Steinsalzbergwerk Wilhelmsglück


Steinsalzbergwerk Wilhelmsglück
Lore und Infotafel vor dem ehemaligen Eingang zur Grube

Das königlich-württembergische Steinsalzbergwerk Wilhelmsglück war das erste Steinsalzbergwerk Mitteleuropas und wurde 1824 nahe Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg erschlossen. Der Name „Wilhelmsglück“ bezeichnet König Wilhelms I. große Freude bzw. Glück über die Entdeckung des Salzflözes.

Inhaltsverzeichnis

Chronik

Vorgeschichte

In Deutschland wurde Anfang des 19. Jahrhunderts Salz in sogenannten Salinen gewonnen, bei denen die aus natürlichen Quellen austretende Sole zu Speisesalz weiterverarbeitet wurde. Diese Methode war trotz hoher Unterhaltungskosten sehr effektiv, weshalb König Wilhelm I. immer wieder Bohrungen nach weiteren Solequellen anordnete. Als am 1. September 1815 nach erfolgreichen Bohrversuchen in Jagstfeld eine weitere zuverlässige Solequelle in Betrieb genommen wurde, war die Freude groß. Als jedoch ein halbes Jahr später in 142 m Tiefe die ersten Stücke von reinem Steinsalz zutage kamen, war die Freude noch viel größer und das Werk wurde ausgebaut. Zum Gedenken an seinen Vater nannte König Wilhelm das Werk „Friedrichshall“. Vom Erfolg in Jagstfeld angespornt und mit dem Ziel, in Deutschland Steinsalzlager bergfachmännisch abzubauen, wie bereits aus vorgeschichtlicher Zeit bekannt in Tirol und Polen, wurden in Baden-Württemberg weitere Bohrungen nach Steinsalzlagern vorgenommen. Wie sich dann im Mai 1819 ergab, waren diese auch bitter nötig gewesen, in Friedrichshall waren Wasserzuflüsse aufgetreten, die den bergfachmännischen Salzabbau erst einmal unmöglich machten.

Nach einigen erfolglosen Versuchen in und um Schwäbisch Hall wurden dann 1822 nahe Uttenhofen bei Schwäbisch Hall Bohrungen vorgenommen, welche sich alsbald als erfolgreich erwiesen, als man in ca. 100 m Tiefe ein Salzflöz von 6 m Dicke entdeckte. 1824 dann konnte das Werk in Betrieb genommen werden, König Wilhelm war glücklich, „Wilhelmsglück“ entstand.

Bergarbeit

Die Arbeit im Bergwerk war körperlich anstrengend, die Bergleute kamen täglich mit Sprengstoffen wie Salpeter in Berührung und sahen von ihrer Arbeit auch nicht besonders viel, die einzige Beleuchtung die sie hatten, war eine dürftige Öllampe, die sogenannte Grubenlampe, deren Unterhalt sie auch noch selbst finanzieren mussten, was sich bei einem Schichtlohn von 1,40 bis 1,60 Mark mit 10 bis 15 Pf pro Arbeiter beträchtlich auf den Geldbeutel auswirkte.

Trotz der schlechten Arbeitsbedingungen wuchs die Arbeiterzahl, 1847 waren 94 Arbeiter beschäftigt, in der Blütezeit Wilhelmsglücks Ende der 1850er Jahre arbeiteten 150 Männer im Bergwerk. Zu dieser Zeit waren zudem noch 500 Leute wie zum Beispiel Weber, Fuhrleute und Kübler Arbeitsbedingt von Wilhelmsglück abhängig. Danach ging es allerdings mit der Arbeiterzahl stetig bergab.

Denkmal für die Opfer des Unglücks auf dem Westheimer Friedhof

Explosionsunglück

1879 kam es dann zu einem verhängnisvollen und einschneidenden Ereignis in der Geschichte Wilhelmsglücks. Am Morgen des 15. Dezembers sammelten sich die damals ungefähr 80 Arbeiter zum allmorgendlichen Beten, Umziehen und Aufwärmen in der sogenannte „Schachtstube“. Aufgrund der Kälte war der Ofen stark angeheizt und kurz nachdem schon einige Bergarbeiter den Raum verlassen hatten, um ihre Schicht anzutreten, schlug eine Stichflamme in die Höhe, die später 21 Menschen das Leben kosten sollte: Die in Panik geratenen Arbeiter stürmten auf die Tür zu, keiner von ihnen hatte in der Hektik bedacht, das sich diese nur nach innen öffnen ließ. Den hinzueilenden Helfern bot sich nach Öffnen der Tür ein schrecklicher Anblick: sie fanden 10 fast vollständig verbrannte Leichen und 14 Schwerverletzte, von denen ebenfalls 11 später ihren Verletzungen erlagen. Der an sich harmlose Brand war schnell gelöscht, doch nun stellte sich die Frage, warum ein harmloser Brand 26 Menschenleben forderte.

Die Erklärung dafür war der trotz ausdrücklichem Verbot in der Schachtstube gelagerte, unter Tage als Sprengstoff gebrauchte Salpeter, der in Berührung mit Feuer explodiert. Wie der Salpeter mit dem Feuer in Berührung kam, ist bis heute ungeklärt, es gibt jedoch zwei von Überlebenden stammende Erklärungen dafür: Die erste besagt, einer der Bergarbeiter hätte einem Kameraden beim Öffnen seines Pulverkistchens geleuchtet und gerade als man diesen noch zur Vorsicht mahnte, stach auch schon die Stichflamme hervor. Die zweite, jedoch später widerrufene Theorie besagt, ein Arbeiter hätte sein Salpetersäckchen auf dem glühend heißen Ofen abgelegt, welches daraufhin Feuer fing und in die Luft ging.

Die Not der ohnehin armen Bergarbeiterfamilien war groß. 13 Frauen hatten ihren Mann verloren, 48 Kinder ihren Vater. In einem Fall hatte eine Frau ihren Mann sowie ihre einzigen beiden Söhne verloren. Im ganzen Land starteten nach Bekanntwerden der Katastrophe Hilfskomitees mit Annahmestellen für Sach- und Geldspenden. Insgesamt wurden über 56.000 Mark für die Hinterbliebenen gesammelt. Gespendet wurde unter anderem auch von Königin Olga von Württemberg. Die Toten wurden auf dem Westheimer Friedhof beigesetzt, wo ihnen auch ein Denkmal gesetzt wurde.

Ende des Bergwerks

Nach dem Unglück wurde die Lage für das Bergwerk Wilhelmsglück zusätzlich schwierig, da in Jagstfeld erneut Bohrungen vorgenommen wurden und die Produktion in Friedrichshall erneut aufgenommen wurde. Die verunglückten Arbeiter wurden nicht ersetzt, so dass 1888 nur noch 52 Männer im Bergwerk arbeiteten. Das 1859 in Betrieb genommene Bergwerk Friedrichshall nahm Wilhelmsglück praktisch die Arbeit, da es am schiffbaren Neckar lag, wo die Arbeit aus wirtschaftlichen Gründen somit viel produktiver war. 1895 arbeiteten schließlich noch 18 Leute in Wilhelmsglück, im Dezember 1899 wurde die Salzgewinnung eingestellt, die Förderung des Salzes am 17. Januar 1900. Die Schließung des Steinsalzbergwerkes Wilhelmsglück erfolgte am 1. Februar 1900.

Das Offenhalten zu Besichtigungszwecken war nicht möglich, da die Pfeilerbauweise des Bergwerks teilweise nicht mehr sehr standhaft war. Die Gebäude wurden größtenteils abgerissen und die Schächte geflutet. An das Bergwerk erinnert heute nur noch das Mundloch, das Grab der Opfer des Unglücks auf dem Westheimer Friedhof und natürlich der kleine Weiler Wilhelmsglück, der trotz Schließung des Bergwerkes und Abriss der meisten Gebäude fortbesteht.

Das 1985 freigelegte Mundloch

Freilegung 1944

Im Auftrag der deutschen Wehrmacht wurde im Frühjahr 1944 mit der Freilegung und Wiederinbetriebnahme des Bergwerks begonnen, vermutlich für die Einlagerung oder eventuell auch Produktion von Wehrmachtsgütern. Zeitzeugen halfen bei der Lokalisierung des inzwischen eingewachsenen Schrägschachtes, mit Hilfe russischer Zwangsarbeiter begann die Freilegung. Mithilfe starker Pumpen wurde das Wasser, mit dem der Schacht seit 1900 vollgelaufen war, über die Wiese in den Kocher abgeleitet. Im Herbst 1944 kam es dann zu einem zum Glück glimpflich verlaufenem Zwischenfall, als ca. 200 m vom Bergwerk entfernt eine Fliegerbombe explodiert. Glücklicherweise war niemand verletzt worden, dennoch wurden die Anwohner noch mehr verunsichert. Nach weiteren Wiederinbetriebnahmearbeiten im Bergwerk wurden die Arbeiten im Januar 1945 abgebrochen, die Schächte liefen wieder voll und das Gelände verwilderte.

Erst 1985 wurde das Mundloch erneut vom Grünzeug befreit, renoviert und mit einem Eisengitter versehen. Dieses Bild zeigt sich auch noch, seither wurden dort keine Arbeiten mehr unternommen.

Schächte

Der Schachteingang des Salzbergwerkes Wilhemsglück war in drei weitere Schächte eingeteilt:

  • Fahrschacht: Dieser Schacht diente den Bergarbeitern als Ein- und Ausstieg. Eine lange Leiter führte die Arbeiter in die Tiefen des Bergwerks.
  • Pumpenschacht: Durch den Pumpenschacht ließ man Süßwasser über das Salz laufen, da teilweise das Salz aufgelöst wurde. Dabei entstanden Bohrlöcher für die Sprengarbeiten. Das Salzwasser wurde wieder durch den Pumpenschacht nach oben gepumpt.
  • Förderschacht: In zwei Gefäßen wurde das Steinsalz mit einer Art Flaschenzug ans Tageslicht transportiert.

Später errichtete man noch den Treppenschacht. Neben einer Treppe zum Heraufsteigen aus dem Schacht gab es nun auch eine Rutsche, die das Einsteigen in den Schacht für die Bergarbeiter schneller und bequemer, gleichzeitig aber auch gefährlicher machte. Das Salz wurde neuerdings in Salzwagen heraus transportiert. Der neue Schacht war so gebaut, dass am Geburtstag Wilhelms um 9:30 Uhr die Sonne durch den Schacht bis auf das Salzflöz schien.

Gebäude

Um den Schacht gab es sieben Betriebsgebäude: Ein Beamtenhaus, in dem das Bergwerk verwaltet wurde, das Schachthaus, in dem die Sprengkörper zusammengesetzt wurden und in dem 1879 das Explosionsunglück passierte. In dem Solereservoir wurde die Salzlösung aufbewahrt, die Werkzeuge der Arbeiter wurden in der Bergschmiede hergestellt. Außerdem gab es ein Laborantenhaus, ein Magazin und ein großes Göpelhaus (Förderanlage). Zudem gibt es noch das Gebäude des ehemaligen Bahnhofes (jetzt Ausweichanschlussstelle) an der Bahnstrecke Waiblingen–Schwäbisch Hall.

Abbau

Der Abbau wurde mit der 4 m breiten und 120 m langen Hauptstrecke begonnen. Danach wurde am Anfang und am Ende derselben je ein 4 m breiter und 120 m langer Flügelort vorgetrieben. Die beiden Flügelorte wurden durch einen 4 m breiten Querort, welcher parallel zur Hauptstrecke verlief, verbunden. In dem nun entstandenen Quadrat wurden alle 4 m parallel zu den beiden ersten Flügelorten weitere Flügelorte mit der Breite von 4 m bis zum Querort gegraben. Daraufhin wurden parallel zur Hauptstrecke weitere 4 m breite Querorte, welche durch die Flügelorte verliefen, gegraben. So entstanden viele 4 m lange und 4 m breite Säulen die ¼ des ganzen Bergwerks ausmachten und das ganze Bergwerk vor dem Einsturz sicherten. Die restlichen ¾ des Bergwerks konnten ohne Gefahr abgebaut werden. Weil die Säulen mehr als genug Sicherheit boten, wurden die Orte in den 60er Jahren auf 6 m verbreitet. Diese Art des Abbaus nannte man Pfeilerbau.

Als die erste Ebene (ca. 2 m hoch) ausgebeutet war wurde von meist je einem Bergarbeiter der Ort schräg nach unten gegraben. Die Arbeiter benutzten meist folgende Werkzeuge für den Abbau: Der Hammer der Arbeiter wurde Handfäustel genannt, damit wurde auf den Meißelbohrer geschlagen, dadurch entstanden die Bohrlöcher. Der Treibfäustel war ein Hammer der für schwerere Arbeit benötigt wurde, er war 6–8 Pfund schwer. Die kleinen Steine in den Bohrlöchern wurden mit dem Krätzer, der einem Löffel ähnelte, heraus gekratzt. Wenn das Bohrloch frei genug war, wurde das Pulver mit einem Stampfer hinein gedrückt, mit einer Raumnadel wurde ein Loch für die Rakete in das Pulver gemacht, die Rakete war ein mit Pulverbrei bestrichenes zusammengerolltes Papier, mit einem rausragenden Schwefelfaden. Die Keilhaue diente zum Vorhauen der Bohrlöcher und später zum beseitigen von Unebenheiten.

Literatur

  • Gottlob Jung: Das Steinsalzbergwerk Wilhelmsglück und die letzte Saline Hall.
  • Theo Simon: Salz und Salzgewinnung im nördlichen Baden-Württemberg. Amtliche Nachrichten Michelbach/Bilz, 25. Mai 1996).
49.0652062777789.7459030277778

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