 1550 auf Historic Cities
  3. Stadt Trier/ Touristeninformation: St. Paulin: Bau und Geschichte (abgerufen 30. Januar 2007)

Siehe auch

Weblinks

 Commons: St. Paulin (Trier) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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