Standards, Vol. 2


Standards, Vol. 2
Standards, Vol. 2
Studioalbum von Keith Jarrett
Veröffentlichung 1985
Aufnahme 1983
Label ECM Records
Format CD, LP
Genre Jazz

Besetzung

Produktion Manfred Eicher
Studio Power Station New York City
Chronologie
Standards, Vol. 1
1983
Standards, Vol. 2 Changes
1983

Standards, Vol. 2 ist ein Jazzalbum von Keith Jarrett, aufgenommen im Januar 1983 und im Jahr 1985 von ECM Records veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Das Album

Mit dem Schlagzeuger Jack DeJohnette hatte Jarrett schon im Charles Lloyd Quartett 1966 und bei Miles Davis 1970/71 zusammengearbeitet. Daraus erwuchs das erste Album, das Jarrett für das ECM-Label aufnahm, "Ruta & Daitya"[1] Im Februar 1977 kooperierten die drei Musiker erstmals bei Gary Peacocks Album "Tales of Another", in dem sich das Spiel des späteren "Standards"-Trios schon andeutete: Verblüffend bleibt das enorme Verständnis, das die Musiker füreinander aufbringen, schrieb Jarrett-Biograph Andresen zu diesem Album. Im Januar 1983 wird auf Initiative Jarretts eben dieses Trio für die Einspielung der beiden "Standards"-Alben und der LP "Changes" (mit Eigenkompositionen des Pianisten) wiederbelebt.[2] Schon bei seinen vorangegangenen Solo-Auftritten nutzte Keith Jarrett den Zugabenteil, um über Jazz-Standards zu improvisieren. Kurze und melodische meist sehr eingängige Lieder fordern auch ihn zur melodischen Ausgestaltung heraus. Jarrett sah für sich drei Gründe, die ihn veranlassten, Standards zu spielen:

Punkt eins ist, dass an die Nicht-Vereinahmbarkeit von Musik erinnert werden muss, wie an die Standards aus dem Repertoire anderer Musiker. Die zweite Sache ist, dass der Respekt vor der Musik, die nicht die eigene ist, den Zugang zu dieser ermöglicht. Zum dritten haben wir drei diese Musik an ähnlichen Punkten unseres Lebens gespielt und hatten auch ähnliche Erfahrungen. Wir sind mit diesen Liedern herangewachsen; sie haben uns angeschubst und wurden zu einer Sprache, die wir nie wieder vergessen werden.[3] Jarrett sagte weiter zu der Verständigung mit seinen Mitmusikern: Wir hatten eigentlich keinen Zweifel, wie wir diese Lieder spielen könnten. Wenn es Zweifel gab, dann höchstens darüber, wie weit wir dabei kommen könnten - und das lag in meiner Verantwortung, weil die Sache meine Idee war. Doch es war wichtig, dass wir nicht darüber redeten, weil die gemeinsame Sprache ja längst geteilt wurde. Und diese Sprache war wohl der Einstiegspunkt für jeden von uns...

Schon Jarretts erstes Trio übernahm nicht nur die klangliche und gestalterische Ausgewogenheit, die Bill Evans in seinem Trio mit Scott LaFaro und Paul Motian vorgegeben hatte, sondern führte sie in seltener Konsequenz fort, notiert Andresen zu diesen Alben. Das Trio Jarrett/Peacock/DeJohnette treibt bei aller Spontaneität dieses Moment der Gleichberechtigtheit, ja Gleichgewichtigkeit neuerlich auf einen Gipfel an gelebter Musikalität.

Werner Burkhardt, der die Session beobachtete, urteilte später:[4] „Kein Zweifel, die Beschäftigung mit der Tradition hat Keith Jarrett eine neue Sicherheit im Umgang mit der eigenen Freiheit gegeben“.[5]

Bei der Aufnahmesitzung des Trios, deren Ingenieur Jan Erik Kongshaug war, wurde Material für drei Alben eingespielt. Die Titel Meaning of the Blues, All the Things You Are, It Never Entered my Mind, The Masquerade Is Over und God Bless the Child erschienen auf „Standards, Vol. 1“ (ECM 1255). Die Jarrett-Kompositionen Flying und Prism wurden auf dem Album „Changes“ (ECM 1276) veröffentlicht. Erst später wurde der Rest der Session als „Standards, Vol. 2“ veröffentlicht, enthält mit dem Titel So Tender aber auch eine Originalkomposition von Jarrett. Einige der anderen Stücke auf diesem Album sind im Vergleich zu „Vol. 1“ weniger bekannte Standards. In einem Gespräch, das in der französischen Zeitung Jazz Hot erschiend, weist Jarrett insbesondere auf Never Let Me Go hin, das das melodiöseste Stück sei, dass er jemals durch ein Trio interpretiert gehört habe. Für sein Spiel 1983 orientierte er sich aber nicht an der Fassung von Bill Evans, sondern einer Vokalversion von Nancy Wilson.[6]

Die Titel

  • Das Album "Standards Vol. 2" (ECM 1289) enthält folgende Titel:
  1. So Tender (Keith Jarrett) 7:15
  2. Moon and Sand (Alec Wilder, William Engvick, Mortimer Palitz) 8:55
  3. In Love In Vain (Jerome Kern, Leo Robin) 7:06
  4. Never Let Me Go (Raymond Evans, Jay Livingstone) 7:42
  5. If I Should Lose You (Ralph Reunger, Leo Robin) 8:29
  6. I Fall In Love So Easily (Sammy Cahn, Jule Styne) 5:12

Auszeichnungen

Anders als die beiden anderen Alben, die aus der Aufnahmesession hervorgingen, wurde „Standards, Vol. 2“ sowohl von Hi-Fi Vision als auch vom Jazz Life Magazine als Platte des Jahres gewürdigt.[7] Cook und Morton zeichnen sie im Penguin Guide to Jazz mit der Höchstnote aus.

Nachwirkung der Session 1983

Mit dieser Session begann eine lange Reihe von Plattenveröffentlichungen sowie Konzertmitschnitten des Trios aus Jarrett, Peacock und DeJohnette, für das sich bald die Bezeichnung "Standards Trio" herausbildete. Abgesehen von einem Auftritt im Village Vanguard 1983 ging das Trio aber erst ab 1985 mit Standards auf Tournee, da Jarrett sich 1984 auf die Interpretation klassischer Klaviermusik konzentrierte.[8] Bis auf ein kurzes Gastspiel von Paul Motian 1994 (At the Dear Head Inn) blieb die Besetzung des Trios konstant.

Literatur/Quellen

  • Ian Carr: Keith Jarrett. The man and his music. GraftonBooks, London 1991, ISBN 0-246-13434-8
  • Uwe Andresen: Keith Jarrett - Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten. Gauting, Oreos (Collection Jazz) ca. 1985
  • Richard Cook & Brian Morton: The Penguin Guide to Jazz on CD (6. Auflage), ISBN 0-14-051521-6

Anmerkungen

  1. Aufgenommen im März 1971, allerdings nicht auf Initiative von Manfred Eicher, sondern weil den beiden, die damals mit Davis in Los Angeles waren, ein Freund im „Sunset Studio“ anbot, sie während freier Zeit aufzunehmen. "Facing You" wurde als Eicher-Produktion in Oslo im November 1971 aufgenommen und vor "Ruta & Daitya" veröffentlicht. Vgl. I. Carr, Keith Jarrett, S. 56, 60,
  2. Jarrett hatte Eicher vorgeschlagen, in dieser Besetzung ein Album mit Jazz-Standards aufzunehmen, was insbesondere Peacock zunächst befremdete. Vgl. I. Carr, Keith Jarrett, S. 144
  3. zit. nach Andresen, S. 172
  4. Seine Reportage "Die Wahrheit des Ekstatikers. Keith Jarrett spielt in Manhattan Jazz-Standards ein" erschien zunächst 1991 in der Süddeutschen Zeitung und ist in dem Buch "Klänge Zeiten Musikanten" (Oreos, Waakirchen 2002) enthalten
  5. zit. nach Andresen, S. 174
  6. Nach I. Carr, K. Jarrett, S. 147
  7. Vgl. Internet-Diskographie von K. Jarrett
  8. I. Carr, K. Jarrett, S. 148

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