Start-Stopp-System


Start-Stopp-System

Ein Start-Stopp-System, auch Start-Stopp-Automatik, ist ein automatisch arbeitendes System zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs in Standphasen (z. B. bei einem Ampelstopp) von Kraftfahrzeugen, somit besonders im Stadtverkehr. Es wird in mehreren PKW-Modellen, aber derzeit (Stand: Mai 2011) nicht bei Lastkraftwagen und Krafträdern eingesetzt.

Laut Schätzung des ADAC können solche Systeme zwischen 2 und 3 Prozent Kraftstoff einsparen, laut BMW im reinen Stadtverkehr deutlich mehr.[1] Siemens hat bei einem Vergleich zweier Systeme im gleichen Versuchsfahrzeug Einsparungen von 4 bis 7 % ermittelt.[2] Nach Herstellerverbrauchsangabe beträgt der Verbrauchsvorteil beim Opel Agila B jedoch nur ca. 2 % im Testzyklus.

Inhaltsverzeichnis

Funktionsweise

Systeme bis ca. 2000

Um nach den Erdölschocks eine Kraftstoffeinsparung bei ansonsten unveränderten Motoren realisieren zu können, wurde Anfang der 1980er Jahre die Start-Stopp-Automatik von Audi bzw. VW vorgestellt. Hierbei kann der Motor per Knopfdruck ausgeschaltet werden, ohne die Zündung auszuschalten. Voraussetzung war, dass der Motor bereits die Betriebstemperatur erreicht hatte. Bei Betätigung der Kupplung wurde der Motor durch den Anlasser ohne Zündschlüsselbetätigung wieder gestartet. Dieses System, welches mit weiteren Maßnahmen wie einer elektronischen Schalt- und Verbrauchsanzeige, Aerodynamikpaket und 5-Gang-Getriebe mit besonders lang übersetztem fünften Gang (als 4+E bezeichnet) kombiniert wurde, arbeitete zwar zuverlässig, fand aber nicht viel Kundenakzeptanz.[3] Eingesetzt wurde es beispielsweise beim VW Santana und beim Audi 100 C2. Einen ähnlichen Weg ging 1987 auch der italienische Hersteller Fiat: Der Regata 70 ES (ES für Energy Saving) besaß einen Ausschalter für den Motor und konnte mittels Gaspedaldruck wieder gestartet werden. Der Opel Ascona C verfügte seit 1985 ebenfalls über eine Start-Stopp-Automatik und ein Schongetriebe. Die Funktionsweise ist die gleiche wie bei Audi und VW.

Es gab das System Anfangs der Siebzigerjahre von einem Schweizer Hersteller zum nachträglichen Einbau. Nach einer anfänglichen Erfolgswelle ist es aber sehr schnell wieder vom Markt verschwunden.

Systeme ab ca. 2000

1999 griff der Volkswagen-Konzern in den Niedrigenergiefahrzeugen VW Lupo 3L und Audi A2 3L das Konzept eines Start-Stopp-Systems wieder auf. Diese Funktion wurde mit dem serienmäßigen automatisierten Schaltgetriebe kombiniert. Die automatische Motorabschaltung erfolgt hierbei nur im Economy-Modus der Getriebeautomatik, falls die Fußbremse länger als drei Sekunden betätigt bleibt. Neben verschiedenen Temperaturvorgaben (Außen-, Ansaugluft- und Kühlmitteltemperatur) musste auch das Abblendlicht ausgeschaltet sein, damit dieses System funktioniert.

Eine neue Generation von Start-Stopp-Systemen folgte in den 2000er Jahren. In Folge der Diskussion zur Klimaerwärmung wie auch strengeren Gesetzesvorgaben für den CO2-Ausstoß bei Kraftfahrzeugen bieten viele Automobilhersteller seit dem Start-Stopp-Systeme an. Dabei wird oft mit der Bezeichnung „blue“ oder „eco“ teilweise im Zusammenspiel mit weiteren Komponenten bei der Fahrzeugbeschreibung hingewiesen (u.a. BlueEFFICIENCY bei Mercedes-Benz, BlueMotion – früher auch Ecomatic – bei Volkswagen, GreenLine bei Škoda, Blue Drive bei Hyundai und ECOnetic bei Ford, ecoFLEX bei Opel – allerdings gibt es auch Opel-ecoFLEX-Modelle ohne Start-Stopp-System – oder EfficientDynamics bei BMW, PUR O2 bei Fiat, micro hybrid drive beim smart oder e-HDi bei PSA Peugeot Citroën).

Moderne Systeme schalten den Motor beim Einlegen des Leerlaufs und Lösen der Kupplung aus. Wird das Kupplungspedal betätigt, startet der Motor wieder. Diese Systeme wirken nur bei Einhalten einiger Temperaturvorgaben (Motor, Außentemperaturen in einem bestimmten Bereich z. B. zwischen 3 °C und 30 °C). Die Systeme funktionieren nicht, wenn zum Beispiel die Batterie stark entladen ist, wenn die Innentemperatur noch nicht den mittels Klimaanlage vorgewählten Wert erreicht hat, nicht mehr genügend Unterdruck im Bremskraftverstärker vorhanden ist oder im Heizbetrieb. Auch das Öffnen des Gurtschlosses bzw. der Motorhaube oder Fahrertür führt zum Ausbleiben des automatischen Motorstopps. Wenn der Motor abgestellt ist, wird außerdem ein automatischer Motorstart ausgeführt, wenn die Batteriespannung sehr niedrig ist, oder kein Unterdruck im Bremskraftverstärker mehr vorhanden ist, oder wenn man das Fahrzeug bergab anrollen lassen möchte.[4][5]

In Kombination mit Start-Stopp-Systemen verwenden einige Fahrzeughersteller kräftigere Anlasser und Batterien mit erhöhter Kapazität.

Andere Bezeichnungsweisen

In Betriebsanweisungen für Opel-Modelle wird das Start-Stopp-System als Stopp-Start-Automatik bezeichnet. Das ist insofern zutreffender, als nur die Motorabschaltung völlig automatisch erfolgt.

Einzelnachweise

  1. Motor ausschalten bei Rot – Kurzer Dreh hilft Spritsparen. N24, 30. Juli 2008, abgerufen am 12. Juli 2010: „Für seine Start-Stopp-Automatik habe BMW im EU-Testzyklus eine Ersparnis von drei Prozent ermittelt. „Im reinen Stadtverkehr ist das deutlich mehr.““
  2. Rampeltshammer, Beer, u.a.: Benzin-Direkt-Einspritzer und Starter-Generator - Praktische Erfahrungen und Messergebnisse mit einem Versuchsfahrzeug; Tagung „Hybridantrieb – die Zukunft des Automobilantriebs?“; 16.–17. Juni 2005, Berlin
  3. http://home.arcor.de/tilmangrund/page_formele.html
  4. BMW 1er Start Stop 2007: Ausführliche Informationen und technische Details
  5. Pdf-Dokument zum BMW-Aftersales Training: MSA Motor-Start-Stopp-Automatik auf den Seiten der HS Augsburg

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