Stadtverfall

Stadtverfall
Stadtverfall ist nicht nur auf die Industrieländer beschränkt. Das Bild zeigt einen verfallenen Wohnblock in Sansibar, errichtet in den 1970er Jahren von deutschen Entwicklungshelfern. Einst ein Symbol des Fortschrittes, heute von Verfall betroffen. Gründe dafür sind unterschiedlich und weichen zu denen in Industriestaaten z.T. erheblich ab: Überbevölkerung, soziokulturelle Distanzierung, Mangel an Wartung,...
Rückseite der Ruine des Empfangsgebäudes des Ostbahnhofs im Frankfurter Ostend, ein prominentes Beispiel für Stadtverfall, September 2008

Stadtverfall kennzeichnet Mangelerscheinungen der physischen Struktur einer Stadt, die von leichten Beeinträchtigungen der Funktion oder des äußeren Erscheinungsbildes bis hin zur völligen Zerstörung derselben reichen können. Die notwendigen baulichen Investitionen zur Erhaltung der physischen Struktur werden nicht mehr getätigt.

Städtische Strukturen werden abgenutzt und altern, Gebäude werden abbruchreif, funktionsuntüchtig oder bleiben als Brachflächen zurück. Dies betrifft besonders die historische Bausubstanz, aber auch abgewohnte Großwohnanlagen oder betriebliche Anlagen, die nicht mehr genutzt werden.

Stadtverfall kann sich ausbreiten. Wenn in einen Stadtteil oder in ein Gebäude nicht mehr investiert wird, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch in das Nachbargebäude oder in den benachbarten Stadtteil weniger investiert wird. Insbesondere dann, wenn eine marktgesteuerte Stadtentwicklung dominiert, breitet sich Stadtverfall leichter aus. Die englische Bezeichnung für Stadtverfall, nämlich „blight“ , was so viel wie „Pilzbefall“ bedeutet, drückt diesen Effekt der „Ansteckung“ implizit aus.

Die Umstände, die zum Stadtverfall führen können, sind vielfältig. Sie betreffen aber immer die Frage, warum nichts mehr oder nicht ausreichend in die physische Struktur investiert wird. Diese fehlende Investitionstätigkeit kann wiederum unterschiedlich begründet werden:[1]

  • Eine geringe Nachfrage nach Wohnraum – beispielsweise als Folge einer sinkenden Bevölkerungszahl – sorgt für fallende Preise und für steigenden Leerstand. Die Erträge für Hausbesitzer sinken und es steht zu wenig Kapital für Erneuerung zur Verfügung.
  • Der rechtliche Rahmen sorgt für eine Limitierung der Mieteinnahmen und der sonstigen Immobilienerträge. Damit unterbleiben gleichzeitig auch Stimuli für eine Investitionstätigkeit.
  • Die planerischen und städtebaulichen Aktivitäten (Ausbau der Infrastruktur, Förderungen, öffentlicher Neubau) konzentrieren sich auf die Stadterweiterung und vernachlässigen die abgewohnten Stadtviertel.
  • Stadtverfall kann aber auch als friktionelles Übergangsphänomen von einer Nutzung zu einer anderen interpretiert werden. Die alten Nutzungen finden in Gebäuden oder Stadtvierteln nicht mehr statt, neue Nutzungen sind noch nicht vorhanden. Stadtverfall wird dabei zu einem Phänomen der "zones in transition".

Intensive Gegenmaßnahmen in diesem Bereich werden vor allem durch die städtebaulichen Bewegungen des New Urbanism und der Gentrification gesetzt. Vor allem da heute viele Menschen wieder daran interessiert sind in die City zurückzukehren, hat die Gentrification in Stadtzentren zahlreiche Gebäude älterer Bausubstanz erneuert und wieder hergestellt, wobei aber – vor allem in Nordamerika – gleichzeitig dadurch Teile der Umlandgebiete dem Stadtverfall ausgesetzt sind.[2]

Einzelnachweise

  1. Andersen, H.S.: "The Appearance of Urban Decay and Deprivation in Western Cities", in: Urban Sores – on the interaction between segregation, urban decay and deprived neighbourhoods, 2003, [1]
  2. Hanlon, B., Short, J.R., Vicino, T.J.: "The Decline of Inner Suburbs: The New Suburban Gothic in the United States", in: Geography Compass 1/3, 2007, [2]

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