Steinbeil (Steinzeit)


Steinbeil (Steinzeit)
Fibrolith- und Jadeitbeile aus der Jungsteinzeit, Bretagne
Beil der Pfyner Kultur mit Flügelholmschäftung (Replik)

Das Steinbeil ist ein überschliffenes Beil aus kristallinem Gestein oder Feuerstein. Steinbeile gehörten zu den wichtigsten Werkzeugen der europäischen Jungsteinzeit. Trotz der wachsenden Bedeutung metallischer Werkstoffe gab es sie bis weit in die Bronzezeit.

Inhaltsverzeichnis

Begriffe

Im archäologischen Zusammenhang wird ein Steinkörper ohne Schaftloch Beil, ein Steinkörper mit Axtloch dagegen Axt genannt. Bei den Beilen erfolgt die Schäftung durch Aufbinden auf ein Holz (Knieholmschäftung) oder durch Einstecken des Beils in einen Holm oder in ein Zwischenfutter aus Geweih (meist vom Rothirsch), das dann wiederum in den Holzschaft gesteckt wird. Die Aufteilung in Axt und Beil erfolgt unabhängig vom Material (Stein, Bronze, Eisen), der Handhabung (ein- bzw. zweihänding) und der Verwendung. Problematisch an der Terminologie ist die Tatsache, dass im archäologischen Zusammenhang fast ausschließlich die Beilklingen gefunden werden, deren Schäftung nicht immer rekonstruierbar ist. So werden von den Beilen die Dechsel abgegrenzt, deren Klingen quer zur Schäftung stehen (daher auch „Querbeil“ genannt).

Verbreitung

Beile und Dechsel wurden bereits in der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) benutzt. Aus dieser Zeit sind ungeschliffene Feuersteinbeile erhalten (Kern- und Scheibenbeile), die wahrscheinlich mit organischen Material an einem Schaft befestigt wurden, oder – wie Funde aus Hohen Viecheln belegen – ähnlich jungsteinzeitlichen Beilen in einem Zwischenfutter aus Geweih saßen.

Mesolithische geschliffene Beile sind selten, finden sich aber unter anderem im irischen Spätmesolithikum[1] und in Norwegen.

Ab dem Neolithikum wurden Beile aus geschliffenem oder überschliffenem Stein verwendet. Das typische Querbeil der Bandkeramik war der so genannte Schuhleistenkeil. Seit dem Jungneolithikum werden Metallformen in Stein nachgeahmt. In manchen Gegenden waren Steinbeile bis in die Bronzezeit in Gebrauch bzw. kamen in Form der Walzenbeile erneut auf.

Verwendung

Steinbeile waren Holzbearbeitungsgeräte, sicherlich auch Waffen und Prestigeobjekte. Besonders die Jung- und Endneolithischen Beile (Hammer- und Streitäxte) werden meist als Waffen gedeutet. Von der Bedeutung als Prestigegüter zeugen zum Beispiel die weit verbreiteten Beile aus Jadeit vom Monte Viso während des Jungneolithikums.[2] Diese Beile aus Steinbrüchen in den Westalpen wurden weit gehandelt und gelangten bis in die Bretagne und nach Großbritannien (Sweet-track jade)[3].

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. P.C. Woodman, E. Anderson, N. Finlay: Excavations at Ferriter's Cove, 1983-95: last foragers, first farmers in the Dingle Peninsula (Bray, Co. Wicklow). Dublin, Wordwell 1999
  2. Pierre Pétrequin, M. Errera, A. M. Pétrequin und P. Allard, The neolithic quarries of Mont Viso (Piedmont, Italy). Initial radiocarbon dates. European Journal of Archaeology 9 (1), 2006, S. 7-30
  3. http://www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_vorgeschichte/fund_des_monats/2008/januar/

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