Strategischer Bahndamm


Strategischer Bahndamm
Strategischer Bahndamm Richtung Nordwesten hinter Hülchrath.

Der Strategische Bahndamm ist eine niemals fertiggestellte Eisenbahnstrecke zwischen dem Ruhrgebiet und der Südwestgrenze Deutschlands. Namensgebender Teil dieser Eisenbahnstrecke ist ein Bahndamm zwischen Neuss und Rommerskirchen, der für das nördliche Teilstück der Strecke gebaut wurde.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Geplant war ein Verlauf von Neuss über Rommerskirchen, Niederaußem, Horrem, Liblar, Rheinbach und bei Rech zur Ahrtalbahn und weiter bis nach Metz in Lothringen. Nach Wünschen des Militärs sollte die Strecke als strategische Bahn die Eisenbahn-Engpässe Köln und Düsseldorf umgehen.

Umsetzung

Mit dem Bau wurde 1904 begonnen. Nach dem ersten Weltkrieg verhinderte Frankreich 1924 die Fertigstellung. Auf einer Länge von 13 km zwischen Neuss-Holzheim und Rommerskirchen wurde ein Bahndamm mit Brückenbauwerken für den kreuzenden Verkehr errichtet. Ab Rommerskirchen über Niederaußem bis Liblar war die Strecke bereits mit Zügen befahrbar, da hier schon seit einigen Jahren die Bergheimer Kreisbahn verkehrte.

Abschnitte der Trasse (als Bahndamm oder Trog) im Raum Rheinbach/Meckenheim sowie Straßenüberführungen und Eisenbahntunnel bei Ahrweiler wurden ebenfalls fertiggestellt. Für das Viadukt waren die Pfeiler errichtet. Die Bögen waren für die Betonierung bereits eingeschalt, als der Weiterbau stoppte. Schienen waren noch nicht verlegt worden. Einzelne Bahnhofsgebäude waren errichtet, beispielsweise in Altendorf bei Meckenheim, das um 1920 erbaut wurde, als Wohnhaus diente und 1968/69 für den Autobahnbau abgebrochen wurde.

Nutzung

Teilstrecke Neuss-Rommerskirchen

Der Teil des Strategischen Bahndamms zwischen Neuss und Rommerskirchen (Lage51.07896.7083Koordinaten: 51° 4′ 44″ N, 6° 42′ 30″ O) ist heute ein Fuß- und Reitweg und ein Bodendenkmal. Straßen und Feldwege wurden mit Brücken überbaut, um Kreuzungen zu vermeiden. Diese Bauwerke sind ebenso wie der Eisenbahndamm seit circa 80 Jahren weitgehend ungenutzt. An seinem nördlichen Ende liegt die Insel Hombroich.

Teilstrecke Rommerskirchen-Horrem

Heute werden noch zwei Teilstücke dieses Bahnprojektes genutzt. Die Strecke zwischen Rommerskirchen und Niederaußem wird ausschließlich von Güterzügen befahren und dient hauptsächlich dem Anschluss des Kraftwerkes in Niederaußem. Das einzige Teilstück, das von Personenzügen befahren wird, liegt zwischen Bergheim Martinswerk (ehemalige Abzweigstelle, heute Streckenwechsel) und dem Bahnhof Horrem. Dieser Abschnitt wird heute zur Erftbahn gerechnet.

Die Gleise zwischen Niederaußem und Martinswerk fielen dem Tagebau Bergheim zum Opfer, die Gleise südlich von Horrem wurden stillgelegt.

Teilstrecke Liblar-Rech

Strecke Ahrweiler-Rech

Die Trasse zwischen Liblar und Ringen (Lage50.53957.0563) wurde beim Bau der A 61 in die Autobahn einbezogen. Ein Viadukt und fünf Eisenbahntunnel bei Ahrweiler waren erforderlich, um 100 Höhenmeter bis hinab zur Ahrtalbahn zu bewältigen. Einige Tunnel wurden gesprengt oder dienen heute als Materiallager.

Zwischen 1960 und 1972, während des "Kalten Krieges", wurde unter Einbeziehung zweier Tunnelröhren der Strecke der Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit (AdVB) (Regierungsbunker) bei Ahrweiler errichtet. 1997 wurde der Bunker aufgegeben und bis 2006 größtenteils entkernt. Heute ist dort die Dokumentationsstätte Regierungsbunker untergebracht.

Die Tunnelportale und Streckenabschnitte zeigt die Bildkollektion unten.

Bei Rech sollte die Strecke von der Ahrtalbahn abzweigen. Der Bahndamm ist heute noch zu erkennen, ebenso die linke Stützwand am ehemaligen Zugang zum Herrenbergtunnel. Das Tunnelportal wurde gesprengt. Auch der nordöstlich gelegene Tunnelausgang ist heute verschüttet. Auf dem kleinen Foto markiert die rote Linie den Verlauf der Bahngleise. An ihrem tiefsten Punkt mündeten sie in den Berg. Weiter nördlich führte die Strecke in den Sonderbergtunnel. Er wird heute als Lager genutzt. Das obere Bild zeigt das Südportal. Der Bahndamm wurde abgetragen, Mauerreste der ehemaligen Straßenunterführung umschließen einen kleinen Weinberg. Wenige Meter vom Nordportal entfernt sichern alte hochaufragende Mauerbögen, auf dem Foto nicht zu sehen, die Trasse.

Die alten Portale des Trotzenbergtunnels und des Kuxbergtunnels wichen den Sicherungsanlagen für den Regierungsbunker. Das ehemalige Ostportal des Kuxbergtunnel ist heute der Eingang der Dokumentationsstätte. Auf dem Foto ist er von Bäumen verdeckt. Der Weg verläuft auf der alten Bahntrasse vom Westeingang des Silberbergtunnels zum Kuxbergtunnel. Auch dieses Portal wurde gesprengt.

Das Ostportal des Silberbergtunnels blieb erhalten. Von hier sollten Züge das Adenbachtal überqueren. Lediglich die Pfeiler des Viadukts wurden errichtet. Die Trasse führte auf der anderen Seite Tals rechts entlang des Hügels und schwenkte nach Norden Richtung Ringen.

(Siehe Text)

Weblinks

 Commons: Strategischer Bahndamm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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