Swidnica


Swidnica
Świdnica
Wappen von Świdnica
Świdnica (Polen)
DEC
Świdnica
Świdnica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Świdnica
Fläche: 21,76 km²
Geographische Lage: 50° 51′ N, 16° 29′ O50.8516.4833333333337Koordinaten: 50° 51′ 0″ N, 16° 29′ 0″ O
Höhe: 204 m n.p.m
Einwohner: 60.157 (30. Juni 2007[1])
Postleitzahl: 58-100 bis 58-106
Kfz-Kennzeichen: DSW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E261 Kamienna GóraBreslau
Schienenweg: Jelenia GóraKrakau
KatowiceLegnica
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Verwaltung (Stand: 2007)
Stadtpräsident: Wojciech Murdzek
Adresse: ul. Armii Krajowej 49
58-100 Świdnica
Webpräsenz: www.um.swidnica.pl

Świdnica [ɕfʲiˈdɲiʦa] (deutsch Schweidnitz, tschechisch Svídnice) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien im Südwesten Polens. Sie liegt rund 50 Kilometer südwestlich von Breslau in einem fruchtbaren Tal zwischen dem Zobten- und dem Eulengebirge an der Weistritz. Świdnica ist ehemaliger Hauptort des Herzogtums Schweidnitz-Jauer, beheimatet die seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörende Friedenskirche und ist seit 2004 Sitz einer katholischen Diözese.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste sichere urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1249 aus einem Dokument einer Stiftung für eine Kirche des Franziskanerordens; nicht ganz sicher ist die Erwähnung in einer Urkunde von 1243. Die älteste Urkunde, in der Schweidnitz als Stadt bezeichnet wurde, stammt aus dem Jahre 1267. Sie war von 1291 bis 1392 Residenz des Herzogtums Schweidnitz-Jauer, regiert von einer Nebenlinie der schlesischen Piasten. Durch die Heirat der Erbnichte Bolkos II. († 1368), des letzten Schweidnitzer Piasten, Anna von Schweidnitz-Jauer mit Karl IV. aus dem Hause Luxemburg, fiel die Stadt mit dem Herzogtum endgültig 1392 (Tod von Bolkos Witwe Agnes) an die Krone Böhmens. Dort verblieb sie auch als Erbfürstentum, als nach dem Tode Ludwigs II. bei Mohács 1526 die Habsburger die böhmische Krone erbten, bis zum Übergang an Preußen 1741/63. Wohlstand und Bedeutung des Gemeinwesens wuchsen rasch, und Schweidnitz wurde zur wichtigsten Stadt Schlesiens nach Breslau. Diese Stellung beendete der Dreißigjährige Krieg mit seinen schrecklichen Folgen.

Sie wurde 1632 von den Schweden unter Torstensson und 1741 von den Preußen erobert, 1757 von den Österreichern unter Nádasdy wieder genommen. Im folgenden Jahr von den Preußen zwar zurückerobert, fiel die Stadt 1761 durch Handstreich den Österreichern abermals in die Hände. Von den Preußen 1762 nach hartnäckiger Verteidigung wiedererobert, blieb sie in deren Gewalt und wurde durch vier detachierte Forts bedeutend verstärkt. 1807 bemächtigten sich ihrer die Franzosen, welche die Außenwerke schleiften. Nach Napoleons I. Sturz den Preußen wieder übergeben, wurde sie 1816 wiederhergestellt, später aber entfestigt.

Durch die Industrialisierung der Stadt, die 1844 nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie nach Breslau begann, wurde Schweidnitz zur zweitreichsten Stadt Schlesiens nach Breslau. Die ehemaligen Festungswerke sind seit 1868 abgetragen und in die Stadt umschließende Grünanlagen umgewandelt. Die Stadt Schweidnitz bildete seit dem 1. April 1899 einen eigenen Stadtkreis, blieb aber weiterhin Sitz des Landrates für den Landkreis Schweidnitz. Zum 1. Oktober 1938 wurde das Stadtgebiet durch Eingliederung von Teilen der Gemeinden Kroischwitz, Nieder-Bögendorf und Schönbrunn aus dem Landkreis Schweidnitz vergrößert. 1945 kam die im Zweiten Weltkrieg kaum zerstörte Stadt unter polnische Verwaltung, die deutschen Bewohner wurden zum größten Teil vertrieben.

Schweidnitz hatte vor 1945 zwei evangelische und zwei katholische Kirchen, ein altes Rathaus und 23.669 Einwohner (1885), darunter 8.852 Katholiken und 358 Juden. 1939 zählte sie (einschließlich der Garnison) ca. 39.000 Einwohner.

Die katholische Pfarrkirche St. Stanislaus und Wenzel

Die evangelische Friedenskirche „Zur heiligen Dreifaltigkeit“ (pl. Kościół Pokoju pw. Świętej Trójcy) in Świdnica gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Schlesien. Sie befindet sich seit dem Jahr 2001 auf der Weltkulturerbe-Liste der UNESCO und gilt als die größte Fachwerkkirche in Europa.

Am 25. März 2004 wurde Świdnica Sitz eines eigenen Bistums, das dem Erzbistum Breslau als Suffragan untergeordnet ist. Die Stadtpfarrkirche des heiligen Wenzel wurde somit zur Kathedrale.

Wappen

Blasonierung: Geviert, im ersten und vierten schwarzen Feld eine goldene Krone, im zweiten in Silber ein roter Greif, im dritten in Silber ein linkshin springender schwarzer Eber.

Bis zum Jahre 1492 besaß Schweidnitz zwei Stadtwappen. Den roten Greif kennt man seit 1284. Er war ein altes Stadtsiegelbild. Und das etwas jüngere, seit 1335 auf Schöffensiegeln bekannte, schwarze Eberschwein. Es spielt auf den Ortsnamen an. Beide galten als gleichberechtigt. Am 29. November 1492 gestattete König Vladislav II. von Böhmen der Stadt Schweidnitz, auf deren Begehren, eine Krone hinzuzufügen. Die Schweidnitzer vereinigten beide Wappen mit der Krone zum heute bekannten Stadtwappen.

Wirtschaft

Schweidnitzer Altstadt

Schweidnitz war schon im 19. Jahrhundert eine bedeutende Industriestadt. Hier hatte auch die damals weithin bekannte Orgelbaufirma Schlag und Söhne ihren Sitz, die u. a. 1888 die Orgel der alten Berliner Philharmonie baute. Heute ist vor allem die elektrotechnische Industrie vorherrschend (Messgeräte, Stromzähler). Daneben gibt es Betriebe für Gerüst- und Steigtechnik, Möbelherstellung, Lederverarbeitung, Druck- und Textilindustrie. Nach 1990 haben auch ausländische Investoren Zulieferbetriebe für die Automobilindustrie in Schweidnitz gegründet (Autoelektrik, Bezugsstoffe).

Die restaurierte Altstadt

Partnerstädte

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Thomas Stoltzer (ca. 1480-1526), deutscher Komponist
  • Hieronymus Treutler (1565–?), Jurist
  • Maria Cunitz (Cunitia), Tochter des Schweidnitzer Arztes Dr. Heinrich Kunitz († Liegnitz 1629). Markt 8. Berühmteste Astronomin des Barock. * 1604(?) Wohlau, † 1664 Pitschen. Hauptwerk: URANIA PROPITIA.
  • Gottfried Hahn (1622-1695), Pastor prim., Friedenskirche, hielt dort 3337 Predigten
  • Sigismund Hahn, Dr. med. et phil., (1664-1742), Leibarzt des polnischen Prinzen Jakob Sobieski, Begründer der Wasserheilkunde in Deutschland
  • Johann Gottfried Hahn, ab 1748 von Hahn, Dr. med., (1694-1753), Magister, erster Dekan des Breslauer Collegii Medici, Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Naturforscher in Halle
  • Johann Siegmund Hahn, Dr. med., (1696-1773), Verfasser des Buchs (Originaltitel): "Unterricht von Krafft und Würckung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen (…)", das zur Grundlage der Kneipp-Kur wurde
  • Benjamin Schmolck, Kirchenliederdichter, ab 1702 Diakon und von 1714 bis zu seinem Tod 1737 Oberhofprediger in Schweidnitz
  • Johann Gottlieb Janitsch (1708–ca. 1763), deutscher Komponist
  • George August Kunowski (1757-1838), Pastor Primarius und Superintendent der Friedenskirche von 1796 bis 1838, Ehrenbürger
  • Robert Kretschmer (1818 - 1872), deutscher Maler und Zeichner
  • Paul von Kulmiz (1836-1895), deutscher Großindustrieller und Politiker
  • Georg Beer (1865-1946), Theologe und Hochschullehrer der Deutschen Christen
  • Emil Krebs, Legationsrat, geb. 15. November 1867 in Freiburg/Krs. Schweidnitz. Berühmt als „Sprachwunder“.
  • Ferdinand Friedensburg (1886–1972), deutscher Politiker
  • Manfred Freiherr von Richthofen, (1892-1918) bekannt als Der Rote Baron oder „Der rote Kampfflieger“ (geb. in Breslau, im Alter von 9 Jahren zog er jedoch mit seiner Familie nach Schweidnitz)
  • Peter Adolf Thiessen (1899–1990), Chemiker
  • Heinz Starke (1911–2001), deutscher Politiker, Bundesfinanzminister 1961-1962
  • Georg Gärtner (*1920), deutscher Soldat, war 40 Jahre auf der Flucht vor dem FBI.
  • Armin Müller (1928–2005) deutscher Schriftsteller und Maler des siebenten Tages. 2004 (wenige Monate vor seinem Tode) zum Ehrenbürger der Stadt Świdnica ernannt.
  • Norbert Scholl (*1931), deutscher römisch-katholischer Theologe und Autor
  • Gunther Gebel-Williams (1934–2001), Tiertrainer
  • Hans-Jürgen Otto (* 1935), deutscher Forstwissenschaftler und Forstbeamter
  • Manfred Kanther (* 1939), deutscher Politiker
  • Erwin Peterek, Gründer der Schweidnitzer Theatergruppe „Neues Deutschland/Nowe Niemcy“
  • Bartosz Huzarski (* 1980), Radrennfahrer

Gemeinde

Die Landgemeinde Świdnica umfasst ein Gebiet von 208 km², auf denen 15.170 Einwohner (2005) leben. Die Stadt Świdnica ist nicht Teil der Landgemeinde, sondern bildete eine eigenständige Stadtgemeinde. Dazu gehören folgende 33 Schulzenämter:

Bojanice (Ludwigsdorf), Boleścin (Pilzen), Burkatów (Burkersdorf), Bystrzyca Dolna (Nieder Weistritz), Bystrzyca Górna (Ober Weistritz), Gogołów (Goglau), Grodziszcze (Gräditz, bis 1930: Königlich Gräditz), Jagodnik (Grunau-Jakobsdorf), Jakubów (Jakobsdorf), Komorów (Cammerau), Krzczonów (Weiß Kirschdorf), Krzyżowa (Kreisau), Lubachów (Breitenhain), Lutomia Dolna (Nieder Leutmannsdorf), Lutomia Górna (Ober Leutmannsdorf), Makowice (Schwengfeld), Miłochów (Nieder Giersdorf), Modliszów (Hohgiersdorf), Mokrzeszów (Kunzendorf), Niegoszów (Nitschendorf), Opoczka (Esdorf), Panków (Penkendorf), Pogorzała (Seifersdorf), Pszenno (Weizenrodau), Słotwina (Schönbrunn), Stachowice (Groß Friedrichsfelde), Sulisławice (Zülzendorf), Wieruszów (Wierischau), Wilków (Wilkau), Wiśniowa (Roth Kirschdorf), Witoszów Dolny (Nieder Bögendorf), Witoszów Górny (Ober Bögendorf) und Zawiszów (Säbischdorf).

Siehe auch

Literatur

  • Friedrich Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz, Schweidnitz 1846–1848 (2 Bände)
  • Heinrich Schubert: Bilder aus der Geschichte der Stadt Schweidnitz, Schweidnitz 1911
  • Wilhelm Schirrmann: Chronik der Stadt Schweidnitz, Schweidnitz ca. 1908
  • Hermann Hoffmann: Die Jesuiten in Schweidnitz, Schweidnitz 1930
  • Theo Johannes Mann: Geschichte der Stadt Schweidnitz – Ein Gang durch 700 Jahre deutscher Kultur in Schlesien, Reutlingen 1985
  • Werner Bein / Dr. Ulrich Schmilewski (Hg.): Schweidnitz im Wandel der Zeiten, Würzburg 1990
  • Horst Adler: Schweidnitz in alten Ansichten, Zaltbommel 1990f.
  • Erwin Peterek: Die Roten Stiefel, 1996

Weblinks

Fußnoten

  1. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007

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