Städteschnellverkehr

Städteschnellverkehr

Der Städteschnellverkehr war eine Bezeichnung für besondere Schnellzugverbindungen der Deutschen Reichsbahn (DR) im Verkehr zwischen Ost-Berlin und wichtigen anderen Städten der DDR. Das 1960 eingeführte Angebot wurde ab 1976 durch den Städteexpress ergänzt und teilweise ersetzt. Im Mai 1989 wurde der Städteschnellverkehr als Angebotsbezeichnung abgeschafft.

Geschichte

Im Oktober 1960 führte die DR einen Städteschnellverkehr ein, der die Hauptstadt der DDR, Berlin, mit einer Reihe von weiteren großen Städten in der DDR verband. Gegenüber den meisten normalen D-Zügen hatten diese Züge weniger Halte und geringere Fahrzeiten.

In den Kursbüchern tauchte die Bezeichnung Städteschnellverkehr für diese Züge erst Ende der 1960er Jahre auf. Etwa zeitgleich stellte die DR ihr Zugnummernssystem um. Die Züge des Städteschnellverkehrs erhielten dreistellige Nummern im Bereich von 100 bis 199. Die Züge fuhren meistens entweder frühmorgens und trafen zwischen 8 und 10 Uhr in Berlin oder an den anderen Zielorten ein, oder am späten Nachmittag mit Ankunft am Abend.

Im Einzelnen verkehrten 1975 folgende Züge, alle Züge verkehrten dabei täglich:[1]

Zugnummer Zuglauf Verkehrszeit
D 100 GeraZeitzLeipzigFlughafen Berlin SchönefeldBerlin Schöneweide morgens
D 106 Leipzig – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin-Lichtenberg abends
D 107 Berlin-Schöneweide – Flughafen Berlin Schönefeld – Leipzig – Zeitz – Gera abends
D 120 Berlin-Lichtenberg – OranienburgWaren (Müritz)Rostock morgens
D 121 Rostock – Waren (Müritz) – Oranienburg – Berlin-Lichtenberg morgens
D 126 Berlin Ostbahnhof – Oranienburg – Waren (Müritz) – Rostock abends
D 127 Rostock – Neustrelitz – Oranienburg – Berlin-Ostbahnhof nachmittags
D 150 MeiningenSuhlErfurtHalle – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin Lichtenberg morgens
D 151 Berlin Schöneweide – Flughafen Berlin Schönefeld – Halle – Erfurt morgens
D 156 Erfurt – Halle – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin Schöneweide abends
D 157 Berlin Schöneweide – Flughafen Berlin Schönefeld – Halle – Erfurt – Arnstadt – Suhl – Meininigen abends
D 170 Dresden Hbf.Dresden-Neustadt – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin Ostbahnhof morgens
D 171 Berlin Ostbahnhof – Flughafen Berlin Schönefeld – Dresden-Neustadt – Dresden Hbf. morgens
D 176 Dresden Hbf. – Dresden Neustadt – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin Ostbahnhof abends
D 177 Berlin Ostbahnhof – Flughafen Berlin Schönefeld – Dresden-Neustadt – Dresden Hbf. abends

Teilweise wechselten die Berliner Haltebahnhöfe (Lichtenberg, Ostbahnhof und Schöneweide) im Laufe der Zeit, die Züge in Richtung Süden hielten zudem in Flughafen Berlin-Schönefeld. Außer in Dresden (Halte in Hauptbahnhof und Neustadt) hielten die Züge ansonsten nur in den jeweiligen Hauptbahnhöfen.

Im Jahre 1975 wurde ein neues Produkt, der Städteexpress eingeführt. Ein Teil der Züge des Städteschnellverkehrs wurde durch die neuen Städteexpresszüge ersetzt, ein Teil blieb weiterhin im Angebot. Da der bisherige Zugnummernbereich von den Städteexpresszügen belegt wurde, erhielten die Städteschnellverkehrszüge Nummern im Bereich zwischen 1000 und 1099.

Während die Städteexpresszüge stets morgens nach Berlin und am späten Nachmittag zurückfuhren, verkehrten die Städteschnellverkehrszüge zu unterschiedlichen Zeiten. Teilweise (Richtung Dresden oder Rostock) fuhren sie morgens von Berlin und nachmittags oder abends zurück, teilweise (Richtung Meiningen–Erfurt oder Gera−Leipzig) etwa eine Stunde versetzt zu den Städteexpresszügen. Anders als die nur Montags bis Freitags verkehrenden Städteexpresszüge fuhren die des Städteschnellverkehrs meist täglich.

Im Jahre 1980 verkehrten folgende Züge des Städteschnellverkehrs:[2]

Zugnummer Zuglauf Verkehrszeit
D 1000 Gera – Zeitz – Leipzig – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin Ostbahnhof morgens
D 1007 Berlin Ostbahnhof – Flughafen Berlin Schönefeld – Leipzig – Zeitz – Gera abends
D 1020 Berlin-Lichtenberg – Oranienburg – Neustrelitz – Waren (Müritz) – Rostock morgens
D 1027 Rostock – Neustrelitz – Oranienburg – Berlin-Ostbahnhof nachmittags
D 1050 Meiningen – Suhl – Erfurt – Weimar – Halle – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin-Schöneweide morgens
D 1051 Berlin-Lichtenberg – Flughafen Berlin Schönefeld – Halle – Weimar – Erfurt abends
D 1056 Erfurt – Weimar – Halle – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin-Lichtenberg abends
D 1057 Berlin-Schöneweide – Flughafen Berlin Schönefeld – Halle – Weimar – Erfurt – Suhl – Meininigen abends
D 1066 Leipzig – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin-Lichtenberg abends
D 1071 Berlin-Schöneweide – Flughafen Berlin Schönefeld – Dresden-Neustadt – Dresden Hbf. morgens
D 1076 Dresden Hbf. – Dresden Neustadt – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin-Schöneweide abends

Im Unterschied zum expresszugzuschlagpflichtigen Städteexpress waren die Züge des Städteschnellverkehrs zum normalen D-Zug-Zuschlag benutzbar; die Fahrzeiten beider unterschieden sich jedoch kaum. Die Städteschnellverkehrszüge verkehrten mit den üblichen D-Zug-Wagen ohne besonderes Design. Sie führten manchmal einen Speisewagen, meistens einen Buffetwagen.

Mit der Erweiterung des Städteexpressangebotes um Züge, die morgens Berlin verließen und nachmittags zurückfuhren, wurde die Zahl der Städteschnellverkehrszüge weiter reduziert. 1988/89 fuhren noch folgende Städteschnellverkehrszüge:[3]

Zugnummer Zuglauf Verkehrszeit
D 1000 Gera – Zeitz – Leipzig – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin-Baumschulenweg morgens
D 1007 Berlin Hauptbahnhof – Flughafen Berlin Schönefeld – Leipzig – Zeitz – Gera abends
D 1020 Berlin-Lichtenberg – Oranienburg – Neustrelitz – Waren (Müritz) – Rostock morgens
D 1027 Rostock – Neustrelitz – Oranienburg – Berlin-Lichtenberg nachmittags
D 1050 Meiningen – Arnstadt – Suhl – Erfurt – Weimar – Halle – Flughafen Berlin Schönefeld – Berlin-Lichtenberg morgens, im Sommer tgl, im Winter Mo–Sa
D 1057 Berlin-Schöneweide – Flughafen Berlin Schönefeld – Halle – Weimar – Erfurt – Arnstadt – Suhl – Meininigen abends, im Sommer tgl, im Winter außer Sa

Noch vor der politischen Wende wurde zum Fahrplanwechsel im Mai 1989 die Bezeichnung Städteschnellverkehr abgeschafft und die Züge ins normale Angebot der Deutschen Reichsbahn integriert. Sie bekamen dabei auch andere Zugnummern.[4]

Literatur

  • Georg Thielmann, Peter Knaack: Schnelle Züge nach Berlin: die Geschichte der ‚Paradezüge‘ der DR 1960–1990. Städteschnellverkehr und Städteexpreß. Wachsenburg-Verlag, Arnstadt 2004, ISBN 3-935795-08-4
  • Erich Preuß: Der Städte-Express der Deutschen Reichsbahn, 1. Auflage, transpress Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-71222-9

Einzelnachweise

  1. Deutsche Reichsbahn, Kursbuch Sommerfahrplan 1975
  2. Deutsche Reichsbahn, Kursbuch Sommerfahrplan 1980
  3. Deutsche Reichsbahn, Kursbuch Jahresfahrplan 1988/89
  4. Deutsche Reichsbahn, Kursbuch Jahresfahrplan 1989/90

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См. также в других словарях:

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