Storm-Klasse


Storm-Klasse
Flag of Norway, state.svg Storm-Klasse
P32 Selis.jpg
Die P32 Selis (vormals P967 Skudd)
Karriere
Bauwerft: Bergen Mekaniske Verksted
Westermoen yard Mandal
Fertigstellung: 1965-1967
Dienstzeit: 1965-2000
Technische Daten
Länge: 36.5 m
Breite: 6.2 m
Tiefgang: 1.8 m
Wasserverdrängung: etwa 140 Tonnen
Antrieb: 2 MTU Dieselmotoren von je 2640 kW
Besatzung: 19-20 Mann
Bewaffnung: 1*76 mm L50 Geschütz von Bofors
1*40 mm L70 Geschütz von Bofors
6 Penguin AShM (ab 1970)
Geschwindigkeit: 36 Knoten

Die Storm-Klasse war eine 20 Einheiten umfassende Schnellbootklasse der norwegischen Marine. Inzwischen sind alle 20 Boote in Norwegen ausgemustert worden, vier Boote tun aber weiterhin in den Baltischen Staaten Dienst.

Inhaltsverzeichnis

Konzeption

Die Storm-Klasse wurde anfangs der 60er-Jahre zur Ergänzung der 22 Torpedoschnellboote der Tjeld-Klasse als so genannte Motorkanonbåter, was auf Deutsch so viel wie Kanonenschnellboot heißt, geplant. Konkret bedeutete dies, dass die 22 Boote der Tjeld-Klasse und die geplanten 24 Boote der Storm-Klasse zusammen kleine Einsatzverbände bildeten, wobei die Tjelds als Hauptbewaffnung drahtgelenkte Torpedos mitführten, während die Storms eine verhältnismäßig schwere Geschützbewaffnung erhalten sollten. In dieser Kombination sollten diese Einsatzverbände die lange Küste Norwegens mit den vielen Fjorden gegen eine mögliche Invasion der Sowjetunion verteidigen.

Die Einsatzpläne wurde größtenteils vom norwegischen Lieutenant Commander Harald Henriksen ausgearbeitet, der später zum Kapitän zur See befördert wurde. Von seiner Hand stammen auch die ersten norwegischen Nachkriegsbauten, die Rapp-Klasse, sowie die späteren Snøgg- und Hauk-Klassen.

Geschichte

Nachdem die Planungsarbeiten abgeschlossen waren, wurde mit dem Bau des Typschiffs, KNM Storm, begonnen. Am 8. Februar 1962 erfolgte der Stapellauf und am 31. Mai 1963 war das Boot vollendet. Daraufhin begannen umfassende Erprobungen, um Schwachstellen des Designs zu entdecken. Nachdem einige kleinere Änderungen vorgenommen worden waren, konnten ab 1965 die ersten Serienboote der norwegischen Marine zulaufen. Aus Kostengründen wurden statt den geplanten 24 nur 20 Einheiten beschafft, welche bis Ende 1967 alle in Dienst gestellt waren. Als eine der letzten Einheiten folgte die P960 KNM Storm, da das Erprobungsboot dieses Namens verschrottet und durch ein Serienboot gleichen Namens ersetzt wurde.

Anfang der 70er-Jahre wurden alle Boote modernisiert.

Nach dem Zerfall des Warschauer Pakts wurden acht Boote ersatzlos außer Dienst gestellt, da ein Konflikt mit der Sowjetunion unwahrscheinlich geworden war. In der Defence Analysis '96 waren geplant, alle 14 Hauk- und 8 Storm-Boote durch einen neuen Schnellboottyp zu ersetzen. Bis 2000 wurden dann aber doch alle Storm-Boote ausgemustert, und auch die Hauk-Boote sollen nur noch im Verhältnis 2:1 durch die neuen Einheiten Skjold-Klasse ersetzt werden. Mit ihrer langen Dienstzeit von Mitte der 60er-Jahre bis ins Jahr 2000, ihrer großen Stückzahl und ihrer starken Bewaffnung bildeten sie lange Zeit das Rückgrat der norwegischen Marine.

Parallel zur Ausmusterung aller 20 Einheiten wurden verschiedene Möglichkeiten für die weitere Nutzung in Betracht gezogen. So konnte ein Boot im norwegischen Marinemuseum in Horten erhalten werden, zwei Boote wurden in der Marinebasis Haakonsvern aufgelegt, drei Einheiten wurden den baltischen Marinen kostenlos überlassen und fünf weitere wurden an diese Länder verkauft. Die restlichen neun Boote wurden verschrottet.

Die bei der Litauischen Marine in Dienst gestellten Einheiten wurden in P31 „Dzūkas“, P32 „Sėlis“ and P33 „Skalvis“ umbenannt. P31 Dzūkas wurde inzwischen endgültig außer Dienst gestellt. Bei der lettischen Marine fahren noch die Boote P01 Linga und P02 Lode, während die Zibens und die Bulta wieder außer Dienst gingen. Die an Estland gespendete P968 Arg diente als Torm und wurde mittlerweile zum Museumsschiff umgerüstet. Die von Lettland und Litauen nicht mehr aktiv genutzten Einheiten werden auch als Ersatzteillager ausgeschlachtet. Bei allen Booten der baltischen Marinen wurde vor der Übergabe jeweils die Raketenbewaffnung abgerüstet.

Technik

Baumaterial

Der Rumpf war, im Gegensatz zu den meisten Schnellbooten deutscher Provenienz, welche aus Schichtholz gefertigt waren, komplett aus Stahl gefertigt. Dies hat den Nachteil, dass die magnetischen Eigenschaften des Stahls Magnet-Minen auslösen können, dafür ist ein solcher Rumpf stabiler und einfacher herzustellen.

Bei den Aufbauten mit ihren charakteristischen abgerundeten Formen setzte man hingegen vollständig auf Glasfaserverstärkten Kunststoff.

Antrieb

Der Antrieb erfolgt über zwei Dieselmotoren von je 2640 kW Leistung. Als Hersteller wurde das deutsche Unternehmen MTU Friedrichshafen gewählt. Dieser Antrieb ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 36 Knoten, was im Vergleich zu anderen Schnellbooten dieser Größe relativ langsam ist. Die Dieselmotoren sind relativ sparsam und ermöglichen so eine verhältnismäßig große Reichweite, was gerade bei den weitläufigen norwegischen Gewässern von Vorteil ist.

Bewaffnung

Gut zu erkennen ist das 76 mm auf dem Vorschiff und die erhöht montierte 40 mm FlaK am Heck. Nur schwer zu erkennen sind die sechs Positionen der abmontierten Penguin-Seezielflugkörper.

Wie oben beschrieben, waren die Boote der Storm-Klasse als Kanonenschnellboote ausgelegt, weshalb sie ursprüngliche nur mit Geschützen bewaffnet waren. Als Hauptwaffe wurde ein Geschütz im Kaliber 76 mm mit 50 Kaliberlängen des schwedischen Rüstungskonzerns Bofors gewählt. Diese Waffe war für Boote dieser Größe eine mehr als adäquate Bewaffnung und war auf dem Vorschiff eingebaut.

Als Sekundärbewaffnung und vor allem zur Luftabwehr wurde am Heck außerdem ein 40-mm-Bofors-Geschütz mit 70 Kaliberlängen eingerüstet.

Als jedoch 1967 ein ägyptisches Boot der Osa-Klasse einen etwa acht Mal größeren israelischen Zerstörer durch Seezielflugkörper versenkte, wurde in allen größeren westlichen Staaten mit der Entwicklung solcher Waffensystem begonnen, so auch in Norwegen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Seezielflugkörpern dieser Zeit war man in Norwegen an einem wesentlich leichteren und kleineren Flugkörper interessiert, der auch von kleinen Schnellbooten und Helikoptern einsetzbar sein sollte. Das Ergebnis war die AGM-119 Penguin, die ab 1970 auf allen Booten der Storm-Klasse nachgerüstet wurden. Konkret hieß dies, dass sechs Penguins am Heck der Boote in Einzelstartern aus Glasfaserverstärktem Kunststoff aufgestellt wurden.

Einheiten der Storm-Klasse

KNM "Arg" (heute PVL "Torm") in Tallinn
Rumpfnummer Name Fertigstellung Schicksal
- KNM Storm 31. Mai 1963 Prototyp, nach den Erprobungen verschrottet
P960 KNM Storm 6. Oktober 1967 verschrottet
P961 KNM Blink 28. Juni 1965 Museumsschiff in Horten (Norwegen)
P962 KNM Glimt 27. September 1965 verschrottet
P963 KNM Skjold Februar 1966 verschrottet
P964 KNM Trygg  ? verschrottet
P965 KNM Kjekk  ? Von Litauen übernommen als P31 Dzukas, ausgemustert
P966 KNM Djerv  ? Von Lettland übernommen als Zibens, ausgemustert
P967 KNM Skudd  ? von Litauen als P32 Selis, aktiv
P968 KNM Arg  ? Von Estland übernommen als Torm, ausgemustert
P969 KNM Steil  ? von Litauen übernommen als P33 Skalvis, aktiv
P970 KNM Brann  ? verschrottet
P971 KNM Tross  ? verschrottet
P972 KNM Hvass  ? Von Lettland übernommen als LVNS Lode, aktiv
P973 KNM Traust  ? Von Lettland übernommen als LVNS Bulta, ausgemustert
P974 KNM Brott  ? verschrottet
P975 KNM Odd  ? verschrottet
P976 KNM Pil  ? Museumsschiff in Haakonsvern
P977 KNM Brask  ? Museumsschiff in Haakonsvern
P978 KNM Rokk  ? verschrottet
P979 KNM Gnist  ? Von Lettland übernommen als LVNS Linga, aktiv

Weblinks


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