Stahlblech


Stahlblech
Tiefgezogene und gekantete Blechteile
Schaltschrank aus Blech

Als Blech wird ein flaches Walzwerkfertigprodukt aus Metall bezeichnet.

Beinahe jedes Metall kann zu Blech verarbeitet werden. Besonders dünne Bleche (in der Regel mit einer Dicke von <60µm) werden als Folie bezeichnet, z. B. Stanniol, Aluminiumfolie oder Blattgold.

Inhaltsverzeichnis

Vorprodukte

Um Bleche, die ein fertiges Walzwerksprodukt sind, herstellen zu können, benötigt man sog. Brammen, die im Blockguss oder Stranggussverfahren hergestellt werden können. Brammen sind neben Knüppeln und Blöcken sowie dem Formguss die erste feste Formgebung von Stahl nach der flüssigen Herstellung.

Arten von Blechen

Stahlbleche werden aufgrund mehrerer Eigenschaften unterschieden. Eine Unterteilung erfolgt aufgrund der Dicke in:

Feinblech

Feinbleche sind Bleche mit einer Stärke von kleiner 3 mm.

Es handelt sich um warm oder kalt fertiggewalztes Blech, das meist für Umformzwecke benutzt wird. Je nach der Stahlsorte können diese Feinbleche auch verzinnt, verzinkt, verkupfert, vernickelt, lackiert, emailiert oder kunststoffoberflächenbeschichtet sein.

Feinbleche werden aus Bändern geschnitten oder als Coil geliefert. Ausnahme bilden Feinbleche mit besonderen Anforderungen an die Textur, die deshalb in wechselnden Richtungen umgeformt werden müssen.

Feinbleche werden nach Güte, Grundgüte, Ziehgüte, Tiefziehgüte und Sondertiefziehgüte unterschieden. Eine Übersicht dazu gibt DIN 1623. An Feinbleche werden besondere Anforderungen gestellt.

Es gibt drei große Hauptverbrauchergruppen:

  • Fahrzeugtechnik mit ~42 %
  • Eisen-, Blech- und Metallindustrie ~20 %
  • Elektrotechnik ~15 %.

Grobblech

DIN EN 10029 definiert Grobblech als Stahlplatten mit einer Dicke t ≥ 3,00 mm. Der Unterschied zum Warmband liegt darin, dass es nicht zu einem Coil aufgewickelt wird. Maximal können Dicken bis zu 20-25 mm aufgecoilt werden, dickere Bleche können nur als Grobblech hergestellt werden.

Mittelblech (veraltet)

Diese Bezeichnung wird heute durch eine Normumstellung im Jahre 1981 nicht mehr verwendet. Früher wurde unterteilt in Fein-, Mittel- und Grobbleche. Hierbei waren:

  1. Feinbleche in dem Dickenbereich: t ≤ 2,99 mm
  2. Mittelbleche in dem Dickenbereich: 4,75 mm ≥ t ≥ 3,00 mm
  3. Grobbleche in dem Dickenbereich: t ≥ 4,76 mm

Blechformate

Tafel, ein rechteckiges Blech in Standardmaßen:

  • Kleinformat: 1000×2000mm, auch als Normaltafel bezeichnet
  • Mittelformat: 1250×2500mm, auch als Mitteltafel bezeichnet
  • Großformat: 1500×3000mm, auch als Großtafel bezeichnet

Darüber hinaus sind folgende Abmessungen Standardformate, die in Deutschland lagerhaltig verfügbar sind:

Breite x Länge in mm

  • 2000 x 6000 / 8000 / 12000 mm
  • 2500 x 6000 / 8000 / 12000 mm
  • 3000 x 6000 / 8000 / 12000 mm
  • 3500 x 7000 / 14000 mm
  • 4000 x 12000 / 16000 mm

Stärken Stahlbleche nach DIN 1541 & DIN 1543 in mm:

  • 0,35 0,40 0,50 0,60 0,70 0,80 0,90
  • 1,0 1,2 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5
  • 4,0 4,5 4,75 5,0 8,0 10,0 15,0

Die technischen Möglichkeiten, Stahlbleche herzustellen, enden heutzutage ungefähr bei den Abmessungen 4500 * 20000 mm.

Diese technischen Möglichkeiten noch weiter auszureizen oder zu entwickeln ist derzeit unwirtschaftlich. Wegen der Stückgewichte lassen sich die Blechformate nicht mehr wirtschaftlich transportieren oder die Großformate aus einem Stück werden nicht benötigt.

Die größten Blechformate werden im Brückenbau, für Bohrplattformen und im Pipelinebau benötigt. Insbesondere für Pipelines wird ein steigender Bedarf erwartet, weshalb zur Zeit vor allem in Russland und China neue Grobblechstraßen errichtet werden.

Herstellungsverfahren

Bleche können durch mehrere Walzverfahren hergestellt werden:

Warmwalzen

  • Reversierendes Verfahren – Das reversierende oder auch Quarto (Walzen) findet vor allem für Grobbleche mit Dicken ≥ 5 mm und Breiten ≥ 2000 mm Anwendung. Für spezielle Anwendungen werden heute auch noch Feinbleche reversierend gewalzt, z. B. um eine bestimmte Textur zu erzeugen.
  • Kontinuierliches Verfahren (Warmbreitband) – Hierbei werden dünnere Brammen von etwa 100 bis 200 mm Dicke auf hintereinandergeschalteten Walzgerüsten (etwa 5 bis 7 Walzgerüsten) auf die erforderliche Dicke (gewöhnlicherweise von 2 bis 15 mm Dicke) heruntergewalzt. Hierbei erhält das Produkt Längen von mehr als 300 m Länge, die durch Scheren auf die bestellte Länge geteilt werden oder auf so genannte Coils aufgewickelt werden. Das Warmbreitbandverfahren wird für Breiten von 500 bis 2000 mm Breiten in den oben genannten Dicken verwendet. Hierbei ist festzustellen, dass es in gewissen Dickenbereichen durchaus Überschneidungen in den Herstellungsverfahren gibt. Beispielsweise kann ein Stahlblech, das eine Abmessung von 10 mm Dicke x 2.000 mm Breite × 12.000 mm Länge besitzen soll, durchaus als kontinuierlich warmgewalztes oder als reversierend gewalztes Produkt hergestellt werden.

Kaltwalzen

Kaltwalzen ist ein Verfahren, das dem Warmwalzen nachgeschaltet ist. Um kaltgewalztes Material im Dickenbereich ≤ 2,99 mm herzustellen, benötigt man als Vorprodukt warmgewalztes Material.

Verwendungsbereiche

Stahlbleche werden überwiegend verwendet für:

Um die Zeitspanne zwischen Materialanlieferung und -verarbeitung zu überbrücken, können die Blechtafeln in so genannten Blechlagern eingelagert werden.

Bearbeitung

Abkanten eines Blechs auf einer Gesenkbiegepresse

Die Bearbeitung im flachen Zustand (Zuschneiden der Bleche) erfolgt beispielsweise durch Autogenschneiden,Plasmaschneiden, Laserschneiden, Nibbeln (Stanzen) Scheren (Tafelschere),oder Sägen

Die i.d.R. nachgeschalteten Prozesse sind: Tiefziehen, Biegen, Bohren, Punzierung, Walzprofilieren oder Rundwalzen.

Neben der Bearbeitung von einzelnen Blechteilen ist auch das Verbinden (Fügen) von Blechen von Bedeutung. Hier kommen u. a. folgende Verfahren zum Einsatz: Schweißen, Löten, Nieten, Falzen, Schrauben, Kleben und Durchsetzfügen.

Siehe auch


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