Stadtwerke Hannover AG


Stadtwerke Hannover AG
Stadtwerke Hannover AG
Unternehmensform Aktiengesellschaft
Gründung 21. Dezember 1970
Unternehmenssitz Hannover
Unternehmensleitung

Michael G. Feist (Vorsitzender), Harald Noske, Jochen Westerholz

Mitarbeiter 2731 (Stand: 2007)
Umsatz 2,27 Mrd. Euro. (2007)
Produkte

Strom, Gas, Wasser, Fernwärme, Energiedienstleistungen

Website

www.enercity.de

Die Stadtwerke Hannover AG in Hannover ist ein ehemals kommunales Energieversorgungs- und Dienstleistungsunternehmen. Es deckt hauptsächlich die Grundversorgung der Bevölkerung und der Industrie mit Strom, Wasser und Gas und Fernwärme ab. Mit etwa 2.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 2,3 Mrd. Euro zählt es zu den zehn größten Energieversorgungsunternehmen Deutschlands. Das Unternehmen bietet Energie und Dienstleistungen für Privat- und Geschäftskunden vorwiegend in Hannover und in der Region Hannover. Die Dachmarke der Energieprodukte ist seit 1996 „enercity“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Schon gegen Mitte des 16. Jahrhunderts existierte in Hannover eine Wasserverteilung über ein Brunnensystem und Wasserleitungen, das über 300 Jahre lang mittels ständiger Ausbauten und Wartungen erhalten werden konnte. 1875 jedoch fiel der Magistrat den Entschluss, ein Grundwasserwerk in Ricklingen zu erbauen – die Einwohnerzahl Hannovers von mehr als 100.000 machte diese Entscheidung notwendig, da die einfachen Brunnen dem Wasserbedarf der Stadt nicht mehr gewachsen waren.

1878 nahm das neue Werk in Ricklingen seinen Betrieb auf. Es war allerdings nicht der erste große Energielieferant von dem die Stadt Hannover profitierte: bereits 1825 war ein Kontrakt mit der Londoner Imperial-Continental-Gas-Association (ICGA) abgeschlossen worden, der das britische Unternehmen mit der Aufgabe betraute, die alten, noch mit Talg betriebenen Straßenlampen durch neue Gaslampen zu ersetzen, diese zu betreiben und zu warten. Hierzu wurde noch im gleichen Jahr der Vertragsunterzeichnung das Gaswerk Glocksee errichtet.

1883 folgte dem Wasserwerk Ricklingen und dem Gaswerk Glocksee eine Blockanlage zur Erzeugung elektrischer Energie – 1891 ging schließlich das erste Elektrizitätswerk in der Osterstraße ans Netz. Alle einzelnen Werke wurden 1922 zu einem Regiebetrieb zusammengefasst: den städtischen Betriebswerken.

Die Nachkriegszeit war durch rapide Wiederaufbaumaßnahmen - dem Wirtschaftswunder - geprägt, von denen auch die städtischen Betriebswerke profitierten. Neue Anlagen wurden eingerichtet und die Erweiterung der Netze in vorher noch nicht erschlossene Gebiete gefördert. Ab 1952 hieß das Versorgungsunternehmen offiziell städtische Betriebswerke.

Nachdem das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit und insbesondere der Aufschwung der späten 1960er Jahren den Stadtwerken (bis Ende 1952: Städtische Betriebswerke) erhebliche, bis zu zweistellige Zuwachsraten bescherte, beschloss im November 1970 der Rat der Stadt die Umwandlung der Versorgungseinrichtungen in eine Aktiengesellschaft. Mit dem Eintrag ins Handelsregister entstand am 21. Dezember 1970 die Stadtwerke Hannover AG, alleiniger Aktionär wurde die Landeshauptstadt Hannover. Die Umwandlung der Stadtwerke in eine Aktiengesellschaft war notwendig, um Stadtwerke und Üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG in der ebenfalls 1970 gegründeten Holding "Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover mbH" (VVG) vereinigen zu können.

Ab 1970 verfolgten die Stadtwerke weiterhin ihren Weg der Erschließung neuer Werke. Die Förderung von Erdgas begann Anfang der 70er, 1982 wurde der erste Kavernenspeicher in Empelde in Betrieb genommen und 1989 erfolgte erstmals der Betrieb des Gemeinschaftskraftwerks in Stöcken.

Die Hauptverwaltung befindet sich seit 1975 im Ihme-Zentrum im hannoverschen Stadtteil Linden.

Unternehmensprofil

enercity-Leuchtreklame

Das Stammkapital der Stadtwerke Hannover AG gehört zu 75,09 Prozent der Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft Hannover mbH (VVG). Weitere 24 Prozent befinden sich im Besitz der E.ON-Tochtergesellschaft Thüga AG mit Sitz in München. Die restlichen 0,91 Prozent gehören der Region Hannover.

Die Stadtwerke Hannover halten mehrere Beteiligungen an Energieunternehmen in der Region Hannover und führen das operative Geschäft für die beiden großen Kraftwerke in den Stadtteilen Stöcken und Linden sowie für den Gasspeicher in Empelde.

Seit Anfang der neunziger Jahre engagiert sich das Unternehmen für den Einsatz von Biomasse zur klimafreundlichen Wärme- und Stromerzeugung. Die größten Projekte in diesem Zusammenhang sind die Beteiligung am Biomasseheizkraftwerk Landesbergen im Jahr 2003 sowie die Übernahme von Anteilen der Danpower GmbH im Jahr 2006.

Sponsoring

Der Energieversorger engagiert sich innerhalb von Stadt und Region Hannover im sozialen Bereich mit der Jugendplattform "enercity network". Im Rahmen seiner Kulturförderung unterstützt das Unternehmen das vom Jazz Club Hannover veranstaltete Musikfestival „enercity Swinging Hannover“. Das traditionelle Open-Air-Festival mit namhaften Künstlern findet seit über 40 Jahren am Himmelfahrtstag auf dem Trammplatz in Hannover statt. Ebenfalls gefördert wird die im Vorfeld stattfindende „enercity jazzzeit“.

Expo Café

Leuchtröhrenwand des enercity expo café

Während der Expo 2000 betrieb enercity in der Innenstadt am Kröpcke das "enercity expo Café". Es handelte sich um einen Restaurationsbetrieb mit einem breiten Angebot an Kaffesorten, der sich in dem Gebäude des von der Mövenpick-Gruppe betriebenen Café Kröpcke befindet. Bemerkenswert ist die großzügige Gestaltung mit Glasfassaden und die davor gesetzte großflächige Leuchtstoffröhrenwand. Ein Jahr nach der EXPO 2001 zog in das Obergeschoss das Kundenzentrum von enercity ein, das Energieberatungen gibt während im Erdgeschoss das Cafe weiter betrieben wird. Für Schlagzeilen sorgte das Café, als sich im Juli 2002 Teile der Glasfassade selbstständig lösten auf einen Gehweg stürzten, wodurch aber durch Zufall niemand verletzt wurde. Das Unternehmen ließ unmittelbar danach aus Sicherheitsgründen alle Expo-Glasscheiben entfernen und entwickelte die aktuelle Lichtkunst-Fassade.

Beteiligungen (Auswahl)

htp GmbH (Telekommunikation)

Ab 1996 vermarkteten die Stadtwerke Hannover AG das eigene Telekommunikationsnetz zur Steuerung ihrer Anlagen über eine eigens gegründete Gesellschaft. Die Netzgesellschaft htp GmbH ist heute ein im Wirtschaftsdreieck Hannover - Braunschweig - Hildesheim etabliertes Telekommunikationsunternehmen mit über 70.000 Privat- und Geschäftskunden (Stand: 2008). Die Stadtwerke Hannover halten 50 Prozent der Anteile an htp, die anderen 50 Prozent werden von der EWE AG mit Sitz in Oldenburg gehalten.

Gemeinschaftskraftwerk Hannover GmbH (GKH)

20-stöckiges Hauptverwaltungsgebäude im Ihme-Zentrum

Die Energieerzeugungsanlage Gemeinschaftskraftwerk Hannover GmbH entstand in Zusammenarbeit mit dem Volkswagenwerk Hannover sowie der Continental AG. Das Heizkraftwerk deckt den gesamten Prozess- und Raumwärmebedarf von VW-Nutzfahrzeuge und der Continental sowie die Grundlast an Fernwärme und Strom für das Versorgungsgebiet der Stadtwerke Hannover AG.

Energie-Projektgesellschaft Langenhagen mbH (EPL)

An der Energie-Projektgesellschaft Langenhagen mbH sind die Stadt Langenhagen und die Stadtwerke Hannover AG zu je 50 Prozent beteiligt. Das Unternehmen wurde 1994 gegründet. Seine Hauptziele sind, eine wirtschaftliche, ressourcen- und klimaschonende Energieversorgung auf kommunaler Ebene zu realisieren sowie die verbrauchsbedingten Emissionen zu reduzieren. Zu den Geschäftsfeldern des Unternehmens zählen die Planung, der Bau und der Betrieb effizienter Strom- und Wärmeproduktionsanlagen sowie die ökologische Energieverteilung. Ein Schwerpunkt ist die Nahwärmeversorgung von Wohnhäusern und anderen Gebäuden durch den Einsatz von modernen Blockheizkraftwerken.

Danpower GmbH

Die Stadtwerke Hannover halten 74,9 Prozent der Geschäftsanteile an der Danpower GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Potsdam ist besonders in Ostdeutschland ein starker Marktteilnehmer im Wärme-Contracting und bei der Nutzung von Biomasse.

Ergänzt wird die Produktion durch Beteiligungen an Erzeugungskapazitäten mit der E.ON Kraftwerke GmbH (wie beim Biomasseheizkraftwerk Landesbergen oder dem Kraftwerk Mehrum zusammen mit der Braunschweiger Versorgungs-AG) und die Kooperation mit der Naturstrom AG.

Eine zehnprozentige Beteiligung an der Beteiligungsgesellschaft Zukunftsenergien AG mit der Tochter Windkraft Nord AG ist ebenfalls im Besitz der Stadtwerke Hannover AG.

Clevergy GmbH & Co. KG

An der Clevergy GmbH & Co. KG mit Sitz in Leipzig sind die Stadtwerke Hannover AG und die N-ERGIE Aktiengesellschaft aus Nürnberg jeweils mit 50 Prozent beteiligt. Das Energieunternehmen wurde Anfang 2008 gegründet und bietet im Baukastenprinzip individuell gestaltbare Stromtarife für Privatkunden über das Internet an. Die Stromtarife sind bundesweit verfügbar. (Stand: April 2009).

Produkte

Im Geschäftsjahr 2007 betrug der Stromabsatz im eigenen Netzgebiet 2.639 GWh. Der Absatz im Geschäftsfeld Erdgas lag bei 8.394 GWh, die Wärmeabgabe bei 1.301 GWh. Im gleichen Zeitraum lieferte die Stadtwerke Hannover AG 42,0 Millionen Kubikmeter Wasser.

Insgesamt 70 Prozent des selbst erzeugten Stroms entstehen in den drei innerstädtischen Heizkraftwerken im Gemeinschaftskraftwerk Hannover (GKH) (Steinkohle), Gemeinschaftskraftwerk Linden (GKL) (Erdgas) und Heizkraftwerk Herrenhausen (KWH) (Erdgas) nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung.

Fernwärme ist die jüngste der leitungsgebundenen Energieversorgungsarten und wurde in Hannover 1962 eingeführt. Nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung wird die Abwärme aus der Stromerzeugung der drei Kraftwerke im Stadtgebiet (Stöcken, Linden und Herrenhausen) den Kunden als Raum- oder Prozesswärme geliefert.

Das Wasserwerk Elze-Berkhof, 25 Kilometer nördlich von Hannover gelegen, fördert und pumpt stündlich bis zu 4.300 Kubikmeter Trinkwasser in die Landeshauptstadt. Damit produziert es fast die Hälfte des insgesamt nach Hannover eingespeisten Trinkwassers und stellt die wichtigste Säule der Wassergewinnung für über 650.000 Menschen in der Region Hannover dar. Ein zweites großes Grundwasserwerk im Norden Hannovers ist Fuhrberg.

Versorgungsgebiet

Firmenschild in enercity-Farben

In der Landeshauptstadt Hannover und in Umlandgemeinden beliefert das Unternehmen über eine halbe Million Menschen mit Strom, Erdgas, Fernwärme und Trinkwasser. Die Länge des Leitungsnetzes (ohne Fernmeldekabel) im Strombereich beträgt 7.105 Kilometer, das Verteilungsnetz der Gasversorgung umfasst 1.977 Kilometer, die gesamte Rohrlänge von Wasser (Zubringer-, Haupt- und Versorgungsleitungen) misst 2.209 Kilometer, das Leitungsnetz der Fernwärme schließlich hat eine Gesamtlänge von 288 Kilometer (Stand: 2007).

Die Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärmeinfrastruktur wird seit 1. Januar 2007 von der enercity Netzgesellschaft mbH bewirtschaftet, die darüber hinaus für das Strom- und Gasnetz die Betreiberrolle gemäß dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) wahrnimmt.

Weblinks


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