Standard Elektrik Lorenz


Standard Elektrik Lorenz

Die Standard Elektrik Lorenz AG (heute Alcatel-Lucent Deutschland AG) ist ein Unternehmen der Nachrichtentechnik (früherer Slogan: SEL – Die ganze Nachrichtentechnik) mit Hauptsitz in Stuttgart. Zur Nachrichtentechnik zählen auch Informations- und Kommunikationstechnik, Telekommunikationstechnik (SEL war für die Röchelschaltung bekannt) und früher Fernmeldetechnik oder Schwachstromtechnik. Einen weiteren Geschäftsbereich hatte das Unternehmen in der Bahnsicherungstechnik, so wurden für die Deutsche Bundesbahn Relaisstellwerke und elektronische Stellwerke mit den dazugehörigen Außenanlagen (Signale, Gleisfreimeldeanlagen, Weichenantriebe) sowie die Linienzugbeeinflussung entwickelt und gebaut, welche auch bei ausländischen Bahnen Abnehmer fanden. Der Bereich gehört seit 2007 als Thales Transportation Systems GmbH (seit 02.2011 vorher Thales Rail Signalling Solutions GmbH) zum Thales-Konzern. Die bereits 1998 ausgegliederten Bereiche Alcatel Air Navigation Systems und SEL Verteidigungssysteme sind ebenfalls heute in Thales Deutschland beheimatet.[1]

Fernseher Illustraphon 743 von 1957
„Goldsuper Stereo 20“ (1961)
Das Flaggschiff der erfolgreichen Schaub-Lorenz Kofferradios der sechziger Jahre: Touring 70 Universal
Erster Digitalfernseher der Welt (1983)

Bis 1987 gehörte SEL zusammen mit anderen auf dem Sektor Telekommunikation in anderen Ländern tätigen Schwesterfirmen zum US-amerikanischen Mischkonzern International Telephone and Telegraph (ITT). ITT verkaufte die Aktien-Mehrheit an den ITT-Telekommunikationsfirmen an die französische Compagnie Générale d’Electricité (CGE), die nach der Zusammenfassung mit den eigenen Telekommunikationsaktivitäten daraus die Alcatel N.V. bildete.

Die Standard Elektrik Lorenz AG wurde 1993 in Alcatel SEL AG umbenannt. Die Aktienmehrheit liegt mit über 99 % bei der Alcatel. Mit der Fusion von Alcatel und Lucent zu Alcatel-Lucent am 1. Dezember 2006 und der Neu-Firmierung beider Unternehmen in Deutschland zur Alcatel-Lucent Deutschland AG entfiel der Zusatz SEL.

Geschichte

Die beiden Stammfirmen des Unternehmens, die Mix & Genest AG und die Telegraphenbauanstalt von C. Lorenz, wurden 1879 bzw. 1880 gegründet. Das erste Patent von Mix & Genest datiert von 1883, das erste Patent von C. Lorenz ist aus dem Jahr 1902.

Das Unternehmen Mix & Genest war wesentlicher Teil der Standard Elektrizitäts-Gesellschaft (SEG), in die auch die Süddeutsche Apparatefabrik (SAF), die 1875 von F. Heller als "Friedrich Heller, Fabrik Elektrotechnischer Apparate" gegründet wurde, integriert wurde. Der technische Schwerpunkt von Mix & Genest bzw. SEG sowie der C. Lorenz AG war der klassischen Fernmelde- bzw. Funktechnik zuzuordnen. Die C. Lorenz AG baute in den 1920er und 1930er Jahren Großsender für den neu gegründeten Rundfunk.

1930 übernahm die International Telephone and Telegraph Company (ITT) die Aktienmehrheit der Mix & Genest AG und der C. Lorenz AG. [2]

Die C. Lorenz AG positionierte sich mit der Übernahme der G. Schaub Apparatebau-Gesellschaft mbH im Jahr 1940 in der Entwicklung und Herstellung von Rundfunkempfängern. Ab dem Jahr 1950 wurden alle Geräte bei Schaub in Pforzheim gefertigt. 1952 wurde das Typenprogramm beider Unternehmen verschmolzen und der Lorenz-Radio-Vertrieb in die Firma Schaub integriert. Ab 1955 wurden die Geräte unter dem Namen Schaub-Lorenz vertrieben.

1956 wurde das Unternehmen SEG in Standard Elektrik AG umbenannt. Ebenfalls 1956 wurde ein Kabelwerk gegründet. Wesentlicher Motor für das 1957 gegründete Informatikwerk war Karl Steinbuch, der von 1948–1958 dem Unternehmen, zuletzt als Technischer Direktor und Leiter der Zentralen Forschung, angehörte.

1958 erfolgte die Vereinigung der Standard Elektrik AG mit der C. Lorenz AG zur Standard Elektrik Lorenz AG (SEL).

Die Standard Elektrik Lorenz AG übernahm 1961 die Graetz KG. Die Firmenteile Schaub-Lorenz und Graetz waren zusammen mit einem Bildröhrenwerk Bestandteil der Unternehmensgruppe Audio Video der SEL AG, die 1979 als Audio-Video-Elektronik in die ITT ausgegliedert wurde. Die Produkte, die unter anderem Fernsehgeräte, Radios, Autoradios, Kassettenrecorder, Weltempfänger und Lautsprecherboxen umfassen, wurden fortan unter dem Namen ITT Schaub-Lorenz vertrieben.[2]

Versuche, auf dem neuen Gebiet der Raumfahrt-Elektronik Fuß zu fassen, waren auf folgende Produkte beschränkt:

SEL entwickelte zu Beginn der 1970er Jahre das Präzisionsanflugverfahren SETAC. Dieser Unternehmensbereich wurde im Jahre 1987 von der finnischen Firma Nokia übernommen.

1976 hatte SEL ein Grundkapital von 357 Mio. DM bei 33.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 2,6 Mrd. DM.

1983 stellte SEL auf der Internationalen Funkausstellung Berlin 1983 mit dem ITT Digivision den weltweit ersten Fernseher mit digitaler Signalverarbeitung vor.[3]

2003 wurden die Markenrechte am Namen Schaub Lorenz an die italienische General Trading SpA verkauft. Die neugegründete Schaub Lorenz International GmbH vertreibt seitdem unter dem alten Markennamen Schaub-Lorenz importierte Konsumelektronik aus dem unteren Preisbereich.[4]

Einzelnachweise

  1. Sicherheit braucht starke Partner. Seite 18 (PDF; 1.009 KB). Thales Deutschland, 31. August 2009, abgerufen am 27. Januar 2011.
  2. a b ITT Geschichte. ITT Deutschland, abgerufen am 27. Januar 2011.
  3. Vorteil im Verborgenen. In: Der Spiegel. Nr. 41, 1983 (10. Oktober 1983, online).
  4. Selbstdarstellung Schaub Lorenz Deutschland GmbH. Abgerufen am 30. November 2009.

Weblinks


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