Steirischer Herbst


Steirischer Herbst

Der steirische herbst ist ein internationales Festival für zeitgenössische Kunst, das jährlich im September/Oktober in der Steiermark stattfindet. Er wurde 1968 von Hanns Koren gegründet und ist das älteste und traditionsreichste Festival für „neue“ Kunst in Europa. Zentrale Merkmale des steirischen Herbst sind einerseits die Vernetzung der verschiedenen Kunstdisziplinen (Theater, Bildende Kunst, Film, Literatur, Tanz, Musik, Architektur, Performance, Neue Medien und Theorie), daher die Bezeichnung als Mehr- bzw. Allspartenfestival, und andererseits sein Selbstverständnis als „produzierendes Festival („Originale“ Arbeiten, Uraufführungen und Auftragsarbeiten).

Inhaltsverzeichnis

Künstlerische Leitung / Intendanten

In den ersten Jahren wurde der steirische herbst von Gremien (Programmkuratorium, Direktorium) geleitet, die mit den wesentlichsten Protagonisten des steirischen Kulturlebens besetzt war. Ab 1983 wurden Intendanten bestellt, die für das Programm verantwortlich zeichneten.

  • Peter Vujica (1983-1989)
  • Horst Gerhard Haberl (1990-1995)
  • Christine Frisinghelli (1996-1999)
  • Peter Oswald (2000-2005)
  • Veronica Kaup-Hasler (seit 2006)

Beteiligte Institutionen

An der Gründung des Festivals waren andere steirische Kulturinstitutionen wie das Forum Stadtpark, das Jugendmusikfest Deutschlandsberg und die Steirische Akademie beteiligt. Der ORF brachte seine Programmschiene musikprotokoll (eine Reihe zeitgenössischer Musik) in das Festival ein. Die Grazer Oper, das Schauspielhaus Graz und die Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum waren ebenso von Anfang an eingebunden. Im Laufe der vierzigjährigen Geschichte des Festivals gab es Kooperationen mit zahlreichen anderen steirischen Institutionen (Kunsthaus Graz, Medienturm, Camera Austria, pool, Theater im Bahnhof, Literaturhaus Graz, manuskripte, schreibkraft, Kulturzentrum Wolkenstein, kunsthaus muerz (Mürzzuschlag), K.U.L.M.[1] (Pischelsdorf), Pavelhaus).

Spielstätten

Mit Ausnahme der Jahre 2003 bis 2005 (Helmut-List-Halle) verfügt der steirische herbst über keine eigene Spielstätte und war daher stets gezwungen, neue Räumlichkeiten in der Steiermark zu finden und zu adaptieren. Zahlreiche Produktionen in aufgelassenen Industriehallen, Schwimmbädern, Stollensystemen, Brücken, Schaufensterflächen und sehr häufig in öffentlichen Räumen (auf der Website OFFSITE_GRAZ[2] sind alle Kunstwerke im öffentlichen Raum Graz zu finden) sind die Konsequenz.

Skandal

Oft wird der steirische herbst mit dem Begriff „Skandal“ verbunden: 1975 provozierte Wolfgang Bauers Theaterstück „Gespenster“ ebenso heftige Diskussionen wie 20 Jahre später Werner Schwabs Stücke. Zum 50. Jahrestag des Anschlusses an Hitler-Deutschland ließ Werner Fenz 1988 unter dem Titel „Bezugspunkte 38/88“, Grazer Orte, die während des Nationalsozialismus an exponierter Stelle standen, künstlerisch gestalten. Arbeiten von IRWIN, Bill Fontana[3] sorgten für Aggression und Diskussion, Hans Haackes „Siegessäule“ fiel gar einem Brandanschlag zum Opfer. 1998 sorgte Christoph Schlingensief mit seinem Sandler-Pfahlsitz-Wettbewerb „Chance 2000 für Graz“, die einige Jahre später bei der Biennale in Venedig wiederholt wurde, für Erregung.

Highlights

2003 war – nach Auszeichnungen und Publikumszahlen – das erfolgreichste Jahr des Festivals: Beat Furrers Musiktheater „Begehren“ wurde zur Uraufführung des Jahres, Händl Klaus für sein Stück „wilde“ zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt, insgesamt besuchten über 130.000 Besucher die Produktionen des Festivals. Im Jahr 2007 fand der steirische herbst zum 40. Mal statt.

Literatur

  • herbst. Theorie zur Praxis - Das Magazin zum steirischen herbst. Hg. steirischer herbst, Christiane Kühl, Florian Malzacher, Andreas R. Peternell, steirischer herbst, Graz 2006.
  • Protections. This is not an exhibition – Reader. Hg. Peter Pakesch, Adam Budak, Veronica Kaup-Hasler, Christine Peters, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2006.
  • Golden Years - Materialien und Positionen zu queerer Subkultur und Avantgarde zwischen 1959 und 1974, Hg. Diedrich Diederichsen, Christine Frisinghelli, Christoph Gurk, Matthias Haase, Juliane Rebentisch, Martin Saar und Ruth Sonderegger, Edition Camera Austria, Graz 2006.
  • Stadt. Szenen - Künstlerische Praktiken und theoretische Positionen, Hg. Gabriele Klein, Passagen Verlag, Wien 2005.
  • Brüllen, Hg. Thomas Kussin, Andreas R. Peternell, Annette Sonnewend, Sonderzahl Verlag, Wien 2005.
  • im spiegel - Das herbst-Buch der Bilder, Hg. steirischer herbst, Leykam Buchverlag, Graz 2005.
  • Third Places, Hg. Doris Rothauer, Verlag Revolver, Frankfurt/Main 2004.
  • Brennermania - Die Wolf Haas Sondernummer des Feuilletonmagazins schreibkraft, Hg. Werner Schandor, edition schreibkraft, Graz 2003.
  • Latente Utopien - Experimente der Gegenwartsarchitektur, Hg. Zaha Hadid, Patrik Schumacher, Springer Verlag, Wien/New York 2002.
  • Big Business Literatur - Reflexionen über den Marktwert von Literatur, Hg. Hannes Luxbacher, Andreas R. Peternell, Werner Schandor, Triton Verlag, Wien 2002.
  • Genpool - Biopolitik und Körperutopien, Hg. Theo Steiner, Passagen Verlag, Wien 2002.
  • Jörg Schlick: Gleich scheuen Hirschen in Wäldern versteckt zu leben, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2001.
  • ABBILD - recent portraiture and depiction, Hg. Peter Pakesch, Springer-Verlag, Wien 2001.
  • hers - Video als weibliches Terrain, Hg. Stella Rollig, Springer Verlag, Wien/New York 2000.
  • net_condition. art and global media, Hg. Peter Weibel, Timothy Druckrey, MIT Press, Boston 2001.
  • schwellenchronik der jahrtausendwende - mit randglossen zur angelologie, gerhard rühm, Literaturverlag Droschl, Graz/Wien 2001.
  • Inklusion: Exklusion, Kunst im Zeitalter von Postkolonialismus und globaler Migration, Hg. Peter Weibel, DuMont Verlag, Köln 1997.
  • Kunst als Skandal, Der steirische herbst und die öffentliche Erregung Christine Resch Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1994. (=Beiträge zur Kulturwissenschaft und Kulturpolitik Bd 4).
  • Große Gefühle - Über die Dinge, die sich nicht kaufen lassen. Peter Strasser, ein herbstessay, Hg. steirischer herbst, Residenz Verlag, Salzburg/Wien 1993.
  • America nowhere. Eine Nomadologie der Neunziger - Essays über die Notwendigkeit den Standort zu wechseln, Hg. Horst Gerhard Haberl, Werner Krause, Peter Strasser, herbstbuch drei, Verlag Droschl, Graz 1992.
  • EntdeckenVerdecken. Eine Nomadologie der Neunziger, Hg. Horst Gerhard Haberl, Werner Krause, Peter Strasser. herbstbuch zwei, Verlag Droschl, Graz 1991.
  • auf, und, davon. Eine Nomadologie der Neunziger, Essays über die Notwendigkeit den Standort zu wechseln, Hg. Horst Gerhard Haberl, Werner Krause, Peter Strasser. herbstbuch eins, Verlag Droschl, Graz 1990.

Einzelnachweise

  1. http://www.kulm.net
  2. OFFSITE_GRAZ: http://offsite.kulturserver-graz.at/
  3. Bill Fontana in der englischsprachigen Wikipedia

Weblinks


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