Symbolisches


Symbolisches

Das Symbolische (oder auch die symbolische Ordnung, die Ordnung des Symbolischen) ist ein Begriff des Psychoanalytikers Jacques Lacan und bezeichnet eine der drei Strukturbestimmungen des Psychismus. Anders als das bildhafte Imaginäre und das stumme Reale ist das Symbolische die Ordnung der Sprache und des Diskurses.

Inhaltsverzeichnis

Sprache

Das Symbolische besteht aus Signifikanten, die zu Signifikaten in einer wohlgeordneten Beziehung stehen (vgl. auch Ferdinand de Saussures Sprachtheorie). Das Symbolische ist die Ordnung der Sprache und des Diskurses, jedoch auch die Ordnung der Macht und des „Gesetzes des Vaters“ (Name-des-Vaters), welche wiederum selbst eine sprachliche Ordnung ist. Das Symbolische hängt insofern mit dem Begriff des großen Anderen zusammen.

Der große Andere

Die erste Verkörperung des Symbolischen ist die Mutter; sie ist ein „großer anderer Wille“, der spricht und der das Kind in die Ordnung der Sprache und des Sozialen einführt. Noch mehr gilt dies für den Vater, der im Ödipuskonflikt die verbietende Rolle des Gesetzes einnimmt (Inzesttabu, Kastrationsdrohung), das Kind aus dem ödipalen Begehren herausdrängt und zur außerfamiliären, sozialen Welt hin orientiert.

In der Gesellschaft gilt das Gesetz des Symbolischen, d.h. das Gesetz der Sprache, der sozialen Normen und des ökonomischen Tauschs (vgl. auch Reziprozität). Das Symbolische ist in diesem Sinne gleichzusetzen mit der Ordnung der Sprache, des Diskurses, der staatlichen Herrschaft und der Ökonomie sowie dem „Gesetz des Vaters“ („Name-des-Vaters“). Sie bilden gleichermaßen eine symbolische Herrschaftsordnung, die das Subjekt unterwirft (sub-jectum = Unterworfenes) und strukturiert. „Was jedes Subjekt zuerst in seinem Leben antrifft, sind Signifikanten.“ (Peter Widmer, Subversion des Begehrens S. 43)

Der Mangel im großen Anderen

Wie alles im Universum Lacans, hat auch das Symbolische einen Mangel, ist unvollständig: "Der Sinn erweckt den Anschein, als gehörten Signifikanten und Signifikat zusammen. Es bleibt aber ein Rest, der sich dem Sinn entzieht. Diese fehlende vollständige Zuordnung ermöglicht das Gleiten der Signifikate unter den Signifikanten, was zu der Feststellung führt, daß der Sinn nie erschöpft, nie vollkommen ist. Darum ist eine Rede, eine Schrift nie für immer abgeschlossen. Darin zeigt sich ein grundsätzlicher Mangel." (Widmer, Subversion des Begehrens, S. 47)

Die symbolische Ordnung kann nicht das Reale als solches symbolisieren, obwohl gerade das Reale der Ort ist, auf den die Signifikanten verweisen. Die symbolische Ordnung, der große Andere, ist deshalb immer unvollständig, löchrig, und deshalb gebarrt/durchgestrichen. Lacans Mathem für diese Unvollständigkeit ist S (A).

Die Dominanz des Symbolischen

Auch das Unbewusste unterliegt der Struktur des Symbolischen: "Das Unbewusste ist wie eine Sprache strukturiert." (Seminar XI. Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse, S. 26) Das Symbolische ist daher die dominante der drei Strukturbestimmungen des Psychischen (auch das Imaginäre ist immer schon symbolisch überformt), und auch jener Bereich, der in der psychoanalytischen Behandlung die zentrale Rolle spielt, die ja wesentlich eine Form der Heilung durch Sprache ist (vgl. Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse, in: Schriften III, S. 71-169)

Siehe auch

Literatur

  • Jacques Lacan: Seminar XI. Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse (1964), Berlin/Weinheim: Quadriga 1996
  • Dylan Evans: Wörterbuch der Lacanschen Psychoanalyse, Wien: Turia + Kant 2002
  • Peter Widmer, Subversion des Begehrens. Jacques Lacan oder Die zweite Revolution der Psychoanalyse, Frankfurt a.M.: Fischer 1990 (Neuauflage: Subversion des Begehrens. Eine Einführung in Jacques Lacans Werk, Wien: Turia + Kant 1997, ISBN 3851321502)

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Symbolisches Kapital — ist ein von Pierre Bourdieu geprägter soziologischer Begriff. Als Zeichen gesellschaftlicher Anerkennung und sozialer Macht bzw. sozialer Gewalt verleiht das symbolische Kapital Prestige, Reputation, Ehrenzeichen, Privilegien und Positionen. Dies …   Deutsch Wikipedia

  • symbolisches Rechnen — simbolinis skaičiavimas statusas T sritis automatika atitikmenys: angl. symbolic calculus; symbolic computation vok. symbolisches Rechnen, n rus. символьное вычисление, n pranc. calcul symbolique, m; computation symbolique, f …   Automatikos terminų žodynas

  • August Emil Fieldorf — Symbolisches Grab auf dem Powązki Friedhof in Warschau August Emil Fieldorf (* 20. März 1895 in Krakau; † 24. Februar 1953 in Warschau) war stellvertretender Kommandant der Polnischen Heimatarmee während des Zweiten Weltkrieges …   Deutsch Wikipedia

  • Kapital (Soziologie) — Kapital ist ein Begriff, der in den Wirtschaftswissenschaften, der Soziologie, aber auch in der Umgangssprache unterschiedlich verwendet wird. Inhaltsverzeichnis 1 Kapital in der Volkswirtschaftslehre 1.1 Kapital in der Volkswirtschaftlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Kapital — ist ein Begriff, der in den Wirtschaftswissenschaften, der Soziologie, aber auch in der Umgangssprache unterschiedlich verwendet wird. Inhaltsverzeichnis 1 Etymologie 2 Kapital in der Volkswirtschaftslehre 2.1 Kapital in der Volkswirtsc …   Deutsch Wikipedia

  • Symbolische Bücher — Symbolische Bücher, Schriften, in welchen die Glaubenssätze u. das Glaubensbekenntniß einer Kirche enthalten sind. I. Entstehung der S.B. Schon in der ältesten Kirche bildete sich auf Grund der apostolischen Lehre eine Glaubensregel, an welche… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Viehwaggon — ist ein umgangssprachlicher Begriff für einen Eisenbahnwagen zum Tiertransport. Vieh wurde und wird in der Regel in gedeckten oder offenen Güterwagen befördert.[1] Gedeckte Güterwagen, die im allgemein für den Transport von… …   Deutsch Wikipedia

  • Interpersonale Kommunikation — Als Teil der sozialen Interaktion wird die zwischenmenschliche bzw. interpersonelle Kommunikation verstanden, welche aus soziologischer Sicht äußerlich sichtbare wechselseitige Aufeinanderwirken zwischen Individuen zum Zwecke der Abstimmung des… …   Deutsch Wikipedia

  • Interpersonelle Kommunikation — Als Teil der sozialen Interaktion wird die zwischenmenschliche bzw. interpersonelle Kommunikation verstanden, welche aus soziologischer Sicht äußerlich sichtbare wechselseitige Aufeinanderwirken zwischen Individuen zum Zwecke der Abstimmung des… …   Deutsch Wikipedia

  • Kommunikation (Soziologie) — Als Teil der sozialen Interaktion wird die zwischenmenschliche bzw. interpersonelle Kommunikation verstanden, welche aus soziologischer Sicht äußerlich sichtbare wechselseitige Aufeinanderwirken zwischen Individuen zum Zwecke der Abstimmung des… …   Deutsch Wikipedia