Steinleger


Steinleger
Verlegung von Pflastersteinen in Prag.

Pflasterer, schweizerisch Pflästerer, auch Steinsetzer, Pflastersetzer oder Steinleger, ist ein Handwerksberuf des Bauwesens, in dem man sich mit der Verlegung von Pflaster in Straßenbau, Tiefbau und anderen Bauunternehmen beschäftigt.

Der Beruf ist heute meist als berufliche Grundbildung vorgesehen.

Inhaltsverzeichnis

Berufsbild

Der Steinsetzer (aus Was willst du werden, um 1880)

Der Pflasterer stellt Pflasterungen für Verkehrsflächen, Gehsteige, Fußgängerübergänge, Hauseinfahrten, Parkplätze, Wege und Plätze und Randbegrenzungen zu anderen Flächen her, wie auch zierendes Mosaikpflaster. Dazu verwendet er Pflastersteine und Verlegeplatten aus Natur- und Kunststeinen. Neben der Verlegearbeit selbst (planes und plangemäßes Verlegen, Einsanden/Verfugen, Endreinigung) gehört auch das Übertragen des Verlegeplans auf die Rohplanie und Herstellen des Unterbaus (Betonuntergründe, Kiesbett, Verlegesand, Verlegen der Entwässerung und Unterbauverdichtung) zum Arbeitsfeld. Weiters werden auch Steintreppen und Tröge vom Pflasterer versetzt und, wie auch Böschungspflaste und Wildpflaster in der Flussverbauung, und Ausbesserungs- und Instandsetzungsarbeiten durchgeführt. Auch Einrichten und Absichern der Baustelle liegt in seinem Verantwortungsfeld.

Neben Kenntnissen im Umgang mit den Materialien Stein, Beton und Gesteinskörnung, Herstellung von Versatzmörteln und Umgang mit elementaren Handwerkzeugen des Baugewerbes: Schaufel, Hacke/Krampen, Klein- und Großsteinhammer, Richthammer (Bossierhammer, ein Spezialhammer zum Behauen der Steine), Meißel, Kelle, Betonmischmaschine, aber auch Messgeräte wie Visierkreuz, Wasserwaage, Maßband, Zollstab, Richtschnur), sowie mit dem Spezialwerkzeug des Pflasterers, dem Pflastererhammer (Versatzhammer, ein Gummihammer), und dem Pflasterzangen. Zusätzlich kommen heute auch zahlreiche Spezialmaschinen wie Rüttelwalzen, Presslufthammer, Verlegmaschinen, Stoßwerkzeug, Plattenvibrator, Schwammputzmaschine, Betonschneidemaschinen, Straßenwalze und Bagger zum Einsatz, zu deren Bedienung meist berufliche Weiterbildung möglich ist. Aber auch Kenntnisse in der Tradition des Steinlegerhandwerks, und der Vielfalt der Versetzmethoden und der zahlreichen Versetzmuster zeichnen die Qualifikation aus.

Wie viele Bauberufe ist dieser Beruf körperlich anstrengend und den Wetterbedingungen ausgesetzt, und meist auch Saisonarbeit. Der Beruf erfordert trotz Anstrengung auch Geduld und Genauigkeit, Sorgfalt mit oft hochwertigem Steinmaterial, sowie Teamfähigkeit und Umsicht in der Arbeit mit Kollegen und anderen Fach- und Hilfskräften des Bautrupps.

Das Berufsfeld umfasst Anstellungen in Gewerbebetriebe (Bauunternehmen, Tiefbauunternehmen), Straßenbaufirmen mit Pflastererberechtigung und Autobahn- und Straßenmeistereien. Die Arbeit erfolgt meist in spezialisierten Kleinbetrieben, und in Ballungsräumen, wo sich vielfältigere Gestaltung des öffentlichen Raums findet. Daneben ist auf freiberufliche Tätigkeit möglich.

Berufsaussichten sind für Pflasterer durch die immer notwendigen Instandhaltungsarbeiten (z. B. in der Altstadtsanierung) und die für die Gliederung des Verkehrsraumes noch immer unersetzlichen Einsatzbereiche relativ günstig, vor allem qualifizierte FacharbeiterInnen mit Freude an gestalterischer Arbeit sind sehr gefragt. Der Beruf ist fast ausschließlich ein Männerberuf.

Geschichte

Straßenpflasterung, römisch, 1. Jh. n. Chr., Herculaneum

Pflasterungen sind archäologisch ausgezeichnet befundet, weil sie dazu bestimmt sind, vor Ort stabil zu liegen und den Witterungen zu trotzen, und damit zu den haltbarsten menschlichen Bauwerken gehören. Früheste Belege finden sich schon an steinzeitlichen Kultplätzen, zu den frühen Meisterleitungen zählen Prachtstraßen und Tempelplätze aller Hochkulturen, und ebenso Fernstraßen, wie die Römerstraßen, historische Hochgebirgsübergänge oder die Inkatrails.

Seit der Entwicklung des Verkehrs mit dem Wagen sind die Anforderungen an das Pflaster hoch, es muss dauerhaft hoch belastungsfähig sein, und trotzdem plan genug, um Fußgänger oder Pferd nicht zu gefährden. Daher entwickelt sich das Handwerk des Pflasterers schon früh zu einem eigenständigen Beruf. In der griechischen Antike heißt er lithostrata ‚Steinschichter‘, noch als Sammelbegriff für Pflasterer und Fliesenleger, und verlegt etwa den Stylobat des griechischen Tempels. Lateinisch steht bis in das Mittelalter lapidator (in Abgrenzung zum lapicida ‚Steinhauer‘, oder lapidāriusSteinmetz‘), sowie silicārius (zu silexKieselstein, harter Stein‘, vergl. Silicium), und schon früh auch viārius speziell für ‚Straßenbauer‘.

Bis zur Erfindung des Straßenasphalts (in den 1840ern hatte man mit Kautschuk experimentiert) war das Pflaster über Jahrtausende die einzige Möglichkeit, Verkehrswege staubfrei zu betreiben. So heißßst der Pflasterer französisch paveur, englisch paver (plasterer ist ein falscher Freund, und nicht der Pflasterer, sondern der Stukkateur, vergl. plastisch, Plastik), und pavement, wörtl. ‚das Gepflasterte‘, heißt heute Gehsteig, weil es ursprünglich die neben der staubigen Straße gepflasterte Fußverkehrsfläche des 19. Jahrhunderts war. Daneben ist auch der Wasserbau immer ein Tätigkeitsfeld gewesen, in den Bereichen, wo primär Dämme und Deiche gegen Hochwasser und Brandung steinbelegt wurden, findet sich die Bezeichnung Dammsetzer.

Die Methoden, Pflaster zu verlegen, sind schon in der Antike ausgereift, und haben sich seither nicht nennenswert verändert, und sind auch in ihrer handwerklichen Tradition kaum unterbrochen. Kleinere Neuerungen umfassen nur die Verwendung von Betonformsteinen anstelle von Terrakotta (italienisch unterscheidet man lastricare ‚mit Naturstein Pflastern‘ und ammattonare ‚mit Backstein pflastern‘), zementgebundene Versatzmörtel statt Hydraulkalken (Trasse, Pozzulane), und den Einsatz von Silikonen und Acrylen anstelle bituminöser Fugenmassen. Daneben ist auch der maschinelle Einsatz zu nennen, der etwa die Handramme (auch: Jungfer, Pfaffenmütze) und das händische Zwickern ersetzt hat. Ein weiteres heute wenig verwendetes Pflaster ist der Stöckelboden, ein Holzpflaster. Sonst aber ist heute die Arbeitsmethodik gleich, und Pflastern auch als Handarbeit unersetzbar.

Neben dem verkehrs- und wasserbaulichen Aspekt umfasst die Pflasterei auch einen kunsthandwerklichen, der über die gemeinsame Wurzel des Fußbodenmosaiks heute wieder vermehrt zur Arbeit in der ästhetischen Formgebung im gehobenen Bausektor, und auch in der Restaurierung Anwendung findet.

Berufsbildung

Mosaikähnliche Gestaltung in handgeschlagenem Pflaster, Hradec Králové, Tschechien

Der Beruf ist im System ISCO 88 (COM) der Berufsgattung 7122 Maurer, Bausteinmetze (Untergruppe Baukonstruktions- und verwandte Berufe der Hauptgruppe Mineralgewinnungs- und Bauberufe) zugeordnet.[1]

Deutschland: Straßenbauer

In Deutschland ist die Bezeichnung historisch, und ist heute in den Ausbildungsberuf Straßenbauer integriert.

Österreich: Pflasterer/Pflasterin

Das Handwerk Pflasterer[1][2][3] ist ein Lehrberuf. Lehrzeit beträgt 3 Jahre, und schließt mit der Gesellenprüfung als Pflasterer/Pflasterin ab. Aufstiegsmöglichkeiten bestehen in Weiterbildung als Vorarbeiter (Partieführer), Werkmeister, Meister und Bauleiter.

Voraussetzung ist eine abgeschlossene Hauptschule und/oder Polytechnikum. Berufsschulen für den Beruf befinden sich in Wien (Berufsschule für Baugewerbe Wagramer Straße) und Graz (Landesberufsschule 5). Höheren Bildungsabschluss bzw. Höherqualifizierung ist an der Werkmeisterschule für Berufstätige der Fachrichtung Bauwesen (2 Jahre, in Abendunterricht) möglich.

Verwandte Berufe sind Straßenerhaltungsfachmann/-frau (Lehrberuf), Platten- und Fliesenleger (Lehrberuf), Tiefbauer (Lehrberuf), sowie Bautechniker (HTL).

Codenummer ist WK 383 (151 ausgelaufen am 30. Juni 2002).

Schweiz: Pflästerer und Pflästerinnen EFZ

In der Schweiz[4] ist Pflästerer/Pflästerin EFZ ein Grundberuf, und schließt nach 3 Jahren mit dem Eidg. Fähigkeitszeugnis ab.

Voraussetzung ist eine abgeschlossene Volksschule. Ausbildung erfolgt an der Berufsfachschule Verkehrswegbauer in Sursee (Blockkurse insgesamt 22 Wochen, zusätzlich 5 Wochen Schwerpunktausbildung Pflästerung in Alpnach).

Verwandte Berufe sind Gleisbauer/in EFZ, Grundbauer/in EFZ, Industrie- und Unterlagsbodenbauer/in EFZ und Strassenbauer/in EFZ.

Literatur

  • Horst Mentlein: Pflasteratlas. Rudolf Müller, Köln 2007, ISBN 978-3-481-02347-8. 
  • Jörg Katz, Uli Kreh: Pflaster: Kunst die man mit Füssen tritt. Rudolf Müller, Köln 1984, ISBN 978-3-481-14431-9. 
  • Eintrag 2. Pflaster In: J. G. Krünitz (Hrsg.): Oekonomische Encyklopädie. 1773–1858 (uni-trier.de). 

Einzelnachweise

  1. a b Berufsgruppe 7. In: ISCO 88 (COM). Warwick Institute for Employment Research. Abgerufen am 20. Februar 2009. (dt.)
  2. Pflasterer/in. In: Lehrlingsservice : Lehrberufe in Österreich. BMWFJ. Abgerufen am 20. Februar 2009. (links auf Ausbildungsvorschrift II274/02 II177/05 und Prüfungsordnung II274/02 (pdf))
  3. Berufsbeschreibung Pflasterer/Pflasterin (Lehrberuf). In: BIC-BerufsInformationsComputer. WKO Wirtschaftskammer Österreich, IBW Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft. Abgerufen am 20. Februar 2009.
  4. Beruf: Pflästerer/Pflästerin EFZ (Grundbildung/Grundberuf). In: Berufe und Ausbildungen. berufsberatung.ch. Abgerufen am 20. Februar 2009. (dt.)

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