Swidwin

Swidwin
Świdwin
Wappen von Świdwin
Świdwin (Polen)
DEC
Świdwin
Świdwin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Świdwin
Fläche: 22,51 km²
Geographische Lage: 53° 46′ N, 15° 47′ O53.76666666666715.7833333333337Koordinaten: 53° 46′ 0″ N, 15° 47′ 0″ O
Einwohner: 15.498 (30. Juni 2008[1])
Postleitzahl: 78-300 bis 78-301
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZSD
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 151: Świdwin–Gorzów Wielkopolski
DW 152: PłotyBuślary
DW 162: Drawsko PomorskieKołobrzeg
Schienenweg: PKP-Linie Nr. 202: Stargard SzczecińskiGdynia
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jan Owsiak
Adresse: Plac Konstytucji 3 Maja 1
78-300 Świdwin
Webpräsenz: www.swidwin.pl

Świdwin (deutsch Schivelbein) ist eine Kreisstadt in Hinterpommern, heute in der polnischen Woiwodschaft Westpommern gelegen. Sie hat etwa 15.000 Einwohner und ist Verwaltungssitz einer Landgemeinde (gmina wiejska) mit über 6.000 Bewohnern.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Lage des Ortes

Der Ort liegt am linken Ufer des Flusses Rega im Zentrum der Woiwodschaft Westpommern und an den nordwestlichen Ausläufern der Pommerschen Schweiz. Im Norden erstreckt sich ein großes Waldgebiet mit dem 176 m hohen Kłorowka (Klorberg). Stettin ist etwa 100 km entfernt, die Ostsee bei Kołobrzeg (Kolberg) erreicht man nach 44 km. Świdwin liegt an der Bahnlinie (Stargard SzczecińskiKoszalin–(Gdynia) (PKP-Kursbuch: Linie 202).

Geschichte

Ehe Schivelbein infolge des Zweiten Weltkrieges Teil Polens wurde, hatte es in seiner fast siebenhundertjährigen Geschichte mehrmals seine herrschaftliche Zugehörigkeit gewechselt. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts gehörte das Gebiet um Schivelbein zum Einflussbereich des pommerschen Herzogs Barnim I. Im Jahre 1248 übereignete der Herzog einen Teil seines Landes, zu dem auch das Schivelbeiner Gebiet gehörte, an den Bischof Hermann von Cammin. Zur gleichen Zeit bemühten sich die brandenburgischen Markgrafen, die von ihnen beherrschte Neumark nach Norden auszudehnen. So kam es dazu, dass der Camminer Bischof schon zwanzig Jahre später das Schivelbeiner Gebiet an die Brandenburger weiterverkaufte. 1319 erwarb die Familie Wedell die Stadt Schivelbein, musste sie aber, nachdem sie verarmt war, 1384 an den Deutschen Ritterorden abtreten. Nach einem erneuten Verkauf 1455 kam die Stadt dann wieder nach Brandenburg, und danach dauerte es dann gut 360 Jahre, ehe Schivelbein nach der preußischen Verwaltungsreform von 1816 wieder zu Pommern kam. Dort war es dann zunächst Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, ehe es nach einer abermaligen Gebietsreform in den Landkreis Belgard eingegliedert wurde.

Anhand eines Siegels, das die Jahreszahl 1296 trägt, ist belegt, dass Schivelbein zu dieser Zeit bereits als Stadt existierte. Seine Geschicke wurden von einem von der Bürgerschaft gewählten Rat geleitet. Es muss der Stadt wirtschaftlich gut gegangen sein, denn in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden eine massive Stadtbefestigung und die Marienkirche errichtet. Nach der Übernahme durch den Deutschen Orden verschlechterten sich jedoch die Verhältnisse. Der Orden war nicht in der Lage, die Stadt vor den dauernden Überfällen der Raubritter zu schützen, sodass sich die Bürger an den brandenburgischen Kurfürsten um Hilfe wandten. So kam es dazu, dass Schivelbein 1455 wieder unter brandenburgische Herrschaft kam. Die ungünstige Lage, das Schivelbeiner Land war von drei Seiten von Pommern eingegrenzt, beeinträchtigte den Handel allerdings weiterhin, doch herrschte wenigstens über 150 Jahre Frieden. Die Bevölkerungszahl nahm deutlich zu, und mit den schließlich 74 entstandenen Brauereien entwickelte sich Schivelbein zu einer der bedeutendsten Braustädte der Region. Stadtbrände verhinderten jedoch immer wieder ein weiteres Aufstreben, so zerstörte 1619 ein Feuer die gesamte Innenstadt samt Kirche. Noch schwerer traf es die Stadt im Dreißigjährigen Krieg. Sie geriet zwischen die Fronten der schwedischen und kaiserlichen Truppen, und im Kampf um das Schivelbeiner Schloss ging die Stadt in Flammen auf. Mit dem Komtur Georg von Winterfeld flüchteten viele Bürger nach Polen, und am Ende des Krieges waren von ehemals etwa 250 Wohnhäusern noch höchstens 30 übrig. Nach der erfolgten Beseitigung der Kriegsschäden, verwüstete 1689 ein Brand die Stadt. Der Wiederaufbau mit Hilfe durch den brandenburgischen Kurfürsten und später durch König Friedrich Wilhelm I. wurde erst gegen 1720 abgeschlossen. Zu dieser Zeit lebten um die 500 Menschen in der Stadt.

ehemalige Synagoge
Schloss
Schloss

Mit der strukturellen Erholung Schivelbeins entwickelten sich auch Handel und Gewerbe positiv. Die Tuchmacher wurden zur führenden Zunft, gefolgt von den Schuhmachern. Schon zur Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Bevölkerungszahl verdoppelt. Erneute Rückschläge kamen mit dem Siebenjährigen Krieg durch russische Besetzung und den napoleonischen Kriegen mit französischen Truppen in der Stadt. Durch geschicktes Finanzgebaren des Schivelbeiner Magistrates, der unter anderem große Teile des städtischen Landbesitzes verkaufte, konnte nach 1815 die Weiterentwicklung der Stadt vorangetrieben werden. Die bisher einer Ausbreitung der Stadt in Wege gestandenen Befestigungsanlagen wurden abgetragen und es entstanden neue Siedlungsgebiete. Innerhalb von fünfzig Jahren verfünffachte sich die Bevölkerungszahl auf über 5.000 Einwohner (1875: 5.638). War Schivelbein bisher überwiegend eine Ackerbürgerstadt gewesen, verlagerte sich der Schwerpunkt nun zu einem pulsierenden Handelsplatz. Dazu trugen auch der Bau der neuen Chaussee nach Stargard bei, der 1848 abgeschlossen war, sowie der Bahnanschluss, der 1859 erfolgte. Eine Bereicherung für die Stadt war die Gründung der Landwirtschaftsschule, die im Jahre 1877 erfolgte. Der Erste Weltkrieg richtete in Schivelbein keine Schäden an, und 1925 hatte sich die Zahl der Einwohner auf 8.428 erhöht. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gab es nochmals eine Steigerung auf 9.726 (1939). Anfang 1945 begaben sich die Einwohner Schivelbeins vor den anrückenden sowjetischen Truppen auf die Flucht. Infolge der Kampfhandlung wurde fast die gesamte Innenstadt zerstört, nur das Schloss, die Stadtkirche und das Steintor blieben verschont. Nachdem die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt wurde, zogen in die unbeschädigten Häuser der Außenbezirke polnische und ukrainische Zuwanderer ein, die aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. 1946 erhielt die Stadt den neuen Namen Świdwin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde die frühere Altstadt zum größten Teil mit Plattenbauten neubebaut – nur wenige Bürgerhäuser blieben erhalten. Dagegen wurden die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt wiederhergestellt.

  • Die Marienkirche ist eine dreischiffige Backsteinbasilika aus dem 14. Jahrhundert, die 1947–1950 mit schlichtem Pyramidenturmhelm wiederaufgebaut wurde.
  • Das frühmittelalterliche Schloss mit seinem aus Findlingen gebauten Hauptgebäude sowie das Steintor sind weitere Beispiele der Backsteingotik.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Rudolf Virchow (1821–1902), deutscher Pathologe und Politiker
  • Otto Georg Bogislaf von Glasenapp (1853–1928), deutscher Beamter, Vizepräsident der Reichsbank
  • Walter Zechlin (1879–1962), deutscher Diplomat, Pressechef der Reichsregierung von 1925 bis 1932
  • Erich Zechlin (1883–1954), deutscher Diplomat, Gesandter in Kowno (1933), später in Helsinki
  • Johannes Poeppel (1921–2007), deutscher General, Inspekteur des Heeres

Gmina Świdwin

Wappen der Gmina Świdwin
Lage der Gmina Świdwin im Powiat

Die Stadt Świdwin ist Verwaltungssitz der Landgemeinde (gmina wiejska) Świdwin, gehört ihr als eigenständige Stadtgemeinde jedoch nicht an. Die Gmina Świdwin umfasst eine Fläche von 247,34 km² um die Stadt Świdwin mit 6.156 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2008)[1]

Gemeindegliederung

Die Gmina gliedert sich in folgende 18 Schulzenämter:

Diesen Schulzenämtern sind weitere, kleinere Orte zugeordnet:

  • Bedlno, Blizno, Bystrzynka, Czarnolesie (Kielmhof), Dobrowola (Louisenthal), Głuszkowo (Holzkathen), Gola Dolna (Nieder Göhle), Gola Górna (Ober Göhle), Grądzkie (Langenhaken), Karpno (Kolanushof), Kartlewo (Kartlow), Kawczyno, Klępczewo (Klemzow), Kluczkówko, Kłośniki (Hinterfeld), Kowanowo (Schönfeld), Krasna (Fischersruh), Kunowo (Kuhnow), Lipce (Liepz), Miłobrzegi (Friedensburg), Nowy Przybysław (Neu Pribslaff), Przybyradz (Bullenberg), Przymiarki (Ankerholz), Psary (Stadthof), Rogalinko (Schäferei), Rycerzewko (Neu Ritzerow), Śliwno (Fülgen), Wierzbnica, Ząbrowo (Semerow) u.a.

Partnergemeinde

  • Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern.

Verweise

Literatur

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Sändig Reprint Verlag, Vaduz 1996 (unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1865), ISBN 3253027341, S. 341-345, online.
  • Werner Reinhold: Chroik der Städte Belgard, Polzin und Schivelbein und der zu den beiden Kreisen gehörenden Dörfer. Schivelbein 1862, 224 Seiten.

Siehe auch

Weblinks

Fußnoten

  1. a b Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2008

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